Radfahrer bei Unfall mit Straßenbahn getötet

Noch am Unfallort starb heute ein Radfahrer, der in der Seestraße im Wedding mit einer Straßenbahn kollidiert war. Nach der Presemeldung der Berliner Polizei wollte der Radfahrer um 15:25 Uhr in der See- Ecke Turiner Straße auf einer Fußgängerüberquerung über die auf dem Mittelstreifen befindlichen Gleise fahren. Dabei wurde er von der Straßenbahn erfasst.

Der noch unbekannte Radfahrer ist das erste Verkehrsopfer unter Radlern in diesem Jahr.

Pressemeldung # 0476 vom 08.02.2011 – 19:30 Uhr

19 Gedanken zu „Radfahrer bei Unfall mit Straßenbahn getötet

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  1. echt traurig.

    aber ich befürchte, dass der arme mann wohl bei rot gefahren sein muss, wenn man jetzt mal davon ausgeht, dass die ampeln korrekt funktioniert haben

  2. Mittlerweile ist er wohl identifiziert. Sehr traurig, solche Unfälle.

    Bei den vielen Unfällen auf der Weddinger Straßenbahnstrecke sollte man echt überlegen, die Höchstgeschwindigkeit zu senken.

  3. Ein Teilproblem, welches evtl. zu „Flüchtigkeitsfehlern“ verleitet scheint mir die bauliche Aufreihung dreier Fußgänger / Radfahrer-Ampeln hintereinander, die jedoch nicht synchron geschaltet sind. Die Überquerung der Tramgleise ist meist auf Grün geschaltet, außer es kommt eben mal eine Tram. Die Straßenquerungen je nach Verkehrsfluss, nicht synchron. Wer schnell und mit vorauseilendem Weitblick geht / fährt, vor allem Radler also, könnte die erste oder dritte Ampel überinterpretieren für die Querung der zweiten Furt. In der Autofahrerweit wäre so etwas (mal wieder) völlig undenkbar: Eine Kreuzungsquerung mit drei asynchronen Ampelanlagen. Die Ecke Turiner Straße kenne ich allerdings nicht so gut wie etwa die Togostraße, weiß daher auch nicht inwieweit da explizit noch eine Radspur an der Fußgängerfurt existiert. Und mir ist natürlich auch klar, dass eine Synchronisierung bezogen auf den Fußgängerfluss, also die eigentlich wohl intendierten Hauptbenutzer dieser Querungen, an der vielbefahrenen Hauptstraße kaum möglich sein wird. Nur so ein paar Gedanken. Lebend zurück aus dem innerstädtischen Verkehrskrieg, gerade die Bremsen noch mal auf Vordermann gebracht nach üblen Nahbegegnungen mit halbblinden Blechrittern dieser Tage. LG Joshua

  4. @Joshua:
    Ja, ich hab mir die Sache bei Streeview mal angeschaut. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass die beiden Fußgängerampeln grün gezeigt haben und die in der Mitte an den Gleisen befindliche Radfahrerampel und Fußgängerampel auf Rot standen.
    Man sollte wohl am besten Schranken aufbauen, um solche Unfälle in Zukunft zu verhindern

  5. Echt traurig. ich kenne die Stelle, überquere da selbst fast täglich die Straße und die Gleise. Als ich gestern vorbeikam, war schon alles abgesperrt und der Mann lag noch abgedeckt auf den Gleisen. Ich war geschockt. Die Seestraße Ecke Turiner Str. ist echt gefährlich. Die Ampelschaltung ist da blöd und selbst für Radfahrer zu kurz. Wenn man aus der Turiner kommt, wird die Ampel in der Mitte schon wieder gelb, bevor man drüber ist. Man kann man die Seestr. eigentlich nur in 2 Grünphasen überqueren, oder man fährt schnell bei rot….

  6. Hallo Steffi und Philip! Schon eigenartig. Wenn in der Luftfahrt eine mögliche oder gar wahrscheinliche Ursachenkette wie hier herausgefunden wird folgen sofort Massnahmen der Gefahrenabwehr. Im Straßenverkehr scheinen mir tote Radfahrer dagegen als zumutbarer Kollateralschaden durchzugehen. So traurig das ist, es soll noch nicht einmal zynisch gemeint sein. Beileid an die Angehörigen! Joshua (fährt da oben in Kürze lang … hmpf)

  7. @Steffi:

    Du bringst das Problem an der Kreuzung sehr gut auf den Punkt. Die Ampelschaltung ist dort so konstruiert, dass man sie als Radfahrer im Interesse der Fortbewegung (und nicht des Dauerstillstandes) eigentlich gar nicht ernst nehmen KANN. Wenn ich da durchkomme fahr‘ ich grundsätzlich „nach Verkehrsfluß“, d. h. ich schaue auf alles, was sich bewegt oder bewegen kann. Die bunte Unterhaltungselektronik interessiert mich nicht sonderlich. Ist gesünder und effektiver, denn von bunten Lichtern geht keine Gefahr aus, von bewegenden Fahrzeugen schon…

  8. Was mich irritiert ist die vergleichsweise extrem hohe Zahl an Tram-Unfällen auf der Seestraße/Osloer Strasse. Man liest alle paar Monate von tödlichen Unfällen (meist mit Fußgängern) nur auf dieser einen Strasse. Im restlichen Stadtgebiet gibt es sehr selten fatale Unfälle mit Straßenbahnen. Woran liegt das blos?

  9. Hallo Abwrackprämie (toller nick!)!

    … Na ja, über die Gründe habe ich ja spekuliert: Die für Fußgänger und Radler bestehende Notwendigkeit einer Dreifachampel-Querung zum Überwinden nur einer Verkehrsachse, eben der Seestraße, und das bei fehlender Synchronisierung der Ampeln (s.o.).

    Außerdem wird mit der Grünflächen-Einfriedung der Tram-Trasse ein verkehrsberuhigter Bereich vorgegaukelt – in Wirklichkeit entspricht gerade diese Tramstrecke eher einer Rennbahn. Am Hackeschen Markt oder auf dem Alexanderplatz beispielsweise zottelt die Tram ja immer in guter Bremsbereitschaft langsam durch die daherschlappenden Berliner und Touristen. Da knallt es nicht so schnell. Und, beispielsweise, Alexanderplatz Richtung Otto-Braun-Straße ist die Trasse deutlicher getrennt vom Rest des öffentlichen Straßenlandes, lädt nicht so schnell zu einer Querung ein (viele Opfer der Seestraßen-Trams, vor allem Fußgänger, wurden meines Wissens nach eben an den „Rabatten“, also Grünflächen, erwischt).

    Und, noch mal Otto-Braun-Straße als Beispiel: Es wohnen da (meiner Meinung nach: immer noch) mehr Ost-Berliner, oder früh schon Zugezogene, die im Gegensatz zu dem Weddinger eine längere Gewöhnung ggü. den Gefährdungen durch Straßenbahnen haben.

    Grundsätzlich ist die Lenkbehinderung schienengebundenen Verkehrs in Notfallsituationen problematisch, aber nun einmal System-immanent. Ich habe erst neulich mal selbst die Tram ab Seestraße Richtung Bornholmer Brücke benutzt und war erstaunt wie schnell ich am Ziel war (= ganz schöne Raserei).

    Mir ist auch völlig unverständlich wieso die BVG nicht zumindest baulich „Abweiser“ oder eine Art „Aufgabelungsvorrichtung“ für etwaige Hindernisse vor der Tram montiert. Im Wilden Westen war das doch als Kuhfänger vor den Dampfloks Standard. Es würde zumindest ein Überrollen der Opfer verhindern. Vorerst würde allerdings m.M.n. auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Trams oder deutlichere Gefahrenkennzeichung an den Trassen helfen.

    LG Joshua

  10. Kurzer Nachtrag noch zur Faktenlage: Der Bahnübergang ist in beiden Richtungen mit einem kurzen markierten Fahrradschutzstreifen versehen und nahe an den Gleisen stehen auch in beiden Richtungen (gestern zumindest funktionierende) Radfahrer-Ampeln. Möglicherweise stimmt also die Version der stattgehabten Querung der Gleise durch den Radfahrer bei Rotlicht. Baulich wäre die nächste Sicherheitstufe dann die Erreichtung von Bahnschranken.

    Weiterhin war mir vor Ort aufgefallen, dass durch den Alleen-artigen Baumbestand neben den Gleisen bei Annäherung eine Art „Kulissenphänomen“ entsteht (wie bei einzeln stehenden Wolken, aus spitzem Winkel betrachtet schieben sie sich aneinander und verdecken den Himmel). Die Sichtachse ist also denkbar schlecht. Zudem rasen die Straßenbahnen dort genau zwischen zwei Stationen mit recht hoher Geschwindigkeit.

    Es existieren für uns Radfahrer viele Verkehrs-infrastukturelle Probleme in dieser Stadt, zugegeben. Aber für mich ist dieser schlimme Unfall auch Anlass, noch einmal streng in mich zu gehen und kritisch über auch nur sehr seltene Rotlichtverstösse meinerseits nachzudenken.

    Grüsse! Joshua

  11. Hallo,

    ich verfolge hier die Beiträge bereits seit ein paar Monaten und finde alles recht informativ, da ich mehrmals die Woche ca. 30 km durch die Stadt radel. Jetzt möchte ich aber mal etwas zu diesem Fall schreiben, gerade da Joshua schrieb, es gäbe dort Radfahrer-Ampeln.
    Ich fahre an vielen solcher Stellen mit Kreuzung der Tram vorbei. Es ist oft so, dass ein Teil der Straße für die Fußgänger bereits grün ist, aber an der Querung der Tram rot. Die Radfahrer-Ampeln zeigen dann meistens ganz konsequent noch rot (mir fallen da gleich ein paar Kreuzungen). Ich musste schon sehr oft sehen, dass die Radfahrer bei rot losfahren -da sie sehen, dass die Fußgänger grün haben- und dann von der Tram am Mittelstreifen überrascht werden. Hab da auch schon Beinahe-Unfälle gesehen.
    Ich halte immer konsequent an jeder Ampel und fahre recht defensiv, weil die Gefahr, dass man routiniert doch mal was übersieht zu groß ist). Da hier im Blog Rotlichtverstöße oft relativiert werden und jetzt sogar teilweise Schranken gefordert werden, muss ich ehrlich mal an die Vernunft der Radfahrer appellieren. Es gibt viele wirklich doofe und schikanierenden Regelungen (aber die gibt’s nicht nur für Radfahrer), aber bei vielen Sachen haben sich die Verkehrsplaner was gedacht. Also betrachtet nicht jede rote Ampel als Schikane. Und Geschwindigkeitsbegrenzung der Tram: ich fahre viel Straßenbahn und das ist schon oft ein ziemliches Geschleiche durch die Stadt. Warum sollte denn da etwas begrenzt werden, weil Radfahrer sich nicht an die Ampeln halten?

    Desweiteren möchte ich sagen, dass es mir um den verunglückten Radfahrer sehr leid tut und ich den obigen Text wegen der Kommentare geschrieben habe, ohne die Hintergründe des Unfalls genauer zu kennen.

  12. Also Schranken kann man m.W. nur bei Bahnverkehr bauen, Straßenbahnen sind (rechtlich) keine Bahnfahrzeuge. In StreetView kann ich auch nicht erkennen, wie man als Radfahrer diese Ampel übersehen kann.

    Rote Ampeln bieten oftmals keine Sicherheit für Radfahrer, bei grün fährt man wegen der Abbieger oft gefährlicher als bei Rot. Insofern sehe ich die Äußerungen, dass man sich strikt an die Ampeln hält (was ich selbst auch mache), immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Letztendlich lässt man sich hier – zumindest auf dem Radweg – verarschen, wartet brav auf grün und ist dann regelmäßig in Lebensgefahr. Aber das ist ein kurzer Exkurs, bei der diskutierten Ampel ist das nicht der Fall.

    Bezügl. der Geschwindigkeit von Straßenbahnen – wir haben im städtischen Verkehr das kuriose System hoher Zwischengeschwindigkeiten und langer Standzeiten. Im Mittel kommen dann bei Straßenbahnen vielleicht 20-30 km/h raus. Würde der Senat die Vorrangschaltungen am Ampeln, die installiert sind, aber dem Autoverkehr zuliebe nicht genutzt werden, aktivieren, könnte man die Höchstgeschwindigkeiten ohne Gesamtzeitverlust reduzieren. Die Effekte von Geschwindigkeitsreduzierungen sind enorm – so hat ein Kfz mit 50 km/h nur noch die Hälfte des Bremsweges, als wenn es Tempo 70 fährt. Ebenso verhält es sich bei der Straßenbahn.

    Hilfreich wäre es auch, Abbiegespuren eher so zu gestalten, dass der Individualverkehr blockiert wird, nicht die Straßenbahn. Wenn ein vollbesetzter Zug auf einen Linksabbieger warten muss, stimmen die Relationen einfach nicht.

  13. Also ich würde sagen, dass diese Vorrangschaltungen für Straßenbahnen schon oft genutzt werden (merkt man dann, wenn man wirklich mal Auto fährt). Daher kommen ja diese komischen Ampelschaltungen, dass man als Fußgänger/Radfahrer nicht komplett die Straße überqueren kann.
    Vielleicht wäre es an dieser Art von Kreuzung mit der Tram am ungefährlichsten, wenn es keine Unterteilung der Ampeln gäbe. Also wenn grün ist, dann auch für die ganze Überquerung. Und Ampelphasen sollten für Fußgänger/Radfahrer verlängert werden. So fühlt sich dann auch keiner schikaniert. An Kreuzungen mit Straßenbahnverkehr muss man ja wirklich immer ewig warten, bis es wieder grün gibt.

    OT: Über die Gefährlichkeit von Rechtsabbiegern, wenn man als Radfahrer/Fußgänger grün hat, müssen wir gar nicht diskutieren. Ich plädiere da für eine Entkopplung: also dass die Rechtsabbieger eine eigene Ampelphase bekommen. Es ist auch klar, dass man sich immer umschauen sollte, auch wenn man grün hat (gibt nämlich auch Fußgänger, die bei rot laufen). Ich hatte bisher immer die gefährlichsten Situationen, wenn ich absolut regelkonform gefahren bin, aber das den Autofahrer nicht die Bohne interessiert.
    Ich meinte ja nur, dass manche Ampeln zurecht rot sind.

  14. Hallo Susan und Berlinradler! Gute Beiträge und Gedanken, Danke dafür. Mir ist aufgefallen, dass vielleicht gerade die genutzte Vorrechtsschaltung der Tram die asynchronen Ampelphasen bei Querung der Seestraße hervorrufen. Andererseits wurde ja früher im thread schon zu Recht geschrieben, dass bei der Länge der Querung und den unterschiedlichen Teilnehmern, zu Fuss und auf dem Rad, eine Synchronisierung gar nicht praktikabel wäre (ohne den Verkehrsfluss ernstlich zu bremsen – ein heiliger Gral hier in Deutschland).

    Meine Bilanz der erst recht kurz wieder begonnen Radfahrsaison ist, dass ich mich erschrecke wie oft ich für andere mitdenken muss, wie oft ich Gefahren-abwehrende Blicke in alle Richtungen mache, u.a. der übliche Schulterbliick nach hinten links bei Geradeaus-Passieren einer Kreuzung bei Grün, in Vorfahrtssituation. Egal ob Radweg, Busspur, Straße. Nie auf der Vorfahrt bestehen, nie!

    Ein kleines off-Topic-Schmankerl noch von heute: An einer für mich sensiblen Stelle wo ich vor 2 Jahren einmal schwer verunglückte (Auto nahm mir Vorfahrt, ich stürzte udn erlitt Knochenbrüche, Auto beging Fahrerflucht), dort also schnitt mich ein 7er BMW, überholte mit kaum 10cm Abstand zum Lenker illegal auf der Busspur fahrend.

    Ich erreichte den Fahrer am nächsten Rotlicht und sprach mit ihm über den Vorfall, gemahnte, den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. Der feingekleidete Mann, nicht unhöflich, war recht perplex, er habe mich gar nicht bemerkt, wo das denn gewesen sei (… 80 Meter zuvor…).

    In diesem Moment hält ein LKW-Fahrer eine Spur weiter, völlig unbeteiligt an der Sache, kurbelt das Fenter hinunter und fängt an mich grob und undifferenziert zu beschimpfen, der Anlass mir völlig nebulös – es gab keinen Konflikt zwischen uns. „Chaoten auf dem Rad … die Straße verbieten, Saupack …“. Scheinbar ertrug dieser Berufsfahrer noch nicht einmal, dass ich einen anderen motorisierten Verkehrsteilnehmer zur Rede stelle.

    Diesen wüsten Beschimpfungen gehe ich gerade nach, habe über die LKW-Vermietung das Berliner Kennzeichen LX … nachgefragt und habe nun ein Gespräch mit dem Fahrer in Aussicht gestellt bekommen.

    Das ist immer mehr meine Herangehensweise: Der Sache einfach nachgehen. Es geht nicht immer, auch will ich nicht Pädagogisieren, aber ich will auch nicht ständig was auf mir sitzen lassen, nur weil der andere dann Gas gibt und mit seinem Verbrennungsmotor wegrauscht. Vielleicht ermöglicht ein Gespräch dem LKW-Fahrer mal einen Perspektivwechsel. Die LKW-Verleihmitarbeiterin (LX sind LEX-Autos) war sehr nett, kooperativ und vermittelte gerne.

    Sollte ich wirklich ggü dem LKW-Fahrer, und sei es nur aus seiner Sicht, einen Fehler begangen haben, gar eine Bedrohung für ihn oder seinen LKW dargestellt haben, so kann er mir das gerne persönlich sagen, etwas klarstellen.

    Ich denke aber, da wurde einfach undifferenziert Frust abgelassen. Wie neulich in der Fennstraße einmal von einem PKW-Beifahrer im Stau (sehr typische und von mir auch häufiger erlebte Situation in der Innenstadt): Ich passiere den Stau in gutem Abstand, beim Vorüberfahren an besagtem PKW werde ich aus dem offenen Fenster sinnfrei angebrüllt, einfach so. Zum Glück durch den Schreck nicht die Balance verloren – aber was soll denn das? Ausgetragen werden solche Konflikte normalerweise nie, es bleiben zurück: Wut, Ärger, auch Angst (diese Hochkabinen-LKW stellen ja auch schon ohne schimpfende Fahrer einen recht Ehrfurcht-gebietenden Anblick dar).

    Allen eine Gute Fahrt und glückliche Ankunft! Cave Tram, LKW, Taxi, u.s.w., u.s.f.!!

    Joshua

  15. Tja das ist dann der kurze bitterböse Moment in dem man sich eine Schusswaffe wünscht, gottseidank haben wir in D. strenge Waffengesetze.

    Ich finds ja schön das du Reden magst, aber in solchen Momenten ( wo all der aufgestaute Dosenfrust rausgelassen wird) ist das meistens Sinnfrei.

    Siehe Herr im 7er, der war nicht frustriert und Wütend, mit dem kann man reden.

    Berufskraftfahrer scheinen in Berlin aber unter einer besonderen Ägide der Staatsanwaltschaft zu stehen, wie oft ich schon gut dokumentierte Anzeigen gegen Müllkutscher oder Busfahrer geschrieben habe (Nötigung mit Hupen und zu dichtes Überholen/Abdrängen mit Hupen, Seitenabstände etc. massig Beinaheunfälle halt) hatte Zeugen etc. teilweise sogar mit Eingeständnissen der OWI des Fahrers bei der Zeugenvernehmung und nie kam etwas anderes als : Verfahren eingestellt mangelndes Öffentliches Interesse, bist du als Nicht-Kraftfahrer nicht Tot, interessiert es keinen was passiert ist.

  16. @Susan, erst letztes Jahr gab es eine Pressemeldung, dass die in Berlin verbauten Vorrangschaltungen für Bus und Bahn sehr oft nicht genutzt werden. Lieber lässt man die Fahrzeuge länger fahren, braucht dadurch mehr Fahrzeuge und bezahlt mehr als nötig. Die Meldung finde ich gerade nicht.

    Bei Ampeln und Verkehrsregeln stimme ich Dir durchaus zu, nur leider mit dem großen Aber im Hinterkopf. Verkehrsplanung ist immer eine Prämisse zwischen Sicherheit und Geschwindigkeit, oft auch heute noch zugunsten der letzteren. Regelkonformes Fahren allein erhöht die Sicherheit nicht ausreichend, dafür ist viel mehr Wissen nötig, das so kaum von irgendjemandem vermittelt wird. Und – leider – ist oft auch Glück nötig.

    Naja und Joshuas Erlebnisse kann ich – wie wohl jeder Radfahrer – nur zu gut nachvollziehen. Wenn ich bedenke, dass einige Leute Angst vor Kriminalität in der U-Bahn haben, dann staune ich immer. Die größten Ängste habe ich immer wieder im Straßenverkehr, dagegen sind die paar Vorfälle, die ich im ÖPNV miterlebt habe, ein Witz. Und eines muss man auch sagen – auch wenn mancher Radfahrer wirklich dämlich und sinnfrei vom Bürgersteig in die Kreuzung einfährt – kritische Situationen erlebe ich fast immer nur mit Kfz.

  17. @berlinradler: Diese Meldung kannte ich nicht. Ich kann ja auch nur meine Einschätzung wiedergeben. Vielleicht prägt man sich die Stellen, die man dann mal mit Vorrangschaltung kennt, genauer ein. Natürlich habe ich keinen Überblick über die gesamte Ampelschaltungen für Straßenbahnen.

    Ich stimme auch zu, dass regelkonformes Fahren nicht hilft unverletzt zu bleiben. Gerade wenn man defensiv fährt, fühlen sich ja einige Autofahrer noch ermuntert einem die Vorfahrt zu nehmen.

    Ich hatte letzte Woche auch tolle Erlebnisse mit einem LKW, der meinte mich ohne Sicherheitsabstand überholen (also nix mit totem Winkel, denn ich fuhr vor ihm im großen Abstand) und dann direkt neben mir nach rechts in die Straße einschlagen zu müssen. Hätte ich den an der Ampel erwischt, hätte ich dem auch was erzählt. Aber er ist noch bei „dunkelgelb“ über die Kreuzung. Das war übrigens eine Straße mit Tempo 30 und rechts vor links (also noch nicht mal ein gefährlicher Radweg). Genauso einige Kfz, die Grellstraße einfach ohne zu schauen auf den Radstreifen ziehen und mich fast umnieten. Ich muss aber auch sagen, dass eine Radfahrerin ohne Licht vom Bürgersteig auf den Radstreifen gefahren ist (auf dem ich recht schnell unterwegs war) ohne zu schauen, sodass ich eine Vollbremsung machen musste.

    Das Problem ist halt, dass man als Radfahrer keine Knautschzone hat und die Situationen, die für Autofahrer maximal ein Blechschaden sind, für den Radfahrer Lebensgefahr bedeuten. Noch dazu kommt, dass die Leute in Berlin wirklich sehr aggressiv sind.

    Man muss halt jedes mögliche Fehlverhalten von anderen mit einkalkulieren und das macht das Radfahren so anstrengend. Vor nem Auto haben die Leute ja Respekt, da kann man ja gucken. Aber Radfahrer… ist ja selbst Schuld.

    Ich seh da nur keine so richtige Lösung des Problems. Keine Radwege, naja dann gibt es trotzdem die Situationen mit dem LKW, wie ich sie schrieb. Ich fahre übrigens gern Radwege und fühle mich da sicherer, weil die Autofahrer so weniger ihre Wut an mir auslassen können. Ich weiß aber um die Gefahren. Ich hab aber auch nicht die Nerven, mich ständig mit zu wenig Sicherheitsabstand überholen zu lassen. Und ich denke so geht es vielen, vor allem Frauen und Älteren.

    Ich glaube, ein Grundproblem ist immer noch die mangelnder Akzeptanz von Radfahrern. Wenn die höher wäre seitens der Kfz, gäbe es glaub ich, wesentlich weniger Unfälle.

    Nach meiner Erfahrung hab ich die gefährlichsten Situationen auch immer im Berufsverkehr, vor allem nachmittags. Zum Glück muss ich nicht oft im Berufsverkehr fahren.

    So, das hatte aber jetzt gar nichts mehr mit der Meldung zu tun.

  18. @Susan, naja ich schrieb es an anderer Stelle auch. Hauptunfallgegner für Radfahrer sind Pkw. Da sehe ich schon eine Lösung, die ist aber politisch nicht durchsetzbar. Nämlich echte autofreie Straßen, so wie der Gesetzgeber sie u.a. mit der Bezeichung Fahrradstraße vorsieht. Das würde echt was bringen, denke ich. Ein kilometerweites, bezirksverbindendes Netz, und man hat endlich seine Ruhe.

    Auch Zwischenlösungen können helfen. So beobachte ich in Kreuzberg und Schöneberg viele Nebenstraßen, die zwar zum Parken benutzt werden können, aber in der Mitte gesperrt sind. Als Radfahrer kann man da durchfahren, nerviger motorisierter Fließverkehr wird ausgesperrt. Könnte ich mir in vielen Nebenstraßen vorstellen. So eine Maßnahme bringt mir 1000x mehr als ein irgendwo wahllos aufgepinselter Radstreifen.

    Dass man absichtlich nah überholt wird, wenn man Radwege nicht benutzt, ist auch meine Erfahrung. Meine Konsequenz daraus ist, solche Straßen nach Möglichkeit ganz zu meiden, wo es geht. Bei BBBike gibts ganz gute Einstellmöglichkeiten auch diesbezüglich.

  19. Übrigens, mal etwas OT. Gestern von Schöneweide in den Bus-Ersatzverkehr eingestiegen, Straßenbahn fährt diese Woche nicht. Um vom Bhf. Schöneweide auf die andere Straßenseite zu kommen, hat man an insgesamt 4 Teilampeln zu warten. Die sind so abgestimmt, dass keine aufeinanderfolgende Ampel grün zeigt. Es gibt so viele Nur-Auto-Ampeln in Berlin, dass eine ernsthaft an einer Verbesserung interessierte Behörde gar nicht wissen könnte, wo sie anfängt. Aber solche Behörden gibts eh nicht 😉

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