Eurobike 2011 Nachlese #1

Je häufiger ich auf Messen gehe, desto weniger Enthusiasmus bringe ich für den Messebetrieb und die zu entdeckenden Neuigkeiten auf. Stärker treten für mich dagegen Elemente hervor, die mich abstoßen: Autoschlangen überall, der gesamte Livestylescheiß à la Ichbineincoolermacker-ey, Menschenmassen, Lärm, Müll, schlecht geschultes Personal.
Ich wünsche mir auf Messen eine nüchterne Präsentation der Produkte mit ensprechenden technischen Erläuterungen auf schlichtem weißen Papier. Dazu bitte geschultes Fachpersonal. Vorbildlich am Stand der Firma Schmidt aus Tübingen praktiziert. Dafür an dieser Stelle ein Dankeschön.
Auch diesem Jahr gab es totz alledem wieder ein paar interessante Entwicklungen, unter anderem auch von oben genannter Firma.

Das persönliche Highlight dieser Messe ist dieses Jahr aber ein Produkt des taiwanesischen Herstellers Microshift. Es handelt sich um einen Daumenschalter für 8, 9 und 10-fach Schaltungen. Er ist zwar schon vor zwei Jahren von der us-amerikanischen Firma IRD entwickelt worden, und dort auch seitdem käuflich zu erwerben, allerdings zum stolzen Preis von 160 Dollar. Ohne den Umweg über IRD dürfte das Teil ein ganzes Stück günstiger werden.
Daumenschalter erlauben schnelle Gangwechsel über mehrere Ritzel hinweg in beide Richtungen und sind von ihrer Bauweise deutlich stabiler und langlebiger als die heute gebräuchlichen Trigger-Schalter von Shimano und SRAM. Wir sind gespannt, ab wann der Schalter in Deutschland erhältlich ist.

microshift-a10

Microshift SL-A10

12 Gedanken zu „Eurobike 2011 Nachlese #1

Kommentare-Feed
  1. „Daumenschalter erlauben schnelle Gangwechsel über mehrere Ritzel hinweg in beide Richtungen…“

    Uhhh, das knierscht im Getriebe!

  2. mmhh… find ich gut, Daumenschalthebel sind grad am Reiserad ziemlich fein, mal sehen ob es günstiger wird als die Paul-Variante….

    …gangsprünge über mehrere Ritzel bekommt man aber auch mit dem guten, alten Drehgriff hin 😉

  3. Es stimmt schon, dass auf der Eurobike viele hippes Zeug für coole Großstädter gezeigt wurde. Aber das ist meiner Meinung nach u.A. der richtige Weg, den Fahrradverkehr zu stärken und mehr Menschen aufs Rad zu bringen. Ein Produkt kann man nur richtig erfolgreich machen, wenn man beim potentiellen Kunden Emotionen aufbaut, so dass er meint, er braucht das Produkt unbedingt und bezahlt auch mehr dafür gerne mehr als notwendig. Die Autofirmen geben für dieses Gefühl seit Jahren erfolgreich viele Milionen aus. Endlich begreifen das die Radhersteller auch.
    Ob Radfahren umweltfreundlich ist, interessiert nur eine Minderheit, und lockt keinen hinterm Ofen hervor. Wenn Fahrräder aber schick sind und zur getragenen Handtasche passen, dann ist das schon was anderes.

    PS. Mir hat z.B. das Rücklicht von Philips (SafeRide LED) gut gefallen.

  4. Bin ich froh, daß ich für mein Rad noch „antiquarische“ richtige Friktionsschalthebel bekommen habe. Ganz ohne Klick-Klack und ohne Schnick-Schnack.

    Sowas stammt halt aus der Zeit, in der Fahrradtechnik noch nicht aus den USA kam, sondern aus Italien und Frankreich.

  5. […] der mir den Eintritt ermöglichte. Am Bloggertreffen nahmen außer ihm noch  Rad-Spannerei (hier ein Messebericht), e-Rad Hafen (der Erlebnisbericht), fahrstil und KettenStift (hier sein Bericht) […]

  6. @Prokrastes
    Quelle: http://www.wikipedalia.com/index.php?title=Friktionsschaltung

    „… Wenn Dein Fahrrad noch mit Friktionsschaltung ausgestattet ist, solltest Du über eine Aufrüstung Deines Fahrrads nachdenken. Das ist eine lohnenswerte Investition.“ 😉

  7. Eine lohnende Investition ist es, wenn man nicht Fahrradfahren kann. Die im „Artikel“ genannten Problem hat man aber nicht, wenn man Fahrradfahren kann.

    Also ist es keine lohnende Investition. Ich brauche übrigens auch keine Stützräder.

  8. Am Reiserad fahre ich 3×9 mit Lenkerendhebeln im Friktionsbetrieb. Das ist wunderbar, auch wenn es gerade bei 9-fach erstmal abenteuerlich klingen mag.

    Großer Vorteil in Betrieb: schnelle Gangwechsel möglich. Das geht, wenn man beim Schalten nur „kraftlos“ weiterkurbelt, völlig problemlos und fürs Getriebe auch schonend. Die Position der einzelnen Gänge hat man schnell drin. Wenn’s doch mal leicht rasselt wird eben kurz der Hebel angetippt.

    Großer Vorteil bei Wartung: wo keine Indexierung, da auch keine Justage nötig. Schaltzug unterwegs gerissen? Neuen rein, festklemmen, paßt.

  9. Eben. Genau so verhält sich das.

    Man muss Dinge nicht technisch komplizierter machen als nötig. Ich fahre zwar „nur“ 3×7 im Friktionsbetrieb, dafür aber mit Hebeln, die, wie es in den frühen 80ern mal möglich war, am Vorbau angebracht sind. Geht natürlich nicht mit den klobigen Dingern, die einem heute als Vorbau angedreht werden …

  10. Fahre diesen Daumenschalter am Alltagsrad seit er zu kaufen war. Bisher überhaupt keine Probleme damit, wunderbar elegant und unauffällig.
    Der beste Thumbie, den ich je hatte!!

  11. […] Eurobike war bunt und groß. Auch wenn ich der Kritik aus der Rad-Spannerei was die grelle Messeaufmachung betrifft durchaus zustimmen kann. Mit hat es dennoch gefallen. Mich […]

  12. Die Schalter gibt es jetzt im Handel für 9 & 10 fach Ritzel von Shimano oder Sram. Sehr gute Verarbeitung und angenehme, leichtgängige Rasterung. Haben wir schon an diversen Rädern verbaut. Bislang ohne Reklamation.
    Ob sie solange halten wie die Originale aus den 80ern wissen wir noch nicht.

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