Critical Mass: Freitag, 30. Mai um 20:00 Uhr ab dem Heinrichplatz

Der kommende Freitag ist der letzte Freitag des Monats. Traditionell findet an diesem Tag eine nicht organisierte Massenausfahrt von Radfahrern statt, in Berlin und an mehr Orten denn je in Deutschland. Bei it started with a fight… werden alle Orte, alle Startzeiten und Startpunkte aufgelistet. Daniel von it started with a fight… hat auch einen Überblick über die Teilnehmerzahlen bei der vergangenen April-CM gemacht und kommt auf eine Gesamtteilnehmerzahl von mehr als 8000. Nicht ausgeschlossen, dass nach der Medienresonanz der letzten Wochen die Zahl der Critical-Mass-Fahrerinnen und -Fahrer noch einmal ansteigt. Auch in Berlin ist die CM nach den mehr als tausend Teilnehmern im April auf einem guten Weg.

Für Leute, die sich überlegen, einzusteigen, hier eine Liste der To Do`s & Not To Do`s in gezeichneter Form:

„Die Gruppe fährt auf der Fahrbahn auf einer Spur und hält sich an die Verkehrsregeln. Die Gruppe bleibt kompakt und beisammen um durch den motorisierten Verkehr nicht zerrissen zu werden.

Alles bleibt friedlich und lässt sich durch aggressive Autofahrer nicht provozieren. Der Verkehr wird nicht absichtlich gestört, es geht nicht um Verkehrsbehinderung anderer, sondern darum, sich als nicht motorisierter Verkehrsteilnehmer ein Stück öffentlichen Lebensraumes, die Straße, zumindest zeitweilig zurückzuerobern. Wir behindern nicht den Verkehr, sondern sind Verkehr!“

Wurzelaufbrüche auf Radwegen

Seit längerer Zeit bin ich mal wieder auf dem Radweg des 17. Juni zwischen dem Großen Stern und dem Brandenburger Tor unterwegs gewesen und war erstaunt, dass Teile des Radwegs inzwischen unbenutzbar sind. Baumwurzeln haben den Asphalt stellenweise so wellig gemacht, dass es gefährlich ist, dort mit größerem Tempo zu fahren. Dabei ließ sich dieser Radweg vor ein/zwei Jahren noch recht gut befahren. Der Tagesspiegel schreibt, dass der Treptower Radweg entlang des Teltowkanals ebenfalls in schlechtem Zustand ist.

Gegen das Problem Wurzelaufbrüche im Fahrbahnbelag hat eine Firma aus Lübben eine Wurzelschutzfräse entwickelt. Entlang von Radwegen wird mit dieser Maschine ein fünf Zentimeter breiter und achzig Zentimeter tiefer Schlitz gefräst. Im gleichen Arbeitsgang wird eine Gummimatte in den Schlitz eingebaut und danach wieder mit Erde verfüllt. Ergebnis soll ein dauerhaft vor Wurzelaufbrüchen geschützter Radweg sein. Kostengünstig soll das ebenfalls sein, denn die Maschine des Lübbener Unternehmens kann bis zu einen Kilometer Folie am Tag verlegen.

Feind Garten- und Landschaftsbau: Wurzelschutzfräse

„Aspekte des städtischen Radverkehrs“

Die erste Ausgabe einer Schriftenreihe des Seminars für Verkehrswesen an der TU Berlin beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten des innerstädtischen Radverkehrs im Allgemeinen und des Berliner Radverkehrs im Besonderen. Auf gut 160 Seiten versammelt der Band acht Texte, die es wert sind, kritisch gelesen zu werden.

Ein sehr interessantes Thema haben sich Rita Kunert und Lena Lebahn vorgenommen. Sie untersuchen die Potentiale einer Einführung der Grünen Welle für Radfahrer auf einer innerstädtischen Magistrale wie der Straße des 17. Juni. Als Vergleichsobjekte werden die Kenndaten zweier grüner Wellen in Amsterdam und Kopenhagen herangezogen. Es zeigt sich jedoch, dass die Rahmenbedingungen in Berlin ganz andere sind als in den Vergleichsstädten. In der Raadhuisstraat in Amsterdam liegen zwischen zwei Ampeln gerade mal durchschnittlich 45 Meter, in der Berliner Straße des 17. Juni sind es 340 Meter zwischen zwei Ampeln auf der angedachten Grünen Welle. Das größte Manko der Studie bleibt jedoch, dass sie nicht ansatzweise untersucht, welche (negativen) Effekte eine grüne Welle für Radfahrer auf andere Verkehrsteilnehmer hat. Wenn man nicht einmal ermittelt, wieviel Kfz pro Tag die Verkehrsschlagader 17. Juni am Tag befahren, dann bleiben Überlegungen zur grünen Welle schlichte akademische Fingerübungen.

Jörg Leben stellt in dem Aufsatz „Anforderungen und Verhalten von Radfahrenden“ zwei Fragen:

Warum missachten Radfahrende Verkehrsregeln?
Welche Anforderungen haben Radfahrende an die Infrastruktur?

Leben fasst zunächst den Stand der Forschung zum Thema Radfahrende zusammen. Danach widmet er sich dem Begriff des Verkehrshandelns. In Studien zur Wahl des Fahrrads als Verkehrsmittel wird nachgewiesen, dass die Benutzung des Fahrrads von äußeren Faktoren wie Qualität und Quantität der Radverkehrsinfrastruktur, Raumstruktur, ÖPNV-Angebot, gesellschaftlichen Normen und vom Verkehrsklima abhängt sowie von individuellen Faktoren wie eigenen Einstellungen, Normen, Verkehrsmittelwahl des Umfeldes, Nationalität, Geschlecht und Alter. Andere Untersuchungen, die sich mit dem Fahrstil von Radfahrern befassen, haben ergeben, dass es bei Radlern ähnlich wie bei Autofahrern unterschiedliche Fahrstile gibt. Lebens Fazit der Literaturstudie: „Regelmissachtungen von Radfahrenden sind ein schwerwiegendes Problem, dem alleine mit Sanktionen nicht beizukommen ist. Ein Teil dieser Missachtungen kann durch eine verbesserte Verkehrsplanung reduziert werden. Hierzu müssen die Anforderungen aller Radfahrender berücksichtigt werden.“

In den weiteren Beiträgen des Bandes geht es um Pendeln mit dem Mietfahrrad, Einkaufen mit dem Fahrrad sowie um den begriff der Fahrradkultur. Alles in allem eine spannende Kompilation mit Licht und Schatten.

TU Berlin: Download des Sammelbandes „Aspekte des städtischen Radverkehrs“ (pdf-Dokument, 5708 KB)
via Urbanophil

Pöbel-Video eines Radfahrer-Hassers

Ein Truck-Fahrer im us-amerikanischen Alabama hat eine Serie von Videos ins Netz gestellt, in dem er Radfahrer bepöbelte und in mindestens einem Fall in den Graben beförderte. „Oh Gott, sei mir gnädig! Ich werde einen von ihnen eines Tages verletzen, ich kann einfach nicht anders!“, sagt er in einem der Videos. Nachdem die Aufnahmen bei Facebook erschienen, wurde der Mann von der Polizei kurzzeitig festgenommen und anschließend zu einer Strafe von 3.000,- Dollar verurteilt. Ob ihm der Führerschein weggenommen wurde, geht aus der Meldung nicht hervor.

38. Fahrradsternfahrt am 1. Juni 2014

Zwei Events kommen in dieser Woche auf die Berliner Radfahrer zu. Am Freitag startet die Critical Mass, wie immer ab 20:00 Uhr und wie immer ab dem Heinrichplatz. Zwei Tage später am Sonntag, dem 1. Juni 2014 findet in Berlin und Brandenburg die 38. Fahrradsternfahrt statt.

Das Motto der Sternfahrt heißt in diesem Jahr: „Radsicherheit für Berlin: Freie Radspuren!“ Im Aufruf des ADFC heißt es: „Wir demonstrierten dafür, mehr Radspuren an Hauptverkehrsstraßen einzurichten und diese für Radfahrerinnen und Radfahrer vorgesehenen Verkehrsflächen für die entsprechende Nutzung freizuhalten. Immer wieder werden für Radfahrende vorgesehene Streifen – unabhängig von Beschaffenheit und Markierung – zum Parken von Kraftfahrzeugen missbraucht.“

In diesem Jahr führen insgesamt 19 Routen mit einer Vielzahl von Treffpunkten zum Ziel der Sternfahrt Großer Stern auf der Straße des 17. Juni. Ob von Oranienburg und Wandlitz ganz im Norden oder von Potsdam im Südwesten, Königswusterhausen im Südosten, jeder, der in Berlin oder im näheren Umland wohnt, findet einen Startpunkt ganz in der Nähe.

Auch an die Kids auf Rädern ist in diesem jahr gedacht. Die kürzere Kinderroute führt von der Jannowitzbrücke durch den Bezirk Mitte zum Umweltfestival zwischen dem Große Stern und dem Brandenburger Tor. Start der Kindersternfahrt 12:30 Uhr.

ADFC: 38. Fahrradsternfahrt

Radio Spätkauf: The Critical Mass procession

Radio Spätkauf ist ein Podcast in englischer Sprache über Berlin. Alle vierzehn Tage gibt es ein Halbstundenprogramm über Lokalpolitik, Stadtentwicklung, öffentlichen Transport, Fahrräder, Architektur und Ostalgie. Ein Dreierteam aus Maisie, Joel and Andrew führt entspannt durch die Sendung.

Die neueste Ausgabe von Radio Spätkauf hat den Schwerpunkt Critical Mass ab der vierzehnten Minute. Weitere fahrradaffine Themen im neuen Podcast:

08:43 The ampelman is getting bike-friendly
09:38 Bike thefts: don’t park near a station
10:43 Maisie – should you buy a bike online?

RS#08 2014: The Critical Mass procession by Radio Spaetkauf Berlin on Mixcloud

Radio Spätkauf

EU-Projekt entwickelt Faltrad in Aktentaschen-Größe

Das europäische Forschungsprojekt Bike Intermodal hat einen Prototyp für ein Faltrad entwickelt, das sich auf Aktentaschen-Größe zusammenklappen lässt und nur 7,5 kg wiegt. Das Minirad lässt sich auf die Größe 50 x 40 x 15 cm falten und ist einfach zu verstauen und zu transportieren. Darüber hinaus sollen die einzelnen Bauteile vollständig wiederverwertbar sein. Maxime war, das Fahrrad von seiner Herstellung über seinen Gebrauch und der Wiederverwendung einem umweltfreundlichen Lebenszyklus folgen zu lassen.

Das Klapprad, das wie eine Mischung aus Brompton und Pedersen wirkt, besteht aus einem vorgespannten Alurahmen und Seilen. An dem Projekt waren  Partner aus dem privaten und öffentlichen Sektor aus Italien, Schweden, der Schweiz und Deutschland unter der Schirmherrschaft der Universiät Florenz beteiligt. Die EU hatte das Projekt mit 1,5 Millionen Euro gefördert. Wenn das Faltrad in Serie ginge, würde es ungefähr 800,- Euro kosten, eine abgespeckte Version als Eingangrad wäre für 500,- Euro zu haben, eine E-Version 1.500,- Euro.

Bike Intermodal
Europäische Kommission: EU-Projekt entwickelt Faltrad in Aktentaschen-Größe

Wie sieht die perfekte Mobilitäts-App für Radfahrer aus?

Studierende der Fächer Verkehrswesen und Human-Factors an der TU-Berlin entwickeln im Rahmen eines Projektes eine Mobility-App. Ziel ist, den CO2-Ausstoß zu senken. Erreicht werden soll das dadurch, dass die Menschen zum Radfahren animiert werden.

Die App soll eine Navigation bieten, die für die verschiedenen Verkehrsmittel ihre tatsächlichen Kosten, die ideale Route, die benötigte Zeit sowie den CO2-Ausstoß ausgibt. Über verschiedene Funktionen sollen die Verkehrsteilnehmer dazu angeregt werden mehr Fahrrad zu fahren, unter anderem ein Punktesystem, welches den Nutzer für eine nachhaltige Verkehrsmittelwahl belohnt.

Die App soll möglichst viele weitere Funktionen enthalten, um den Radfahrern das Leben leichter zu machen. Deshalb haben die Studis eine Umfrage ins Netz gestellt, um zu erfahren, was Radfahrer von einer idealen App erwarten. Soll eine App mit Social Media verknüpft werden? Nach welche Kriterien soll eine Routensuche eingestellt werden? Gibt es weitere Funktionen, die aus einer Mobility-App die beste Fahrradapp machen? Es dauert ungefähr fünf Minuten, die Fragen der Studenten zu beantworten.

Umfrage zu Fahrradapps

Senat stellt Ergebnisse des Online-Dialogs „Radfahren in Berlin: Abbiegen? Achtung! – Sicher über die Kreuzung“ vor

Im Spätherbst des letzten Jahres stellte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für vier Wochen ein Portal zum Dialog mit Radfahrern ins Netz. Jeder Berliner konnte online Kreuzungen benennen, an denen es zu Konflikten beim Abbiegen kommt. Die Seite hatte 27.000 Besucher, 260.000 Seitenaufrufe und über 3.300 registrierte Teilnehmende beteiligten sich. Nun hat der Verkehrssenat einen Auswertungsbericht zur Öffentlichkeitsbeteiligung vorgestellt. Der Senat spricht von einer „großen Zahl der qualitativ hochwertigen Beiträge“, es wurden insgesamt mehr als 8000 Vorschläge gemacht und Kommentare abgegeben.

Die Beiträge der Berliner Radfahrer verteilten sich über das gesamte Stadtgebiet, ein deutlicher Schwerpunkt lag jedoch auf den innenstadtnahen Bezirken. Mehr als die Hälfte aller Beiträge gab es in den drei Bezirken Mitte (25%), Friedrichshain-Kreuzberg (15%) und Tempelhof-Schöneberg (12%).

Die TOP-10 der häufig bewerteten Kreuzungen waren:

  1.  „Radweg-Benutzungspflicht auf der Schönhauser Allee komplett aufheben!“
  2. Wilhelmstraße/Unter den Linden: „Lange Rot-Phase ist ein Witz.“
  3. Linienstraße: „Vorfahrt in der Fahrradstraße“
  4. „Horror Hermannplatz“
  5. „Hermannplatz Richtung Kottbusser Damm: Rechtsabbieger, Radwegebenutzungspflicht, Fußgänger“
  6. „Potsdamer Platz – unübersichtlich und gefährlich“
  7. Alberichstraße: „Kein Platz für Fahrräder auf der Fahrradstraße“ Weserstraße: „Radspur führt auf Parkplatz!“
  8. Weserstraße: „Radspur führt auf Parkplatz!“
  9. Ohne Ort: „Einführung von TRIXI-Spiegeln (Weitwinkelspiegel) für rechtsabbiegende LKW“
  10. „Unter den Linden/ Wilhelmstraße: Autofahrer erkennen Vorfahrt von Radfahrer nicht“

Laut Senatsverwaltung war der große Vorteil des Onlineverfahrens der, dass nicht nur der Handlungsbedarf aufgezeigt wurde sondern auch konkrete Lösungsvorschläge gemacht wurden, die in Planungen einfließen können. Staatssekretär Christian Gaebler: „Wir haben wertvolles Material erhalten, das uns bei der Bewertung und Priorisierung unserer Radverkehrsplanung hilft. Die eigentliche Arbeit fängt jetzt an: Gemeinsam mit der Verkehrslenkung Berlin (VLB), der Unfallkommission, der Polizei und den Bezirken übersetzen wir die Ergebnisse gemeinsam in konkrete Maßnahmen.“ Zusätzlich soll geprüft werden, wo zukünftig kleinere, schnelle und preiswerte Pilotmaßnahmen von der farbigen Furtmarkierung bis zu Spiegeln oder Blinklichtern umgesetzt werden können.

Auch ein Ergebnis des Onlinedialogs: Informationstafel der Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ)

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Ergebnisvorstellung des Online-Dialogs „Radfahren in Berlin: Abbiegen? Achtung! – Sicher über die Kreuzung“
Auswertungsbericht zur Öffentlichkeitsbeteiligung (pdf-Dokument)
Beteiligungsverfahren „Radfahren in Berlin“: Meist genannte Konfliktschwerpunkte (pdf-Dokument)

Höhe der Bußgelder in Europa für Parken auf dem Radweg

Die Wegeheld-App hat einen Knöllchen-Report veröffentlicht, einen Vergleich der Bußgelder für das Parken auf dem Radweg im europäischen Vergleich. Ergebnis: Deutschland ist Schlusslicht in der EU. In Schweden kostet das illegale Parken auf Radwegen laut Wegeheld 114,- Euro; auch Spanien langt bei diesem Delikt mit 100,- Euro kräftig zu. Deutschland ist mit 20,- Euro deutlich günstiger.

Bußgelder müssen immer in Zusammenhang mit dem verfügbaren Einkommen gesehen werden, denn je mehr ich für ein Bußgeld arbeiten muss, desto stärker trifft mich die Strafe. Für ein Kavaliersdelikt wie das Parken auf dem Radweg muss ich in Deutschland etwa 1,2 Prozent des durchschnittlichen verfügbaren Haushaltseinkommens auf den Tisch legen. Ein Durchschnittsgrieche muss für das gleiche Delikt „Parken auf den Radweg“ bereits 10,1 Prozent des monatlichen Netto-Haushaltseinkommen
zahlen.

Diese und weitere anschauliche Zahlen , insbesondere auch zu den Kosten des Falschparkens auf der einen Seite und Scharzfahrens im ÖPNV auf der anderen Seite, finden sich in dem übersichtlichen pdf-Dokument von Wegeheld.

Wegeheld: Der Knöllchen – Report
Grafik: Wegeheld

ADFC Kleinmachnow sammelt Spenden für Klage gegen Radwegbenutzungspflicht

Überall in Brandenburgs Ortschaften trifft man auf katastrophale Radwege: schmal, mit schlechtem Belag, häufig holprig, uneinsehbar an Kreuzungen und Ausfahrten. Und sehr viele dieser „Radwege“ sind benutzungspflichtig. Auch Kleinmachnow macht da keine Ausnahme. In der Gemeinde am südwestlichen Berliner Stadtrand ist der Zehlendorfer Damm nach wie vor mit dem Verkehrszeichen 240 „gemeinsamer Fuß- und Radweg“ gekennzeichnet. Die Tatsache, dass es auf dieser Straße zwischen November 2011 und Dezember 2013 zu 21 Unfällen mit Beteiligung von Radfahrern kam, meist wurden sie von abbiegenden Autofahrern übersehen, hat die Kreisverkehrsbehörde nicht bewogen, die Schilder abzubauen. Auch eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Potsdam wurde im Januar abgewiesen.

Jetzt wollen Mitglieder des ADFC Kleinmachnow vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg klären lassen, ob die Benutzungspflicht auf dem Zehlendorfer Damm zulässig ist. Der ADFC ruft deshalb zu Spenden auf, um die Kosten für Anwälte und das Verfahren vor dem OVG zu stemmen.

Youtube-Kanal collingspace: 25 Dokumentationen von Radwegen in Kleinmachnow
ADFC Kleinmachnow: Für eine Aufhebung der Benutzungspflicht auf gemeinsamen Rad-/Fußwegen am Zehlendorfer Damm
Märkische Allgemeine: Kampf gegen Pflicht zur Radwegbenutzung

(Dank an Sascha M. für den Hinweis.)

GPS-Tracking-App Strava bietet Daten zur Stadtplanung an

Wer auf seinem Smartphone eine GPS-Radfahr-App von Strava installiert hat, dessen Radrouten können aufgezeichnet werden. Die Daten landen natürlich auch auf dem Server von Strava und die Firma will nun Kasse machen mit den aggregierten Daten aller Nutzer. Behörden, Unternehmen oder Interessengruppen können die Daten nun lizensieren und auf die gesammelten Infos der Strava-App-Nutzer zurückgreifen. Das Strava Metro genannte Programm soll bei der Stadtplanung und der Verbesserung von Rad- und Fußgängerwegen helfen, erklärt die Firma. Auf einer öffentlich zugänglichen Heatmap kann man das Ergebnis betrachten, das aus mehr als 77 Millionen Radtouren weltweit entstanden ist.

Der Strava-Datensatz bezieht sich nicht auf die Radfahrer allgemein sondern lediglich auf diejenigen unter den Radlern, die eine Strava-App installiert hatten, und das sind vermutlich eher rennradaffine Menschen. Dennoch sind die viel gefahrenen Strecken in Berlin verblüffend unlogisch. So soll die Torstraße zum Beispiel erheblich frequentierter sein als die von Radfahrern viel befahrene Linienstraße. Für Berlin zeigen die Daten im Grunde nur, wie stark der Radverkehr auf Hauptstraßen fokussiert ist.

via heise: GPS-Tracking-App Strava verkauft Daten zur Stadtplanung

Ausstellung „Das Fahrrad“ im Hamburger Museum der Arbeit

Heute eröffnet im Hamburger „Museum der Arbeit“ die wohl ambitionierteste Ausstellung zum Thema Fahrrad, die es je in Deutschland gab. Titel der bis März 2015 laufenden Schau ist „Das Fahrrad. Kultur – Technik – Mobilität“.

Im technischen Teil zeigt die Ausstellung die Entwicklung des Velos von seiner Erfindung in der Frühzeit der Industrialisierung bis heute. Einzelne Fahrradmarken wie Opel, Adler, Dürrkopp und Bismarck, die in der Boomphase des Fahrrads Anfang des 20. Jahrhunderts groß wurden, werden in der Fahrradschau ebenso beleuchtet wie Weiterentwicklungen aus den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts bis hin zum Fixie der Nullerjahre.

Bis hierhin ist die Hamburger Ausstellung nichts besonderes. Zahllose Schauen haben versucht, den Aufstieg des Fahrrads anhand historischer Modelle anschaulich zu machen. Aber die Ausstellungsmacher wollen auch die Kulturgeschichte dieser einzigartigen Erfindung ausführlich behandeln. Was hat es zu bedeuten, dass das Fahrrad anfangs Spielzeug der Reichen & Adligen war und später zum proletarischen Verkehrsmittel per se wurde? Welche Rolle spielte das Fahrrad in der Emanzipation der Frauen?

Dritter Schwerpunkt der Ausstellung ist das veränderte Verständnis von Mobilität. Die Ausstellung wirft einen Blick über Hamburgs Fahrrad-Grenzen hinaus auf die Verkehrsentwicklungen in London, Los Angeles oder die Fahrrad-Metropole Kopenhagen und entlässt den Besucher mit der Erkenntnis, welch zunehmende Bedeutung das Fahrrad bei der Bewertung von lebenswerter Urbanität gewinnt.

Die Ausstellung wird umrahmt von einem umfangreichen Begleitprogramm. Es wird ein „Fahrrad des Monats“ geben, die Hamburger Sternfahrt endet mit der Abschlusskundgebung erstmals auf dem Museumshof des Museums, Besucher können in der Besucherwerkstatt an einem Workshop zum Lastenrad-Bau teilnehmen, es gibt bis zum Ende des Ausstellung einen eigenen Fahrradblog, usw. usf. Der Platz reicht hier nicht aus, um auf alle Highlights der Ausstellung hinzuweisen.

Der Katalog zur Ausstellung widmet sich einer Vielzahl von Themen rund um die Technik-, die Kultur- und die Mobilitätsgeschichte des Fahrrads. Der 200-Seiten-Band mit 250 Farbabbildungen kostet 24,90 Euro und ist auch im normalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-88506-041-3).

Zeit: 9.5.2014 – 1.3.2015
Ort: Museum der Arbeit
Wiesendamm 3
22305 Hamburg
direkt am U-/S-Bahnhof Barmbek

Museum der Arbeit Hamburg
Blog zur Ausstellung „Das Fahrrad“
Blick in den Ausstellungskatalog

B90/Grüne poliert den Europawahlkampf auf

Am 07.05. baten die Grünen im Zuge ihres Europawahlkampfes zu einer Gefahrenanalyse für den Innsbrucker Platz. Damit polierten sie nicht nur Ihren manchmal etwas zaghaften Einsatz für den Radverkehr auf, sondern auch gleich die Räder von Interessierten – in einer Fahrradwaschanlage.

Eine Übersichtszeichnung der berüchtigten Kreuzungsanlage, die so radwegetechnische Meisterleistungen wie eine perfekt getarne Grau-in-Grau Kleinpflastermarkierung (zur Innsbrucker Straße) und etliche zweifelhafte Radführungen auf der Fahrbahn bietet, konnte mit persönlichen Gefahrenhighlights angereichert werden.

Als Gast für den Nachmittag war Michael Cramer, Verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Fraktion im Europaparlament angesagt. Der Eyecatcher war aber zweifellos die Fahrradwaschanlage von bikewash. Entwickelt von Stefan Sarfert aus München verfügt die Anlage über einen fast komplett geschlossenen Wasserkreislauf, pro Reinigungsdurchgang werden lediglich 0,1 l Wasser verbraucht. Die Verschmutzungen werden über Filter abgeschieden. Die rotierenden Bürsten erledigen in ca. 5 Minuten die Hauptarbeit, die Laufräder, die über Rollen gedreht werden, erfahren eine Extrareinigung im Ultraschallbad – Resultat: Blitzblanke Felgen. Die verwendeten Reinigungsmittel sind biologisch abbaubar und entölen die Kette nicht, eine Druckreinigung, die das letzte Fett aus den Lagern pustet, findet nicht statt.

Man mag sich fragen, ob eine sauberes Rad in Berlin eine gute Idee ist, schließlich gibt es ja sogar Fans des Boruttisierens, andererseits sind manche Räder ja schon Schmuckstücke und verdienen es, ab und zu ihre wahre Schönheit wieder herzustellen. In jedem Fall in meinen Augen eine gute Kombination von Problembewußtsein schaffen und Bauchpinseln – so wünscht man sich die Grünen häufiger.

Gastbeitrag von M. Stoß

Neuer Bußgeldkatalog für Radfahrer

Seit einer Woche gilt ein neuer Bußgeldkatalog für Radfahrer. So steigt das Überfahren einer roten Ampel von 45 auf 60 € an. Bei einer Gefährdung anderer kostet der so genannte einfache Rotlichtverstoß bereits 100 €, bei einer Unfallfolge 120 €. Wenn die Ampel länhger als eine Sekunde rot war, kostet es 100 beziehungsweise 160 oder 180 €, je nachdem, ob durch das Ampelüberfahren jemand gefährdet wurde oder es zu einem Unfall kam. Wie bisher gibt es für die überfahrerne rote Ampel einen Punkt in der Verkehrssünderdatei in Flensburg.

Viele weitere Bußgelder bleiben gleich hoch wie früher. So kostet die Nichtbenutzung eines benutzungspflichtigen Radweges weiter 20 €, genauso wie das Befahren eines Radweges in der falschen Richtung.

Wenn man als Radfahrer Fußgängern am Zebrastreifen das Überqueren nicht ermöglichte, wurde früher 40 € fällig und es gab zusätzlich vier Punkte in Flensburg. Die neue Regelung sieht ebenfalls 40 € vor, die Punkte in Flensburg fallen jedoch komplett weg.

Andere, etwas antiquiert wirkende Tatbestände bleiben weiterhin auf der Liste der bußgeldpflichtigen Verkehrsverstöße. So wird weiter 5 € abkassiert, wenn jemand freihändig fährt, und auch das Mitnehmen von Personen auf dem Gepäckträger bleibt verboten und kostet 5 €.

Der ganze Katalog zusammengestellt vom ADFC.

Tatbestand

Bußgeld

Mit Behin-derung anderer

Mit Ge- fährdung anderer

Mit Unfallfolge oder Sachbe- schädigung

Punkte

Nichtbenutzung des vorhandenen, beschilderten Radwegs

20 €

25 €

30 €

35 €

 

Benutzung des beschilderten Radweges in nicht zugelassener Richtung

20 €

25 €

30 €

35 €

 

Befahren einer Einbahnstraße in nicht vorgeschriebener Fahrtrichtung

20 €

25 €

30 €

35 €

 

Befahren einer nicht freigegebenen Fußgängerzone oder eines Gehwegs

15 €

20 €

25 €

30 €

 

Befahren einer freigegebenen Fußgängerzone oder eines Gehwegs mit mehr als Schrittgeschwindigkeit 15 €
Auf Geh- und Radweg Geschwindigkeit nicht an Fußgänger angepasst 15 €
Befahren eines für Fahrzeuge oder Fahrräder gesperrten Bereichs

15 €

20 €

25 €

30 €

 

Trotz vorhandener Schutzstreifenmarkierung nicht auf der rechten Seite gefahren

15 €

20 €

25 €

30 €

 

Fehler beim direkten oder indirekten Linksabbiegen

15 €

20 €

25 €

30 €

 

Nebeneinander gefahren und dabei andere behindert

20 €

25 €

30 €

 

Freihändig fahren

5 €

 

Beförderung eines Kindes auf einem Fahrrad ohne vorgeschriebene Sicherheitsvorrichtungen

5 €

 

Beförderung einer über 7 Jahre alten Person auf einem einsitzigen Fahrrad oder im Anhänger

5 €

 

Beleuchtungseinrichtungen (auch Rückstrahler) am Fahrrad nicht vorhanden oder nicht betriebsbereit

20 €

25 €

35 €

 

Beleuchtung trotz Dunkelheit oder schlechter Sicht nicht benutzt oder verschmutzt/verdeckt

20 €

25 €

35 €

 

Bremsen oder Klingel entsprechen nicht den Vorschriften, sind nicht vorhanden oder betriebsbereit

15 €

 

Fahrzeug nicht vorschriftsmäßig, dadurch Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt 80 € 1
Haltgebot oder andere Zeichen von Polizeibeamten nicht beachtet

25 €

 

Benutzung eines Mobiltelefons (ohne Freisprecheinrichtung)

25 €

 

Missachtung des Rotlichts an der Ampel

60 €

100 €

120 €

1

Die Ampel war bereits länger als eine Sekunde rot

100 €

160 €

180 €

1

Bahnübergang trotz geschlossener (Halb-) Schranke überquert

350 €

2

Fußgängern am Fußgängerüberweg (Zebrastreifen) das Überqueren nicht ermöglicht

40 €

0

In Fußgängerzone mit zugelassenem Radverkehr Fußgänger gefährdet

20 €

 

Fahrzeug geführt, obwohl das Gehör durch ein Gerät beeinträchtigt war

10 €

 

ADFC: Bußgeldkatalog für Radfahrer