Mehr als 250 000 Radfahrer aus dem gesamten Bundesgebiet haben am Sonntag in Berlin auf der 31. Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) für eine nachhaltige Verkehrspolitik demonstriert. Damit hätten sich die Erwartungen erfüllt, sagte der ADFC-Landesvorsitzende Benno Koch. Insgesamt standen für die Teilnehmer 18 Routen zur Auswahl, die am Großen Stern zusammenliefen. Höhepunkt der Tour war wie in den Vorjahren die Fahrt über die beiden gesperrten Autobahnabschnitte in Berlin. Für mehrere Kilometer führten die Strecken über Teile der Avus (A 115) und den Südring (A 100).
Die längste Anfahrt hatten 15 trainierte Radfahrer, die bereits um vier Uhr in der Früh in Greifswald gestartet waren, um nach 240 Kilometern rechtzeitig auf der Strasse des 17. Juni zwischen dem Großen Stern und dem Brandenburger Tor einzutreffen.
Presseberichterstattung:
Tagesspiegel: 250.000 bei Fahrrad-Sternfahrt
Berliner Morgenpost: Berlin tritt für den Umweltschutz in die Pedale

Als sich heute zwischen 16:00 und 17:00 Uhr am Heinrichplatz die Critical Mass Biker trafen, war die Polizei schon da. Nachdem die Polizisten die Ansammlung von Bikern auf der Mittelinsel eine Weile beobachtet hatten, schritten sie zur Tat. Fahrräder wurden überprüft, ob sie gestohlen waren, Gurken wurden auf ihre Verkehrssicherheit gecheckt. So wurde eifrig am Rad gedreht, um zu prüfen, ob Dynamos funktionieren. Viele Biker empfanden diese Polizeikontrollen als Schikane. Wenn es das Ziel der Polizei war, die Hälfte der Leute zu vertreiben, dann muss man sagen „Herzlichen Glückwunsch! Plan übererfüllt!“ Nur noch wenige Biker machten sich danach verspätet auf zur Critical Mass.
Ein glücklicher Küchenchef grinst vom Titelblatt der neuen RadZeit und freut sich, dass er für sein Café in Köpenick Reklame machen darf. Im Heft geht es ebenfalls sehr harmonisch zu. Kritik an der Potsdamer Provinzposse Fahrradschiebestrecke in den Schlossgärten? Ja, aber bitte moderat formuliert und als Gegenpart ein Interview mit Martina Woiwode, in der Potsdamer Stadtverwaltung zuständig für den Radwegebau, die wortreich darlegt, dass im Grunde nichts passiert. Originalzitat Woiwode: „Für den Weg im Königswald ist eine gemeinsame Lösung mit der Forstverwaltung zu finden. Es ist vorstellbar, dass die Stadt Potsdam eine Ausbauplanung anschiebt und Fördermittel beantragt. Hierzu sollen dieses Jahr weitere Gespäche aufgenommen werden, so dass eine mittelfristige Verbesserung in Aussicht steht“ (RadZeit 2 2007, Seite 25). Politik nach Gutsherrenart, wo selbst das Beantragen von EU-Fördermitteln als Gnade der Obrigkeit gegenüber den Radfahrern erscheint.
