Spontan-Fahrrad-Kampfansage an die SPD – Demo heute 17:30

Vor fast zwei Jahren sind 105.425 Unterschriften für ein Radgesetz gesammelt worden. Eigentlich sollte das Radgesetz bis März 2017 verabschiedet werden. Tatsächlich sind schon letztes Jahr drei Termine gerissen worden, aber immerhin gab es einen im Konsens verhandelten Entwurf. Aus diesem steigt die SPD gerade aus, ein Jahr, nachdem wir die Verhandlungen abgeschlossen haben, aus billigen populistischen Gründen, sich der Minderheit der Autofahrer anbiedernd. Sie hat gestern die Behandlung im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses platzen lassen. Damit ist ein Beschluss vor der Sommerpause fast unmöglich geworden.

Warum sind wir sauer? Das Verhalten ist ein Affront gegen uns Bürgerinnen und Bürger, es ist nicht Hauptstadt-würdig. Greenpeace hat erst in dieser Woche gezeigt, dass Berlin auf dem jämmerlichen zehnten Platz von elf Plätzen unter Europas Metropolen liegt. Wir wollen keinen Monat länger hinnehmen, dass wir auf dem Rad bedrängt, beschimpft, verletzt oder getötet werden. Es ist wieder Zeit, die vergeht, bis endlich mehr Menschen durch sichere und attraktive Radwegs aufs Rad gelockt werden, um unsere Stadt lebenswerter zu machen und den schnellstmöglichsten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Ort: Leipziger Straße vor der Mall of Berlin / Apotheke am Leipziger Platz 12
Zeit: Heute, Donnerstag, 24. Mai 2018 um 17:30 Uhr

Initiert von Volksentscheid Fahrrad

Ride of Silence 2018

In weltweit 340 Städten wird am kommenden Mittwoch auf dem traditionellen Ride of Silence der im Straßenverkehr tödlich verunglückten Radfahrer gedacht. Allein in Berlin starben im vergangenen Jahr neun Radfahrer, in diesem Jahr sind es bereits drei. Zwei Drittel der Verkehrstoten in Berlin im Jahr 2017 waren Fußgängerinnen und Radfahrer – und das, obwohl sie nur an 5% aller Unfälle beteiligt waren.

Nach den Jahren 2015 bis 2017 gibt in Berlin den vierten Ride of Silence. Wie immer wird die Gedenkfahrt auf der Westseite des Brandenburger Tors gestartet und führt an den Unfallstellen vorbei, an denen die Radfahrer im vergangenen Jahr ihr Leben lassen mussten. Nach 26 Kilometern endet die Fahrt voraussichtlich um 22:00 Uhr vor dem Roten Rathaus.

Die Teilnehmenden des Ride of Silence fahren schweigend. Bitte respektiert den traurigen Anlass: Soundsysteme, Alkohol oder Partystimmung sind während der Demonstration nicht angebracht. Außerdem tragen die Teilnehmenden weiße oder helle Kleidung. Der ADFC Berlin bietet wieder weiße T-Shirts mit Logo an. Ihr könnt sie vor dem Start der Demonstration für 10 Euro erwerben.

Zeit: Mittwoch, 16. Mai 2018 um 19:00 Uhr
Ort: Brandenburger Tor (Westseite)

ADFC Berlin: Ride of Silence 2018

4. Internationales Lastenradrennen im Rahmen der Velo Berlin

Das Fahrradfestival Velo Berlin, das am Sonntag zuende ging, hat in diesem Jahr einen großen Sprung nach vorn gemacht. Es war sicher ein Risiko, die Messe an einen anderen Ort und auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen, aber im Nachherein zeigt sich, dass diese Entscheidung absolut richtig war. Der Flughafen Tempelhof hat bei Ausstellern und Besuchern voll eingeschlagen. Mehr als 16.000 Besucher informierten sich bei 276 Ausstellern über 500 ausgestellte Marken rund um das Fahrrad.

Das in die Velo Berlin integrierte International Cargo Bike Festival präsentierte unglaublich viele Neuigkeiten. Möglicherweise gab es in Europa noch nie eine Messe mit so einer Vielfalt von Angeboten und Lösungen im Lastenfahrradbereich. Diese Messe machte richtig Spaß.

Velo Berlin

Lastenradförderung in Berlin beginnt (und endet) in den nächsten Tagen

Lange war sie angekündigt, nun kommt sie wirklich, die Förderung von Transporträdern durch den Berliner Senat. Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: „Lastenräder werden immer beliebter im privaten und beruflichen Alltag. Die Transporträder sind praktisch, umweltfreundlich und eine preiswerte Alternative zum Auto in der Stadt. Mit Elektrounterstützung ist der Fahrspaß auch auf längeren Strecken und mit schwereren Lasten garantiert.“

Damit der Kauf eines Lastenrades für berufliche und private Zwecke noch attraktiver wird, fördert der Senat den Kauf von Cargo Bikes mit 200.000 Euro in diesem und 500.000 Euro im nächsten Jahr. E-Lastenräder sollen mit maximal 1.000 Euro gefördert werden und nicht elektrisch unterstützte Lastenfahrräder mit höchstens 500 Euro. Der Fördertopf dieses Jahres wird so aufgeteilt, dass 130.000 Euro für private Antragsteller und 70.000 für gewerbliche/freiberufliche Antragsteller vorbehalten sind.

Achtung: Es gilt das Windhund-Prinzip: wessen Antrag zuerst bewilligt wird, der kann sich die Förderung sichern. Auf der verlinkten Seite des Senats findet sich auch der gefettete Hinweis: „Details zum Förderprogramm Lastenrad folgen in den kommenden Tagen hier auf dieser Seite.“ Wenn Ihr sicher in die Förderung rutschen wollt, dann ruft am besten täglich die Senatsseite auf, denn wenn das Förderungslimit von 200.000 Euro erreicht ist, gibt es erst wieder Anfang 2019 die Möglichkeit, einen Zuschuss zu beantragen.

Senuvk: Berlin steigt um – Senat fördert Lastenräder

Netzwerk Fahrradfreundliches Friedrichshain-Kreuzberg

Ab Mittwoch gibt es auch in Friedrichshain-Kreuzberg eine Bezirksinitiative von Volksentscheid Fahrrad, damit das Mobilitätsgesetz auch in Xhain zügig umgesetzt wird. Bei der Auftaktveranstaltung Mitte der Woche haben sich die Initiatoren folgendes vorgenommen:
– Präsentation gelungener Projekte
– Input zu Wegen der Veränderung
– Sammeln von Projektvorschlägen
– Vernetzung von Initiativen und Nachbarn

Wenn auch du willst, dass die Verkehrswende schnell in unserem Bezirk ankommt, dann bist du am Mittwoch im Aquarium genau richtig.

Netzwerk Fahrradfreundliches Friedrichshain-Kreuzberg

Ort: Aquarium
Skalitzer Str. 6
10999 Berlin
Zeit: Mittwoch, 18. April 2018 um 19:00 Uhr

Berliner Fahrradstaffel fährt eBullit

Im Rahmen des Mobilitätsprojekts „Ich entlaste Städte“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat nun auch die Fahrradstaffel der Berliner Polizei vier Monate lang Gelegenheit, ein elektrounterstütztes Lastenrad zu testen. Die Entscheidung fiel auf das einspurige Long John eBullit des dänischen Herstellers Larry vs Harry mit einem Transportvolumen von 160 Litern. Mit dem Lastenrad sollen in Zukunft kleinere Einsatzmittel transportiert werden, ohne ein Polizei-Kfz nutzen zu müssen. Außerdem wird das Lastenrad mit Tretunterstützung als ‚mobiler Tresen‘ bei verschiedenen Veranstaltungen wie der Fahrradregistrierung eingesetzt.

Während der vorerst viermonatigen Testzeit führen die Verkehrsforscher des DLR Befragungen sowie Analysen der Fahrzeugbewegungen durch. Ziel der Wissenschaftler ist es, am Ende des Projekts eine fundierte Einschätzung abgeben zu können, wie das Lastenrad als gewerbliches Fahrzeug von der Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen angenommen wird.

DLR: Berliner Fahrradstaffel erhält Lastenrad vom DLR

Berlin baut angemessen breite Radwege

Heute hat die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr eine Pressemitteilung mit dem Titel“ Berlins Infrastruktur nachhaltig stärken“ veröffentlicht. Es handelt sich um eine Auflistung wesentlicher Infrastrukturprojekte, die in den Jahren ab 2018 abgearbeitet werden sollen: Brücken, Straßen, Gehwege und Wasserbauwerke, aber auch Radwege.

Konkret werden zwei Radwegprojekte in dem 37 Seiten langen Dokument genannt. So soll die Karl-Marx-Allee zwischen Otto-Braun-Straße und dem Strausberger Platz bis zum April 2020 für eine Summe von 13,2 Millionen Euro umgestaltet werden. Die Senatsverwaltung schreibt auf Seite 22: „Zu Gunsten der Neuanlage von beidseitigen Radfahrstreifen wird der vorhandene überbreite Mittelstreifen auf 10 m Breite reduziert. Verloren gehende Parkplätze werden in Randlage neu etabliert. Die Nebenanlagen einschließlich der Ausstattung (Beleuchtung, Möblierung) werden denkmalgerecht in Stand gesetzt. Zur Erhaltung der in den 60´er Jahren gepflanzten Linden erfolgen umfangreiche Qualitätsverbesserungen.“ Dazu wird die hier abgebildete Visualisierung gezeigt. Die Breite des geschützten Radwegs wird nicht genannt, aber ich schätze sie auf mindestens 2,5 Meter.

So breite und komfortable Radwege wünscht man sich auch auf anderen Straßen, auf denen das problemlos möglich ist: Unter den Linden, Straße des 17. Juni, Bismarckstraße, Otto-Suhr-Allee, Leipziger Straße usw.

Das zweite, vorgestellte Radwegprojekt scheint weniger ambitioniert zu sein. An der Herrstraße werden Rad- und Fußweg zwischen Freybrücke und Stößenseebrücke erneuert. In diesem Fall nennt der Senat die Breiten: „Grundsätzlich ist der Neubau eines 1,60 Meter breiten Rad- sowie eines 2 Meter breiten Gehweges (inkl. Mosaikstreifen) unter Berücksichtigung eines 1,20 Meter breiten Sicherheitstrennstreifens zwischen Fahrbahn und Radweg vorgesehen“ (Seite 27 des Dokuments).

Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Berlins Infrastruktur nachhaltig stärken.
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Berlins Infrastruktur zukunftssicher gestalten. (Infrastrukturprojekte)

Berliner Senat stellt Leitfaden für Leihräder auf

Wohl kaum eine andere Wirtschaftssparte hat sich in kurzer Zeit so dramatisch verändert wie der Leihfahrradmarkt. Im Juni 2016 beschloss der Senat, auf einen neuen Fahrradverleiher zu setzen. Statt Call a Bike sollte Nextbike der neue Betreiber des Berliner Fahrradverleihsystems werden. Gefordert waren mindestens 175 Stationen und mindestens 1.750 Räder. Das war dem Senat eine jährliche Förderung von einer Million Euro wert. Tatsächlich stelle Nextbike dann mehr Leihfahrräder (2.000) an viel mehr Stationen (700) auf die Straße. Bis Ende 2018 wird Nextbike 5.500 Räder an festen Stationen anbieten.

Zum Erstaunen aller verkündete der unterlegene Leihradanbieter Call a Bike der Deutschen Bahn, im Berliner Markt zu bleiben, auch ganz ohne staatliche Förderung. Weitere Anbieter kamen hinzu: Donkeybikes, MoBike, Obike. Und das ist noch nicht das Ende, denn weitere Verleiher haben bereits Interesse an einem Verleihgeschäft in Berlin angekündigt. Heute kann die Anzahl der Leihräder in Berlin nur geschätzt werden. Auf Basis der Angaben der großen Verleihunternehmen werden aktuell mindestens 16.000 Räder angeboten.

Verkehrssenatorin Regine Günther begrüßt prinzipiell Leihfahrräder, da sie vor allem in Kombination mit dem öffentlichen Nahverkehr ein sinnvoller Teil des Umweltverbundes sind. „Schwierig wird es, wenn die angebotene Zahl an Leihrädern ausufert. Dann müssen wir gegensteuern. Wir haben für die Bezirke einen Leitfaden mit Empfehlungen entwickelt, welche Anforderungen in der aktuellen Situation an das Abstellen dieser Leihräder zu stellen sind. Damit soll einem Wildwuchs entgegen gewirkt werden.“

Eine Maximalgrenze, wieviele Leihräder die Stadt verträgt, nennt Günther nicht, „wegen unterschiedlicher Straßenverhältnisse“. Aber besonders die stationsungebundenen Leihfahrräder könnten bald zur Schwemme werden. Deshalb stellt die Senatsverwaltung Regeln für Leihräder auf. Bis zu drei Leihfahrräder an einer Stelle gelten als Gemeingebrauch und müssen nicht genehmigt werden. Wer mehr Leihräder abstellt, braucht eine Sondernutzungserlaubnis.

Wichtig beim Abstellen von Leihrädern ist außerdem, dass keine Zugänge oder Ein- und Ausgänge zu Gebäuden oder U- und S-Bahneingängen einschließlich der Aufzüge versperrt werden. Das gilt auch für abgesenkte Bordsteine, die zum Passieren von Rollstuhlfahrenden wichtig sind. Die Benutzung von öffentlichen Fahrradabstellanlagen durch Anbieter oder Kunden stationsloser Fahrradverleihsysteme ist nicht gestattet. Eine komplette Liste von Einschränkungen für das Abstellen von Leihrädern ist auf der Webseite der Senatsverwaltung einsehbar. Anwohner werden aufgefordert, bei Verstößen die mobile App „Ordnungsamt-Online“ zu nutzen.

Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Pressemeldung Leihfahrräder in Berlin
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Leihfahrräder
Inforadio: Leihräder in Berlin: Problem oder Chance? (Interview mit Staatssekretär Kirchner)

geschichte der radspannerei

die schicksalhafte fahrt zu einer party in der berliner sonnenallee zwischen den jahren 1995. mein kumpel alex hatte eine junge frau im schlepptau und wir waren uns auf anhieb sympathisch. aber die nacht war kurz und die trampe auf der autobahn zurück nach bremerhaven war winterlich nasskalt. zurück in fishtown bekam ich post und meine neue bekannte von der party hatte mir tatsächlich eine karte zukommen lassen. neben herzlichsten grüßen war ein zweizeiler, ausgeschnitten aus der taz aufgeklebt:

„suche leute für fahrrad-projekt – thomas – tel. 693****“

und ich rief an. unser erstes treffen fand in einem café am erkelenzdam in kreuzberg statt. es trafen sich,- nachdem einige von uns zuerst am falschen tisch eines anderen projekts gelandet waren – doch alle interessenten und dann auch thomas.

das war anfangs eine bunte mischung aus studenten, angehenden ingenieuren, (lebens-) künstern, autisten und menschen in sozialen berufen. frauen waren erstmal nicht dabei.

von da an gab’s wöchentliche treffen, da thomas die anzeige mindestens 4 wochen lang laufen lassen wollte. einige sprangen ab, neue kamen hinzu. es kristallisierte sich dann doch heraus, daß wir eine konventionelle fahrrad-reparatur-werkstatt betreiben wollten. thomas war zu dem zeitpunkt gerade noch student und betrieb schon 6 jahre eine fahrradwerkstatt mit dem namen: „radspannerei“. er hatte diesen vom alten motorrad-speichen mechaniker müller geerbt. die werkstatt befand sich in einer remise am erkelenzdam 59.

den namen haben wir behalten und die ersten 3 monate auch noch an alter wirkungsstätte geschraubt. es ergab sich, daß in der admiralstraße 23, gleich um die ecke, ein kleines ladengeschäft frei wurde. wir bewarben uns und – zu unserer überraschung – entschied sich das hausprojekt für uns. dort lernten wir alles, was wir noch nicht konnten, um auch wirtschaftlich zu bestehen. dies geschah fließend. an wirkliche existenz hat in den ersten jahren noch niemand von uns gedacht. so gingen doch einige in ihre erlernten berufe – so auch thomas, der lehrer wurde in einem gymnasium in kreuzberg 61. die „radspannerei“ lief für diejenigen eher nebenbei. ich blieb und wurde hauptberuflich fahrrad- schrauber. des personal-karussell drehte sich weiter, thomas‘ sohn wurde geboren und andere schwerpunkte gesetzt.

thomas verließ die „radspannerei“ in den anfänglichen 2000er jahren ohne den kontakt gänzlich zu verlieren. so manches mal holte ich noch rat ein vor allem auch in technischen fragen. neben seinem theoretischen, ingenieurhaften wissen, war er auch ein begnadeter autodidakt.

noch ende 2017 kaufte er einen fahrradhelm in „seinem“ alten laden. wir wußten da nicht, daß es das letzte mal sein sollte, das wir uns sprachen.

thomas starb für alle unerwartet im januar 2018 – dem jahr, in dem er eigentlich hätte in pension gehen wollen, um mit seinem segelboot in see zu stechen.

es bleibt die lücke, die jede person hinterläßt, wenn sie geht. gern erinnern wir uns an den schalk in seinem nacken, die sympathische, ruhige überlegte und humorvolle art, die sein eigen war.

es vermisst ihn

das radspannerei – team

In der Linienstraße soll dem Radverkehr Vorrang eingeräumt werden

Die Linienstraße ist eine knapp zwei Kilometer lange Straße im Berliner Ortsteil Mitte und verläuft parallel zur verkehrsreichen Torstraße. Seit August 2008 ist die damals für 3,5 Mio. Euro umgebaute Linienstraße als Fahrradstraße freigegeben. Eine echte Fahrradstraße ist sie allerdings nicht. An jeder Kreuzung gilt Rechts vor Links und ein entspanntes Nebeneinanderfahren von Radfahrern ist angesichts des vielfach illegalen Kfz-Verkehrs ausgeschlossen. Das „Anlieger frei“-Schild wird von gefühlt 90 % aller Autofahrer ignoriert. Hinzu kommt, dass der Straßenquerschnitt wegen der beidseitigen Parkstreifen sehr eng ist.

Trotz ihrer Mängel wird die Linienstraße eifrig von radfahrern genutzt. Das Netzwerk Fahrradfreundliches Mitte führte im Juni 2017 eine Verkehrszählung auf der Linienstraße in der Zeit von 08:00 bis 09:00 Uhr durch. Ergebnis: Innerhalb einer Stunde wurden 1.942 Radfahrende und 92 Kfz gezählt. Gäbe es an der Linienstraße eine Radzählstelle, würde sie mit Leichtigkeit die „erfolgreichste“ automatische Dauerzählstelle für den Radverkehr an der Oberbaumbrücke übertreffen.

Nach langen Jahren der Stagnation kommt endlich Bewegung in die Umgestaltung der Linienstraße zu einer wirklichen Fahrradstraße. Die Bezirksverordnetenversammlung Mitte hat in der vergangenen Woche ein Paket zur Verbesserung der Linienstraße beschlossen. Sie wird durchgängig als Fahrradstraße ausgewiesen und als Vorfahrtstraße beschildert. Kreuzungen, an denen Radfahrer in Zukunft Vorrang haben, sollen rot markiert werden, um den Vorrang des Radverkehrs hervorzuheben. Ausgenommen von dieser Regelung sind die Rosa-Luxemburg- und Rosenthaler Straße, denn „der Antrag bezieht sich nicht auf solche Stellen, bei denen die Linienstraße überörtliche Hauptverkehrsstraßen in der Zuständigkeit der Verkehrslenkung Berlin (VLB) quert“.

Außerdem sollen abschnittsweise Einbahnstraßen für den Kfz-Verkehr eingerichtet werden, um den Kfz-Durchgangsverkehr wirksam zu unterbinden. Radfahrer erhalten eine „Radfahrer frei“-Regelung.

Die Bezirksverordneten wollen auch, dass auf der Mitte der Linienstraße ein 25 cm breiter grüner Strich aufgetragen wird, der den Charakter der Straße als Fahrradstraße betonen soll. Zitat Netzwerk Fahrradfreundliches Mitte: „Die grüne Markierung soll durch einen Breitstrich (RAL „Verkehrsgrün“, 25cm) erfolgen und die Fahrradstraße klar kennzeichnen. Durch die Visualisierung wird sichergestellt, dass Beginn und Ende der Fahrradstraße für alle Verkehrsteilnehmenden ersichtlich ist. Damit wird die Sicherheit der Radfahrenden erhöht und Nutzungskonflikte vermieden.“

Die Maßnahmen sollen schnellstmöglich umgesetzt und der Bezirksverordnetenversammlung Bericht erstattet werden. Dafür wird eine Frist bis zum 4. Mai 2018 gesetzt.

Bezirksverordnetenversammlung Mitte: Die Fahrradstr. Linienstr. sicherer machen und dem Fahrradverkehr Vorfahrt einräumen (pdf)
Netzwerk Fahrradfreundliche Mitte: Linienstraße – Fahrradstraße als Vorfahrtsstraße
Netzwerk Fahrradfreundliche Mitte: Baustein „Fahrradstraße als Vorfahrtstraße“ (pdf)

fLotte Berlin geht an den Start

Unter dem Namen „fLotte Berlin – powered by ADFC“ geht heute ein neues freies Lastenradverleihrojekt an den Start. Ziel ist es, Lastenräder an vielen verschiedenen Standorten in Berlin kostenlos verfügbar zu machen, damit die Menschen erleben, wie einfach Lastenräder zu fahren sind und wie sehr das Umsteigen Spaß macht. Mit jeder Lastenradtour geht unsere Stadt einen Schritt weiter in Richtung einer menschengerechten Stadt für alle und weg von zugeparkten Straßen, schlechter Luft und Klimabelastung.

Das Ausleihen einer flotten Lotte ist denkbar einfach: Die Buchungsmaschine auf der fLotte-Webseite zeigt die Verfügbarkeit der Räder. Nach dem einmaligen Registrieren kann man jederzeit sein Wunschrad tageweise für bis zu 3 Tage buchen.

Die fLotte startet zunächst mit fünf unterschiedlichen Cargobikes in vier verschiedenen Kiezen mit einem Testlauf, der das Buchungssystem und die Abläufe auf Herz und Nieren prüft. Die Standorte sind zur Zeit der ADFC-Buchladen in der Brunnenstraße, ein Fahrradladen im Bötzowkiez, die Galerie im Kungerkiez sowie ein Bioladen an der Frankfurter Allee. Aber Berlin ist groß genug für viele weitere Standorte mit kostenlosen Lastenrädern. Gesucht werden deshalb Kiezinitiativen und Händlergemeinschaften, die Lust auf umweltfreundlichen und menschengerechten Mobilität haben.

fLotte Berlin

Letzte CM 2017

Bei Temperaturen um den Nullpunkt wird es heute Abend bei der letzten Critical Mass des Jahres 2017 in Berlin eher frisch werden, immerhin bleibt es trocken. Zeit, auf einige schöne Ausfahrten im vergangenen Jahr zurückzublicken. Hier Bilder der CM vom 27. Juli 2017 über das Tempelhofer Feld.

Prozess gegen einen LKW-Fahrer, der im Oktober 2016 eine Radfahrerin tötete

Am Sonntag, dem 23. Oktober 2016 ist es sonnig und trocken. An diesem Tag setzt sich eine 32-Jährige um die Mittagszeit auf ihr Rad, weil sie einen Arbeitskollegen am Plötzensee treffen möchte. Als die Frau zehn Minuten nach dem vereinbarten Treffen noch nicht eingetroffen ist, versucht der Bekannte, die Frau am Telefon zu erreichen. Da niemand abhebt, fährt er mit dem Fahrrad in Richtung der Wohnung der Frau. Er kommt durch die Beusselstraße und erblickt auf der anderen Straßenseite eine Unfallstelle. Als er sich nähert, erkennt er seine bereits abgedeckte, tote Kollegin und ihr Fahrrad.

Wenige Minuten vorher fuhr ein Sattelzug mit spanischem Kennzeichen auf der Beusselstraße Richtung Norden, bog hundert Meter nördlich des S-Bahnhofs Beusselstraße nach rechts zum Berliner Großmarkt ab und überfuhr die Radfahrerin, die auf dem Hochbordradweg auf der Beusselstraße ebenfalls in Richtung Norden unterwegs war. Die Frau war sofort tot. Im ärztlichen Gutachten ist von zahlreichen Verletzungen die Rede, die alle einzeln gereicht hätten, den Tod der Radfahrerin herbei zu führen.

Am Steuer des Lastwagens saß ein heute 42-jähriger, in Sofia geborener und in Valencia in Spanien arbeitender Lkw-Fahrer. Gleich zu Beginn des heutigen Prozesses gesteht der Kraftfahrer seine Schuld ein und erklärt, einen kurzen Moment abgelenkt gewesen zu sein, da er nach einer Adresse gesucht habe. Den Unfall habe er nicht bemerkt, erst, als er nach dem Abbiegevorgang ein starkes Zischen gehört habe, sei er angehalten und wurde dann von einem Zeugen darauf aufmerksam gemacht, was passiert sei. In der Polizeimeldung vom 24.10.2016 heißt es: „Der Lkw-Fahrer kam mit einem Schock zur ambulanten Behandlung in eine Klinik“.

Der Angeklagte fuhr zum ersten Mal zum Berliner Großmarkt, kannte die örtlichen Gegebenheiten also nicht. Als ihn der Richter nach dem defekten rechten Außenspiegel des Lkw befragt, sagt er, der Spiegel sei beim letzten Ausladen entzweigegangen. Er habe versucht, den Spiegel mit den Einstellknöpfen wieder zu richten, „so gut es eben ging“. Er sagt auch: „Unsere Chefs hetzen uns sehr und geben uns keine Möglichkeit, Reparaturen durchzuführen“.

Die Unfallörtlichkeit und der sichergestellte Lkw wurden von einem Dekra-Gutachter untersucht. Da der Lkw ein digitales Aufzeichungsgerät hatte, konnte der Unfall relativ genau nachvollzogen werden. Der Lkw war mit einer Geschwindigkeit von 26 km/h abgebogen, die Kollision mit der Radfahrerin fand mit einem Tempo von 19 km/h statt. Die Beusselstraße ist an der Unfallstelle dreispurig. Neben einer Busspur auf der rechten Straßenseite gibt es zwei weitere Fahrspuren. Der Lkw befand sich auf der mittleren Spur, zog dann nach links, um mit einem großen Bogen nach rechts abzubiegen. Die Radfahrerin muss den Lkw im letzten Moment bemerkt haben, jedenfalls befindet sich auf dem Radstreifen eine 3,10 Meter lange Bremsspur des Fahrrads. Das Fahrrad war neuwertig, hatte eine hydraulische Bremse, einen Nabendynamo und das Fahrlicht war eingeschaltet. Nach der Aussage des Gutachters war der Weitwinkelspiegel des Lastkraftwagens deutlich verstellt und teilweise gebrochen. Wörtlich sagte er: „Es ist klar, dass der Spiegel nicht richtig eingestellt war“.

Die Staatsanwaltschaft sieht die Anklage bestätigt und plädiert auf eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen zu je 30,- Euro. Die Verteidigung des Angeklagten schließt sich der Anklage weitgehend an und beantragt einhundert Tagessätze Geldstrafe. Der Richter verkündet schließlich das Urteil über 120 Tagessätze a 30,- Euro. Zusätzlich hat der Angeklagt die Kosten des Verfahrens zu tragen. „Was ich Ihnen übel nehme, ist der Spiegel“, sagt der Richter. Wenn ein Spiegel 50 % weniger ausleuchtet als erforderlich und man das als Fahrer einfach hinnimmt, dann sei das nicht zu akzeptieren.

Mobike kommt mit 10.000 Leihrädern nach Berlin

Mobike ist ein vor zwei Jahren in Peking gegründeter Konzern, dessen Kerngeschäft der Verleih von stationsungebundenen Mieträdern ist. Zur Zeit ist Mobike in mehr als 160 Städten in China sowie in weiteren Metropolen in Asien, Australien, Amerika und Europa vertreten, das Expansionstempo ist hoch.

Mobikeräder haben Vollgummireifen und statt der Kette eine Welle, die das hintere Laufrad antreibt. Mobike hat eine eigene Stromversorgung, ein GPS-Modul und eine ständige Verbindung zur Zentrale. Deshalb weiß Mobike, wohin die Leute fahren und welche Wege sie nehmen. Wenn man am Ziel ist, loggt man sich auf der Smartphone-App aus und lässt das Rad einfach stehen.

Georg P. Kössler von den Grünen im Abgeordnetenhaus hat nun erfahren, dass Mobike mit 10.000 Leihrädern nach Berlin und in das nahe Umland kommt. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz plant zu Zeit nicht, das Anbieten von Leihfahrrädern im öffentlichen Straßenland zu regulieren.

Tweet von Georg P. Kössler

Geschützte Radwege in Berlin: 2 Meter breit, grün und abgepollert

Verkehrssenatorin Regine Günther stellte gestern auf der Fahrradkommunalkonferenz das neue Design geschützter Radwege vor, die ab dem nächsten Frühling in Berlin entstehen sollen. Die neuen Radstreifen sollen mindestens zwei Meter breit werden, hinzu kommt eine ein Meter breite Sperrfläche, auf der neunzig Zentimeter hohe Poller stehen, damit die Streifen nicht von Kraftfahrzeugen befahren werden oder als Parkplatz missbraucht werden. Durch eine grüne, flächendeckende Färbung sollen die Radstreifen auch optisch von der Fahrbahn getrennt werden.

In einem ersten Kommentar schrieb der ADFC Berlin: „Grüne Radwege in Berlin? Gerne. Hauptsache, sie sind sicher, ausreichend breit und bilden ein zusammenhängendes Netz.“ Das mit dem zusammenhängenden Netz dürfte einstweilen Illusion bleiben, denn vorerst soll lediglich ein ein Kilometer langes Stück der Hasenheide in Kreuzberg zwischen dem Südstern und der Wissmannstraße auf der südlichen Seite angelegt werden. Das ausgewählte Straßenstück zeichnet sich dadurch aus, dass es vollkommen kreuzungsfrei ist.

Auf den von der Verkehrsverwaltung herausgegebenen Visualisierungen sieht man Radfahrer, die nebeneinander fahren. Bei einer Breite von zwei Metern ist Nebeneinanderfahren und Überholen machbar, kann aber zu gefährlichen Situationen führen, da die Abstandspoller recht nahe am Radstreifen stehen. Nicht möglich ist es dagegen, ein Lastenrad zu überholen.

Weitere geschützte Radstreifen befinden sich in Planung und werden derzeit mit den Bezirken abgestimmt.

SenUVK: Senatorin Günther stellt Geschützte Radstreifen vor