Radverkehrskontrolle eskaliert

Im Norden Pankows am Garbátyplatz hat gestern eine Radverkehrskontrolle zu einer Einweisung in die Psychatrie sowie zu einem Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und zu einer Verkehrsunfall- und Ordnungswidrigkeitenanzeige geführt. Hier die Pressemeldung der Polizei, die unter Überschrift „Mit Fahrrad auf Gehweg und Widerstand geleistet“ erschien, im Wortlaut:

„Polizeibeamte nahmen heute Morgen eine Radfahrerin in Pankow fest, die zunächst ordnungswidrig auf dem Gehweg unterwegs war und anschließend Widerstand bei ihrer Überprüfung leistete.
Bei einer gemeinsamen Verkehrskontrolle von Polizei und Ordnungsamt forderte eine Mitarbeiterin des Bezirksamtes gegen 9 Uhr 30 eine auf dem Gehweg fahrende Radlerin am Garbátyplatz auf, die Fahrt zu unterbrechen und wollte die Frau hinsichtlich der begangenen Ordnungswidrigkeit belehren. Die Radfahrerin machte jedoch einen Bogen um die Angestellte und prallte mit einem Polizisten zusammen, der dabei leichte Verletzungen an der Hand und am Knie erlitt.

Nachdem die 21-Jährige bei der anschließenden Personalienfeststellung Widerstand in Form von verfehlten Schlägen und Tritten geleistet und versucht hatte, wegzurennen, nahm der Beamte sie fest und übergab sie einer alarmierten Funkwagenbesatzung. Während der Anzeigenaufnahme holte die Festgenommene eine Rasierklinge aus ihrer Hosentasche und verletzte sich selbst an den Handgelenken. Die Polizisten unterbanden dies und übergaben die Leichtverletzte an den Rettungsdienst. Nach einer ambulanten Behandlung kam die Frau in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses und sieht nun Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie einer Verkehrsunfall- und Ordnungswidrigkeitenanzeige entgegen.“

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 0905 vom 31.03.2010 – 20:15 Uhr

27 Gedanken zu „Radverkehrskontrolle eskaliert

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  1. da stellt sich die frage nach der verhältnismässigkeit (das ist son grundgesetz ding das in schwurbeligen situationen helfen soll)

    ist die radlerin angepasst, langsam, defensiv, vorsichtig, gefahren, wäre die situation bei einem „Du du du, darfst du das denn?“ der Hüter, eskalationsfrei ausgegangen.

    ist die radlerin gerast wie ne bekloppte, sollte sie jetzt mal mit ihrem arzt reden und etwas runterkommen.

  2. ich frage mich was wohl daran wirklich stimmt, oder ob die berliner polizei hallo’s hat? aber es soll ja sogar so verrückte fahrradfahrer geben die ohne bremse fahren, man weees ja nie?

  3. Empfehlung: Zyankali-Kapsel dabei haben statt Rasierklinge

  4. Naja und auf jeden Fall ist natürlich sicher, dass die Polizei schuld war und bei den Gehwegkontrollen gegens Grundgesetz verstoßen hat. Gegens Menschenrecht auf Gehwegradeln..

  5. Krass – was, wenn ein normaler Fußgänger sich bei der beschwert hätte? Leute gibts .. da kann man froh sein dass sie nicht mit einem Auto unterwegs war.

  6. Schnell möchte man wieder zum Stereotyp greifen „Böse Polizei – Gute Radfahrerin“. Mag auch oft zutreffen. Aber wer sich angesichts einer einfachen Personalienfeststellung die Pulsadern mit einer Rasierklinge aufschneiden will, der ist vielleicht in der psychatrischen Abteilung doch ganz gut aufgehoben….

  7. Ich frage mich hier eher, was so eine Meldung in einem Fahrradblog zu suchen hat? Der einzige Bezug zum Radverkehr ist doch, dass die (offensichtlich geistig verwirrte) Frau auf dem Rad unterwegs war. Oder glaubt jemand, dass die Kontrolle schuld war, dass die ausgetickt ist? Psychopathen gibts viele in Berlin, und bei dem Radverkehrsanteil ist es ganz klar, dass auch mal eine auf dem Rad unterwegs ist. Oder wollt Ihr einen alternativen Polizeiticker einrichten?

  8. Stimme der Abwrackprämie zu. Allerdings stellt schon die Pressemeldung der Polizei den Bezug her, was man kritisch sehen kann. Ansonsten scheint mir die Frage der Verhältnismässigkeit interessant, wenn ein Radfahrer mit einem Radfahrer zusammenprallt.

  9. Ich verstehe das Problem nicht, Abwrackprämie. Wenn man über den Berliner Radverkehr berichten möchte – dazu gehört auch die Arbeit des Ordnungsamtes und der Polizei – ist die eine oder andere Polizeitickermeldung doch gar nicht unangebracht. Zumal das Thema stark mit den viel diskutierten Fahrradkontrollen zusammenhängt, die die Polizei derzeit durchführt. Dass man aus dem Vorfall keine Repräsentativität über Radfahrer oder Polizeikontrollen ableiten kann, ist doch jedem klar. Ich habe den Beitrag als kuriose Anekdote verstanden und störe mich nicht daran.

  10. ich glaube warum die meldung grundsätzlich interessant ist, ist die tatsache das in deutschland die regeln immer strikt angewandt werden, bei kleineren verstössen würde ein laissez faire verhalten nicht zu einer eskalation führen.

    Radfahrer dürfen nicht auf gehwegen fahren. Bei rot hast du zu warten. immer. und das ist halt unsinn. viele fahren über rot, viele fahren auf gehwegen, wenn ich aus der haustür rauskomme fahre ich 500 meter gehweg um mich danach in den richtigen verkehr zu schmeissen, ich bin dann vorsichtig und trainiere meine steherqualitäten, aber ich werde doch nicht so bescheuert sein und mein rad erstmal 5 minuten schieben bis es die gesetzeslage erlaubt aufzusteigen. Genauso mit roten ampeln, wenn alles frei ist fahre ich, wer von euch bleibt denn wirklich stehen an der fußgängerampel auf der bergmannstr, gesetz hin oder her, es ist in dem fall unsinnig. gesetze sind gut und wichtig, aber denkende menschen sind auch wichtig.

    ein wenig mehr italien bitte.

    Mir tut das mädchen wirklich leid, die nummer mit der rasierklinge klingt natürlich merkwürdig, aber mensch, alle ham so ihre probleme, leute die sich selber anritzen gibt es viele, die müssen nicht zwangsläufig in die klapse.

    Ich will nicht in die „böse polizei, ist immer böse“ dresche hauen, weil ich weiss das es genug cops gibt die in dieser situation anders handeln würden. Aber in dieser speziellen Situation sind eben faktoren zusammengekommen an denen man gut erkennen kann das nicht alles was recht ist, auch gut ist.

    was wäre wenn sie verblutet wäre? suizid einer 21 jährigen wegen gehwegfahren?

  11. @qx87, ich denke, dass das Handeln seitens der Polizei / Ordnungsamt hier etwas übertrieben bewertet wird. Wenn die dort nunmal wegen einer entsprechenden Schwerpunktkontrolle sind, können sie schwer wegschauen, wenn eine Radfahrerin auf dem Fußweg fährt.

    Es ging laut Polizeimeldung auch allenfalls um eine Ermahnung der Radfahrerin. Da gibt es nun wirklich keinen Grund, abzuhauen. Wenn man da anderer Meinung ist, geht die Information der Ordnungsbeamten im linken Ohr rein und im rechten wieder raus. Alles keine große Sache.

    Dass das Mädel einen Polizisten anfährt und dabei auch noch verletzt, ist nun auch nicht gerade eine Lappalie. Das ist ein Verkehrsunfall, der eine Personalienfeststellung rechtfertigt – z.B. damit die Verursacherin eventuelle Behandlungskosten tragen kann. Für die aufgeschlitzten Adern können die Polizisten nichts.

    Dennoch darf und muss man wohl die Schwerpunkte der Polizeiarbeit kritisieren, sofern Nahüberholen und unachtsames Rechtsabbiegen offenbar gar nicht bzw. nachrangig kontrolliert werden.

  12. @berlinradler, ok das kann ich einsehen. dann hake ich das nu ab unter „tragisch“, und hoffe der kleinen gehts bald besser.

  13. …oder sogar von Polizei-Beamten nicht selten selbst so praktiziert werden!

    Aber mal davon abgesehen, dass das Mädel offensichtlich etwas schräg drauf war, bin ich doch schon geneigt zu glauben dass Die „Kontrolle“ möglicherweise unverhältnismäßig rüde angegangen wurde. Nicht selten habe ich den Eindruck die Kontrollierenden wollen sich durch sehr abruptes „in den Weg Springen“ einen Eindruck über die Bremsfähigkeiten von Rad und Radler verschaffen. Das ist aber nicht nur fahrlässig, sondern als solches auch nicht vom Gesetz getragen!

    Manche tun das sogar wortlos, und springen einfach nur mit starrem Gesichtsausdruck vor den Radfahrer. Ist mir schon mehrfach passiert – und da kann ich dann auch nicht einschätzen was so jemand von mir will, und versuche einfach auszuweichen. Wenn dann der tapfere Kollege einschreitet und die „Flüchtige“ stellt, kann es zu der im Ticker beschriebenen Sichtweise kommen.

    Und all das in Summe kann bei jemand mit labiler Psyche vermutlich durchaus ausreichen um einen Nervenzusammenbruch hervorzurufen.

    Muss nicht so gewesen sein, ich wollte nur mal eine alternative Möglichkeit schildern.

  14. mein erster Satz bezog sich auf das von berlinradler Geschriebene.

  15. Leute hab Ihr schon mal auf das heutige Datum geachtet?

  16. Jetzt wo Du’s sagst 😀

  17. wenn die meldung ein „Witz“ / Fake ist, dann freu ich mich noch mehr auf den 1. Mai…

    nichtsnütziges Bullenpack

  18. Glaube nicht, dass die Polizei so schlechte Scherze macht … außerdem ist die Originalmeldung einen Tag zu früh gewesen.

  19. Wenn ich mir gestern (Gründonnerstag) mal wieder die hoffnungslos mit Blechtonnen zugestellte Stadt anschaue, und dann noch die abermillionen Baustellen und Umleitungen (z. B. Leipziger Str, Sperrung Kreuzung Friedrichstr.), dann kann ich aus Radfahrerperspektive nur sagen, dass ich halt da fahre, wo überhaupt noch ein Durchkommen ist.

    Und wenn die Polizei dann auch noch dumm rumblökt, dann nervt das einfach. Formale Korrektheit hin oder her, an einigen Stellen der Stadt sieht man im Moment nur zu deutlich, was der [i]Autoverkehr[/i] der Stadt antut. Eigentlich sollten sich Behörden und Exekutive darum bemühen, es Radfahrern so leicht wie möglich zu machen – weil das nämlich dafür sorgt, dass weniger stinkendes Blech in den Straßen rumsteht. Stattdessen wird aber gerade mal wieder zur Hetzjagd auf Radfahrer geblasen.

    Da man als ein jemand, der schnell und umweltfreundlich unterwegs sein will, eh keinen ernstlichen Rückhalt bei Politik und Exekutive hat, kann man eigentlich nur sein eigenes Handeln nach pragmatischen Gesichtspunkten gestalten: D. h. ich fahre wo ich will, wie ich will, die ganze Unterhaltungselektronik an den Kreuzungen, die eh nur fürs motorisierte Blech da rumsteht, kratzt mich nicht. Relevant für mich ist lediglich der Grundsatz, dass ich mit meinem Fahrstil niemanden gefährden oder zu etwas nötigen will.

  20. Finde allerdings manche Kommentare (3) hier freundlich gesagt auch unverhältnismäßig.

  21. @Dan: Full Ack!

  22. Wenn ich mir gestern (Gründonnerstag) mal wieder die hoffnungslos mit Blechtonnen zugestellte Stadt anschaue, und dann noch die abermillionen Baustellen und Umleitungen (z. B. Leipziger Str, Sperrung Kreuzung Friedrichstr.), dann kann ich aus Fußgängerperspektive nur sagen, dass ich halt da laufe, wo überhaupt noch ein Durchkommen ist.

    Und wenn die Polizei dann auch noch dumm rumblökt, dann nervt das einfach. Formale Korrektheit hin oder her, an einigen Stellen der Stadt sieht man im Moment nur zu deutlich, was der Radverkehr der Stadt antut. Eigentlich sollten sich Behörden und Exekutive darum bemühen, es Fußgängern so leicht wie möglich zu machen – weil das nämlich dafür sorgt, dass weniger abgewraktes Rad in den Straßen rumsteht. Stattdessen wird aber gerade mal wieder zur Hetzjagd auf Fußgänger geblasen.

    Da man als ein jemand, der schnell und umweltfreundlich unterwegs sein will, eh keinen ernstlichen Rückhalt bei Politik und Exekutive hat, kann man eigentlich nur sein eigenes Handeln nach pragmatischen Gesichtspunkten gestalten: D. h. ich gehe wo ich will, wie ich will, die ganze Unterhaltungselektronik an den Kreuzungen, die eh nur fürs mobile Rad da rumsteht, kratzt mich nicht. Relevant für mich ist lediglich der Grundsatz, dass ich mit meinem Laufstil niemanden gefährden oder zu etwas nötigen will.

  23. Ich hasse Radfahrer die sich lautlos an Fußgänger ranschleichen nur weil man gerade mal ausnamsweise den Gehweg benutzt!
    Vorfahrt für Alle ohne Klingel.
    Asoziales intollerantes Radlerpack.
    NUr weil es einfacher ist, weil es schneller ist, weil es bequemer ist, weil es sicherer ist, weil man sich nicht rglementieren lassen will.
    Anarchie für Fußgänger aber bitte nicht über den Rasen laufen; auch mal ein Gepäckträger abtreten wenn man zu nah überholt wird.
    Amen.

  24. @dan: ich muss dir (leider) recht geben… man wünschte sich, dass Radfahrer neben dem ökologisch guten Gewissen auch gleichzeitig die besseren Menschen sein mögen. Leider ist dem nicht so. Als Fußgänger hasse ich (viele) Fahrradfahrer ebenso… Unangenehm aber wahr.

  25. […] diese Kontrollen, eifrig ohne jegliche soziale Kompetenz ausgeführt, natürlich schnell zu Scharmützeln. Was wäre aber die Berliner Polizei, wenn sie aus dieser Erfahrung etwas lernen würde. Also kam […]

  26. Radler auf Gehwegen sind ohne Aussnahme asoziale Elemente!

    AUSNAHME Mama oder Papa mit Kind

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