Radverkehr, Fußverkehr, Autoverkehr und ÖPNV – was kostet wieviel?

Ein Forschungsprojekt der Universität Kassel hat eine Methode entwickelt, die kommunalen Kosten für verschiedene Verkehrsträger zu errechnen. Bisherige Methoden der Kostenrechnung hatten große Defizite. Die Kasseler Forscher haben am Beispiel von drei Städten (Kassel, Bremen, Kiel) alle kommunalen Aufwendungen und Erträge erfasst und den einzelnen Verkehrssystemen – Radverkehr, Fußverkehr, Autoverkehr und ÖPNV – zugeordnet. Dabei seien alle Kosten von Bau und Unterhalt bis hin zu Lichtsignalanlagen, Straßenreinigung und begrünten Randstreifen berücksichtigt. Die Einnahmen aus Bustickets fließen ebenso ein wie Bußgelder für Falschparker. Neu ist auch die Aufteilung von Gemeinkosten – beispielsweise in der Verwaltung in den Rathäusern – auf die Verkehrsträger nach bestimmten Schlüsseln, die auf dem Verursacher- bzw. Nutzerprinzip fußen; etwa indem sie nach den Flächenanteilen der Verkehrssysteme an der Gesamtverkehrsfläche zugeordnet werden.

Das Ergebnis fasst Carsten Sommer, Professor am Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Uni Kassel so zusammen: „Die Ergebnisse in den drei Städten zeigen, dass der Radverkehr grundsätzlich den geringsten städtischen Zuschuss erhält. In allen drei Städten lag der relative Zuschuss erheblich unterhalb des Radverkehrsanteils am gesamten Verkehrsaufkommen. Anders gesagt: Der Radverkehr ist besonders günstig. Umgekehrt ist es beim Auto: Der Kfz-Verkehr erhielt die höchsten Zuschüsse. In den drei untersuchten Städten ist der relative Zuschuss mindestens zehnmal höher als der des Radverkehrs.“

Universität Kassel: Kommunale Kostenrechnung: Investitionen in Radverkehr für Städte am günstigsten
via it started with a fight

4 Gedanken zu „Radverkehr, Fußverkehr, Autoverkehr und ÖPNV – was kostet wieviel?

Kommentare-Feed
  1. Wird hier wohl niemanden überraschen.

    Ich bin inzwischen überzeugt, dass die Anspruchslosigkeit von Leuten, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, ihr eigentliches Problem ist. Welcher Politiker kann sich damit brüsten, dass der Gehweg ordentlich in Schuss ist? Schneidet man dagegen irgendwo ein rotes Band für ne neue oder sanierte Fahrbahn durch, sind die Kameras da… und zuvor vermutlich die lokalen Baufirmen, die ne Menge Geld umsetzen.

  2. @Michael S. Genau das iss es. Wir Radfahrer verhalten uns gegenüber der
    Politik und anderen Entscheidungsträgern viel zu devot. Aktionen,wie die
    zum Tag des Falschparkers sind zwar ganz nett,verpuffen aber mangels Masse. Und das einzige wirklich große Forum, die Sternfahrt, auf dem wir unsere Ansprüche nachdrücklich artikulieren könnten Ist doch eigentlich nur
    eine Sonntagvormittagsfamilienbelustigungsveranstaltung.

  3. „Welcher Politiker kann sich damit brüsten, dass der Gehweg ordentlich in Schuss ist?“

    Zwar nicht Politik, aber die Verwaltung tut es vielleicht auch. Nen paar Meter Gehweg sind hier seit geraumer Zeit gesperrt (Gehen sie bitet auf dem Seitenstreifen der Straße daran vorbei, danke), da der angrenzende Hang abrutschen könnte. Nun stelle im Spätherbst ein besonders eifriger Bürger fest, daß da vielerlei Grün zwischen den Gehwegplatten gewachsen sei. Und das geht ja so nicht! Wie sieht das denn aus!?!?! Und dann fand sich noch ein freies Plätzchen in der Zeitung.

    Und was tat die Verwaltung? Diensteifrigst „Ja, danke, wir werden uns umgehend darum kümmern!“ Und zwei Tage später war der GESPERRTE Bürgersteig wieder pickobello sauber und von allem Unkraut befreit!

    Noch Fragen? Ähm, besser nicht fragen in welchem Zustand die meisten der sog. Radwege hier sind.

  4. Die anderen „Kosten“ sind ja gerade in der öffentlichen Diskussion – wieder mal über 50 Verkehrstote letztes Jahr in Berlin. In einer zivilisierten Welt würde das Handlungsbedarf bedeuten, aber im Straßenverkehr sind wir noch nicht so weit.

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