Berlin und Kopenhagen spielen beim Fahrradverleih in einer Liga

Berlin hat Erfahrung damit, wie man ein Fahrradverleihsystem vor die Wand fährt. Der Vertrag mit der Deutschen Bahn über den eher unbeliebten Leihfahrrad-Service namens Call a Bike ist bereits Ende letzten Jahres ausgelaufen, das Stadtbüro von Call a Bike in der Schönhauser Allee 179 steht leer. Die Stadtentwicklungsverwaltung hat es verschlafen, rechtzeitig die Ausschreibung für einen neuen Betreiber vorzubereiten. Niemand rechnet damit, dass ein neues System vor dem Jahresende am Start ist. Unterdessen kündigt die DB an, ihr System auf jeden Fall weiterführen zu wollen, zur Not auch ohne die Unterstützung des Senats. Call a Bike hatte in Berlin in der Vergangenheit nur sehr mäßige Ausleihzahlen und war anderen Systemen wie beispielsweise dem Hamburger StadtRAD sowohl hinsichtlich der Nutzung als auch hinsichtlich der Rentabilität um Längen unterlegen.

Auch Kopenhagen zeigt, wie man es besser nicht machen sollte. Im vergangenen Jahr wurde das Leihfahrrad GoBike vorgestellt, ein stark aufgepimptes E-Bike mit integriertem Tablet-PC als eine Art Steuerkonsole mit GPS, digitalem Schloss, einer LED-Lichtanlage und und und. Das Rad hat einen großen Nachteil: es ist 6.000,- Euro teuer, Räder anderer Leihsysteme kosten nur einen Bruchteil davon. Der hohe Anschaffungspreis führt zu einem hohem Vermietungspreis. In Kopenhagen kostet die erste Stunde eines Leihfahrrades 25,- dänische Kronen, das sind etwa 3,30 Euro. Das wiederum führt dazu, dass das System kaum genutzt wird und wenn, dann lediglich von Touristen. Durchschnittlich wird jedes GoBike 0,8 mal am Tag ausgeliehen. Folge: das Fahrradverleihsystem ist unwirtschaftlich und kann nur durch permanente Subventionen der Stadt aufrechterhalten werden.

Berlin und Kopenhagen stehen also vor der gleichen Aufgabe: in die Hände spucken und noch mal komplett neu anfangen!

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9 Gedanken zu „Berlin und Kopenhagen spielen beim Fahrradverleih in einer Liga

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  1. Für Berlin vernahm man ja, dass einige Anbieter gerne Nur-E-Bike-Varianten anbieten würden. Leider finde ich auf die Schnelle den entsprechenden Artikel nicht. Das fände ich sehr unattraktiv. Einige wenige Call-a-Bike-Städte haben Elektroräder, die sind aber optional und etwas teuer – so eine Lösung könnte ich mir eher vorstellen.

    Die Bahn scheint unbedingt dabeibleiben zu wollen, laut Berliner Zeitung sollen dieses Jahr 7 Stationen dazukommen. http://www.berliner-zeitung.de/verkehr/radverleihsystem-in-berlin-call-a-bike-baut-neue-stationen,10809298,29688916.html

    Der Senat sollte sich trauen, ein stadtweites Mietradsystem auszuschreiben, denn das Konzept ist gut, nur das Gebiet viel zu klein. Call a Bike konnte seine Qualität in den letzten Jahren enorm steigern – das Licht funktioniert nun fast immer und auch die nervtötenden Probleme mit der Rückgabe sind gelöst. Und auch die Nasse-Sättel-Problematik wurde, wenn auch etwas zu behäbig, letzendlich gelöst.

  2. Ich persönlich mag die Idee hinter den Verleihangeboten ja seit Beginn. Habe es aber noch nie selbst genutzt. Den Grund dafür kenne ich sehr gut. Die Fahrräder sind optisch überhaupt nicht ansprechend sondern eher abschreckend. Etwas mehr Understatement würde diesen gut tun. So auffällige Bikes mag ich nicht. Ich bewege mich lieber etwas unauffälliger und will ehrlich gesagt auch nicht so prominente Werbung fahren. Schließlich bezahle ich ja für die Räder. Werbung okay, aber unauffälliger. Und dann sollte natürlich auch die Anzahl der Stationen größer sein.

  3. Ich finde diese Idee mit den Fahrrädern zum leihen super! Noch viel besser gefällt mir aber das Konzept was ich z.B in Amsterdam oder Paris, da stehen an jeder Ecke Fahrräder die mal einfach gegen einen kleine Gebühr nehmen kann und an anderer Stelle wieder abstellt. Das kommt in Paris so gut an, dass es meiner Meinung nach sogar zu wenig Fahrräder gibt, denn immer als ich mit meiner Freundin eins mieten wollte es keine mehr gab…

  4. @Marvin: Ja das ist echt genial. In vielen Großstädten gibt es richtig gute Netze und an jeder Ecke ein Fahrrad. Bei uns hat sogar die Stadt ein eigenes Programm. Sau gute Sache.

  5. Ich finde es schade, dass sich diese Sachen nicht so durchsetzen. Mit der Bahn zum Bahnhof und von dort mit dem Bike zur Arbeit. Vielleicht wär es eine gute Idee, wenn die Verkehrsbetriebe der Großstädte die Sache in die Hand nehmen und die Leihräder einfach über die Monatskarten nutzbar machen. Ich würde das super finden, voll S-Bahn im Sommer fand ich nämlich nie so toll.

  6. Wichtiger als die Bezahlung, z.B. über seine Monatskate, finde ich die Stationsanzahl. Noch immer keine Stationen in den Nicht-Innenstadtbezirken. Gerade am Ostkreuz fehlt mir eine Call-a-Bike-Station.

  7. Ich kann berlinradler nur zustimmen. Ich kann nicht verstehen, warum sich das ganze nicht schneller und einfacher durchsetzt. Die Kombination von unterschiedlichen Netzen und Verkehrsmiteln, die man nicht selber besitzen, pflegen, kaufen, etc. muss ist doch für alle ein Gewinn…

  8. das hört sich doch gut an !

    Nextbike will „weit mehr als das geforderte Minimum von 1750 Rädern an 175 Stationen bieten, nämlich 5000 Räder und mehr als 700 Stationen.“

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-weiteres-leihfahrrad-system-geht-an-den-start/13696422.html

    das ist aus meiner Sicht – neben irgendwie ok funktionierenden Rädern – das absolut wichtigste. Barcelona zB hat ziemlich ulkige Räder aber fantastisch viele Stationen. Einfach immer eine an der nächsten Ecke.

  9. Ich bin da immer noch zweigeteilt: Über die Dimensionen, immerhin etwa eine Vervierfachung des bisherigen Angebots, freue ich mich. Die Nextbike-Räder, auch in Städten mit „besserem“ Angebot als hier (derzeit), überzeugten mich dagegen überhaupt nicht.

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