Wer nach Nordhausen/Thüringen mit der Bahn fährt, um die BesetzterInnen der Fahrradfabrik Bike Systems zu besuchen, braucht am Bahnhof keinen Passanten nach dem Weg zur Fahrradfabrik zu fragen – obwohl jeder den Weg weiß – der Besucher braucht nur seinen Ohren zu trauen. Er geht dorthin, wo ein lautes und permanentes Gehupe herkommt. Vor der Fabrik sieht man, zumindest bei gutem Wetter, ca. 20 Frauen und Männer in einer Reihe vor dem Werkzaun sitzen, einige haben rote Schirmmützen der IG Metall auf, alle haben Trillerpfeifen zur Hand. Fast jedes vorbeifahrende Auto hupt und alle BesetzterInnen heben als Antwort eine Hand mit hochgestrecktem Daumen und trillern nachhaltig. Ein hoher Lärmpegel an der vielbefahrerenen B 80, vom Hellwerden bis zum Dunkelwerden. Eine Kollegin hatte am ersten Besetzungstag, Dienstag, dem 10. Juli, die Idee, ein Schild zu malen: Bitte hupen. Das Schild braucht niemand mehr hochzuhalten!
Besetzte Fahrradfabrik: „Nichts zu verlieren!“ weiterlesen
Todeskreuzung: 21-jährige von LKW getötet
Heute Mittag wurde eine 21-jährige Radfahrerin in Prenzlauer Berg unter noch ungeklärten Umständen von einem Lastkraftwagen eines 55-jährigen Fahrers überrollt. Die Radfahrerin wurde von einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen und starb dort an ihren schweren Verletzungen.
Es ist bereits der zweite tödliche Unfall an der Todeskreuzung Greifswalder Straße Ecke Ostseestraße im Bezirk Pankow in diesem Jahr. Bereits am 16. April 2007 war an dieser Kreuzung ein 92-jähriger Radfahrer von einem rechtsabbiegenden LKW tödlich verletzt worden.
Die Meldung der Berliner Polizei im Wortlaut: „Bei einem Verkehrsunfall heute Mittag in Prenzlauer Berg ist eine 21-jährige Radfahrerin ums Leben gekommen.
Die junge Frau überquerte ersten Ermittlungen zufolge gegen 13 Uhr 45 an der Kreuzung Ostsee- Ecke Greifswalder Straße mit ihrem Fahrrad im Fußgängerbereich die Ostseestraße, als sie vom Lastwagen eines 55-Jährigen erfasst wurde. Die 21-Jährige erlitt schwerste Verletzungen und wurde noch am Unfallort erstversorgt. Dabei kam auch ein Rettungshubschrauber zum Einsatz. Anschließend wurde sie in ein Krankenhaus eingeliefert und erlag dort am späten Nachmittag ihren Verletzungen.
Der genaue Unfallhergang ist noch unklar. Die Verkehrspolizei ermittelt.
Wegen des Unfalls war die Ostseestraße zwischen Greifswalder Straße und Roelckestraße für mehr als eineinhalb Stunden gesperrt.
Auf Berlins Straßen sind in diesem Jahr bisher 37 Menschen ums Leben gekommen.“
Unfallstelle bei Google Maps
Be Your Own Pet: Bicycle, You Are My Bicycle
Be Your Own Pet ist eine Punkrocktruppe von Nashville Tennessee und besteht aus Jemina Pearl Abegg (vocals), Nathan Vasquez (bass), Jonas Stein (guitar) und John Eatherly (drums). Den Song Bicycle Bicycle, You Are My Bicycle hatten wir im letzten Jahr schon mal als Audiotrack. Seit einigen Monaten gibt es auch ein nettes Video im Netz.
We’re on two wheels baby
We’re on two wheels baby
We will come to your town
Burn your house down
Turn the sky brown
All because, all because, all because
We’re on two wheels baby
We’re on two wheels baby
Barloworld-Rennfahrer Ryan Cox ist tot
Völlig überraschend ist vorgestern der südafrikanische Radrennfahrer Ryan Cox im Alter von 28 Jahren gestorben. Cox war vor drei Wochen an der Arterie im Bein operiert worden; die Komplikationen infolge der Gefäßverletzung führten am Mittwoch zu seinem Tod.
Ryan Cox begann seine Karriere 2000 beim Radsport-Team Amore e Vita. Nach einem Jahr wechselte er zum Team Cologne, wo er zwei Jahre fuhr. Seit 2003 fuhr Cox für das britische Professional Continental Team Barloworld. Sein erfolgreichstes Jahr hatte er 2005. Erst gewann er die Gesamtwertung der Tour de Langkawi und später wurde er dann noch südafrikanischer Straßenmeister. In der abschließenden Gesamtwertung der UCI Africa und Asia Tour wurde er jeweils Zweiter. Das Foto zeigt Ryan Cox bei dem Radrennen „Rund um den Henninger Turm“.
Homepage von Ryan Cox
Wikipedia über Ryan Cox
Photo: Wikipedia
Fahrradwerk in Nordhausen besucht
Wir waren vergangenen Sonntag in Nordhausen und haben mit den Arbeitern der besetzten Fahrradfabrik gesprochen. Wir wurden sehr herzlich empfangen und haben Näheres über die Sachlage erfahren. Uns wurde das Werk gezeigt und der Werdegang der letzten Jahre erklärt.
Die Arbeiter erfahren in diesen Tagen grosze Solidarität von der Bevölkerung. Eine Woche zuvor wurde ein groszes Fest veranstaltet, wo Bevölkerung aus Nordhausen und Umgebung zu Gast waren. Die Solidaritätsbekundungen, die über Email reinkommen, reichen von Betriebsratsgrüszen bis zu ersten Kaufversprechen, sollte der Betrieb in Selbstverwaltung übergehen. Im Gespräch stellte sich heraus, dass aber Selbstverwaltung sich als besonders schwierig darstellen würde, da im Prinzip nur noch der “produzierende Arm” der Fabrik vorhanden ist. Alles weitere wie Verwaltung, Vertrieb und Finanzen sind in der Vergangenheit von Geschäftsleitung grösztenteils ausgegliedert wurden.
Inwiefern sich aus dem Protest also tiefergreifend widerständige Praxis entwickelt, ist im Moment schwer vorherzusagen. Als wir ankamen hingen bereits Poster den zapatistischen Kaffee anpreisend für den täglichen Widerstand – wobei die Belegschaft sich nicht notwendigerweise mit dem Mexikaner mit Gewehr in der Hand und Sombrero auf dem Kopf identifiziert. Auch steht die Idee einer Selbstverwaltung nicht offen im Raum. Als ich vorsichtig danach fragte, sagte ein Arbeiter: “Ha, der nächste der nach Selbstverwaltung fragt.” Wir haben dann zwar ein wenig darüber philosophiert, wie ein womöglich ökologisch und sozial nachhaltig hergestelltes Fahrrad auf der Welle bewussteren Konsums mitreiten könnte – allgemeine Begeisterung gibt es in der Belegschaft dafür (noch) nicht, eher Zweifel.
Auf die Frage, wie mensch den Widerstand der Nordhausener unterstützen kann, wurde uns gesagt, dass Öffentlichkeit besonders wichtig wäre. Man könnte Diskussionsabende zur Thematik organisieren. Ich habe einerseits auf regionale Sozialforen als auch auf die Menschen des Kongresses zur Solidarischen Ökonomie verwiesen. Darüberhinaus sind globalisierungskritische Mitmenschen im Allgemeinen sicherlich auch an diesem Thema interessiert.
Kontaktdaten und mehr Infos gibt es auf LabourNet.
Dieser Beitrag wurde komplett aus dem Blog von anarchitect übernommen. Vielen Dank!
Abbiegender LKW verletzt Radfahrerin schwer
Im Ortsteil Oberschöneweise in Berlin wurde gestern Nachmittag kurz vor drei Uhr eine Radfahrerin durch einen Lastkraftwagen schwer verletzt. Ein LKW-Fahrer war die Rummelsburger Straße in Richtung An der Wuhlheide gefahren. Als er in die Edisonstraße rechts abbog, übersah er die 62-jährige Radfahrerin, die in die gleiche Richtung unterwegs war. Die Frau geriet mit beiden Beinen unter den Lkw und kam mit schweren Verletzungen stationär in ein Krankenhaus.
Pressemeldung der Berliner Polizei
Unfallstelle bei Google Map
Nordhausen: Fahrradfabrik besetzt
Die Nordhäuser Fahrradwerke Bike Systems wurden kürzlich vom US-Finanzinvestor Lone Star aufgekauft und sollten abgewickelt werden. Das ausgeblutete Unternehmen konnte die Löhne noch nicht einmal bis zum Ende der gesetzlichen Kündigungsfrist zahlen. Da platzte den Fahrradarbeitern der Kragen und sie besetzten kurzerhand die Fahrradfabrik. Trotz Kampfunerfahrenheit sind die Beschäftigten von Bike Systems entschlossen, den Widerstand bis zu einer Lösung fortzusetzen.
Indymedia über die Fahrradfabrikbesetzung
junge Welt: „Nix zu verlieren“
Wikipedia über die Investmentgesellschaft Lone Star
Special von LabourNet.de über Bike Systems Nordhausen
Fahrradmitnahme im Bahn-Fernverkehr
Wer seine Urlaubsreise mit der Bahn und dem eigenen Fahrrad plant, verirrt sich allzu leicht im Dschungel der Fahrplanübersichten, denn die Fahrradmitnahme ist leider nicht selbstverständlich. Der ADFC sorgt nun für mehr Durchblick.
Auf welchen Strecken kann man sein Fahrrad noch im reservierbaren Stellplatz transportieren? Wo hat sich das Angebot verschlechtert? Wo sind Angebote, wie etwa neue Nachtzuglinien, hinzugekommen? Die Antworten findet man auf folgenden Übersichtskarten des ADFC:
Einzelkarte Tagesfernverkehr (pdf)
Einzelkarte Freitags verkehrende Züge (pdf)
Einzelkarte Samstags verkehrende Züge (pdf)
Einzelkarte Sonntags verkehrende Züge (pdf)
Einzelkarte Nachtzüge (NZ, EN. CNL, D-Zug) (pdf)
Einzelkarte Nachtzüge sonstige (pdf)
Alle Karten des ADFC im Überblick
Autohasser rules OK!
Da ist der innere Druck wohl zu hoch gewesen…
In Westberlin ist eine Gruppe von Ökoaktivisten zur Tat geschritten. Bei mehr als 50 Geländewagen und Luxuskarossen wurden in den vergangenen Nächten die Luft abgelassen. Als Begründung hinterließen die TäterInnen ein Flugblatt an der Windschutzscheibe der Autos in welchem die BesitzerInnen zur Reflektion über die Ökobilanz ihres Fahrzeuges angehalten wurden. Die nötige Zeit hätten sie ja jetzt dazu.
In Frankreich ist seit zwei Jahren schon fast so etwas wie eine Bewegung entstanden. Im Netz brüsten sich AktivistInnen mit hunderten von tiefergelegten Autos.
Eine direkte Aktion gegen den Fetisch Auto auf dem Weg zu einer autofreien Stadt.
Bat For Lashes: What’s A Girl To Do
Eine coole Fahrradchoreographie liefern die Jungs oder Mädchen in dem Video von Bat For Lashes ab. Bat For Lashes heißt mit bürgerlichem Namen Natasha Kahn und ist eine 27-jährige pakistanisch-englische Künstlerin aus Brighton. Ihr Debut-Album Fur and Gold erschien im letzten Herbst und daraus ist das Stück What’s A Girl To Do.
Homepage Bat For Lashes
Bat For Lashes: What’s A Girl To Do
Lyrics zu: What’s A Girl To Do
via: cyclelicious
Zahlen zur Fahrradnutzung in Berlin
Zwischen Mai und Oktober 2006 wurden auf ausgewählten Berliner Straßen Verkehrszählungen durchgeführt. Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen, dass der Fahrradverkehr einen Anteil von bis zu 25 Prozent am Gesamtfahrzeugaufkommen hat. Es handelt sich bei den Daten um Durchschnittszahlen innerhalb von 24 Stunden im letzten Sommer. Um negative Einflüsse von Regen- und Kälteperioden auszugleichen, wurden die Ergebnisse der Zählung mit so genannten Wetterfaktoren verrechnet.
Oberbaumbrücke: 7 300 Fahrräder
Straße des 17. Juni (Charlottenburger Tor): 7 100 Fahrräder
Karl-Liebknecht-Straße (Schlossbrücke): 6 900 Fahrräder
Kastanienallee: 6 400 Fahrräder
Kreuzbergstraße: 6 300 Fahrräder
Yorckbrücken: 6 000 Fahrräder
Monumentenstraße: 4 800 Fahrräder
Südwestkorso: 3 100 Fahrräder
Berliner Zeitung: Stau auf dem Fahrradstreifen
Tagesspiegel: Berliner steigen häufiger aufs Rad
via: Hauptstadtblog
Keine Tour de France bei ARD und ZDF
Die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF steigen vorläufig aus der Tour-de-France-Berichterstattung aus, nachdem der Telekom-Radfahrer Patrik Sinkewitz am 8. Juni in einer A-Probe der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada positiv getestet wurde. Nach Bericht von Spiegel-Online soll der Boykott solange anhalten, bis die Angelegenheit geklärt sei.
Norddeutsche Radwege sind unzumutbar
Schlechte Radwege und besonders die Radwegebenutzungspflicht sind ein Dauerärgernis für viele Radfahrer. Damit ein Radweg durch ein blaues Radfahrerschild als benutzungspflichtig deklariert werden kann, muss er folgende Anforderungen erfüllen:
- Der Radweg muss mindestens 1,5 Meter breit sein.
- Der Radweg muss zumutbar für die Radfahrer sein.
Wie die Radwege im in dieser Hinsicht besonders schlimmen Hamburg aussehen, hat ein Fernsehteam des NDR recherchiert. Laut einer Schätzung des ADFC sind etwa drei Viertel aller Radwegeschilder in Hamburg widerrechtlich aufgestellt. Es scheint, als verstoße die Stadt Hamburg bewusst gegen Recht und Gesetz, nur um die Radler von der Fahrbahn fernzuhalten.
NDR: Norddeutsche Radwege unzumutbar: Markt mischt sich ein
NDR-Video zum Thema Radwege in Hamburg
via: de.rec.fahrrad
Fahrraddetektor senkt Autotempo
In Grijpskerke in den Niederlanden ist an einer wichtigen Kreuzung ein elektronisches Warnsystem für Autofahrer installiert. Sobald sich ein Radfahrer der Kreuzung nähert, leuchtet ein Warnschild auf, das dem Autofahrer den herannahenden Radler signalisiert.
Erste Resultate haben ergeben, dass die Autofahrer die durchschnittliche Geschwindigkeit von 75 km/h auf 72 Kilometer in der Stunde senken. Eine Befragung der Autofahrer ergab: nahezu jeder Autofahrer passte sein Fahrverhalten der Situation an.
Die Radfahrer wurden ebenfalls befragt. Die Hälfte der Radfahrer beobachteten eine reduzierte Geschwindigkeit der Autos vor der Kreuzung.
Verkeerskunde: Fietsverklikker beinvloedt rijsnelheid automobilisten
Foto: www.verkeerskunde.nl
Tour-de-France-Apotheke: Amphetamin
Amphetamin ist eine synthetische Substanz, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts vom Chemiker Lazar Edeleanu gefunden wurde.
Amphetamin ist ein sogenanntes Sympathomimetikum, das heißt es wirkt stimulierend auf den Sympathikus ein. Im Gehirn bewirkt Amphetamin die Ausschüttung und Wiederaufnahmehemmung von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin, dadurch ergibt sich eine enorm hohe Konzentration dieser 3 Neurotransmitter bzw. Hormone. Durch Amphetamin werden Kraft, Schnelligkeit sowie die Libido gesteigert, Gefühle wie Hunger, Durst, Müdigkeit und Schmerzen werden ausgeschaltet. Diese Eigenschaften machen Amphetamin zu einem idealen Dopingmittel für Radrennfahrer.
Bis 1939 war Amphetamin in Deutschland frei verkaufbar, danach wurde der Verkauf reguliert. Im Radrennsport hatte Amphetamin in den fünfziger und sechziger Jahren seine große Zeit, als es noch keine Dopingvorschriften gab. Die ersten Doping-Kontrollen bei der Tour de France wurden 1966 durchgeführt.
Heute vor vierzig Jahren, am 13. Juli 1967, kollabierte der englische Tour-Rennfahrer Tom Simpson mit einer Überdosis Amphetamin im Körper beim Anstieg zum Mont Verdoux und verlor das Bewußtsein. Trotz einer durchgeführten Herz-Lungen-Wiederbelebung verstarb er noch am Ort des Zusammenbruchs.
Wegen der leichten Nachweisbarkeit spielt Amphetamin im Leistungssport mit echten Dopingkontrollen heute keine große Rolle mehr.
Wkipedia über Amphetamin
Wikipedia über Tom Simpson
Uni Regensburg: Doping mit Amphetamin (pdf)
