Angela Merkel in ihrem Videopodcast zur „Stärkung des Radverkehrs“ anlässlich der Eurobike 2013

Wenn ein politisches Schwergewicht wie Frau Merkel sich zum Radverkehr äußert, sollte man als interessierter Radfahrer schon aufmerken, gerade in Wahlkampfzeiten könnte da Interessantes geäußert werden.

Link zur Mediathek der Kanzlerin, Transkript hier

In ihrem Videopodcast vom Samstag, den 24.8.13, anlässlich der anstehenden Eröffnung der Eurobike lässt sich Frau Merkel von einer als „Studentin“ angeführten Frau Klussmann ganz wunderbar mit Suggestivfragen durchs Programm leiten.

Was harmlos beginnt mit ein paar Allgemeinplätzen wie:

„[…] dass Fahrradfahren an sich eine ganz wichtige Form der Fortbewegung geworden ist. Nicht nur im Urlaub, sondern auch in der täglichen Mobilität, bei der Überwindung von Distanzen zwischen Wohnort und Arbeitsort. […]“
geht über eine kurze „selbst Schuld“ Spitze in Richtung der Unfallopfer:

„Es ist wichtig, weil es eben eine sehr umweltfreundliche Form der Fortbewegung ist. Nebenbei gesagt, auch noch eine, die die eigene Gesundheit unterstützt – wenn man sich vernünftig im Straßenverkehr verhält.“
in ein wenig Radfahrerbashing über, wunderbar von Frau Klussmann via unterstellender Frage „Fahrradfahrer schaffen sich oft ihre eigenen Verkehrsregeln. Wie kann man dem entgegenwirken?“ Wohlgemerkt vermeidet Frau Merkel den verbrannten Ausdruck, sie hat eben Agitprop gelernt im Gegensatz zu Stammtischlern wie Herrn Ramsauer.

Die Antwort darauf liest sich wie fast alles von Frau Merkel: sowohl als auch, alle müssen, Bußgelder erhöht.

Das hat ja in der Vergangenheit schon sehr gut geholfen tödliche Rechtsabbiegeunfälle zu vermeiden.

Das wiederholte erwähnen von Radwegen und den ach so hohen Summen, die dafür fließen (wann wurde denn das letzte mal von Millionen und nicht Milliarden gesprochen, wenn es um Ausgaben geht?) zeigt auch hier, dass Kommunal-, Landes- und Bundespolitik nicht miteinander reden, was die Ziele des Radverkehrsplans angeht und deren zeitgemäße und sichere Umsetzung.

Apropos Radverkehrsplan, die Ausgaben für den Nationalen Radverkehrsplan (NVRP) wurden von 2010 bis 2013 halbiert, nachzulesen  hier  in einer kleinen Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Frühjahr letzten Jahres.

Alles in allem bleibt bei mir die Frage, habe ich etwas anderes erwartet von einer konservativen Kanzlerin? Eigentlich nicht…
Ein wenig Wellen in den Medien hat es auch schon geschlagen, zum Beispiel beim Spiegel Online .

*Disclaimer: Die politischen Ansichten in diesem Artikel sind nur die des Autors und lassen nicht auf die der anderen Autoren oder der Radspannerei schließen.*

25 Gedanken zu „Angela Merkel in ihrem Videopodcast zur „Stärkung des Radverkehrs“ anlässlich der Eurobike 2013

Kommentare-Feed
  1. Ein Bekenntnis zum Radverkehr sieht anders aus, aber ich bin schon zufrieden, wenn das übliche bashing nur noch versteckt rüberkommt, mehr ist da nicht zu erwarten. Das langt für das durchschnittliche verbild…blödete Stammtischhirn nicht mehr, da wird eher hängen bleiben, dass die Kanzlerin eine Fahrradmesse besucht hat. („Eine Fahrradmesse? Wieso besucht die eine Fahrradmesse??? Früher war alles besser….“).

  2. Typisch Merkel 🙂 Ziemlich gut die Zahlen im Kopf, aber wie sonst auch kein ganz klar erkennbares Statement. Für mich ein Phänomen, dass das tatsächlich beim Bürger ankommt. Andere Politiker mag man, oder man mag sie nicht – man kennt ihre Kernthesen und Standpunkte. Die nach außen in jedem Thema neutrale Merkel erzeugt solche Präferenzen offenbar nicht, das Konzept scheint echt aufzugehen. Mich hat Politik immer interessiert, aber dieser fade Stil spricht mich nicht an.

    Letztendlich sehe ich hier aber keine unbotmäßigen Spitzen. Man kann ja offen sagen, dass viele Radfahrer die Regeln nicht einhalten. Das Geschafel ist zu neutral, um daraus abzuleiten, dass Radfahrern hier – wie sonst üblich – die Alleinschuld an allen Problemen zugewiesen wird. Merkel eben – für sie kann man sich weder erwärmen noch eine grundlegend negative Haltung gewinnen.

  3. „..noch eine grundlegend negative Haltung gewinnen.“

    Äh, auch auf die Gefahr hin, dass dies hier in eine politische Debatte ausarten könnte – worauf ich sowas von keinen Nerv habe -, muss ich da einwenden, dass man GERADE ihren ständig unverbindlichen Stil, ihr Null-Äußerungen, ihr Rumgeeiere und immer schön das Fähnlein nach dem Wind hängen, gerade das ist ja wohl extrem dazu geeignet, eine sehr grundlegend negative Haltung zu gewinnen!

    Solche Leute sind für fast gar nichts gut. Politiker ohne Haltung, ohne Standpunkt, ohne Möglichkeit in echte Diskussionen einzutretenb, kurz: Waschlappen, haben in der Politik nur einen Nutzen -> sie dienen als schlechtes Vorbild/Beispiel.

    Und speziell Angela Merkel hat bei mir komplett verschissen, seit ihrer Nummer, als sie beim sich anbahnenden Irakkrieg zu G.W. reiste und dem einen vorjammerte, wie wahnsinnig gerne sie und die CDU ja bei seinem tollen Krieg mitmachen würden, wenn, ja wenn der dumme Gas-Gerd nicht so ein Spielverderber sei.
    Sorry, ihr Auftritt als Kriegstreiber und Mordbefürworter ist ja wohl ein absolutes Ausschlußargument für derartige Posten!
    (Und aus ähnlichen Gründen habe ich auch den Steinmeyer abgelehnt, der als Kanzleramtsminister damals auch ne Menge Dreck an seinem Stecken angesammelt hat.)

    Was sie da nun abgesondert hat, ist nur der übliche Wahlkampfblubber. Ne Spur Glaubwürdigkeit wäre genau dann entstanden, wenn sie auch zu entsprechenden anderen Gelegenheiten, wie bei der IAA in Frankfurt, denn mal darauf hinweisen würde, dass Autofahrer sich auch an die StVO halten dürfen… aber den Tag werden wir wohl nie erleben dürfen.

  4. Wenn man es positiv sehen möchte, muss man sagen, dass es doch gut ist, wenn die Kanzlerin eine Radmesse als wichtigen Wahlkampftermin erkennt.

    Vielleicht lernt sie ja etwas da. Immerhin scheint sie erkannt zu haben, dass da 1 Million Leute mit E-Fahrrädern unterwegs sind (also Leute, die so velophil sind, dass sie viel Geld für 2 Räder ausgeben), die möglicherweise auch wählen und wahrscheinlich auch Steuern zahlen.

  5. wenn sie auch zu entsprechenden anderen Gelegenheiten, wie bei der IAA in Frankfurt, denn mal darauf hinweisen würde, dass Autofahrer sich auch an die StVO halten dürfen… aber den Tag werden wir wohl nie erleben dürfen.

    Da hast du voll ins Schwarze getroffen, das wäre allerdings mal eine Aktion.

  6. Ich würde gerne mal wissen, wann Frau Merkel das letzte mal Rad gefahren ist. Wenn ich mir sie so ansehe dürfte das schon eine ganze weil her sein.

    Einen Staatsgast mit dem Fahrrad abzuholen statt mit der Limo das wäre doch mal was. Und sei es auch nur vom Brandenburger Tor bis ins Kanzleramt…

  7. http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/40357/Schau-links-schau-rechts-schau-geradeaus

    dieser artikels ist mal etwas erhellender und befasst sich interessanterweise überwiegend mit berlin. ;). liegt vlt daran, dass er nicht in der rubrik „motor“ vö wurde …

  8. @Jochen, bezüglich der Außenpolitik: Bei den derzeit für Koalitionen infrage kommenden vier Parteien sehe ich keine, die eine grundsätzlich kritische Haltung zu Auslandseinsätzen hat. Mit dem Irak hatten wir damals wirklich das Glück, dass Schröder nicht mitgespielt hat. Was aber ist mit künftigen Konflikten? Irgendwie ist es eben deprimierend, wenn man Merkel abwählt, kommt sie trotzdem wieder. Dann heisst sie eben etwas anders und sieht anders aus.

    Ich habe auch lange überlegt, ob mein verkehrspolitisches Interesse eigentlich Kinderkram ist und es wichtigere Dinge gibt. Wichtigere Dinge gibt es sicher – aber als Freiberufler finde ich die Rahmenbedingungen jetzt nicht so extrem dramatisch. Ich treffe Entscheidungen und niemand redet mir wirklich rein. Natürlich gibt es Probleme, Gutverdiener können sich aus den Sozialsystemen weitgehend ausklinken und medizinisch gibt es eine Zweiklassengesellschaft. Würden in diesen und weiteren Bereichen klar erkennbare Parteilinien vorgegeben werden, wäre das vielleicht eine Entscheidungshilfe.

    Die Verkehrspolitik nervt mich hingegen wirklich jeden Tag, und sie behindert letztendlich auch das Arbeiten, weil falsche Prioritäten das Vorankommen in der Stadt verlangsamen und mögliche Unfälle – die durchaus durch besseres Handeln in ihrer Häufigkeit eingedämmt werden könnten – auch Auswirkungen aufs Einkommen haben können. Gelöst werden dann „Probleme“ wie die die genderkonforme STVO oder die Abschaffung der Dynamopflicht, dankeschön. Auch hier hätten Parteien also Chancen, sich zu profilieren. Tut aber keine.

    Kurzum: Ich bin frustrierter Wähler und wenn ich dann solche Allgemeinfloskelanhäufungen (von Fr. Merkel) sehe, bin ich noch genervter 😉

  9. @berlinradler:

    Was die Verkehrspolitik angeht bin ich nach Erfahrungen in/mit diversen Städten und ihren Behörden für mich zu dem Schluss gekommen, dass das, was vor Ort passiert, weitgehend vom politischen Parkett entkoppelt ist. Sprich die Behörden arbeiten verselbständigt. Sie werden zwar gelegentlich von der Politik mit neuen Regulatorien überschüttet, aber im Bereich des Radverkehrs ist da eigentlich jahrzehntelanger Stillstand. Der wirklich relevante Input kommt von den Gerichten, die sich z. B. über die vergangenen Jahre sehr kritisch mit Benutzungspflichten beschäftigt haben.

    Für mich ist in Konsequenz das Thema Radverkehr nicht wahlentscheidend. Auch wenn vielleicht die eine Partei ein paar Millionen mehr oder weniger für „Radwege“, „Pedelecs“ etc. zur Verfügung stellen will als die andere. Meinen Radfahr-Alltag werden diese Gelder wohl nur marginal beeinflussen.

    Und was das Thema Polit-Frust angeht: bin auch tierisch abgenervt. Allerdings sehe ich die Hauptthemen im Moment nicht bei Syrien oder so, sondern eher im Bereich der wirtschaftlichen Ressourcenverteilung. Milliarden auf EU-Ebene, bei Banken und der Gesundheitslobby, während Otto Durchschnittsbürger mittlerweile für Hungerlöhne arbeiten muss, von denen er kaum noch seine Krankenversicherung zahlen kann (die ja nichtmal mehr kündbar ist).

    Mit dem Thema wirtschaftlicher Umverteilung befassen sich meines Erachtens nur zwei Parteien derzeit: die PDS einerseits und die Alternative für Deutschland (AfD) andererseits. Bei der PDS sehe ich nur einen Flickenteppich an Einzelmaßnahmen (Krankenversicherung reformieren, Mindestlohn, Mindestrente), jedoch kein integrales Finanzierungskonzept. Bei der AfD, die das Problem vom „großen Ende“ angehen will (EU-Milliarden, Euro), sehe ich deutlich mehr wirtschaftliche Kompetenz. Und vertrete persönlich die Auffassung, dass es Otto Durchschnittsbürger hier im Lande auch materiell wieder besser gehen würde, wenn auf der „großen Ebene“ das Land nicht schleichend wie eine Zitrone ausgepreßt werden würde. Insofern werde ich bei der kommenden Bundestagswahl die AfD wählen.

  10. Wer sich von Rechtspopulisten vertreten fühlt und damit einverstanden ist, das es Wahlrecht nurnoch für „Steuerzahler“ gibt und ein HartzIV-Empfänger auch gerne erstmal die eigenen Organe verkaufen sollte, bevor er Bezüge bekommt, der kann natürlich die AfD wählen…die NPD hat in Ostdeutschland bei ähnlichen Forderungen allerdings höhere Chancen in die Landesparlamente zu kommen.

  11. @botchjob
    Der von dir verlinkte Artikel gibt zuallererst einmal die Meinung von Siegfried „Undercover Brocki“ Brockmann wieder, Leiter der outgesourcten Forschungsabteilung der Kfz-Versicherungsverkäufer UDV.

    Schon interessant, das Undercover Brockis Ergüsse ständig in allen Radforen verlinkt werden, ohne dass auf die Herkunft aus der Autolobby verwiesen wird.

    Nicht minder interessant, wie in Radforen ständig die Mär vom quasi von Natur aus delinquenten Radfahrer kolportiert wird. – Bis es die Radler selbst glauben.
    Siehe z.B. „Berlinradler“:“Man kann ja offen sagen, dass viele Radfahrer die Regeln nicht einhalten.“
    Seltsam und im völligen Widerspruch dazu: Bei Abbiegeunfällen sind Radler nur zu einem verschwindend geringen Anteil schuld, ich schätze unter 5%.
    Praktisch: Allen anderen wird „virtuell“ eine General-Mitschuld untergejubelt: „Man kann ja offen sagen, dass viele Radfahrer die Regeln nicht einhalten.“

    Seltsam: Die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit wird innerorts kaum überwacht. Im Ergebnis hält sich niemand an 50 resp. 30 km/h, obwohl „unangepasste Geschwindigkeit“ (= zu schnelles fahren) die häufigste Unfallursache darstellt.

    Seltsam: An buchstäblich jeder Ampel (hier in HH) sieht man, über z.B. 1 Stunde betrachtet, mehr Autos als Räder bei Rot queren, und zwar ein Vielfaches mehr.
    In der veröffentlichten Meinung sind es, der Wirklichkeit ungeachtet, Radfahrer die „ständig das Rotlicht missachten“.
    „Man kann ja offen sagen, dass viele Radfahrer die Regeln nicht einhalten.“

    Man kann es nicht nur sagen, man sagt es auch. immer und immer wieder. Als Anti-Radpropaganda.

    Und um die Schuldfrage für Tote und Verletzte im Radverkehr schon gleich mal im Vornherein zu klären.

    Und um harmlose Strafen für motorisierte Delinquenten zu rechtfertigen.

    Un um, last not least, in grotesker Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse, den „gesetzestreuen Bürger“ am Auto festhalten zu lassen. Nicht, dass er sich den „Outlaws“ anschließe.
    Denn die sind – merke er wohl – für vogelfrei erklärt. Und das bedeutet immer noch: Einerlei, ob tot oder lebendig …

  12. @Wurstmaxe:

    Mir erschließt sich nicht, warum die AfD gelegentlich mit „Rechtspopulismus“ assoziiert wird. Klar, sie ist eurokritisch. Das aber aus fundierten volkswirtschaftlichen Überlegungen heraus und nicht, weil sie gegen Europa wäre.

    Ich halte die Rechtsaußen-Keule gegen die AfD für ein taktisches Instrument des politischen Etablissements, weil man damit beim Durchschnittsdeutschen nunmal sehr leicht den tief einindoktrinierten Beißreflex gegen „rechts“ triggern kann. Ob „rechts“ wirklich „rechts“ ist, das überprüft dann keiner mehr. Das ist ähnlich, wie wenn Du ’nem Phobiker sagst „unter Deinem Bett ist ’ne Spinne“. Der schaut auch nicht nach, sondern rennt schreiend raus. So ähnlich verhalten sich Deutsche, wenn sie „rechts“, „Nazi“ o. ä. hören.

  13. Wer der reinen Lehre fröhnt, ist kein guter Ökonom.

  14. @dan :

    Ich bin ja wirklich ein großer Freund unserer Demokratischen Grundordnung und jeder darf Wählen was er will. Bevor du wählen gehst, schau dir dringend deren Programm an, Populismusblasen pur, wo du da Sachverstand erkennen kannst verstehe ich nicht. Lies vielleicht noch die hier weiter unten im Wikipedia-Artikel verlinkten Quellen durch und hör dir ein paar o-töne und Zitate prominenter Parteimitglieder wie Konrad Adam an, da ist einfach eine Grundhaltung drin, die meiner Meinung nach nur sehr bedingt mit dem Grundgesetz vereinbar ist, ist nicht so, dass es sowas in anderen Parteien nicht auch gibt, aber zu sagen die AfD fischt nicht am rechten rand, oder die Erwähnung ihres Konservativen Hintergrunds als Beissreflexe abzutun ist auch irgendwo quatsch.

    Du darfst keinesfalls den Fehler machen, die AfD nur auf die Eurokritik zu reduzieren, da schwingt noch viel viel mehr im Hintergrund mit. Sehr viel unsoziales meiner Meinung nach.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_f%C3%BCr_Deutschland

  15. @Vorstadt Strizzi, ich verstehe Dein Problem nicht. Natürlich machen Radfahrer auch Fehler – wem hilft es denn, das zu verschweigen oder zu leugnen? Aus der Unfallstatistik kann man ablesen, dass auch Radfahrer Unfälle verursachen. Fakten zu verschweigen halte ich – gerade in kontroversen Diskussionen – für nicht zielführend.

    Wichtiger ist der Verweis darauf, dass die meisten Fahrradunfälle durch Fehlverhalten von Autofahrern passieren – deren Selbstbild der guten Regeleinhaltung also nicht mal im Ansatz zutrifft.

    Der Wille, manche Regeln nicht zu beachten, ist bei allen Verkehrsgruppen vorhanden. Autofahrer neigen leider dazu, auch die Regeln nicht einzuhalten, die zum Schutz anderer Verkehrsteilnehmer besonders wichtig sind. Oft fehlt hier nicht nur Einschätzungsvermögen und das Wissen um häufige Unfallursachen, sondern schlichtweg auch jede Empathie.

    Gerade im Mischverkehr mit Fußgängern verhält sich ein nicht unerheblicher Teil der Radfahrer ganz genauso.

  16. ihr habt beide einen punkt.

    das betonen von regelverstößen von radfahrern ist im zusammenhang mit rad-unfällen sicherlich oft bloße ablenkung von den wahren ursachen.

    die schlechten hochbordradwege und einige freigegebene gehwege in grünanlagen funktionieren bei höhrerem radverkehrsanteil aber eben überhaupt nicht mehr, weil dadurch zuviele rücksichtslos im fußgängerbereich radeln. und das ist fatal für die öffentliche meinung über das radfahren!

    beispiel für dich, vorstadt-strizzi: ich fahre mit dem bakfiets ausnahmsweise mal auf einem nicht benutzungspflichtigen hochbordradweg, weil ich mich kurz vorher schlecht einfädeln konnte. der radweg ist zu schmal zum überholen und sehr schlecht in schuss. rechts von mir eine mutter mit zwei kleinkindern. ich fahre in der mitte und langsam vorbei. von hinten wildes geklingel, ein behelmtes pärchen auf trekkingrädern in funktionskleidung drängelt vorbei, sie brüllt: „rechts fahren!!“, er heizt über den bürgersteig. an der nächsten ampel stehen wir natürlich wieder zusammen. ich zu ihr: hast du die mutter mit kleinen kindern nicht gesehen? du darfst übrigens auch auf der fahrbahn fahren, das ist erlaubt. sie: nö, du musst rechts fahren. du würdest doch mit nem auto auch nicht in der mitte trödeln, wenn du so langsam bist….

    schön, dass viele das radfahren entdecken, das sollte das stadtleben aber eigentlich angenehmer für alle machen und nicht unangenehmer für die leider lobby-losen fußgänger (d.h.: alle).

  17. Ach wär das schön, wenn langsame Autos nicht in der Mitte trödeln würden. Die fahren wohl nur Radwege und keine Seitenstraßen mit eingedösten Parpklatzsuchern und verwirrten Stadtplanlesern. 🙂

  18. Das Rechtsfahrgebot bezieht sich doch immer nur auf die Wahl der Spur auf der Straße, nicht einen Bereich innerhalb dieser Spur, so wurde es mir zumindest beigebracht und ich wüsste nicht, dass sich da was getan hat.Klarer Fall von gefühlter STVO, die halt auch wie die gefühlte Regeltreue von Autofahrern wenig mit der Realität zu tun hat…

  19. @ Kohl: Es gibt beides. in §2 steht sowohl drin, dass man die rechte Fahrbahn verwenden soll (mit Ausnahmen), als auch, dass man möglichst weit rechts fahren soll.

  20. Und genau dieses „möglichst weit rechts“ aus §2(2) bezieht sich wimre auf die zu wählende Spur, nicht den Rinnstein.

  21. § 2 abs. 2 StVO meint schon möglichst weit rechts in der spur – wie sich aus der eigenständigen regelung für die spurenwahl in § 2 abs. 1 StVOergibt.

    „möglichst weit“ bedeutet aber, dass alle nach § 1 StVO und zum eigenschutz erforderlichen sicherheitsabstände einzuhalten sind.

    hier ganz schön erklärt

    http://www.adfc-ilm-kreis.de/sicherheit/stvo/%C2%A72-2-rechtsfahrgebot.shtml

    im konkreten fall war es ja so, dass der radweg zu schmal war und außerdem die fußgänger-verkehrssituation eine vorsichtige fahrweise erforderlich machte.

    das niedliche ist eben, dass ungeübte oder achtlose radfahrer sich auf schlechten radwegen sicherer fühlen oder den kfz-verkehr nicht behindern wollen, dann aber windschutzscheibenmentalität auf das radfahren übertragen, zu lasten der fußgänger. allein schon deswegen sind hochbordradwege ohne bauliche trennung von gehwegen mist.

    @berlinradler: na klar schleichen autos planlos durch nebenstraßen! heute morgen z.b.: e-mails tippen und mit 7 km/h planlos weitertuckern – wahnsinnig zeitsparend. auf meinen kommentar: „autofahren nicht vergessen!“ ein basserstauntes eulengesicht.

  22. Es gibt ja einen eigenen Bußgeldposten bezüglich der Nichtbenutzung von Radfahrstreifen.

    Ich finde, das Thema ist häufig unterschätzt. Wenn ich beispielsweise in der Luisenstraße im Zentimeterabstand an parkenden Autos vorbeifahren soll oder mir in Königs Wusterhausen nicht mal ein Meter Fahrbreite auf dem Radstreifen zugestanden wird, dann KANN ich ihn nicht mehr benutzen. Denn das ist nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv eine Selbstgefährdung, die ich mir vom Gesetzgeber nicht vorschreiben lasse.

  23. @Berlinradler
    Das Problem ist, dass jeder Politiker/Journalist beim Reden über Radverkehr nie vergisst zu betonen „dass die Regeln auch für den Radverkehr gelten müssen“.
    Das ist eine groteske Verdrehung der Realität, mit der Opfer zu Tätern gemacht werden.

    Der Reiz des Führerscheins und der Reiz des Fahren eines Kfz liegt zu einem Teil in der „Lizenz zur Delinquenz“.

    Es gibt in unserem Rechtssystem keine weitere Versicherung wie die Kfz Versicherung. Sie befreit Delinquenten weitgehend von den Folgen sogar vorsätzlicher Gesetzesübertretungen. Das ist der Tod jeglicher Regeltreue.

    Wird jemand in einer 30er Zone von einem Kfz, mit sagen wir 45km/h angefahren, zahlt die Versicherung. Das ist auch o.k., wegen Opferschutz.

    Nur:
    Das Rasen mit 50% überhöhter Geschwindigkeit, das nur vorsätzlich geschehen kann, bleibt nahezu ohne Folgen für den Delinquenten. Denn Kfz-Versicherungen nehmen die Delinquenten NICHT in Regress (außer bei Alkohol). Er muss für die wirtschaftlichen und finanziellen Folgen seines vorsätzlichen Gesetzesbruchs nicht einstehen.

    Und das ist das Gegenteil von Opferschutz. Denn diese „Unverantwortlichkeit“ für die Folgen öffnet der Anarchie im Strassenverkehr Tür und Tor.

    Allein bei Abbiegeunfällen Kfz vs Rad sind selbst nach Untersuchungen der Autolobby zu mehr als 90% Kfz-Führer die Verursacher (Allein- oder überwiegende Schuld). Zieht man von den verbliebenen 9% noch die fifty-fifty Fälle ab, ich schätze um 5% (oder 7%?), so verbleiben um 4% (2%) überwiegende oder Alleinschuld der Radler.

    Die Regeln MÜSSEN AUCH FÜR DEN AUTOVERKEHR gelten. Das die Regeln für den Autoverkehr offensichtlich nicht gelten, bzw. durch Versicherungen ausgehebelt werden, das ist DAS Problem der Verkehrssicherheit.

    Allein nach den Zahlen bei Abbiegeunfällen müssten Politiker/Journalisten die vom Autoverkehr ausgehende, verantwortungslose Anarchie, die Leben und Gesundheit vernichtet, etwa 25mal häufiger ansprechen und geißeln als den Radverkehr.

    Es ist mir auch unverständlich, weshalb das Bewerben und der Verkauf von Kfz nicht ähnlichen Restriktionen wie der Tabakverkauf unterliegen.

    Es würde sehr zur Aufklärung und zur Rücksicht der Kfz-Endverbraucher beitragen, wenn die Kfz-Industrie verpflichtet würde, bei Werbung für ihre Produkte sowie auf ihren Produkten große, gut lesbare Hinweise anzubringen wie sie etwa auf Tabakverpackungen zu lesen sind:

    AUTOFAHREN FÜGT IHNEN UND DEN MENSCHEN IN IHRER UMGEBUNG ERHEBLICHEN SCHADEN ZU

  24. @Vorstadt Strizzi, Du solltest mal einige meiner älteren Beiträge und Kommentare lesen. Auch ich weise sehr oft auf die völlig verzerrte Wahrnehmung des Fehlverhaltens hin. Das steht nicht im Widerspruch dazu, dass auch Radfahrer Regeln brechen – allein die immer wieder zu lesende Behauptung, Autofahrer täten dies nicht oder nur selten, ist das Problem. Denn das stimmt weder mit dem subjektiven eigenen Erleben noch mit den häufigen Unfallursachen überein.

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