Sie haben seit Corona in kurzer Zeit das Straßenbild im Zentrum Berlins erobert: Rider von Essenslieferdiensten. Von einer App gesteuert sind sie auf E-Bikes durch die Stadt unterwegs, um frisches Essen von Restaurants zu denjenigen zu bringen, die selber nicht vor die Tür gehen wollen oder können. Die Arbeitsverhältnisse der meist migrantischen Rider sind prekär: Sie sind ohne Arbeitnehmerrechte als Selbständige unterwegs und müssen auch ihre Räder selber organisieren.
Wie erleben die Rider von Essensdiensten ihren Arbeitsalltag? Was bedeutet das Geschäftsmodell der großen Plattformen für Arbeitsverhältnisse und Verkehrssicherheit? Welche Kämpfe für Verbesserung finden statt und gilt es zu unterstützen?
Diese Fragen wollen wir in einem lockeren Gesprächskreis diskutieren u.a. mit
Rob Snyder, aktiver Rider und Vertrauensmann der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und
Markus Henn, Stadtteilsprecher für Friedrichshain-Kreuzberg beim ADFC Berlin
Wir freuen uns über die Beteiligung auch weiterer Involvierter und organisieren eine deutsch-englische Flüsterübersetzung. Leitet diese Einladung gerne an Interessierte weiter.
Am 11. und 12. April 2026 ist es wieder soweit: in den Hallen des Flughafens Tempelhof und auf dem Tempelhofer Feld findet die größte Fahrradmesse Berlins statt. In den Anfangsjahren war die Radspannerei mit der eigenen Fahrradmarke Paripa dabei und ich muss sagen, bei der Auswahl an Aussteller*innen dieses Jahr wäre es vielleicht gut gewesen wenn wir uns auch mal wieder auf der VELOBerlin präsent hätten.
Bei der Durchsicht der Aussteller*innen fällt mir ein Schwerpunkt Cargobike auf. Insgesamt scheinen relativ wenige klassische Fahrradmarken, darunter aber durchaus Urgesteine der deutschen Fahrradbranche wie Kettler oder Stevens dabei zu sein. Beim Zubehör habt ihr unter vielem Anderen die Gelegenheit die legendären Lichtanlagen der Firma Schmidts Maschinenbau zu bestaunen oder die neuen Farben bei Ortlieb Taschen zu bewundern. Auch dieses Mal gibt es die kleinen Tüftler und Startups die neue Produkte präsentieren, mir ist da spontan Hara Cargo als interessant aufgefallen.
Die VELOBerlin schimpft sich Fahrradfestival und in der Tat gibt’s nicht nur Produkte sondern auch ganz viel anderes wie Vorträge, Diskussionen und Workshops rund ums Fahrrad. Am Samstag um 14 Uhr wird beispielsweise vom Verkehrssenat der „Engagementspreis Fahrrad Berlin“ verliehen. Ich schätze die aktuelle Regierung ist nicht unter den Anwärter*innen zu finden.
Wirklich engagierte wie Respect Cyclists, die in Berlin unglaublich viel für die Protestkultur auf Fahrrädern leisten oder der ADFC als größter Lobbyverein fürs Fahrrad und natürlich Changing Cities sind mit Ständen vor Ort und warten auf das Gespräch mit euch.
Außerdem sehr wichtig und nicht zu vergessen, wird auch das Netzwerk Women in Cycling Germany sowie womeninmobility auf der VELOBerlin vertreten sein:
„Frauen gestalten Radkultur auf vielen Ebenen – im Laden, auf der Straße, in Netzwerken. Auf der VELOBerlin bringen wir diese Perspektiven zusammen und fragen: Wie gestaltet sich (lokale) Fahrradkultur und wie können wir gemeinsam noch mehr bewegen? Dazu lädt @womenincycling_germany am 11. April zusammen mit @womeninmobility alle Frauen* zum gemeinsamen Event ein! Mehr Infos auf veloberlin.com (Link in Bio).“ /Instagram
Bild: VELOBerlin
Die VELOBerlin läßt sich auch hervorragend mit einer ausgiebigen Fahrradtour verbinden. Das dachten sich jedenfalls einige Fahrrad begeisterte Velo Intitiativen denen ihr euch am Start oder unterwegs anschließen könnt. Weitere Infos dazu findet ihr hier: Instagram
Wie kommt eigentlich das Brandenburger Biogemüse, das Biobrot und die fair gehandelte Schokolade zu uns? Gibt es Alternativen zum automobilen Logistiksystem und welche Rolle kann das Fahrrad spielen? Was bedeutet Radlogistik für diejenigen, die Lebensmittel produzieren, transportieren und konsumieren? Mit Berichten über den Transportalltag und Diskussion über die Utopie einer fairen Fahrradlogistik für faires Essen. Gäste an diesem Abend :
Die Initiative Rad-Laster-Berlin, beteiligt sich an der jährlichen Schokofahrt, bei der Schokolade per Lastenrad von Amsterdam in zahlreiche deutsche Städte transportiert wird. Der Kakao kommt zuvor per Segelschiff aus der Karibik
Das Kreuzberger Bäckerei-Kollektiv Die Backstube hat die tägliche Auslieferung seiner Biobrote an Berliner Verkaufsstellen vom Auto auf das Fahrrad umgestellt.
Das Berliner Unternehmen Zukunftsangelegenheiten betreibt das Netzwerk grüne Stadtlogistik, das u.a. die Biokisten des Ökodorf Brodowin und die Märkische Kiste ausliefert.
In Planung ist Teil 2 der Veranstaltung mit dem Arbeitstitel „Uberisierung von Essen per Fahrrad“ – Zumindest kommt das Essen per Fahrrad! Aber was bedeuten die App-basierten Essenslieferdienste wie Lieferando und co. , ….. Über Arbeitsbedingungen, Hintergründe und Kämpfe der Arbeiter*innen bei Essenslieferdiensten.
Es bleibt spannend um das Kollektiv bei Florenz, das statt Automobilteile nun Lastenräder der Marke Collettivo di Fabbrica ex-GKN und konventionelle Solarmodule herstellen will. Die Prototypen werden schon hergestellt und können auch bestellt werden. Im November letzten Jahres berichteten wir erstmals in unserem Blog über das sich vor rund drei Jahren formierte sozial ökologische Fabrikkollektiv, deren Arbeiter*innen sich gegen die Schließung ihres Betriebes wehren. Unterstützt werden sie durch eine wachsende Zahl an Bündnispartner*innen, darunter Wissenschaftler*innen und einen enormen Zuspruch der zivilen Bevölkerung. Sie alle stehen im solidarischen Zusammenhalt, kämpfen für die Arbeitsplätze und setzen sich für einen klimagerechten Strukturwandel, verkehrs- wie auch sozialpolitisch ein. Mehrere Demonstrationen mit tausenden Menschen gingen seit dem 9. Juli 2021, der Tag an dem die Fabrik plötzlich still stand, auf die Straße.
Quelle: Insorgiamo
Um das Kollektiv und seinen Arbeitskampf zu unterstützen und weiter bekannt zu machen, touren Unterstützer*innen/Kolleg*innen nun noch bis zum 3. Juli 2024 durch Deutschland von Wolfsburg nach Stuttgart!
Hier erfahrt ihr mehr über die Tourdaten, wo ihr die Lastenräder des Collettivo di Fabbrica live erleben, Probe fahren und auch bestellen könnt!
Quelle: Labournet.de
„LASTENRAD-PROJEKT
Das Fabrikkollektiv hat drei Lastenrad-Prototypen entwickelt: ein muskelbetriebenes und zwei elektrische Räder (davon eines für Frachtladung und eines für den „häuslichen“ Gebrauch). Der Prototyp des Lastenrads wird derzeit in den Straßen von Florenz von der ethischen/fairen Liefergenossenschaft Robin Food eingesetzt. Dies ermöglicht eine Diskussion mit dem gesamten europäischen ethischen Lieferverband.
Das Lastenrad-Projekt hat das Ziel verschiedene Kämpfe zu verbinden: den um die Reindustrialisierung der Fabrik mit dem für nachhaltige Mobilität, den gegen Ausbeutung im städtischen Lieferverkehr mit dem für faire Lieferdienste, die kleinräumige und bäuerliche Verteilstrukturen unterstützen.“
„Konversion statt Schließung: Hilf den Kolleg*innen dabei, ihre Fabrik in öffentliche und genossenschaftliche Hand zu überführen, um zukünftig Lastenräder und Photovoltaikmodule zu produzieren.“
Quelle: labournet.de/ Kathy Ziegler
Denn ohne Moos nix los…
„Vor allem soll damit die erste finanzielle Grundlage für die Gründung der Genossenschaft geschaffen werden, die später die Konversion durchführt, die neue Produktion mit Lastenrädern und Fotovoltaikmodulen aufbaut und künftig die Fabrik leiten soll.“ (aus einem Bericht von labournet Juli 2023)
Während der Tour gibt es jeden Abend eine Info- und Vernetzungsveranstaltung. Dort freuen sich die Kolleg*innen über Austausch und Zusammenarbeit. Also kommt vorbei und teilt die Nachricht!
In diesem Film von labournet erzählen die ex-GKN Arbeiter*innen ausführlich von ihrem Arbeitskampf.
Ein Traum der Verkehrswende könnte Wirklichkeit werden: Seit über zwei Jahren halten ehemalige Beschäftigte von GKN in Campi Bisenzio in der Nähe von Florenz ihre Fabrik mittlerweile besetzt. Ursprünglich hatten sie dort Achswellen für Autos produziert. Nachdem alle entlassen worden waren entschlossen sie sich zu einer permanenten Betriebsversammlung (eine legale Form der Betriebsbesetzung) um für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen.
Die permanente Betriebsversammlung des GKN Kollektivs positionierte sich zur Klimakrise. Ihnen war völlig klar das auch die Autoindustrie verantwortlich ist. So wurde aus dem Kampf um ihre Arbeitsplätze auch ein Kampf für eine ökologisch-soziale Transformation ihrer Fabrik. Sie beteiligten sich an Klimastreiks und Demos von Fridays for Future und erhielten begeisterten Support.
Zusammen mit der lokalen Klimabewegung und Wissenschaftler*innen haben sie jetzt einen Plan entwickelt und wollen zukünftig Cargobikes und Solarzellen produzieren. Und wie so oft bei solchen großartigen Initiativen mangelt es natürlich am nötigen Kleingeld um die Fabrik übernehmen zu können und die Produktion zu starten.
Aktuell gründen sie eine Genoss*innenschaft um die Fabrik übernehmen zu können. Du kannst dich daran als Genoss*in einzeln oder als Gruppe beteiligen. Bestellungen für eine erste Edition von Long John Lastenrädern mit oder ohne Elektromotor (siehe Foto) werden auch schon entgegen genommen.
zu teuer? zu groß? zu unflexibel ein Lastenrad? Das eigene Fahrrad Simsalabim eben mal zu einem Lastenfahrrad umzaubern und wieder zurück, das wäre was. Mit genau diesen oder ähnlichen Gedanken haben sich ausgefuchste Fahrradliebhaber*innen und Ingenieur*innen an Experimente gewagt und die Ergebnisse markttauglich gemacht.
AddBike, eine Firma aus Lyon Frankreich beispielsweise, bietet dazu ein Lastenrad Umbau Kit. Damit sollen laut eigenen Angaben, nahezu alle Fahrräder zu einem Lastenrad umgebaut werden können.
Das Vorderrad wird demontiert, das Quick-Fix-System eingefügt und der einsatzbereite Bremshebel montiert. Klingt erstmal praktisch. Mit einem patentierten Curve-Assist-Pendelsystem, (in den Kurven neigen sich die Räder zur Seite) soll das eigene Fahrrad zu einem dynamischen Hochleistungs-Rad werden. Mit Auswahl von verschiedenen Modulen für das AddBike+, werden zudem die Möglichkeiten von Einsatzgebieten erweitert.
Quelle designed by AddBike+
Auch die Firma für Leichtfahrzeugtechnik aus Springe Region Hannover, luther&luther, macht mit einem Umbausatz für 26“ und 28“ Fahrräder, wahlweise mit Kettenschaltung oder Nabenschaltung z.B. Shimano Alfine 8-Gang oder NuVinci, das umrüsten vom normalen Fahrrad zu einem Lastendreirad möglich. Veränderungen am Rahmen sollen nicht nötig sein. Anders als bei AddBike+ wird hier das Hinterrad für den Umbau demontiert.
Den Ideen und Realisierungen scheinen hier offenbar kaum Grenzen gesetzt zu sein. Konstruktionen werden individuell beraten, erarbeitet und umgesetzt. Interessant ist auch, das die Firma gleich dazu eine Dreirad Fahrschule anbietet, um sich mit den anderen Fahreigenschaften vertraut machen zu können.
Die Internetpresenz ist leider etwas spärlich. Genauere Information zum umrüsten müssen also direkt erfragt werden. Dafür sind die Datenblätterfür die Beispiele zum Dreirad Umbau etwas umfangreicher.
Quelle designed by luther&luther
Von den dreirädigen Varianten auf die Einspurige – Argo Cargo Bikes aus den USA, verwandeln ebenfalls eigene Drahtesel in Lastenräder. Das Design, des umgewandelten Fahrrades, kommt hier dem des holländischen Bakfiets sehr nahe.
Für den Umbau mit dem Bausatz, bestehend aus einer Rahmenstange mit Lenkachse, einem Vorderrad und einer Transportkiste, wird das Vorderrad ausgebaut. Für das montieren der Rahmenstange, muss eine Platte bzw. Vorrichtung, die zum Set gehört, unter dem Tretlager montiert werden. Die Kiste aus Birkenholz, verträgt 70 kg und ist zusammklappbar. Der Fahrspaß soll agil und leichtgängig sein. Ebenso die Montage: Video Fahrrad/ Lastenrad-Umbau Argo Cargo Bikes.
Quelle designed by Argo Cargo Bikes
Aktuell wurde die Produktion des Argo Cargo Kit wohl eingestellt. 2023 soll es aber, Angaben unter Vorbehalt, wieder weitergehen.
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