GPS-Tracking-App Strava bietet Daten zur Stadtplanung an

Wer auf seinem Smartphone eine GPS-Radfahr-App von Strava installiert hat, dessen Radrouten können aufgezeichnet werden. Die Daten landen natürlich auch auf dem Server von Strava und die Firma will nun Kasse machen mit den aggregierten Daten aller Nutzer. Behörden, Unternehmen oder Interessengruppen können die Daten nun lizensieren und auf die gesammelten Infos der Strava-App-Nutzer zurückgreifen. Das Strava Metro genannte Programm soll bei der Stadtplanung und der Verbesserung von Rad- und Fußgängerwegen helfen, erklärt die Firma. Auf einer öffentlich zugänglichen Heatmap kann man das Ergebnis betrachten, das aus mehr als 77 Millionen Radtouren weltweit entstanden ist.

Der Strava-Datensatz bezieht sich nicht auf die Radfahrer allgemein sondern lediglich auf diejenigen unter den Radlern, die eine Strava-App installiert hatten, und das sind vermutlich eher rennradaffine Menschen. Dennoch sind die viel gefahrenen Strecken in Berlin verblüffend unlogisch. So soll die Torstraße zum Beispiel erheblich frequentierter sein als die von Radfahrern viel befahrene Linienstraße. Für Berlin zeigen die Daten im Grunde nur, wie stark der Radverkehr auf Hauptstraßen fokussiert ist.

via heise: GPS-Tracking-App Strava verkauft Daten zur Stadtplanung

11 Gedanken zu „GPS-Tracking-App Strava bietet Daten zur Stadtplanung an

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  1. > So soll die Torstraße zum Beispiel erheblich frequentierter sein als die von
    > Radfahrern viel befahrene Linienstraße.
    Naja, liegt zwar nicht auf meiner täglichen Strecke, aber wenn ich mal in der diese Richtung gefahren bin, dann habe ich auch immer die Torstraße genommen – warum sollte ich einen Umweg nehmen, was die Linienstraße fast immer ist (außer das Ziel befindet sich eben da.)?

    Dass sich auch der Fahrradverkehr (hier geht’s ja offenbar nicht um Freizeitausflügler) entlang der Hauptverkehrswege abspielt finde ich nun wenig überraschend.

  2. eben, der direkte weg von a nach b. bei kiezeinkaufsfahrten und gut vertrauten routen sind schleichwege ja nett, wenn ich schnell irgendwo hin will, dann auch auf den direkten verbindungen. wäre ja super, wenn stadtplaner darüber mal nachdenken würden wie man gerade hier was verbessern kann.

    erinnert mich an die „desire lines“ auf copenhagenize: wie fahren die leute wirklich? jedenfalls nur selten so wie irgendwo aufgemalt wird.

  3. Da ist ja ein klarer bias zugunsten der sportlicheren Fahrer in den Daten. Wie im Text erwähnt, benutzen vermutlich eher die schnelleren und sportlicheren Fahradfahrer die App, und diese Radfahrer sind eben auch vermehrt auf Hauptstraßen unterwegs.
    Wann noch mal will Berlin endlich mal ein paar Zählsäulen aufstellen, wie in vielen anderen Städten der Fall?

  4. Hey, schaut mal die Karte an und sucht Holland. Das ist fahrradfreundlich, das ganze Land ist rot!

    Habe ein Beispiel aus meiner Heimatstadt Rendsburg wo eine Fahrradstraße eingerichtet wurde, um den Radverkehr von der Hauptstraße weg zu lenken. Der Umweg ist wirklich überschaubar, aber trotzdem fährt immer noch alles den etwas kürzeren Weg über den überlasteten Radweg an der Hauptstraße…

  5. Man darf natürlich nicht vergessen, welcher Typ Radler bei welchen Anlässen Strava-Aufzeichnungen vornimmt. Der Anteil der normalen Alltagswege an den Strava-Daten ist sicher nicht groß und somit ist die Anzahl an Fahrten auf bestimmten Strecken sicher nicht repräsentativ für Radler allgemein.
    Wenn man für Hamburg die Strava-Heatmap aufruft gewinnt man den Eindruck, dass eine der Fahrrad-Hauptstrecken über eine eigentlich für Radfahrer gesperrte Brücke führt. Die Uploads stammen alle von einem öffentlichen Radrennen. Solche „besonderen“ Touren und Trainingsfahrten stellen einen Großteil der Daten, sind aber für Stadtplaner und auch zur persönlichen Streckenplanung oft wertlos.

  6. @Jo, vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Torstraße laut Strava-Map so stark befahren wird. Auf der Linienstraße sind zwar gefühlt vier mal mehr Radfahrer unterwegs, aber: durch die Torstraße führt die Velothon-Rennstrecke. Kann sein, dass das einmal im Jahr stattfindende Rennnen für die hohe Frequenz auf der Tor verantwortlich ist.

  7. „Für Berlin zeigen die Daten im Grunde nur, wie stark der Radverkehr auf Hauptstraßen fokussiert ist.“

    Was heißt hier „nur“. Für mich heißt das, dass Radfahrer keine Umwege nehmen und Alternativrouten für Radfahrer nicht angenommen weden.

  8. Die Daten sind definitiv aus den oben bereits mehrmals erwähnten Gründen arg mit Vorsicht zu genießen.

    Mich persönlich würde es freuen, wenn sie allgemeingültig so stimmen würden. Aber ich hab mich vorgestern mittag mal für 3 Minuten an die Ecke Torstraße/Schönhauser gestellt und grob gezählt: Über die Linienstraße fahren ~10 mal so viele Radfahrer wie durch die Torstraße. Und von denen, die die Torstraße fahren, taumelt die Hälfte auch noch über den Gehweg – nutzt die Torstraße also nicht wirklich. (Wobei letztere sicher auch nicht strava nutzen ;-))

  9. …da fällt mir gerade auf, dass die Torstraße seit Jahren Teil der Velothon Strecke ist und dann sicher jeweils auf einen Schlag an einem Tag hunderte bis tausende STRAVA-Nutzer da lang düsen. Da verhält es sich mit der Färbung dann wahrscheinlic ähnlich, wie bei der gesperrten Hamburger Brücke, die Jo oben erwähnte.
    Und Strava sollte dann eigentlich in der Lage sein, solche punktuellen Straknutzungen aus der Gesamt-Heatmap rauszufiltern.

  10. Die Vermutung, dass es sich zu einem großen Teil um Daten von Großveranstaltungen handelt wird unterstützt, wenn man in der Global Heatmap auf ´Run´umschaltet. Dann kann man sehr gut große Teile der Strecke des Berlin-Marathons erkennen.

  11. Strava sammelt nicht nur alleine Daten, da ist mit Waze und Moovit das nächste menschenfreundliche Datenprojekt schon am Start:

    http://www.forbes.com/sites/parmyolson/2014/07/07/why-google-waze-helps-local-governments-track-its-users/

    The goal is traffic management, and it involves swapping data for data. More cities are lining up to get access, and while the data the apps are sharing is all anonymous for now, identifying details could get more specific if cities like what they see, and people become more comfortable with being monitored through their smartphones in return for incentives.

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