Radtour: Stadtumstrukturierung aufhalten?

Im Prozess der Aufwertung oder Gentrification des Stadtteils kaufen sich Besserverdienende und junge Familien seit Mitte der 1990er Jahre im Prenzlauer Berg Eigentumswohnungen. Sie freuen sich über die idyllischen Spielplätze, Boutiquen und großen Bioläden. Die zunehmende Anzahl von Hostels zieht junge TouristInnen an. Andere Bevölkerungsgruppen, wie alte Menschen oder auch nicht so gut Betuchte, wohnen nur noch vereinzelt im Kiez. In diesen Entwicklungen spiegeln sich nicht nur neue Lebensstile, veränderte Biografien und demografische Umbrüche wider, vielmehr sind sie auch Ausdruck der spezifischen Verwertungsbedingungen des Immobilienmarktes und stadtpolitischer Entscheidungen. Die Gentrificationforschung und die vielen realen Anti-Gentrificationkämpfe zeigen, dass die Wohnungsfrage immer noch vor allem eine Frage sozialer Gerechtigkeit ist und Gentrification als ein Angriff auf erkämpfte soziale Standards und kollektive Strukturen verstanden werden muss.

Wir fahren mit Fahrrädern zu den Baustellen zukünftiger, nahegelegener Orte der Aufwertung und Verdrängung, unter anderem zu den Choriner Höfen, wo wir kurz die Entwicklung in den letzten Jahren skizzieren werden. Danach wollen wir gemeinsam Möglichkeiten und Grenzen verschiedener Interventionen gegen Gentrifizierung und die damit einhergehende Vertreibung besprechen. Angefragt sind StadtteilaktivistInnen aus Prenzlauer Berg, die in den 1990er Jahren versucht haben MieterInneninitiativen und Stadtteilauseinandersetzungen zu organisieren.

Fahrradtour: Stadtumstrukturierung beeinflussen/aufhalten?
Im Rahmen der Veranstaltungreihe PIMP (Projekte in Mitte und Prenzlauer Berg)
Sonntag, 25.5., 15 Uhr, Platzhaus auf dem Teutoburger Platz
Zionskirchstraße Ecke Templiner Straße
Bringt Räder mit!

Modellprojekte gegen Verkehrslärm

„Weniger Fahrbahnen für die Autos + mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger = weniger Verkehrslärm für Anwohner.“

Ob diese Gleichung aufgeht, will der Berliner Umweltsenat in einem Modellprojekt herausfinden. Vier Straßenabschnitte sind für das Projekt vorgesehen, auf denen jeweils eine Autofahrbahn je Richtung reduziert wird und ein neuer Fahrradweg entsteht:

– Prinzenallee (Wedding) zw. Bad- und Osloer Straße
– Drontheimer Straße (Wedding)
– Dudenstraße (Kreuzberg) zw. Mehringdamm und Kolonnenstr.
– Brandenburgische Str. (Wilmersdorf) zw. Hohenzollerndamm u. Berliner Str.

Laut Berliner Zeitung sind größere Investitionen bei keinem dieser Lärmforschungsprojekte nötig. Vermutlich werden die Straßen nur umlackiert. Das bedeutet auch, dass die neu angelegten Radstreifen auf der Fahrbahn verbleiben. Gut so, ich wünsche mir mehr Forschungsprojekte dieser Art.
Berliner Zeitung: Es hat kräftig gerummst

Routen der Sternfahrt 2008

Routenplan Sternfahrt 2008Die diesjährige Sternfahrt am Sonntag, dem 1. Juni wird unter dem Motto Berlin fährt Rad stehen. Nun wurden der Routenplan bekannt gegeben. Anders als in den letzten Jahren wird es diesmal nicht über den Autobahnsüdring gehen. Statt des Südrings, der in diesem Jahr wegen der Internationalen Luftfahrtausstellung für die Sternfahrt gesperrt bleibt, steht die Autobahnstrecke A 104 zwischen Schildhornstraße und Hohenzollerndamm zur Verfügung. Im letzten Jahr hatten an der Sternfahrt bei sehr schönem Wetter 250.000 Radfahrer teilgenommen.
Übersichtsseite des ADFC zur Sternfahrt 2008
Routenplan Sternfahrt 2008 (pdf)

Frau von Lkw angefahren

Es gab wieder einen Lastwagenunfall, diesmal kein Abbiege- sondern ein Spurwechselunfall, aber wieder mit den immergleichen Ursachen. Die Kombination aus totem Winkel, Unachtsamkeit eines Lkw-Fahrers und womöglich fehlendem Dobli-Spiegel führt dazu, dass in das Schicksal einer Radfahrerin unverhofft und böse eingegriffen wird.

„Lebensgefährliche Verletzungen erlitt eine Radfahrerin heute früh in Gesundbrunnen bei einem Verkehrsunfall. Ein 24-Jähriger aus dem Landkreis Dahme-Spreewald fuhr gegen 7 Uhr 20 mit seinem „MAN“-Sattelschlepper auf der Badstraße in Richtung Osloer Straße. An der Kreuzung Prinzenallee bemerkte er hinter sich einen Rettungswagen der Berliner Feuerwehr mit Blaulicht und wechselte mit dem Lastwagen in die rechte Fahrspur. Dabei übersah er die rechts neben ihm fahrende 40-Jährige und erfasste sie mit dem Auflieger. Die Radfahrerin kam in ein Krankenhaus und wurde notoperiert. “
Pressemeldung der Polizei 1347 vom 08.05.2008 – 13:35 Uhr

9-jähriges Mädchen von Lkw angefahren

Ein neun Jahre altes Mädchen ist gestern im Stadtteil Wittenau im Berliner Bezirk Reinickendorf auf dem Gehweg von einem Lastkraftwagen angefahren und schwer verletzt worden. Die Polizei teilte mit, dass das Kind mit seinem Fahrrad um 17:30 Uhr auf dem Dannenwalder Weg unterwegs war, als ein Lkw nach links auf einen Parkplatz einbog. Das Mädchen kam zu Fall und wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Dem Lastwagenfahrer passierte nichts.
Pressemeldung der Berliner Polizei #1331 von 07.05.2008 – 09:50 Uhr

Straßen für alle in Brandenburg

Brandenburgs Infrastrukturminister will bis zum Sommer drei Shared space Pilotprojekte festlegen. Insgesamt bewerben sich zehn Kommunen für die Teilnahme an diesem Verkehrsprojekt, bei dem Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer den Straßenraum gemeinsam nutzen. Niemand hat Vorrang. Verkehrsinseln, Schilder, Ampeln, Bordsteinkanten, so etwas ist bei diesem Konzept nicht mehr nötig. Die drei dann ausgewählten Orte erstellen zunächst Machbarkeitsstudien, auf deren Grundlage die Städte das Verkehrskonzept umsetzen.
Tagesspiegel vom 5.5.2008 (Printausgabe)

little red riding shirt

little red riding shirt

Photo: little red riding shirt
Photograf: eeloy

Das Bild little red riding shirt ist eines von vielen ausgezeichneten Berlinphotos des Photografen eeloy. Wer zuerst ansagt, wo die Photografie gemacht wurde, findet noch vor dem nächsten Wochenende eine eins A indische Fahrradglocke im Briefkasten. Sorry an die Nichtberliner, bei diesem Spielchen habt ihr ganz schlechte Karten.

6-jähriger Radfahrer angefahren

Das vergangene Wochenende haben viele genutzt, mit dem Rad ins Grüne zu fahren oder einfach nur durch die Stadt zu cruisen. Ein sechsjähriger Radfahrer erlitt bei einem Unfall schwere Verletzungen und musste in die Klinik: „Bei einem Verkehrsunfall in Buch zog sich ein Sechsjähriger Beinverletzungen zu und kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Der Junge und sein 30-jähriger Vater waren gegen 15 Uhr 30 mit ihren Fahrrädern auf der Schönerlinder Straße unterwegs. Eine 40-jährige Toyota-Fahrerin wollte von der Schönerlinder Chaussee nach rechts in die Schönerlinder Straße abbiegen und hielt vorher am Stopschild an. Beim Abbiegen übersah sie offenbar die Radfahrer, die auf dem für beide Richtungen freigegebenen Radweg fuhren, und erfasste den Sechsjährigen. Der Vater des Jungen rettete sich mit einem Sprung von seinem Fahrrad und blieb unverletzt.“ (Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 1242)

Noch Startplätze für Velothon frei

Die Anmeldung für das erste Velothon in Berlin ist noch knapp eine Woche möglich. Bis jetzt haben sich bereits 9100 Radfahrer für den Berliner Fahrrad-Marathon angemeldet, 900 Plätze sind noch frei.

Zwei Strecken stehen am 25. Mai 2008 zur Auswahl. Eine kürzere 60-Kilometer-Distanz führt entlang zahlreicher Sehenswürdigkeiten durch die Innenstadt, eine längere 105 Kilometer-Variante macht eine Zusatzrunde um den Tegeler See.
www.skoda-velothon-berlin.de

Umbau Danziger und Eberswalder Straße

Umbau Eberswalder und Danziger Straße

In den kommenden zwei Jahren wird im Bezirk Pankow der Straßenzug Eberswalder Straße und Danziger Straße auf einer Länge von 750 Metern komplett umgebaut. Preis der Grundsanierung: drei Millionen Euro. Geplant sind auch Radwege, dazu die Pressemeldung des Senators für Stadtentwicklung im Zitat: „Die Gehwege werden mit separaten Radwegen neu gebaut.“ Es werden also klasssische Hochbordradwege entstehen, von den Fahrbahnen teilweise durch Parktaschen und teilweise durch Baumscheiben getrennt (siehe Grafik: Querschnitt Eberswalder Straße).

Ich weiß nicht, ob das Bauvorhaben aufgrund von zehn Jahre alten Planungen entsteht oder ob die zuständigen Verkehrsplaner sich konsequent den aktuellen Erkenntnissen der Verkehrswissenschaftler verweigern. Fahrräder gehören auf die Fahrbahn und nicht auf den Bürgersteig! Sonst kracht es bald wieder an der nächsten Kreuzung.

Umbau Danziger und Eberswalder Strasse

Das Foto zeigt die Danziger Straße zwischen Schönhauser Allee und Lychener Straße noch im alten Zustand.

Grafik Bezirksamt Pankow
Foto: abbilder
Stadtentwicklungssenat: Umbau der Eberswalder Straße / Danziger Straße von Schwedter Straße bis Lychener Straße
Bezirksamt Pankow: Straßen- und Leitungsbau Eberswalder Straße – Danziger Straße (pdf)

Fahrradrestauration Velissario

Ich komme gerade aus einer Wohnung im Wedding, in der eine unglaubliche Menge an historischen Fahrrädern gehängt, gestellt, gestapelt war. Allein das Wohnzimmer barg genug Schätze, um ein Fahrradmuseum komplett zu füllen. Ein Beispiel: das Bauer Track-Bike aus den 40er Jahren kommt wie aus dem Ei gepellt. Das lupenreine Rot des Rahmens, die golden abgesetzten Muffen, die Holzfelgen, alles sieht aus wie nagelneu und ist doch mehr als sechzig Jahre alt.

Bauer Track-Bike

Herr über das historische Fahrradreich ist Georgios Velissario, Fahrradsammler und Händler historischer Fahrräder aus Leidenschaft. Georgios sucht gerade ein Ladengeschäft, um seine Schätze besser präsentieren zu können. Man findet ihn aber auch auf dem Flohmarkt am Mauerpark, wo er seine Oldtimer und Youngtimer verkauft.

Auf der Homepage stehen noch keine Inhalte, aber immerhin sind dort seine kompletten Kontaktdaten. Wer historische Räder liebt, der findet bei Georgios Velissario sein Paradies.

rembetis Historische Fahrräder – Vintage Bikes – An- und Verkauf

Sarah Stark über Berliner Fahrradpolitik

Mitte März hat der Berliner ADFC einen neuen Vorstand gewählt, neue Landesvorsitzende wurde Sarah Stark. Anlässlich der Wahl haben wir Sarah drei Fragen gestellt:

  1. Was sind die größten Defizite der Fahrradpolitik des Berliner Senats in den letzten Jahren?
  2. Was sind die wichtigsten Ziele des ADFC in Berlin?
  3. Wie steht das Fahrrad als Verkehrsmittel in Berlin heute in fünf Jahren da?

Die ausführlichen Antworten von Sarah Stark lest ihr nach dem Klick.
Sarah Stark über Berliner Fahrradpolitik weiterlesen

Fahrradniederlegung am Kudamm

Heute vor vierzig Jahren wurde am Kurfürstendamm auf Rudi Dutschke geschossen. Das Foto mit Dutschkes Rad und seiner Aktentasche, die noch am Lenker hing, ging damals um die Welt. Die Tat, an dessen Folgen Rudi Jahre später starb, wurde vom Arbeiter Josef Bachmann verübt. Zum Gedenken an den Mordanschlag haben die Grünen und die Witwe Dutschkes heute zu einer Fahrradniederlegung am Tatort aufgerufen, die bereits um 15:00 Uhr stattfand. „Bitte mit dem Fahrrad kommen!“ stand auf der Einladung. In einer Mediengesellschaft, die von Bildern lebt, sei das Bild von 50, 60 auf der Straße liegenden Rädern eindrücklicher als Worte, sagt dazu der Filmemacher und Autor Gerd Conradt, der diese Aktion mitinitiiert hat.
taz: Fahrradniederlegung für Rudi
Hauptstadtblog: alle Räder liegen still

Ratschläge der Berliner Polizei für Radfahrer

In den Pressemeldungen Nr. 1035 und Nr. 1036 der Berliner Polizei geht es um zwei Unfälle mit schwerverletzten Radfahrern. In einem Fall wurde eine 73-jährige Radfahrerin von einem Citroen erwischt, der aus einem Einkaufszentrum kam. Im zweiten Fall war die Unfallursache eine sich öffnende Autotür. Anschließend gibt die Berliner Polizei zu Beginn der Fahrradsaison 2008 Tipps und Ratschläge für Fahrradfahrer, die wir hier mal komplett zitieren:

„Radfahrer nehmen ungeschützter als Autofahrer am Straßenverkehr teil und erleiden bei einem Unfall oftmals erhebliche (Kopf-) Verletzungen: Deshalb Schutzhelm tragen!

Nicht alles auf sich nehmen! Eine weitere Person auf dem Gepäckträger, dem Querholm oder dem Lenker mitzunehmen, ist ein großes Unfallrisiko: Der Bremsweg verlängert sich erheblich und das Lenkverhalten wird verschlechtert.

Schutzräume für Fußgänger beachten! Kluge Radfahrer vermeiden Fußgängerängste.
Nur Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen, ältere Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege befahren. Dabei ist jedoch auf Fußgänger besondere Rücksicht zu nehmen! Beim Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder absteigen.

Nicht ausgeschilderte Radwege müssen nicht, können aber benutzt werden.
Nicht ausgeschilderte Radwege müssen nicht benutzt werden. Wer sich dort aber sicherer fühlt, darf sie auch weiterhin benutzen. Einerseits kann man sich dadurch der Enge und dem schnellen Überholverkehr auf der Fahrbahn entziehen, andererseits könnte man jedoch in die Gefahr geraten, an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstückseinfahrten von abbiegenden Fahrzeugführen übersehen zu werden.“

Soweit die Pressemeldung. Abgesehen von der Schutzhelmfrage, die ich persönlich anders sehe, finde ich die Ratschläge recht vernünftig. Besonders bei der Radwegebenutzungsfrage ist das Für und Wider gut dargestellt.