Eckernförde: Busfahrer gegen Radfahrer

Radfahrer sind für viele Mitmenschen immer der Unfallverursacher. Sind sie bei rot gefahren und verunglückt, dann ist das klar. Sind sie bei grün gefahren und verunglückt, dann haben sie „auf ihr Recht gepocht“ und darauf hingearbeitet, dass in ihrem Grabstein steht: „Ich war im Recht“.

Auf die Spitze getrieben wird diese Denkweise in der Eckernförder Zeitung, die zwei Busfahrer zu Wort kommen lässt.  Zu den vielen Unfällen am Eckernförder ZOB befragt, gibt Stefan Kreutzer vom Busunternehmen „Der Riesebyer“ folgendes von sich:

„Viele Radfahrer pochen auf die Vorfahrt, die ihnen der Radweg einräumt.“

Der Radweg am ZOB scheint mehrere Meter von der Fahrbahn abgesetzt zu sein, so dass dort aus dem ZOB einfahrende Busse den vorfahrtberechtigten Radweg blockieren müssen, um auf den fließenden Verkehr zu warten. Nach normalem Menschenverstand eine saudumme Kreuzungsgestaltung, nach Kreutzer hingegen alleinige Schuld der Radfahrer, die einfach mal zehn Sekunden warten könnten, statt so zu fahren, wie es die STVO dort vorgibt.

Stefan Kreutzer über die Radfahrer, die nicht warten: „Es nützt ja niemandem etwas, wenn er zwar Vorfahrt hatte, aber trotzdem am Ende unterm Bus liegt.“ Genau, denn wenn einer Vorfahrt hatte und der andere nicht – oder in jeder anderen Unfallsituation – ist immer Schuld: Der Radfahrer.

Bis hierhin sind das alltägliche Äußerungen von motorisierten Mitbürgern, die unumwunden zugeben, anderen ab und zu die Vorfahrt zu nehmen und diesen die Schuld geben. Kreutzer hat sogar das Ordnungsamt angeschrieben und darum gebeten, entweder Hinweise auf die Gefahrensituation, Drängelgitter zur Verringerung der Geschwindigkeit der Radfahrer oder gar eine Neugestaltung des Platzes vorzunehmen. Nur die eigene Geschwindigkeit zu verringern und damit selbst auf die erkannte Gefahrensituation einzugehen, das ginge dann wohl doch zu weit.

Eckernförder Zeitung: „Busfahrer warnt: Radfahrer leben gefährlich“ (20.10.2015)

Gefunden auf rad[irr]wege.

Immer dieser Schilderwald

Ein häufig zu hörender Kritikpunkt an der aktuellen Verkehrsgestaltung ist der Vorwurf des zu komplizierten Schilderwaldes. Werden Fernsehsendungen oder Zeitungsartikel dazu dann konkret, offenbart sich oft ein erschreckendes Ausmaß an Unwissen der Verkehrsteilnehmer. So musste der damalige Verkehrsminister Peter Ramsauer in einer „Hart aber fair“-Sendung zugeben, einfache Schilderkombinationen nicht nachvollziehen zu können, er nannte das Lesen der beispielhaft gezeigten Verkehrszeichen gar „Sterndeuterei“.

Interessant ist auch eine Mex-Sendung vom 29.10.2014. Die zeigt als Beispiele für komplizierte Schilder Einbahnstraßen mit Radfahrerfreigabe oder das Aufheben einer Tempo-30-Zone mit anschließender Tempo-30-Anordnung.

Neben einigen nachvollziehbaren Fällen widersprüchlicher oder schwer nachvollziehbarer Beschilderung kommt in Minute 1:58 das Beispiel einer Ausschilderung zum Parken. Ein „Absolutes Halteverbot“ (Z283) ist kombiniert mit einem Schild „Parken längs ganz auf rechtem Gehweg“ (Z 315-65). Eine redundante Ausschilderung, denn das eine Schild verbietet das Parken auf der Fahrbahn, das andere erlaubt es auf dem Gehweg. Befragte Autofahrer zeigen sich vollkommen hilflos: „Das geht eigentlich überhaupt gar nicht“, aber „ich weiss, dass ich hier parken darf, also mehr gefühlsmäßig“.

Der Verkehrsanwalt des ACE, Peter Sermond, zieht denn auch eine erschreckende Bilanz: „Der Anteil der Autofahrer, die überhaupt nicht mehr auf Schilder achten, ist unglaublich hoch, viele Autofahrer […] blenden Schilder komplett aus.“ Das wiederum will so gar nicht zu der medial immer wieder behaupteten besonderen Regeltreue von Autofahrern passen, die sich angeblich so viel besser als alle anderen Verkehrsteilnehmer benehmen. Vielmehr klingt es nach weit verbreitete Regeluntreue, für das man den Verkehrsbehörden die Schuld in die Schuhe schieben will.

Es gibt manchmal fehlerhafte oder widersprüchliche Ausschilderung, aber die STVO und ihre Verkehrszeichen sind prinzipiell so gestaltet, dass sie erfassbar und verständlich sind. Vollkommen ohne Zusatzschilder (z.B. Radfahrer frei, 3,5 Tonnen o.ä.) geht es aber nunmal nicht und die Vergabe des Führerscheins sollte wohl stärker an der Verständnisfähigkeit der Verkehrsteilnehmer orientiert werden. Wer gerade mal Symbole aus einem Baby-Bilderbuch versteht, gefährdet sich und andere!

ARD Mediathek, Mex-Sendung vom 29.10.2014: „Verirrt im Schilderwald“

BGH Urteil zur „Helmpflicht durch die Hintertür“

Heute, am Dienstag den 17.6.2014 urteilte der Bundesgerichtshof in der Revision zu einem Urteil des OLG Schleswig-Holstein.

In dem beschriebenen Fall wurde einer Radfahrerin, die in einen „dooring“ Unfall verwickelt war, aufgrund fehlenden Fahrradhelmes eine Teilschuld zugesprochen.Es ging mit Hilfe des ADFC in Revision, heute haben wir nun ein Urteil.Im Vorfeld des Revisionsurteils wurde oft von Helmpflicht gesprochen und die entsprechenden Debatten kursierten wild.

Die Presse berichtet :

Die Entscheidung einen Helm zu tragen oder nicht, bleibt also weiterhin jedem selbst überlassen.

Update:

Kernsatz aus der Pressemitteilung des BGH: „Für Radfahrer ist das Tragen eines Schutzhelms nicht vorgeschrieben.“ Einschränkend sagt der BGH, dass einem Geschädigten auch ohne einen Verstoß gegen Vorschriften haftungsrechtlich ein Mitverschulden anzulasten sein kann, wenn das Helmtragen allgemeinem Verkehrsbewusstsein entspricht. Elf Prozent Helmträger unter den Radfahrern sind aber (noch) nicht allgemeines Verkehrsbewusstsein.

BGH: Kein Mitverschulden wegen Nichttragens eines Fahrradhelms

Rechtsabbiegeunfall auf der Prenzlauer Promenade.

Die Morgenpost berichtet heute Morgen von einem tödlichen (bislang unbestätigt) Rechtsabbiegeunfall auf der Prenzlauer Promenade mit LKW Beteiligung.

Anscheinend kam es bei einem Abbiegemanöver in die Ostseestraße zu dem Unfall.

Die Kreuzung sieht in Streetview so aus : Link

Kommt es mir nur so vor, oder haben wir dieses Jahr mehr tödliche Unfälle von Fahrradfahrern in den Medien als letztes Jahr?

In den Polizeimeldungen findet man den Unfall (noch) nicht.

Hier der Link zum Artikel.

Nachtrag, der Tagesspiegel schreibt, der Verunfallte ist nicht in Lebensgefahr Link

Wie ein Radfahrer einen Unfall verursacht (Update)

Die „Berliner Zeitung“ hat heute ein besonderes Schmankerl parat: Einer ihrer Autoren ist mit Frontscheibenkamera Auto gefahren und hat dabei einen Fahrradunfall beobachtet und fotografiert. Der begleitende Text liest sich erst einmal, als handele es sich bei dem Verunglückten um einen lebensmüden Chaoten:

Ein Radfahrer fährt rechts neben der Fahrbahn. Plötzlich entschließt er sich, zwischen den Autos hindurch die Fahrbahn von rechts nach links zu überqueren.

Der Artikel vergisst aber zu erwähnen, was man aus den Fotos eindeutig ersehen kann (nach Sichtung des Videos am 5.3. wurde die Ablaufdarstellung angepasst):

  • Der Radfahrer kommt von rechts aus der Winterfeldtstraße und will die Martin-Luther-Straße überqueren.
  • Der Radfahrer nutzt eine kleine Standphase, um die Fahrbahn zu überqueren. In dem Moment fließt der Verkehr langsam wieder los. Das Auto vor dem Fotografen muss kurz auf den Radfahrer warten und kann nicht gleich anfahren.
  • Der Radfahrer passiert das Auto und kommt nun in die dritte Fahrspur. Hier wird er von einem Mercedes erfasst.

Eine böse Fehleinschätzung des Radfahrers, keine Frage. Aber eben auch kein suizidales Fehlverhalten, das einen schadenfrohen Selbst-Schuld-Fingerzeig rechtfertigt.

In einem Böse-Radfahrer-Artikel darf die 50%-Angabe nicht fehlen, schließlich verursachen ca. 50% der Radfahrer ihre Unfälle selbst. So steht es jährlich in der polizeilichen Unfallstatistik für Berlin. Diese Zahl wird von Medien gerne in einem Kontext genutzt, der Radfahrer als Rowdies darstellt. Dabei würde sie nüchtern betrachtet nur aussagen, dass Radfahrer sich nicht besser oder schlechter benehmen als andere Verkehrsteilnehmer auch. Die Angabe hat einige Schönheitsfehler: So fließen Alleinunfälle und Unfälle zwischen Radfahrern dort mit ein und ziehen die Zahl nach oben. Folglich steigt der Unfallverursacheranteil mit der Verkehrsbeteiligung.

Übrigens wird die Zahl seit einigen Jahren auch für Kfz und Lkw angegeben. So verursachten laut Berliner Polizei im letzten Jahr 70,91% der Kfz-Fahrer ihre Unfälle selbst. Streng genommen sind es noch einige mehr, weil hier auch Unfälle ohne Kfz-Beteiligung mit einfließen. Die Zahl klingt dramatisch, ist aber genauso unbrauchbar wie die 50%-Angabe für Radfahrer. Wäre der Kfz-Anteil (oder der Fahrradanteil) geringer, so würden auch die jeweiligen Verursachungswerte fallen.

Noch eine kleine Beruhigung: Dem Radfahrer ist auf den ersten Blick nichts weiteres passiert.

Berliner Zeitung (Fotos): Wie ein Radfahrer einen Unfall verursacht, 4.3.2014

Berliner Morgenpost (Video): Wie Radfahrer sich und andere im Straßenverkehr gefährden, 5.3.2014

Unfallstelle in Google Maps

BVG-Bus streift Radfahrerin

Aus der Pressemitteilung der Polizei #2692 Link

„Eine Radfahrerin hat gestern schwere Verletzungen bei der Kollision mit einem BVG-Bus in Neukölln erlitten. Der Bus streifte die 30-jährige Frau gegen 16 Uhr auf der Wildenbruchbrücke, wodurch sie zu Fall kam. Sie musste in einem Krankenhaus stationär behandelt werden.“

Wer die Strecke regelmäßig fährt oder andere Neuköllner Straßen entlang der Buslinien erleben darf, wird sich fragen, ob das nicht öfter passiert, ohne Erwähnung von der Polizei zu finden.
Ich wüsste gern, was die BVG vor hat, um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden, man darf bei Berufskraftfahrern mit Personenbeförderungserlaubnis davon ausgehen, dass sie stets gut geschult und mit kühlem Kopf im Straßenverkehr unterwegs sind.

Hier die Stelle auf Streetview:

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Ich wünsche der Radfahrerin gute Besserung und hoffe, dass die BVG diesen Vorfall zum Anlass nimmt nochmal nachzuschulen.

Angela Merkel in ihrem Videopodcast zur „Stärkung des Radverkehrs“ anlässlich der Eurobike 2013

Wenn ein politisches Schwergewicht wie Frau Merkel sich zum Radverkehr äußert, sollte man als interessierter Radfahrer schon aufmerken, gerade in Wahlkampfzeiten könnte da Interessantes geäußert werden.

Link zur Mediathek der Kanzlerin, Transkript hier

In ihrem Videopodcast vom Samstag, den 24.8.13, anlässlich der anstehenden Eröffnung der Eurobike lässt sich Frau Merkel von einer als „Studentin“ angeführten Frau Klussmann ganz wunderbar mit Suggestivfragen durchs Programm leiten.

Was harmlos beginnt mit ein paar Allgemeinplätzen wie:

„[…] dass Fahrradfahren an sich eine ganz wichtige Form der Fortbewegung geworden ist. Nicht nur im Urlaub, sondern auch in der täglichen Mobilität, bei der Überwindung von Distanzen zwischen Wohnort und Arbeitsort. […]“
geht über eine kurze „selbst Schuld“ Spitze in Richtung der Unfallopfer:

„Es ist wichtig, weil es eben eine sehr umweltfreundliche Form der Fortbewegung ist. Nebenbei gesagt, auch noch eine, die die eigene Gesundheit unterstützt – wenn man sich vernünftig im Straßenverkehr verhält.“
in ein wenig Radfahrerbashing über, wunderbar von Frau Klussmann via unterstellender Frage „Fahrradfahrer schaffen sich oft ihre eigenen Verkehrsregeln. Wie kann man dem entgegenwirken?“ Wohlgemerkt vermeidet Frau Merkel den verbrannten Ausdruck, sie hat eben Agitprop gelernt im Gegensatz zu Stammtischlern wie Herrn Ramsauer.

Die Antwort darauf liest sich wie fast alles von Frau Merkel: sowohl als auch, alle müssen, Bußgelder erhöht.

Das hat ja in der Vergangenheit schon sehr gut geholfen tödliche Rechtsabbiegeunfälle zu vermeiden.

Das wiederholte erwähnen von Radwegen und den ach so hohen Summen, die dafür fließen (wann wurde denn das letzte mal von Millionen und nicht Milliarden gesprochen, wenn es um Ausgaben geht?) zeigt auch hier, dass Kommunal-, Landes- und Bundespolitik nicht miteinander reden, was die Ziele des Radverkehrsplans angeht und deren zeitgemäße und sichere Umsetzung.

Apropos Radverkehrsplan, die Ausgaben für den Nationalen Radverkehrsplan (NVRP) wurden von 2010 bis 2013 halbiert, nachzulesen  hier  in einer kleinen Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Frühjahr letzten Jahres.

Alles in allem bleibt bei mir die Frage, habe ich etwas anderes erwartet von einer konservativen Kanzlerin? Eigentlich nicht…
Ein wenig Wellen in den Medien hat es auch schon geschlagen, zum Beispiel beim Spiegel Online .

*Disclaimer: Die politischen Ansichten in diesem Artikel sind nur die des Autors und lassen nicht auf die der anderen Autoren oder der Radspannerei schließen.*

„Radfahrer übersehen“

Wie ich diese Formulierung und auch die Häufigkeit der Unfälle mit Fahrradbeteiligung in letzter Zeit verabscheue…

Heute schreibt die Polizei in ihrer Pressemitteilung #1466 „Radfahrer Übersehen – Reinickendorf“
Hier kann man die Kreuzung auf Google maps sehen

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Ich finde die Kreuzung eigentlich ganz übersichtlich, wer einen entgegenkommenden Radfahrer beim Abbiegen übersieht hat ggf. Probleme mit der Aufmerksamkeit, oder wie seht ihr das ?

Ich wünsche dem Radfahrer gute Besserung!

Auffahrunfall auf der Kleiststraße

Am Montagabend ist es dann tatsächlich passiert. Eine Radfahrerin, die auf der Kleiststraße Richtung Nollendorfplatz fuhr, wurde von einem Auto von hinten erwischt. Wie unwahrscheinlich diese Unfallart ist, obwohl sie zu einer der großen Angstvorstellungen der Leute gehört, die den Mischverkehr meiden, wurde kürzlich in unseren Kommentaren diskutiert.

Ich wünsche der Radfahrerin gute Besserung!

Presselinks:

Pressestelle der Berliner Polizei

Tagesspiegel 

„Hart aber fair“ diskutiert über Radfahrer

Die gestrige Sendung „Hart aber fair“ befasste sich mit dem Thema „Blitzer, Steuern, City-Maut – freie Fahrt nur für reiche Bürger?“

Selbstverständlich durfte der Themenkomplex „böse Radfahrer“ da nicht fehlen und brachte so manch erstaunliches an den Tag. Moderator Frank Plasberg leitete das Thema (ab Minute 51) mit der Erkenntnis ein, dass sich manche Radfahrer aus ihrer „moralischen Überlegenheit“ heraus nicht an die Gesetze des Straßenverkehrs gebunden fühlen.

Heidi Hetzer (Auto Hetzer) gab an, richtig Angst vor den Radfahrern zu haben. Diese „erlauben sich alles und sind so frech“, als Beispiele nennt sie fehlendes Licht, dunkle Kleidung und die Aufhebung der Benutzungspflicht am Kaiserdamm. Wenig später gibt sie an, wegen ihres Punktestandes in Flensburg eine Nachschulung zu machen, um Punkte abzubauen und für spätere Vergehen „Luft nach oben“ zu haben. Stell Dir vor, ein Verkehrsrowdy schimpft über Radfahrer und keiner merkts …

Verkehrsminister Ramsauer arbeitet nach eigenen Angaben seit Jahren daran, dass Radfahren sicherer wird und „auch Radfahrer“ sich an die Regeln halten.  Leider sei die Entwicklung so, dass die Fahrradunfälle mit Verletzten und Toten in den Städten anwachsen, weshalb man daran arbeiten müsse, dass die „moralische Überlegenheit“ in den Griff bekommen wird. Herr Ramsauer macht also weiterhin alleine Radfahrer für Fahrradunfälle verantwortlich. Daher appelliert er an uns, dass eine Verkehrsregel eben auch für Radfahrer gilt.

Lustig wirds ab Minute 57. Herr Plasberg zeigt drei Verkehrszeichen, u.a. „Radfahrer kreuzen von rechts nach links“ – welches Frau Hetzer bisher noch nie gesehen hat. Kaum einer der diskutierenden Autofahrer kann alle Zeichen korrekt deuten, Ramsauer hält sich vornehm zurück und lässt erkennen, dass er ein Überholverbot für Lkw, Busse und Pkw mit Anhängern nicht verstanden hat.

Zu sehen in der Mediathek des WDR: http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/

Aktion(ismu)splan 2013 des Berliner Senats und der Polizei

Ich hab nicht schlecht gestaunt, als ich heute folgende Einleitung des Artikels lesen durfte.

„Der Senat will im Jahr 2013 mit einem neuen Verkehrssicherheitsprogramm die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten verringern – denn das erste Sicherheitsprogramm ist gescheitert. „

Erstmal Chapeau für das Eingestehen des Versagens bisheriger Politik, das ist ja irgendwie aus der Mode gekommen.

Dann gleich nochmal ein kräftiges Halleluja, der Herr hat Hirn geschenkt! Die Problematik des Mischverkehrs berliner façon und der konstant zugeparkten Radspuren müssen irgendwie zum Senat durchgedrungen sein.
Ich danke an dieser Stelle allen Aktiven und den Verbänden, die für Gehör für unsere Anliegen gesorgt haben.

Doch es wird noch viel besser:

„Noch im ersten Halbjahr will der Senat das neue, bis 2020 gültige Programm verabschieden. Folgende Ziele werden dort formuliert: Die Verkehrserziehung in den Schulen soll deutlich erhöht werden. … Die Polizei soll die Überwachung der Infrastruktur der Radler und Fußgänger intensivieren. Dies wird erleichtert durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung, die im April in Kraft treten wird. Künftig soll die Polizei auf zugeparkten Radspuren einschreiten, weil dies künftig automatisch als Gefährdung gewertet wird.“

Sollte dies tatsächlich bedeuten, dass die Polizei sich nicht mehr mit dem oft gehörten „Dafürsinwanichzuständich“ rausreden kann, wenn man sie auf zweite Reihe- und Radspurparker aufmerksam macht? Zumal so ein Brief von der Staatsanwaltschaft sicher für etwas mehr Reue sorgen dürfte, als die „üblichen“ Zahlungsbescheide bei Ordnungswiedrigkeiten.

Vielleicht bekommt man die Mitmenschen doch noch irgendwie zur Rücksichtnahme erzogen.Doch hier möchte ich mit dem Jubeln etwas warten, die Polzei wird nicht durch gute Vorsätze allein die Mittel haben, öfter den Verkehr zu kontrollieren.

Und die Bescherung geht direkt weiter!

Bei der Polizei gibt es den Plan, eine eigene Fahrradstaffel aufzustellen. Diese Beamten sollen ausschließlich mit dem Rad unterwegs sein. Als Vorbild wird Hamburg genannt. Ganz allgemein wird im neuen Sicherheitspaket formuliert, dass die Verkehrsmoral stark verbesserungsbedürftig ist, mit Kampagnen soll um mehr Rücksicht geworben werden.“

Ich habe keine Erfahrungen mit der Hamburger Fahrradstaffel, und ich wage zu bezweifeln, das die Polizei das Vorhaben vor 2014 in die Tat umsetzt.
Polizei auf dem Rad, das kann doch eigentlich nur gut sein.

Korrekte Schulung aller Kollegen vorausgesetzt, vielleicht wird so in Zukunft weniger auf die vermeintliche Benutzungspflicht und ach so große Sicherheit nicht benutzungpflichtiger Radwege hingewiesen. Ein wenig Sensibilisierung der Polizei für die Ängste und Sorgen der Radfahrer in unserer Stadt ist sicherlich hilfreicher und auch bei den Radfahrern beliebter als Licht&Reflektorkontrolle mit Sofortkasse.

Die Gefahr, dass die Polizeiaktion, die Ursprünglich für die vermehrte Sicherheit der Radfahrer gedacht war, im Endeffekt nur zur Kontrolle eben dieser genutzt wird, besteht natürlich, doch ich will hier zuversichtlich sein. Warten wir ab und meckern dann, wenn es die Radstaffel irgendwann mal gibt.

Mir bleibt allein die große Sorge, dass die guten Vorsätze des Senats und der Polizei so enden,wie die meisten guten Vorsätze, die zu Jahresbeginn gefasst werden.

Bis zum Sommer ist alles wieder beim Alten…

Artkel beim Tagesspiegel lesen : Verkehrsunfälle:Neues Sicherheitskonzept soll Fußgänger und Radler schützen

Schranken an der Fahrradampel?

Heute früh flatterte mir dieser wahrscheinlich vorgezogene Artikel zum 1. April zu.

Kann eine Schranke Rot-Radler stoppen? – via BZ-Berlin

Zu den Unfallzahlen kann sicher einer der Statistik firmen Kommentatoren etwas sagen, mich würde vor allem interessieren, wie man bei einem Unfall unzweideutig feststellt, dass ein überfahrenes Rotlicht zum Unfall geführt hat und wie diese Zahlen beim motorisierten Verkehr aussehen. Allgemein scheinen mir 180 verursachte Unfälle nicht den Aufwand der Schranken zu rechtfertigen, da gibt es sicherlich Unfallursachen weiter oben in den Top 10.

Eine Forderung nach Schranken an allen Ampeln der Stadt hörte ich bislang auch nicht, auch wenn das die ein oder andere Kreuzung in Berlin sicher entspannen würde.

Rotlichtvergehen sind ja auch für Besitzer eines Nummernschildes ein Kavaliersdelikt.
Interessant finde ich jedenfalls, dass nach Herrn Lüdeke die Stadt Berlin mal eben mindestens 450.000 € (ich zweifle einfach mal pro forma an den Kosten eines Bauprojektes, die vorab genannt werden) für Schranken ausgeben solle, Berlin hat es ja, wie wir alle wissen, richtig dicke. Einen Teil des Radverkehrsbudgets, das für 2012 nochmal gesenkt wurde, lässt sich also nach der FDP problemlos für Schranken ausgeben.

Wie einfach so eine Maßnahme, wenn sie einen straßenbegleitenden Radweg absperren, umgangen werden kann, sollte Herrn Lüdecke eigentlich klar sein. Zumal die Leute, die ein Rotlicht ignorieren, sicherlich auch notfalls eine Schranke umfahren würden.

Für mich ist das ein klarer Fall vom Versuch der Behandlung der falschen Symptome, oder mag es hier im Endeffekt garnicht um die Verkehrssicherheit in der Stadt gehen?

Was klicke ich auf einen B.Z.-Link, was erwarte ich von der Springerpresse? Ich finde den Einblick in die Köpfe der Herren Lüdecke und Marrach dennoch interessant.

Also, was haltet ihr von der Idee?

Nordhäuser Polizei: Waghalsige Aktionen von Radfahrern

In der Thüringer Allgemeinen wird der Unfall eines 15-jährigen, der von einem ausfahrenden Fahrzeug angefahren wurde, zum Anlass genommen, auf die waghalsigen Aktionen der Radfahrer in Nordhausen hinzuweisen. Demnach haben ausparkende Autofahrer oft „keine Chance“, herannahende Radfahrer zu sehen. Und außerdem:

„So sind laut Polizei auf der Stolberger Straße häufig Pedalritter auf dem Radfahrstreifen stadteinwärts unterwegs und scheinen nicht zu ahnen, wie gefährlich das ist. […] Eine weitere Unsitte sei es, Zebrastreifen und ampelgeregelte Fußgängerüberwege mit dem Rad zu benutzen.“

Thüringer Allgemeine: Waghalsige Aktionen von Radfahrern, 27.9.2012

Gefunden in de.rec.fahrrad

Wie begleitet man Kinder beim Radfahren?

Der Tagesspiegel wirft eine interessante Frage auf – wie begleitet man Kinder beim Radfahren?

Kinder bis zum 8. Lebensjahr müssen und Kinder bis zum 10. Lebensjahr dürfen Gehwege benutzen. Das schließt eine Benutzung der Fahrbahn oder von Radwegen aus, die wiederum den begleitenden Erwachsenen vorgeschrieben ist. Streng genommen müssten die Erwachsenen auf der Fahrbahn oder dem Radweg fahren und sich dort einerseits auf den Verkehr konzentrieren und andererseits das Kind beaufsichtigen und im Ernstfall eingreifen. Da das nicht möglich ist, könnten sie sich im Falle eines Unfalls eine Verletzung ihrer Aufsichtspflicht vorwerfen lassen.

Der Gesetzgeber hält sich bedeckt – auch in der ab 2013 gültigen STVO kommt das Thema nicht vor. Und so hat man weiterhin die Wahl zwischen drei unbefriedigenden Alternativen – der regelwidrigen Begleitung des Kindes auf dem Gehweg, der Aufsichtspflicht verletzenden Nutzung der Fahrbahn oder dem völligen Verzicht auf das gemeinsame Radfahren mit Kindern, das in der Gesetzeslandschaft irgendwie vergessen wurde.

Tagesspiegel 26.8.2012: Nur nicht in die Quere kommen

Unfallrisiko Kopfhörer?

Schon oft haben wir über Vorstöße berichtet, die das Unfallrisiko durch Kopfhörer mit Verboten beseitigen wollten. Im Januar 2012 behauptete das ZDF-Magazin „heute“, dass die Fußgängerunfälle durch das Tragen von Kopfhörern zunehmen würden. AutoVerkehrsminister Ramsauer polemisierte im selben Monat: „Mit lauter Musik schlafwandeln sie über Straßen und Bahnsteige„. Ja, sehr gefährlich, die ständigen Bahnsteigunfälle.

Ein neuer Vorstoß für ein Verbot von Kopfhörern für Fußgänger und Radfahrer kommt nun von der MDR Umschau. Auch hier behauptet man unter dem ausdrücklichen Hinweis auf fehlende gesicherte Zahlen (!), dass Unfälle, die von Fußgängern oder Radfahrern mit Kopfhörern verursacht werden, zunehmen würden. Man stützt sich dabei auf Protokolle der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), nach denen Gefahrenbremsungen von Straßenbahnen wegen Kopfhörerträgern zunehmen.

Nach Aussagen einer Wissenschaftlerin kommt es dabei nicht auf die Lautstärke an. Auch leise Musik hätte die Reaktionszeit von Probanden in einer Studie um etwa 20% erhöht. Der MDR zieht daraus seine Schlüsse: Aus der Gruppe von Autofahrern, Motorradfahrern, Radfahrern und Fußgängern greife man die beiden letztgenannten heraus und verbiete ihnen die Musik während der Fortbewegung. Konsequent und logisch, oder?

Und da die aufgesetzte Krone bisher fehlt, lässt man noch Staatssekretär Mücke zu Wort kommen, der – sollte sich wirklich ein Problem darstellen – das Verkehrsministerium in der Pflicht sieht, eine Regelung zu schaffen. Genauso beherzt, wie man das bei anderen, in den Unfallursachen wirklich auftretenden Problemen, Stichwort „Rechtsabbieger“, tut?

MDR Umschau: Unfallrisiko Kopfhörer, 21.8.2012 (Kommentare ohne vorherige Registrierung möglich)