Umgestaltung des Moritzplatzes

Als vor vier Wochen der Beitrag Unfall am Moritzplatz erschien, wussten wir noch nicht, dass der Bezirk bereits seit Längerem eine Umgestaltung des Platzes plant. Seit Mai letzten Jahres liegt ein Plan zur Veränderung der Verkehrsströme in den Schubladen. Wenn die Information der radzeit zutrifft, wird mit den Bauarbeiten im Frühjahr angefangen, die Berliner spricht davon, dass „das Bezirksamt 2015 mit der Ummarkierung beginnen wolle“.


Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg: Moritzplatz Plan Entwurf (pdf-Dokument)

An den stumpfen Seiten des Kreises beträgt die gesamte Fahrbahnbreite 10,15 Meter. Dieser Raum wird neu aufgeteilt. Der Radstreifen ist an dieser Stelle 3,40 Meter breit. Daran schließt sich ein Puffer zwischen Fahrbahn und Radstreifen an, der 1,25 Meter breit ist. Die Fahrbahn für KFZ wird schließlich 5,50 Meter breit.

Nicht überall bleibt der Raum für die Autos gleich breit. An den vier Ausfahrten des Kreisverkehrs wird er bis zu 6,75 Meter breit. Entsprechend schrumpft der Radstreifen an diesen Stellen auf 3,00 Meter Breite. Wenn ich den Plan richtig verstehe, ist der Radstreifen durchgehend zweispurig gedacht, es gibt immer eine Rechtsabbiegespur und eine zweite für Radfahrer, die im Kreis weiterfahren. Um die Wahrnehmung des Radstreifens zu erhöhen, wird der ganze Kreis mit „abriebfestem, rot gefärbtem Asphalt unterlegt“.

Im Entwurf wird recht großzügig mit Schrägstrichgattern gearbeitet, die Sperrflächen, die von Fahrzeugen freigehalten werden sollen. Dadurch soll wohl die Einspurigkeit des Kraftfahrzeugverkehrs gefördert werden. Die Oranienstraße westlich des Moritzplatzes wird ebenfalls einspurig je Richtung plus Buspur in beide Richtungen.

Bezirk Friedrichshain-Kreuzber: Moritzplan Plan Entwurf (pdf-Dokument)
Berliner Zeitung: Berlin rollt Radfahrern roten Teppich aus
radzeit: Moritzplatz wird radfreundlich ummarkiert

Berliner Fahrradwoche

Von heute bis zum kommenden Sonntag steht in Berlin das Fahrrad im Mittelpunkt. Die Berlin Bicycle Week als Auftakt zu zwei Fahrradmessen je am Sonnabend & Sonntag und weitere Veranstaltungen bieten dem Radfahrer reichlich Möglichkeiten, seinen Neigungen zu frönen. Eine kleine Auswahl:

Montag:
19:00 Uhr: Film im Soho House: „off the grid“. Lucas Brunelle schiebt sein Rad abseits von Wegen auf der letzten Lücke in der Panamericana im Südosten Panamas und im Nordwesten Kolumbiens.

Dienstag:
19:00 Uhr: Lesung im Soho House. Bettina Hartz liest aus „Auf dem Rad“.
19:00 Uhr: Sputnik Kino: “Sportsfreund Lötzsch”, ein Dokumentarfilm über den Chemnitzer Radsportler.

Mittwoch:
17:00 Uhr: Station Berlin: „Fahrrad meets Startups“. Die Gründer- und Investorenszene mit Politik und Verbänden trifft auf die Fahrradszene. Fünf Startups stellen ihre Innovationen rund ums Rad vor.
19:00 Uhr: Sputnik Kino: „Half the Road“, ein Film über den professionellen Radrennsport der Frauen.

Donnerstag:
11:00 Uhr: Station Berlin: „Mauerradweg“. Geführte E-Bike und Pedelec-Testfahrten entlang der historischen Berliner Mauer.

Freitag:
11:00 Uhr: Station Berlin: „Critical Mass Bar Camp“. Bundesweites Vernetzungstreffen und Erfahrungsaustausch der Critical-Mass-Szene.

Sonnabend:
10:00 Uhr: Station Berlin: Messe Berliner Fahrradschau
10:00 Uhr: Messegelände: Messe Velo-Berlin
14:00 Uhr: Freigelände des Messegeländes: Lastenfahrradrennen.
18:00 Uhr: Station Berlin: Rad-Race „Last man standing“. Fixed Gear Rennen Mann gegen Mann und Frau gegen Frau.

Sonntag:
10:00 Uhr: Station Berlin: Messe Berliner Fahrradschau
10:00 Uhr: Messegelände: Messe Velo-Berlin
17:00 Uhr: Brandenburger Tor: Cycling Unites. Rabbis und Imane gemeinsam auf Tandems auf einer Fahrradtour für mehr Vielfalt und Respekt in unserer Stadt und Gesellschaft.

 

Berlin Bicycle Week
Berliner Fahrradschau
Velo-Berlin

Städte in Bewegung

Die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS) möchte zukunftsfähige, belebte und wohnliche Städte gestalten, Städte, in denen die Menschen gern leben. Der Zusammenschluss von mehr als 70 Kommunen in Nordrhein-Westfalen will die Nahmobiltät fördern, die nichtmotorisierte, individuelle Mobilität im räumlichen Nahbereich, vorzugsweise mit dem Fahrrad, zu Fuß, aber auch mit anderen Verkehrsmitteln wie Inlinern, Kickboards und Skateboards. Viele Städte und Gemeinden bewerben sich um eine Mitgliedschaft bei der AGFS, nicht alle werden aufgenommen. Voraussetzung für eine Aufnahme ist unter anderen ein kommunales Konzept für ein fahrradfreundliches Gesamtkonzept mit einer Anhebung des Radverkehrsanteils im Modal Split auf 25 Prozent.

Die Vision der AGFS, die Transformation der Straße in einen Lebensraum, wird in diesem gerade veröffentlichten kleinen Video zum Ausdruck gebracht. Für einen sechs-Minuten-Video vielleicht ein wenig zu dröge, dennoch wünscht man dem Film viele Zuschauer.

AGFS
via: it started with a fight …

Wieviel Geld gibt das Land Berlin für den Radverkehr aus?

In der jüngsten Ausgabe der radzeit findet man einen interessanten Artikel von Kerstin Finkelstein über die Ausgaben des Landes Berlin in die Fahrradinfrastruktur. Vorgesehen waren im Haushalt 2013 5,5 Millionen Euro und im folgenden Jahr 2014 hatte man 6 Millionen Euro veranschlagt. Allerdings wurden nicht alle Mittel ausgeschöpft. Im Jahr 2013 wurden Mittel in Höhe von 675.617,- Euro nicht verbaut, die realen Investitionen beliefen sich 2013 also auf 4.824.383,- Euro.

Die Gesamtsumme nicht verbauter Mittel steigt 2014 so stark an, dass sie die eigentlich vorgesehene Erhöhung der Mittel locker kompensiert. Nicht eingesetzt wurden Mittel in Höhe von 2,362 Millionen Euro, angekommen auf der Straße sind also lediglich Mittel in Höhe von 3.638.000,- Euro.


Grafik: radzeit, Ausgabe 1/2015 Seite 14

Wenn man nun die real investierten Mittel in den Radverkehr dividiert durch die Zahl der Einwohner, kommt man auf folgende Werte:
2013: 1,40 Euro pro Einwohner
2014: 1,06 Euro pro Einwohner

radzeit: Reden ist Plastik, handeln ist Gold

„Heute wieder Radfahrerrazzia“

Das Wort „Razzia“ stammt aus dem Arabischen und bedeutete urspünglich Streif- oder Plünderungszug. Jetzt hat es die Bedeutung eines Streifzuges der Polizei auf verdächtige Individuen, so Brockhaus‘ Kleines Konversations-Lexikon.

In den 1930er Jahren war das Fahrrad das mit Abstand bedeutsamste individuelle Verkehrsmittel. Der Fahrradbestand in Deutschland wurde Mitte der 30er auf 17 Millionen Stück geschätzt. (Zum Vergleich: heute haben wir in der Bundesrepublik etwas mehr als 70 Millionen Räder.) Exakt 1.120.182 Velos wurden im Jahr 1934 in Deutschland produziert und insbesondere in den Ballungsräumen boomte der Radverkehr. So hat sich nach Verkehrszählungen in Frankfurt a. M. die Zahl der Radfahrer von 1930 bis 1936 dort verachtfacht.

Dennoch befand man sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gefühlt bereits am Beginn der Volksmotorisierung. Radfahrer waren Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. Der Geist jener Zeit kommt im Schnappschuss auf der Chausseestrasse aus dem Jahre 1934 zum Ausdruck. Das Vergehen der Radfahrerin: sie fuhr zu weit in der Mitte, heute ein probates Mittel, um aufdringliche Nahüberholer vom Leib zu halten.

Bundesarchiv, Bild 183-2004-0512-502 / CC-BY-SA

Original-Bildunterschrift:
„Scherl: Heute wieder Radfahrerrazzia (von 6.00 bis 20.00)
UBz: Die Personalien einer Verkehrssünderin werden festgestellt (Chausseestrasse), da sie auf der Mitte der Fahrbahn, statt äußerst rechts gefahren ist. Nach der preußischen Verkehrsordnung sollen Radfahrer grundsätzlich einzeln und äußerst rechts fahren.“

Weitere Quelle: Dobuschinsky, Alexander, Das Fahrrad im Schatten von Hitlers Vierjahresplan. Manuskript, München (o.J.)., als pdf-Download verfügbar auf der Seite:
Kleiner Exkurs über Ballon-Fahrräder der 1930er Jahre

Berlin Music Ride mit Klara Geist

Eine kostenlose Fahrradtour durch neun Jahrzehnte Berliner Musikgeschichte wird am kommenden Freitag, dem 20. März angeboten. Klara Geist und Berlin on Bike erwarten euch an der Station in der Luckenwalder Straße. Von dort aus erkunden wir Berlins vielfältige und aufregende Rolle als Musik-Metropole von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart. Mit dabei ist auch eine fette Musikanlage auf einem Cargo-Bike, um euch zwischen den Stationen mit speziell für diese Tour ausgewählten Songs zu beschallen. Profi-Musiker Ekki versorgt euch mit Hintergrundinfos und Anekdoten aus Berlins Leben als Musikstadt. Die Tour dauert zwei bis zweieinhalb Stunden, ist zehn Kilometer lang und kostet euch keinen Cent. Zusätzlich werden fünf Tickets für die Abendveranstaltungen der Berliner Fahrradschau verlost.

Wann: Freitag, 20. März 2015 um 17:00 Uhr
Wo: Station
Luckenwalder Straße 4-6

Berlin on Bike: Free Tour
Klara Geist
Berliner Fahrradschau

Rocket von Boxer

Der Kindertransporter Rocket der englischen Firma Boxer war ursprünglich nur als Einzelstück konzipiert und gebaut. Das Interesse an dem ungewöhnlichen Fahrzeug war jedoch so groß, dass sich Boxer entschied, das Dreirad in Serie zu produzieren. Vorgestellt wurde das Steampunk-Transportrad zum ersten Mal auf der London Bike Show Mitte Februar diesen Jahres.

Der massive Trägerrahmen, eine Anleihe aus dem Flugzeugbau der 30er Jahre, erscheint stabil, ist aber sicher auch kein Leichtgewicht. Insgesamt bringt der Transporter 58 kg auf die Waage, wobei nicht ganz klar ist, ob damit das normale Rocket oder das E-Rocket gemeint ist.

 

Wer seinen bis zu vier Kindern auf dem Weg zur Kita das Gefühl von Astronauten geben will, muss tief in die Tasche greifen. Die Grundversion des Rocket kostet 6.700,- Euro und ist reichlich ausgestattet mit 24 Gängen plus Kriechgang für steile Anstiege, komplettem Lichtsystem mit Blinkern, Fern-, Abblend- und Bremslicht, USB-Port undsoweiter.

Boxer: Rocket

Berlins „Fahrradbeauftragter“ spricht Klartext

Als Christian Gaebler (SPD), Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, noch relativ frisch im Amt war, gab er mal der Morgenpost ein Interview. Es ging darum, dass der Ex-Radverkehrsbeauftragte Benno Koch geschasst worden war. Gaeblers Antwort: „Der bisherige Beauftragte hat gesagt, was er sich an Tätigkeit vorstellt, könne er ehrenamtlich nicht leisten. Sollen wir deshalb einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen? Das lehne ich ab, weil wir in den nächsten fünf Jahren in unserer Senatsverwaltung 255 Stellen abbauen müssen. Der bisherige Beauftragte war der Meinung, er müsse alle Vorgänge im Haus bewerten. Aber das ist meine Aufgabe, insofern bin ich hier der Fahrradbeauftragte.“

Knapp drei Jahre später wird Gaebler wieder befragt, diesmal vom Tagesspiegel. Die Aussagen Gaeblers sind bemerkenswert für jemanden, der für alle Belange des Fahrradverkehrs zuständig ist. Das gesamte Gespräch (Überschrift: „Tempo 30 ist schwer vermittelbar“) ist lesenswert, hier nur drei Aussagen im Zitat.

Zu Tempo 30:

„Wir müssen immer abwägen, dass eine gewisse Mobilität gewährleistet bleibt. Stadtweit auf Verdacht Tempo 30 einzuführen würde eher nicht helfen. Hinzu kommt die Frage der Akzeptanz: Tempo 30 wird da akzeptiert, wo es einen Anlass gibt, also Kitas, Schulen oder Lärmschutz. Aber einfach zu sagen, es dient der Verkehrssicherheit, scheint mir problematisch. Wenn es nicht eingehalten wird, nützt es auch nichts.“

Zu Tempo 50 an Unfallschwerpunkten:

„Es ist ja nicht gesagt, dass die Geschwindigkeit die Hauptursache ist. Radfahrer verunglücken besonders oft, weil Kraftfahrer unaufmerksam abbiegen. Aber deshalb kann ich doch nicht das Abbiegen verbieten. Wir können nicht alle Probleme durch Vorschriften lösen, sondern nur durch Rücksichtnahme.“

Zur Tatsache, dass von der Radverkehrsstrategie praktisch nichts umgesetzt wurde:

„Ich bekomme oft Beschwerden, dass wir angeblich zu viel für den Radverkehr machen. Dass fast nichts umgesetzt wurde, stimmt so nicht. Wir bauen das Radroutennetz aus und haben ein paar große Projekte schon umgesetzt wie in der Turmstraße und der Müllerstraße. Die Warschauer Straße folgt jetzt. Dass manches lange dauert, will ich nicht bestreiten. Aber da arbeiten wir dran – zusammen mit den Bezirken.“

Morgenpost: Wie Berlin zur Fahrradhauptstadt werden soll (30.07.12)
Tagesspiegel: „Tempo 30 ist schwer vermittelbar“

Alleinunfall einer Radfahrerin in der Schlesischen Straße

Vor vier Tagen tickerte die Berliner Polizei folgende Nachricht:

„Eine Radfahrerin war heute früh in Kreuzberg offensichtlich so abgelenkt, dass sie gegen ein geparktes Auto fuhr und sich dabei eine Kopfverletzung zuzog.
Nach den bisherigen Erkenntnissen fuhr die 21-Jährige gegen 5.40 Uhr mit einem Rad auf dem Radfahrerschutzstreifen der Schlesischen Straße in Richtung Puschkinallee und unterhielt sich während der Fahrt mit ihrem 25-jährigen Freund, der auf dem Gehweg mit einem Skateboard unterwegs war. Durch das Gespräch war die junge Frau vermutlich so unaufmerksam, dass sie gegen ein geparktes Auto fuhr. Alarmierte Rettungskräfte brachten die Gestürzte zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus.“

Polizeimeldung Nr. 0578 vom 08.03.2015

Die Initiative Clevere Städte kommentierte den Unfall so:

Presserad nahm die Vorlage auf: „Dass die Polizei Berlin sogar das Thema nicht einmal in einer Unfallmeldung mit einer Radfahrerin anspricht, ist dagegen zugleich neu wie irritierend“.

Daraufhin habe ich bei der Polizei nachgefragt, wo das Auto geparkt war. Die Antwort der Polizei:

„Sehr geehrter Herr ***,

zu Ihrer Anfrage bei der Internetwache der Berliner Polizei unter der o.g. Vorgangsnummer darf ich Ihnen mitteilen, dass der PKW ordnungsgemäß am rechten Fahrbahnrand der Schlesischen Str., also außerhalb des Radfahrschutzstreifens, geparkt war.

Mit freundlichen Grüßen!“

Initiative Clevere Städte bei Twitter
Presserad: Neulich in Berlin

Streit um Promillegrenze für Radfahrer

In der Wochensendung quer des Bayrischen Rundfunks wurde gestern Abend die Alkoholdebatte beim Radfahren noch einmal aufgewärmt. Es geht um den Vorstoß auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag, das Radfahren ab 1,1 Promille strafbar zu machen. Zur Unterstützung der Initiative, den Grenzwert für Radfahrer von 1,6 auf 1,1 Promille zu senken, hatte die Unfallforschung der Versicherer eine Studie in Auftrag gegeben. Die kam, aber nicht mit dem gewünschten Ergebnis, sie belegte nämlich, dass viele selbst im Vollrausch korrekt und unfallfrei Radfahren können.

quer fasst die Ergebnisse der Studie zusammen, blickt aufs bayrische Land, dort ist der Kneipenbesuch mit dem Rad eine Art Kulturgut, und begleitet schließlich Wolfram Hell in die Rechtsmedizin der Uni München, wo die Unfallopfer eintreffen. Alles nur Alkoholleichen von Radlern auf den Seziertischen? Im Gegenteil, die Probleme liegen woanders.

quer: Sendung vom 05.03.2015
Unfallforschung der Versicherer: Radfahren und Alkohol
via daniel pöhler

1. Berliner Lastenradrennen

Am Sonnabend, dem 21. März 2015 wird im Rahmen der Velo-Berlin ein Lastenfahrradrennen auf dem Messeglände zwischen den Messehallen am Funkturm stattfinden. Bei dem offenen Rennen für alle Nationalitäten werden sich die Lastipiloten in Geschicklichkeit und Schnelligkeit messen. Ausgeschrieben werden Wettfahrten in drei Kategorien mit jeweils eigenen Cargo-Bikes:
A: Lastenräder mit 2 Rädern m/w
B: Lastenräder mit 3 Rädern m/w
C: Staffel gemischt

Eine Anmeldung ist möglich bis zum Renntag. Sendet eure Anmeldung an  info@cargobikefans-berlin.de und nennt bitte Namen und die Kategorie, an der ihr teilnehmen möchtet.

 

Ort: Velo-Berlin, Messedamm, Eingang Ost, Außenbereich unter dem Funkturm
Zeit: Sonnabend, dem 21. März 2015 von 14:00 bis 17:00 Uhr

Cargo-Bike-Fans-Berlin auf Facebook
Velo-Berlin

Neue „radzeit“ jetzt doppelt so groß. Auch doppelt so gut?

Das war die Frage, als ich die neue Ausgabe der ADFC-Mitgliederzeitschrift „radzeit“ des Berliner Landesverbandes in den Händen hielt. Zugegeben, ich war selten gespannter auf das neue Heft als diesmal. Statt in DIN A5 erscheint das „Das Fahrradmagazin für Berlin und Brandenburg“, wie es nun im Untertitel heißt, im Format DIN A4, statt 6x wird es nur noch vier mal im Jahr an die Mitglieder verschickt. Das Layout ist angenehm nüchtern und zurückhaltend, das Papier ist dicker.

Inhaltlich will das Blatt sein „Profil schärfen und einen lokaleren Fokus wählen“. Zum Ausdruck kommt das dadurch, dass dem Landesverband Brandenburg in Zukunft eine regelmäßige Seite gewidmet ist. Im Prinzip eine gute Sache, denn die schönen und schrecklichen Aspekte des Radfahrens in unserem Nachbarland haben für die Berliner Radfahrer einen hohen Stellenwert. Der lokalere Schwerpunkt wird auch sichtbar durch mehr Artikel über die Berliner Bezirke. Im Premierenheft gibt es einen Beitrag über Spandau und drei Artikel zu Kreuzberger Radproblemen.

Auch der Politik-Teil hat zugelegt, im Zentrum der ersten Nummer steht ein Interview mit dem Fahrradtechnikguru Ernst Brust über schrottige Räder und ein Artikel darüber, wie die große Koalition aus SPD und CDU in Berlin den Radverkehr mit dem Mittel der so genannten „qualifizierten Haushaltssperre“ bekämpft. Die letzten Seiten der radzeit sind wie gehabt: Tourismus und Glosse.

Angekündigt aber noch nicht im Netz ist eine neue Online-Ausgabe der radzeit, die sich „orientiert an den Lesegewohnheiten neuer Zielgruppen“. Man darf gespannt bleiben.

(Link wird nachgereicht.)

Weltmeisterschaft im Linksabbiegen

Am 19. August 2012 fand an der Straßenkreuzung Weinmeister, Münz und Schönhauser in Mitte die erste WM „im links um die ecke fahren der damen“ statt. Die Preise – gold angesprayte Playmobil-Radfahrer (!) auf Holzklotz – konnten erfolgreich an die Frau gebracht werden.

Schnelle Mädchen

Schuld und Mitschuld am Tod einer Radfahrerin

Seit mehr als zehn Jahren stößt man jeden Donnerstag im Magazin der Süddeutschen Zeitung auf eine kleine Rubrik: Die Gewissensfrage. Ein Leser der SZ stellt eine moralische Frage, der Autor Rainer Erlinger beantwortet sie. In der letzten Ausgabe wurde folgende Frage gestellt: „Bei uns in der Stadt gibt es eine Straße mit viel Verkehr und einem Radstreifen am Fahrbahnrand. In dieser Straße befindet sich auch ein Pizza-Bringdienst, dessen Fahrer oft unerlaubterweise auf dem Radstreifen parken. Ich habe mehrmals überlegt, ob ich nicht einfach mal in den Laden gehe und die Angestellten darauf anspreche und sie bitte, dies nicht zu tun. Leider habe ich das nie getan. Jetzt kam eine Radfahrerin ums Leben, weil sie einem auf dem Radstreifen parkenden Auto des Lieferdienstes auswich und von einem Auto erfasst wurde. Bin ich mitschuldig an ihrem Tod?“

Erlinger beruhigt den Leser und meint, dass ihn keine Mitschuld triftt. Schließlich sei der Leser nur Passant und nicht für die Situation verantwortlich, die zum Unfall führte. Verantwortlicher dagegen seien der Fahrer des parkenden Autos, der Betreiber des Pizzadienstes (der keine Haltemöglichkeit für Fahrzeuge vorhält), der Behördenmensch (der die Nutzung des Pizzadienstes gemehmigt) und der Polizist (der seit der Eröffnung des Ladens am parkenden Pizza-Auto vorbeifährt und nichts tut). Erlinger: „Sie alle hatten Verantwortung und die Möglichkeit, das zu unterbinden.“ Im Gegensatz zum Leser.

In der Aufzählung der für die Situation verantwortlichen taucht der Fahrer des Unfallfahrzeuges nicht auf. Aber selbst wenn Erlinger die Person, die die Radfahrerin erfasste, genannt hätte, befriedigt mich die Antwort nicht. Wenn eine Kreuzung, an der immer wieder schwere Verkehrsunfälle passieren, umgebaut wird und von da an zu einer sicheren, unfallfreien Kreuzung wird, dann muss sich die Person, die für die Gestaltung der Kreuzung zuständig ist, fragen lassen, wieso erst jetzt und ob nicht zumindest eine moralische Mitschuld am Leid der Verkehrsopfer besteht.

Süddeutsche Zeitung Magazin: Die Gewissensfrage aus Heft 09/2015