Jahrespressekonferenz des Polizeipräsidenten zur Verkehrssicherheit in Berlin 2010

Heute wurde vom Präsidenten der Berliner Polizei der Verkehrssicherheitsbericht 2010 vorgestellt. Danach ist die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle in Berlin um 4,4% auf 130.500 Unfälle gestiegen. Zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Verunglückten. Mit 44 Verkehrsunfalltoten gab es den niedrigsten Stand, der jemals in Berlin registriert wurde.

Folgende Ausführungen machte der Polizeipräsident zur Radverkehrssicherheit im Jahre 2010:

„In der Verkehrssicherheitsarbeit haben wir uns im letzten Jahr auch wieder auf die Hauptrisikogruppe der Radfahrer konzentriert. In Berlin spielt das Fahrrad als Verkehrsmittel eine immer größere Rolle.

Der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehrsaufkommen hat ständig zugenommen und liegt aktuell bei ca. 13 %. Umso erfreulicher ist es, dass im vergangenen Jahr die Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern erneut deutlich zurückgegangen sind. 6.182 Unfälle sind 874 oder 12,4 % weniger als 2009. Besonders hervorzuheben ist, dass wir mit sechs getöteten Radfahrern den bisher niedrigsten Stand registriert haben. Im Jahr 2000 verunglückten noch 17 Menschen beim Radfahren tödlich, 2003 hatten wir mit 24 einen traurigen Höhepunkt. Diese positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der verunglückten Radfahrer weiterhin hoch ist. Sie verringerte sich zwar 2010 um 11,5 % auf 4.277, damit war jedoch immer noch jeder dritte Verunglückte in der Stadt ein Radfahrer. Nahezu die Hälfte der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, wurde durch sie selbst verursacht oder mitverursacht. Die häufigsten Fehlverhaltensweisen waren falsche Fahrbahnbenutzung und fehlerhaftes Einfahren in den Fließverkehr. Darüber hinaus wurden 229 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss und 192 durch Rotlichtmissachtung registriert. 19.143 Ordnungswidrigkeitsverfahren (-13,5 %, 2009: 22.143) wurden 2010 gegen Fahrradfahrer eingeleitet.

Ziel unserer Verkehrsüberwachung war es, sowohl Radfahrer als auch alle anderen Fahrzeugführer für die besonderen Gefahren des Radverkehrs zu sensibilisieren und das Radfahren in Berlin sicherer zu machen. 2011 werden wir wieder mit Schwerpunktkontrollen dazu beitragen.“

Pressemeldung 0510 der Berliner Polizei vom 11.02.2011 – 13:25 Uhr

7 Gedanken zu „Jahrespressekonferenz des Polizeipräsidenten zur Verkehrssicherheit in Berlin 2010

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  1. „…noch immer wurden 9x% dieser Unfälle durch Auto- und LKW-fahrer verursacht oder mitverursacht. Die häufigsten Fehlverhaltensweisen waren Missachtung schwächerer Verkehrsteilnehmer im Fliessverkehr, überhöhte Geschwindigkeit und zu geringer Seitenabstand. Darüber hinaus wurden xxx Verkehrunfälle durch Fehler beim Rechtsabbiegen von motorisierten Fahrzeugen und Missachtung der Vorfahrt von Radfahrern auf Fahrradwegen verursacht. Dabei kamen x Radfahrer ums Leben. xxx Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden aufgrund solcher Verstösse eingeleitet…“ wäre sicher eine Alternative gewesen.

  2. Nein nein, immer so formulieren das die Dosisten die guten sind, all die von Radfahrern totgefahrenen Menschen rotieren doch sonst in ihren Gräbern…

    Nunja zu Statistiken und deren absichtlichen Fehlinterpretation respektive fehlkommunikation hatten wir hier im Blog schon nen paar Beiträge.

  3. Was stellt denn das „Gesamtverkehrsaufkommen“ dar, die gefahrenen Kilometer oder die im Straßenverkehr verbrachte Zeit? Dennoch finde ich es immer wieder bemerkenswert, dass die Radfahrer mit einen Anteil von 13%, woran auch immer, nur an 5% der Unfälle beteiligt sind und an einer noch viel geringeren Zahl dieser Unfälle die Hauptschuld besitzen. Jeder Radfahrer mehr macht den Straßenverkehr sicherer. Hoffentlich kommt dies irgendwann auch in der Politik an.

  4. Soweit mir bekannt, ist das die Anzahl der Fahrten, @Martin LE. Insofern wirklich schwer zu vergleichen, aussagekräftiger wäre wohl die Anzahl der zurückgelegten Kilometer je nach Verkehrsart. Hierzu gibt es m.W. Zahlen, hab sie aber grad nicht parat.

    Radfahrer sind im Unfallgeschehen tatsächlich eine totale Randerscheinung, die nur von Fußgängern noch unterboten wird. Hauptunfallgegner und -verursacher sind motorisierte Fahrzeuge.

    Ist es nach Polizei-Rechnung bei Radfahrern „etwa die Hälfte“ der Radfahrer, die ihre Unfälle selbst verursacht, sind es bei Kraftfahrern etwa 75%. Grund ist ein akuter Denkfehler in der Verursacherberechnung, der im Internet unter „Schuldzuweiser“ gut erklärt wird.

  5. […] den Originalbeitrag weiterlesen: Jahrespressekonferenz des Polizeipräsidenten zur … Teile und hab Spaß Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen Social […]

  6. Der Teil über die „Radverkehrssicherheit “ klingt doch recht positiv, bleibt aber an entscheiden Stellen mal wieder zu schwammig und ungenau…aber weniger Unfälle und Verletzte ist erstmal gut 🙂

  7. Die Folgen von Radunfällen sind leider keineswegs beteudungslos. Etwa 1/3 der Verletzten und 1/6 der Getöteten im Straßenverkehr sind Radfahrer. Bei einem Verkehrsanteil (Wegeanteil) von 13% und einem Anteil an der Verkehrsleistung von 6% sind sie gleich nach den Fußgängern mit am stärksten betroffen von den Unfallfolgen. Dabei haben Radunfälle nur etwa 6% Anteil an den Unfällen im Straßenverkehr. Die Polizei gibt an, dass etwa die Hälfte der Radunfälle von Radfahrern Verursacht oder Mitverursacht werden. Hierin sind Alleinunfälle oder Unfälle zwischen Radfahrern (zu 100% von Radfahrern verursacht) enthalten. Der Anteil der verursachenden Radfahrer wird auch dadurch größer, dass die Mitverursacher einbezogen sind. Wenn man von diesen Details absieht, dann werden trotzdem maximal nur 3% der Unfälle in Berlin von Radfahrern verursacht oder mitverursacht. Das ist gemessen am Radverkehrsanteil eben wenig.
    Was die Poizei in Ihren Auswertungen nicht angibt ist, dass die weitaus häufigste Unfallursache von Radunfällen „Fehler beim Abbiegen“ von Kfz ist. Erst mit großem Abstand folgen dann jene Fehler der Radfahrer als Unfallursache, die (ausschließlich!) in der Pressemitteilung angeführt sind. Ebenfalls nicht angegeben wird von der Polizei, dass die Unfallfolgen abhängig sind vom Unfallverursacher. Leichtverletzte werden bei Radunfällen zu etwa 60% von Pkw verschuldet. Sachschäden werden bei Radunfällen zu etwa 65% von Radfahrern verschuldet. Es gibt zudem etwa doppelt so viele Radunfälle mit Leichtverletzten wie mit Sachschaden. Wer also feststellt, das Radfahrer zu etwa 50% die Radunfälle selbst verursachen tut so, als wären die Unfallfolgen gleich schwerwiegend, was eben nicht der Fall ist. Fazit: Die Polizei verkennt die Hintergründe von Radunfällen und ergreift daher auch nicht die wirksamen Maßnahmen. Das führt letztlich dazu, dass die Anzahl der Radunfälle in etwa parallel zur Zunahme des Radverkehrs steigt, währen die Unfallzahlen und Unfallfolgen bei Kfz abnehmen. Es müsste endlich Schwerpunktkontrollen zum Abbiegeverhalten von Kfz geben, das würde die Zahl der Radunfälle wirksam verringern!

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