„VeloBerlin“ mit der Radspannerei

Wir haben uns entschlossen, an der Fahrradmesse „VeloBerlin“ am 26. & 27. März in Berlin teilzunehmen. Seit längerem schon arbeiten wir an einem eigenen Rahmen, das auf diesem Rahmen basierende Fahrrad wollen wir dort einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Ob das Segment „Fine Art Handmade“ in welches wir auf der Messe einsortiert sind tatsächlich zu uns passt, werden wir hinterher besser beurteilen können. Vieles, was uns in der Fahrradbranche unter „Lifestyle“, „Fine“, „Art“ etc. vorgestellt wird finden wir unpraktisch bis scheußlich und dazu noch überteuert. Unser Anspruch ist nach wie vor vernünftige (gerne auch schöne) Fahrräder für den Gebrauch in der Stadt und auf Reisen zu bauen. Dass wir mit unserem Fahrradladen nicht irgendwelchen Moden hinterher laufen, sondern Überzeugungstäter_innen sind zeigt denke ich unser seit 15 Jahren konsequentes Sortiment. Trotzdem sind uns an den Fahrrädern, die wir verkaufen immer wieder Verbesserungs-Möglichkeiten aufgefallen. Diese Überlegungen und die Erfahrung von uns als Radfahrer_innen und im Fahrradladen haben wir jetzt endlich in die Entwicklung eines Fahrrades gesteckt. Die Bezeichnung Konzept-Fahrrad, ist vielleicht nicht ganz falsch, wir wollen aber auf jeden Fall verschiedene Ausstattung-Optionen anbieten. Lasst euch überraschen.

Ulrike Saade mit ihrem Team von „VeloKonzept“ ist Ausrichterin der Messe, und in Berlin seit vielen Jahren eine feste Größe für die Fahrradlobby. Die von VeloKonzept mit entwickelte Kampagne „Kopf an: Motor aus!“ ist sicher vielen ein Begriff. Folgerichtig geht ein Fach-Kongress der Messe voran. „METROMOBILE – Mensch und Mobilität im urbanen Raum“ diskutiert unter der Schirmherrschaft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit Referent_innen aus Kopenhagen und London Konzepte für fahrradfreundliche Städte.

In den nächsten Wochen werden wir immer wieder mal rund um die Messe berichten.

Jahrespressekonferenz des Polizeipräsidenten zur Verkehrssicherheit in Berlin 2010

Heute wurde vom Präsidenten der Berliner Polizei der Verkehrssicherheitsbericht 2010 vorgestellt. Danach ist die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle in Berlin um 4,4% auf 130.500 Unfälle gestiegen. Zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Verunglückten. Mit 44 Verkehrsunfalltoten gab es den niedrigsten Stand, der jemals in Berlin registriert wurde.

Folgende Ausführungen machte der Polizeipräsident zur Radverkehrssicherheit im Jahre 2010:

„In der Verkehrssicherheitsarbeit haben wir uns im letzten Jahr auch wieder auf die Hauptrisikogruppe der Radfahrer konzentriert. In Berlin spielt das Fahrrad als Verkehrsmittel eine immer größere Rolle.

Der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehrsaufkommen hat ständig zugenommen und liegt aktuell bei ca. 13 %. Umso erfreulicher ist es, dass im vergangenen Jahr die Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern erneut deutlich zurückgegangen sind. 6.182 Unfälle sind 874 oder 12,4 % weniger als 2009. Besonders hervorzuheben ist, dass wir mit sechs getöteten Radfahrern den bisher niedrigsten Stand registriert haben. Im Jahr 2000 verunglückten noch 17 Menschen beim Radfahren tödlich, 2003 hatten wir mit 24 einen traurigen Höhepunkt. Diese positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der verunglückten Radfahrer weiterhin hoch ist. Sie verringerte sich zwar 2010 um 11,5 % auf 4.277, damit war jedoch immer noch jeder dritte Verunglückte in der Stadt ein Radfahrer. Nahezu die Hälfte der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, wurde durch sie selbst verursacht oder mitverursacht. Die häufigsten Fehlverhaltensweisen waren falsche Fahrbahnbenutzung und fehlerhaftes Einfahren in den Fließverkehr. Darüber hinaus wurden 229 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss und 192 durch Rotlichtmissachtung registriert. 19.143 Ordnungswidrigkeitsverfahren (-13,5 %, 2009: 22.143) wurden 2010 gegen Fahrradfahrer eingeleitet.

Ziel unserer Verkehrsüberwachung war es, sowohl Radfahrer als auch alle anderen Fahrzeugführer für die besonderen Gefahren des Radverkehrs zu sensibilisieren und das Radfahren in Berlin sicherer zu machen. 2011 werden wir wieder mit Schwerpunktkontrollen dazu beitragen.“

Pressemeldung 0510 der Berliner Polizei vom 11.02.2011 – 13:25 Uhr

Radfahrer bei Unfall mit Straßenbahn getötet

Noch am Unfallort starb heute ein Radfahrer, der in der Seestraße im Wedding mit einer Straßenbahn kollidiert war. Nach der Presemeldung der Berliner Polizei wollte der Radfahrer um 15:25 Uhr in der See- Ecke Turiner Straße auf einer Fußgängerüberquerung über die auf dem Mittelstreifen befindlichen Gleise fahren. Dabei wurde er von der Straßenbahn erfasst.

Der noch unbekannte Radfahrer ist das erste Verkehrsopfer unter Radlern in diesem Jahr.

Pressemeldung # 0476 vom 08.02.2011 – 19:30 Uhr

Sunday Ride ab Hausvogteiplatz

Berlin ist groß. Als täglicher Radfahrer kennt man für gewöhnlich die üblichen Routen: Wohnung – Arbeit – Wohnung – Kino – … Aber das ist bekanntlich nur ein Bruchteil dieser Stadt. Der Sunday Ride bietet die Möglichkeit, was anderes zu sehen und wenn man Glück hat, etwas anders zu sehen. Die Ortientierung verlieren (oder auch nicht) und sich gemütlich und sicher mit der Gruppe treiben lassen. Einer weiß, wo es langgeht.

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Sonntag, 6. Februar 2011 13:30 Uhr
Hausvogteiplatz

Fahrtwind Berlin
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Tödlicher Unfall in Berlin – Polizei ergreift Partei

Dass die Berliner Polizei Unfallmeldungen parteiisch formuliert, war hier schon öfters Thema. Besonders dreist ist die Pressemeldung nach einem tödlichen Unfall zwischen einer Fußgängerin und einem Auto in Wedding:

Wie berichtet, bog ein 58-jähriger Autofahrer gegen 6 Uhr 15 bei grünem Ampellicht aus der Reinickendorfer Straße in die Schulstraße ab. Nach dem bisherigen Kenntnisstand lief ihm dabei plötzlich die dunkel gekleidete Frau vor das Auto und wurde von dem „Opel“ erfasst.

Hier nutzt man gleich mehrere Mechanismen der Parteinahme:

– Man weist auf die grüne Ampel des Kraftfahrers hin – dazu, dass die Fußgängerin dann wohl auch grün hatte, schweigt man lieber. Dass der Kraftfahrer dann wartepflichtig ist, muss man gar nicht erst erwähnen.

– Jemand, der eine Straße überqueren will, tut das natürlich unvorhersehbar und plötzlich. Ist zwar nicht STVO-widrig und gilt wegen mangelnder Definition wohl für jeden Unfall, liest sich aber dennoch wie eine Mitschuld.

– Dunkle Kleidung – es ist ja nicht so, dass der Kraftfahrer seine Geschwindigkeit den Verhältnissen anpassen und mit dunklen Hindernissen rechnen muss. Nein, auch wenn es so gar nicht vorgeschrieben ist, ist ein dunkel gekleideter Fußgänger auch dann Schuld am Unfall, wenn er eigentlich Vorrang hatte. Die Geschwindigkeit des Kfz spielt dabei keine Rolle, noch nie war sie Teil von Unfallmitteilungen der Polizei.

Die Angehörigen der bisher nicht identifizierten Frau müssen nun nicht nur einen schweren Verlust verkraften, sondern auch die Tatsache, dass die Polizei ihr mindestens moralisch die Schuld am Unfall gibt und dies an eine breite Öffentlichkeit kommuniziert. Der Fußgänger – ebenso wie der Radfahrer – ist in solchen Situationen (Unfälle bei grüner Ampel) immer Schuld. Zwar wird er regelmäßig zum Beachten der Ampel ermahnt, wird er dabei jedoch von einem Abbieger umgefahren, so war er eben zu dunkel gekleidet oder hat auf seinem Recht bestanden.

Pressemitteilung vom 4.2.2011

Weniger Parkplätze für große Geschäfte?

Der Senat will große Einkaufszentren mit mehr als 800m² Fläche in der Innenstadt ansiedeln, statt wie bisher an großen Ausfallstraßen oder in Gewerbegebieten. Erreicht werden soll das mit einer „Stellplatzobergrenzenverordnung“, die den bisher oft ausufernden Parkplatzbedarf senkt. Künftig soll für 75m² Ladenfläche ein Stellplatz zur Verfügung stehen.

Tagesspiegel: „Auch zum Großeinkauf ohne Auto“ vom 26.1.2011

Städte- und Gemeindebund Brandenburg: Radwege weiter benutzen

In de.rec.fahrrad gefunden:

Der Städte- und Gemeindebund Brandenburg nimmt das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, das eine Radweg-Benutzungspflicht nur in Ausnahmefällen als rechtmäßig ansieht, „mit Bedenken“ zur Kenntnis. Schließlich habe man „hohe Investitionen in den Radwegebau auch im Sinne der Sicherheit der Radfahrer vorgenommen“. Daher seine Empfehlung: „Bei Vorhandensein von Radwegen sollten Radfahrer diese auch uneingeschränkt nutzen.“

http://www.stgb-brandenburg.de/541.html

IHK gegen Radfahrer und Verkehrssicherheit?

Die Berliner IHK spricht sich offen gegen den vom Senat in Kürze zu verabschiedenden neuen Stadtentwicklungsplan Verkehr (StEP) aus, der eine kompromissorientierte Teilnahme aller Menschen am mobilen Leben als Ziel definiert. Dabei spielen Umwelt- und Ressourcenschutz, Flächen- und Rohstoffverbrauch und die Steigerung des sogenannten Umweltverbundes aus Fußgängern, Radfahrern und ÖPNV eine Rolle. Erreicht werden soll dies durch die Entwicklung und Umsetzung einer Radverkehrsstrategie, Vorrangschaltungen für ÖPNV, Parkraumbewirtschaftung u.v.m.

Darin sieht die Industrie- und Handelskammer eine Benachteiligung der in ihren Augen allein wirtschaftsrelevanten Verkehrsteilnehmer – der Autofahrer. Offen spricht sie sich gegen „Grüne Wellen“ für Radfahrer und Fahrradstreifen auf Hauptstraßen aus. Dorette König vom ADAC zweifelt an den Verkehrsprognosen des Senates, die von einem Rückgang des Autoverkehrs ausgehen, und fordert daher u.a. den Ausbau der A100 und der TVO sowie eine Trennung der Verkehrsarten, die u.a. durch Fahrradstraßen statt Fahrradstreifen erreicht werden soll. Die stadtweite Einführung von Tempo 30 wird abgelehnt, u.a. weil durch den fehlenden Vorteil der Hauptstraßen dann auch Wohngebietsstraßen stärker genutzt würden und Nutzfahrzeuge ohnehin nicht für dieses Tempo konzipiert seien.

Jeder Gewerbetreibende in Berlin ist (Zwangs-)Mitglied der IHK und zahlt jährlich Mitgliedsbeiträge. Die IHK scheint anzunehmen, dass Gewerbetreibende und Unternehmen grundsätzlich auf Kraftfahrzeuge (und nur auf diese) angewiesen sind. Radfahren steht in einer Schmuddelecke, die der Wirtschaft nicht dient und somit auch nicht zu fördern ist. Und die (meine) Realität? Als Gewerbetreibender im IT-Bereich kenne ich einige Unternehmen. Meist sind Kraftfahrer in der Minderheit, auch Geschäftsführer gut laufender Unternehmen mit hohem Jahreseinkommen fahren gerne mit dem Fahrrad. Viele Angestellte nutzen den ÖPNV oder das Fahrrad, oft ist das Auto nur eine Notlösung für diejenigen, die ungünstig wohnen oder auf die S-Bahn angewiesen sind.

Noch immer haben wir jährlich ca. 40 Verkehrstote in Berlin, eine hohe Subventionierung des motorisierten Verkehrs durch alle Steuerzahler  und oft eine ineffiziente und langsame Verkehrsanbindung, die allein durch eine Verbesserung der Kraftfahrersituation nicht zu beheben ist – ja meist sogar durch den Autoverkehr verursacht wird! Mit ihrer Hardcore-Pro-Auto-Haltung gibt die IHK keine Antworten auf diese Probleme. Der Radverkehr hat seinen Anteil daran, dass in Berlin der Kraftverkehr flüssiger läuft als in anderen Städten, eine sinnvolle Förderung müsste also auch im Sinne der IHK sein.

Liebe IHK, überlass die Politik doch einfach den Parteien und kümmere Dich um alle Deine Mitglieder!

IHK: Berlins Verkehrsnetze: Klares Konzept und mehr Investitionen

Teures Fahrrad nicht schneller als Billigrad

„Ein leichteres Fahrrad führt nicht zu einem nachweisbaren Unterschied der Fahrzeit. Für Radfahrer ist es kostengünstiger, das eigene Gewicht zu reduzieren, als ein teureres und leichteres Fahrrad zu kaufen.“ Zu diesem Schluss kommt der Mediziner und Hobbyradler Dr. Jeremy Groves vom Chesterfield Royal Hospital, der dazu eine Studie im British Medical Journal veröffentlicht hat.

Groves fuhr regelmäßig mit einem 50 britische Pfund teurem Oldtimerfahrrad die 27 Meilen lange Strecke zwischen seinem Wohnsitz und dem Arbeitsplatz. Dann entschloss er sich zum Kauf eines 1180 Euro teuren Carbonfahrrads, das nur 9,5 Kilogramm wog, mehr als vier Kilogramm weniger als sein altes Rennrad mit Stahlrahmen. Er stellte fest, dass er mit dem Leichtrad nur unwesentlich schneller unterwegs war. Er hatte dagegen erwartet, etwa 10 Prozent Fahrzeit einsparen zu können.

Daraufhin startete Groves ein Experiment. Jeden Morgen ließ er eine Münze entscheiden, welches Fahrrad er zur Arbeit fuhr. Das erstaunliche Ergebnis: Für 28 Hin- und Rückfahrten mit dem schweren Gebrauchtrad benötigte der fitte Doktor durchschnittlich eine Stunde, 47 Minuten und 48 Sekunden. Bei 25 Fahrten mit dem 30 Prozent leichteren Karbon-Rad brauchte er im Mittel eine Stunde, 48 Minuten und 21 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit hatte auf beiden Rädern 58 km/h betragen.

simmformation: Teures Fahrrad fährt nicht schneller
British Medical Journal: Bicycle weight and commuting time: randomised trial