Günstige Verkehrsprognose für das Fahrrad

Immer mehr Berliner werden innerhalb der nächsten fünfzehn Jahre auf das Fahrrad umsteigen. Das ist das  Ergebnis der ersten gemeinsamen Verkehrsprognose für Berlin und Brandenburg. Die drei wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Die Bedeutung des Radverkehrs nimmt zu.
  2. Längere Strecken werden zunehmend mit dem ÖPNV statt dem Auto zurückgelegt.
  3. Der Verkehr auf den Straßen nimmt ab. Nur in den äußeren Bezirken bleibt das Auto wichtigstes Transportmittel, im Inneren dominiert der Öffentliche Verkehr.

Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer sage: „Die Fahrradfahrer werden zu einem Markenzeichen der Hauptstadt.“ Dieser Effekt wird  noch verstärkt durch die Annahme, dass die durchschnittlich mit dem Fahrrad zurückgelegten Strecken länger werden. Heute sind es 3,8 Kilometer, die im Schnitt pro Fahrt auf dem Rad absolviert werden, bis zum Jahr 2025 sollen 4,4 Kilometer pro Radfahrt abgestrampelt werden.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung:  Die Metropolregion wächst zusammen: Erste Gemeinsame Verkehrsprognose Berlin-Brandenburg 2025
Johannes Hampel: Berlin wird zur Fahrradstadt – und ist es schon
Morgenpost: Berlin wird zur Fahrradstadt
Tagesspiegel: Mehr Autos – aber weniger Verkehr

13 Gedanken zu „Günstige Verkehrsprognose für das Fahrrad

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  1. Was mich interessieren würde, ist nicht nur eine Verteilung der Verkehrsträger nach Fahrten, sondern auch nach Kilometern. Diese Verteilung dürfte sich stark unterscheiden, Fußgänger dürften einen viel kleineren und Radfahrer wohl auch einen kleineren Anteil haben. Gibt es solche Daten?

    Zu hoffen ist, wenn Fußgänger, Fahrrad und ÖPNV den Hauptanteil des Verkehrs ausmachen, dass die Verkehrsplanung sich auch hauptsächlich auch an ihnen ausrichtet. Die Frage sollte nicht sein, wie man Fußgänger und Radfahrer „sicher“ in die Straße integrieren kann (zur Not mit Kompromissen), sondern wie man es möglich macht, dass auch Autos dort fahren (zur Not mit Kompromissen).

    Schade fände ich, wenn es noch mehr Autos gäbe. Die müssen ja auch irgendwo parken und nehmen dem Verkehr viel Platz weg.

  2. Insgesamt sind das enttäuschende Prognosen. Ich hatte gehofft, daß wir bald holländische oder dänische Verhältnisse erreichen, aber nach dieser Vorhersage werden wir auch Mitte der zwanziger Jahre noch weit entfernt von den fortgeschrittenen Radfahrernationen sein. Mal sehen, vielleicht unterschätzen die Verkehrswissenschaftler den sich selbst verstärkenden Effekt, der darin besteht, daß mehr Radfahrer noch mehr Fahrräder auf die Straße bringen.

  3. Ich habe die Zahlen auch heute Nacht in der taz gelesen und war ebenso enttäuscht. Eine Abnahme des Autoverkehrs um 17% wird sich kaum bemerkbar machen. Und 20% mehr Radfahrer fallen auch kaum ins Gewicht. Seit 1990 hat sich Anzahl der Radler in Berlin verdoppelt, das fällt ins Gewicht – aber 20% mehr in 20 Jahren: lächerlich. Ich glaube kaum, dass diese Zahlen stimmen, einen 20%igen Zuwachs hatten wir doch schon in den letzten 3-4 Jahren würde ich schätzen.
    Nee, ich glaube, dass die heranwachsende Generation in Berlin viel selbstverständlicher aufs Rad steigen wird und es nicht mehr nur Studenten und „Umweltbewusste“ sein werden, die viel Rad fahren – auch wenn sich das Auto zusehens zu einem „Unterschichtsphänomen“ entwickelt.
    Letzere, also die Menschen, die weniger gut verdienen, werden auch zuerst davon betroffen sein, wenn in wenigen Jahren die prophezeite dauerhafte Energiekrise eintritt, die durch eine dauerhafte Verknappung und den Bedarf nicht mehr deckende Ölknappheit eintreten wird.
    Der einzige GRund, warum das Öl wieder so billig ist, leigt doch in der sog. Wirtschaftskrise – wäre die nicht so massiv hereingebrochen, würde das Barrel wahrscheinlich schon 200$ kosten und nicht 70$, was im Angesicht der aktuellen Lage aber dennoch extrem hoch ist. Bei vergangenen, viel weniger dramatischen Krisen, ist der Ölpreis immer viel deutlicher abgerutscht.

  4. Ich glaube, dass die Prognose zu gering ausfällt. Sollte der sich abzeichnende Trend zu den E-Fahrrädern bestätigen, dürfte es hier eine deutliche Zunahme sowohl der Radfahrer als auch der Fahrlänge geben..

  5. @Olli:
    Prozentrechnung hat ihre Tücken. Anstatt auf die Steigerungsraten zu schauen, sollte man besser die absoluten Zahlen nehmen. Die Studie ist ja leider nicht online, weswegen ich mit den Zahlen aus der Zeitung operieren muss. Laut Mopo werden es in 15 Jahren 700 000 Radfahrten täglich sein. Wenn das eine Steigerung von 20% ist, haben wir heute ca. 580 000 Fahrten. Und wenn deine Aussage über die letzten 20 Jahre richtig ist, waren es 1989 290 000 und 1994 (bei angenommenem linearen Wachstum, was vermutlich nicht ganz stimmt) 362 500 Fahrten.

    Die absolute Steigerung der letzten 15 Jahre damit dann 220 000 Fahrten; die Steigerung in den nächsten 15 Jahren 120 000 Fahrten. Ich finde, das ist nicht „lächerlich“ oder „kaum ins Gewicht fallend“. Dass soll natürlich nicht heißen, dass ich mich nicht auch freuen würde, wenn es mehr würde.

  6. „Die Fahrradfahrer werden zu einem Markenzeichen der Hauptstadt“

    Die meint wohl ehr die weißen Fahrräder an den Straßenrändern….

    Um es mal kurz zu sagen Berlin ist voll. Platz für Radwege ist ohne massive und kostenintensive Umbauarbeiten nicht zu schaffen.

    Und mit dem bischen Geld, was da ist, wird auch noch murks betrieben.

    Schönes und sehr aktuelles Beispiel. Der Columbiadam-Flughafenstraße Kreuzberg/Tempelhof/Neukölln.

    Zwischen Golzener Straße und Hermannstraße Fahrbahn neu gemacht, neue Bäume gepflanzt und Radweg neu gemacht.

    Soweit so gut, der Radweg ist glatt wie ein Babypopo und auch schön breit. Aber NICHT baulich getrennt vom Gehweg…Leute die aus der Hasenheide kommen, latschen einfach drauf, der Radweg wurde nicht an der Fahrbahn angelegt, sondern untern den Bäumen der Hasenheide geführt, somit ist der nun voller Äste, zweige und Laub und bei Dunkelheit nicht ausgeleuchtet. Zudem wurde noch Geld für 10 oder 15 sog. Kreuzberger Bügel an der Ecke Flugahfenstraße/Hermannstraße verschwendet. Wer soll denn da bitte sein Fahrrad anschließen? Außer dem U-Bahnhof Boddinstraße gibt es da nix, wohin man umsteigen könnte, zumal die Gegend auch nicht gerade Sicher ist und das Rad mit Sicherheit schnell geklaut wird.

    Also mal wieder völlig daneben geplant. Aber scheinbar wissen das die Leute vom Tiefbauamt, denn ausgeschildert ist der neue Radweg nicht.

    Bereits vorhandene Radwege sollten erstmal generalüberholt werden, bevor neue angelegt werden, besonders im Westteil der Stadt….

  7. Hab auf meinem Weg zur Arbeit sowohl ein Positiv- als auch ein Negativbeispiel zu neuen Radwegen. N alter Radweg zwischen Straße und Fußweg wird neu asphaltiert. Leider ist überall drumrum ne hohe Hecke, sodass ständig Kinder und Omas vors Rad hüpfen weil keiner keinen sieht. An den Einmündungen hingegen wurden die Hecken entfernt, sodass man in die Straßen einsehen kann und auch Rechtsabbieger einen sehen können. Gleichzeitig wurde eine Parallelstrecke (! oh Wunder !) ebenfalls neu Asphaltiert. Die führt durch eine kleine Grünanlage und der Weg ist für Fußgänger und Radler erlaubt und mindestens 5 Meter breit auf mehr als 1km. Ne Fahrradautobahn. Super Sache, mehr davon!

  8. Hallo Linda,

    um welche Strecke handelt es sich bei der Fahrradautobahn?

  9. Zitat von Linda:
    „Die führt durch eine kleine Grünanlage und der Weg ist für Fußgänger und Radler erlaubt und mindestens 5 Meter breit auf mehr als 1km. Ne Fahrradautobahn. Super Sache, mehr davon!“

    Auch wenn ich eine Freigabe in Parks für Radfahrer befürworte und gut finde, aber von einer „Fahrradautobahn“ scheint mir das doch sehr weit entfernt, schon weil dort Fußgänger unterwegs sind und das Auswirkungen auf das Fahrverhalten von Radfahrern zur Sicherheit von Fußgängern haben muss. Nicht dass ich das jetzt blöd finde oder reine Fahrradbahnen fordern würde, aber die Begrifflichkeit in solchen Zusammenhängen klingt für mich schon sehr nach Euphemismus. Die beste „Fahrradautobahn“ bleibt für mich zur Zeit immer noch die Fahrbahn, wo ich im allgemeinen immer noch am Sichersten und Entspanntesten vorankomme…

  10. *mag keine Diskussion über Begrifflichkeiten wenn sie sich einfach nur mal freuen wollte*

    Zwischen den U-Bahnhöfen Britz-Süd und Johannisthaler Chaussee. Da hat man den Grünstreifen über der U-Bahn meiner Ansicht nach gut genutzt. Das ist alles eindeutig kein wirklicher Park sondern Verkehrsweg für Fußgänger (die dort wohnen) und Radfahrer gleichermaßen. Vielleicht komme ich mal dazu ein paar Fotos davon zu machen. Klar kann man da nicht mit 30 km/h durchsausen. Ich freue mich aber immer auf dieses Teilstück meiner Fahrt, da es sehr angenehm und zügig ohne Ampeln und Autos durchs Grüne geht. Fußgänger und Radfahrer achten aufgrund der Auslegung für beide auch aufeinander. Hatte da noch nie Probleme. Die Strecke geht südlich auch noch weiter, ich glaube bis zur Wutzkyallee. Da bin ich aber noch nie lang gefahren, kann ich also nicht drüber berichten. Der Ausbau zur „Fahrradbahn“ fand über die letzten 2-3 Jahre statt.

  11. Zum Glück schert sich die Realität nicht um irgendwelche Prognosen 😉 Ich habe z.Zt. den Eindruck, als ob der Radverkehr täglich zunimmt. Vor ein paar Wochen hab ich an der Ampel Schönhauser/Eberswalder stehend so bis zu 20 Radfahrer gezählt, heute waren es locker über 30. Auch anderswo werden es immer mehr: auf der Torstraße bin ich zum ersten Mal im Pulk von ca. 15 Radfahrern gefahren -ich würde mal sagen, es geht aufwärts.

    bzgl. solcher Wege wie Linda sie beschreibt bin ich auch skeptisch. Ein Naturgesetz scheint zu sein, dass ein Weg nahezu beliebig breit sein kann – er ist immer in der Breite vollständig mit Spaziergängern ausgefüllt. Zehnköpfige Gruppen wanken dann auch zu zehnt nebeneinander und machen – wenn überhaupt – nur unter lautstarkem Protest Platz. Das stört mich als Jogger schon sehr, als Radfahrer würde es mich auch nicht grade erfreuen, zumindest wenn der Weg nicht das Ziel ist, sondern ich in endlicher Zeit irgendwo ankommen will – 30km/h ist ja nun nicht grade sonderlich schnell. Solange es aber nur eine Alternative ist, spricht nix dagegen.

  12. „30km/h ist ja nun nicht grade sonderlich schnell“

    Poser… 😉

    (Das erhöhte Radaufkommen liegt wohl auch ein wenig am sich bessernden Wetter…)

  13. Das Wetter war von ein paar Wochen bedeutend besser als jetzt: Schon morgens wärmer und mit geringer Regenwahrscheinlichkeit – z.Zt. regnets ja fast jeden Tag und um 8 sind die Temperaturen noch nichtmal zweistellig.

    Vielleicht liegts ja daran, dass auch die letzten Nachzügler ihre Gurken ausgemottet haben. Trotzdem: In den vergangenen Jahren war dort nichtmal halb soviel los.

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