Fahrradklimatest: gute Noten, schlechte Noten

Heute wurden die Ergebnisse des Fahrradklimatests 2014 in einer gemeinsamen Pressekonferenz des ADFC und des Bundesverkehrsministeriums präsentiert. Der Klimatest war der sechste seiner Art; seit dem Jahr 1988 werden regelmäßig Radfahrer danach befragt, wie sie die Radverkehrsbedingungen vor Ort bewerten.

Keine großen Überraschungen gab es bei den Siegern in vier Kategorien. Auf dem Siegertreppchen finden sich mehr oder weniger die Städte wieder, die bereits bei den letzten Tests die besten Ergebnisse abgeräumt hatten. In der Kategorie über 200.000 Einwohner lag Münster vor Karlsruhe und Freiburg. In der Kategorie 100 bis 200.000 Einwohner kamen Erlangen, Oldenburg und Ingolstdt auf die ersten Plätze. Bei den kleineren Städten erhielten Bocholt, Nordhorn und Wesel die begehrten Tropäen und unter den ganz kleinen Städten bis 50.000 Einwohner lagen Reken aus NRW, Ketzin aus Brandenburg und Rhede ebenfalls aus NRW vorn. In der Bundesländerwertung kommt Nordrhein-Westfalen mit fünf siegreichen Städten eindeutig auf den ersten Platz. Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen teilen sich den zweiten Platz mit je zwei Städten auf dem Podium und das Land Brandenburg erhält für das nur 6000 Einwohner kleine Ketzin an der Havel einen Preis, alle anderen Bundesländer gehen leer aus.

Wie haben die Berliner Radfahrer über ihre Stadt geurteilt? Zunächste einmal fällt auf, dass die Zahl der Berliner Teilnehmer überproportional gewachsen ist. Exakt 3.814 haben bei der Befragung teilgenommen (zum Vergleich: 2.375 Teilnehmer am Klimatest 2012), ein klares Zeichen dafür, dass die Radfahrer in der Stadt ein großes Interesse an dem Thema haben. Das ist allerdings das einzig Positive am aktuellen Klimatest, ansonsten wird Berlin nach hinten durchgereicht. Berlin wird im Gesamtergebnis schlechter als 2012 benotet (4,1 statt 4,01), Berlin rutscht im Ranking der großen Städte noch einmal deutlich nach hinten (Platz 30 statt Platz 24 von 39 Städten) und in den Einzelbewertungen hagelt es regelrecht Fünfen. Ob bei der Falschparkerkontrolle auf Radwegen, ob bei Führung an Baustellen, beim Winterdienst auf Radwegen, überall gibt es sehr schlechte Noten.

Eva-Maria Scheel, Landesvorsitzende des Berliner ADFC zum Klimatest: „Was Berlin fehlt, ist ein klares Handeln für das umwetfreundlichste und gesundheitsfördernste Verkehrsmittel, das Fahrrad.“

ADFC: Klimatest 2014
ADFC: Klimatest 2012
Klimatest 2014: Auswertung Berlin

8 Gedanken zu „Fahrradklimatest: gute Noten, schlechte Noten

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  1. Bin es nur ich oder empfinden auch andere dass der Berliner Strassenvekehr immer aggresiver wird? Also damit meine ich eigentlich die Autofahrer. Ich werde immer häufiger angehupt, auch als Fussgänger (weil ich bei Rot auf der Strasse stand und einen Abbieger behindert habe, dass ich bei Grün losgegangen kam den nicht in den Sinn), und gefühlt wird StVo noch weniger beachtet als früher. Gefühlt auch mehr Stau in der Stadt, was neben nicht vorhanden Verkehrüberwachung wohl Grund für die gefühlt gestiegene Aggression ist.

    Btw Wer ist eigentlich für Radspur-parker verantwortlich, in der Schlüterstr. fahren sowohl Polizei als auch Ordnungsamt ohne Taten vorbei.

  2. Ich fahre seit Mitte der 90er in Berlin, da war es gefühlt schlimmer mit der Aggressivität. Allerdings ändert man sich selbst ja auch. Dass es aggressiver wird, empfinde ich nicht so.

    In der Schlüterstraße bin ich meist gar nicht auf dem Radstreifen gefahren, bzw. nicht in den Lücken zwischen den Parknden eingeschert – der Teil, den ich kenne, ist allerdings so breit, dass das da niemanden stört. Wozu braucht eine mäßig befahrene, breite Straße überhaupt Radstreifen?

  3. Eine Stadt, die es konsequent nicht schafft eine halbwegs brauchbare Fahrradinfrastruktur aufzubauen, will Olympische Spiele ausrichten-
    das ist ja lächerlich!! Ich kann nur alle Mitradler dazu aufrufen, im ureigensten Interesse einer Olympiabewerbung die rote Karte zu zeigen. Denn Alltagsradeln ist keine olympische Disziplin (obwohl Tag für Tag von Berliner Radlern olympiareife Leistungen erbracht werden) und die ohnehin für Neubau und Unterhaltung der Radwege nur in homöopathischen Größenordnungen vorhandenen Ressourcen würden dann auf Null zusammenschmelzen, weil man hätte ja höhere Ziele zu bedienen. Und schließlich ist die letzte international Blamage ( BER ) noch längst nicht ausgestanden,da steuert man schon auf die nächste Blamage hin. Wenn das mal kein Ablenkungsmanöver ist.

  4. @ Komfortradler: Sehe ich genauso. Versagen in der Daseinsvorsorge (Wohnen, Energie, Wasser, Verkehr) und dafür viel TamTam. Man kann mit dem wenigen Geld das nötige Tun oder so tun, als täte man mehr.

  5. Ich finde es auch recht erstaunlich, dass man so viel Geld in Projekte steckt, die im täglichen Leben keine Relevanz haben, während man bei Erleichterungen fürs tägliche Leben so gnadenlos spart, dass die Leute wirklich unzufrieden sind.

    Dabei würde ein Kraftakt, der wirklich überall in der Stadt zu sehen ist und eine Verbesserung bringt, die Zufriedenheit viel stärker steigern als es 3 km Autobahn oder ein paar mehr Kilometer Ost-Tangente je tun können.

  6. Wenn man wüsste, wer an Großprojekten wirklich verdient und dahintersteckt außer dem Strohmann Staat, könnte man auch ableiten, warum die Verbesserung des täglichen Lebens für Millionen von Bürgern derart vernachlässigt wird.

  7. @ grünschnabel …

    das lässt sich recht einfahc herausfinden. bauträger der großprojekte ausfindig machen und dann mal in handelsregisterauszügen schauen bzw die liste eventueller großaktionäre durchgehen.

    ich bezweifel aber, dass dort revolutionäre verschwörungstheoretische erkenntniss zu erlangen sind.

    autobahn geht halt immer, weil größer schöner und die politischen pressuregroups besser organisiert (wer mag kann ja mal die automobilclubs dieser republik in relation zu radaffinen assoziationen in bezug setzen … )

    den aluhut kann man also gleich wieder absetzen.

  8. Ich vermute eher, sog. ÖPP bzw. PPP. Damit wurde die Maut auf Autobahnen finanziert, der Warnow- und der Travetunnel, diverse Autobahnabschnitte…. Radinfrastrukur ist da Peanuts, deswegen geht da über die Schien nix. Ist vielleicht auch besser so.

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