Warnwestenpflicht für Radfahrer gefordert

Der CDU-Politiker und Europaparlamentarier Dieter-Lebrecht Koch will, dass Radfahrer künftig verpflichtend Warnwesten tragen. Koch reichte dafür einen Entwurf beim Europäischen Parlament ein. Nach Kochs Meinung wird dadurch die Verkehrssicherheit der Verkehrsteilnehmer, insbesondere der Fahrradfahrer, erhöht.

Beim ADFC stieß die Initiative Kochs im Europaparlament auf Kritik. ADFC-Bundesgeschäftsführer Horst Hahn-Klöckner schreibt: „Sie greift in unverhältnismäßiger Weise in die allgemeine Handlungsfreiheit ein und erschwert das Radfahren unzumutbar mit der Folge, dass weniger Menschen Rad fahren. Genau das wird dazu führen, dass für sie das individuelle Risiko eines Fahrradunfalls ansteigt.“

Stattdessen fordert der ADFC Koch auf, sich auf andere Bereiche der Radverkehrspolitik zu begeben. Hinsichtlich der einheitlichen Vorschriften für die Ausstattung von Fahrrädern mit wirksamen Lichtanlagen bestehe zum Beispiel noch Regelungsbedarf.

ADFC: Europaabgeordneter fordert Warnwestenpflicht für Radfahrer

23 Gedanken zu „Warnwestenpflicht für Radfahrer gefordert

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  1. Wer Radfahrer nur als Clowns verkleidet sieht, sollte seinen Führerschein abgeben.

  2. Ich stehe bereits den ADAC-Warnwesten für Schulkinder sehr kritisch gegenüber, und ich glaube, nicht zu unrecht.

    Diese Warnwesten –und erst recht die dieses CDU-Chefinkompetenzlers– sind offensichtlich dafür da, Autofahren zu helfen, Dinge „besser“ zu sehen, die sie ohne Warnwesten auch sehen können müssen.

    Statt dafür zu sorgen, daß Autofahrer besser sehen (indem sie beispielsweise regelmäßig ernstzunehmende Sehtests bestehen müssen, um fahren zu dürfen), daß Autofahrer ihr Fahrverhalten an ihre beschränkten Sehmöglichkeiten anpassen, wird hier von der Umwelt, in der diese Autofahrer herumfahren, erwartet, daß diese sich an die Autofahrer und ihr Unvermögen anpasst.

    Da hängt doch was schief. Wenn man so weitermacht, muss in Zukunft *alles* mit Warnwesten behängt werden, Bäume, Schilder, Häuser, Brücken, alle Fußgänger und natürlich auch alle Wildtiere.
    Man könnte natürlich auch einfach die gesamte Landschaft in schickem Neon-Grün anpinseln, dann wird vor allem gewarnt, was da ist, kreucht und fleucht.

    Schlimmer noch: Die Hemmschwelle, Nichtträgern solcher Warnweste schuldhaftes Verhalten nahezulegen, die sinkt bedrohlich.

    Wer unbedingt eine Warnweste tragen sollte, ist Dieter-Lebrecht Koch. Mit der Aufschrift: „Achtung, Vollidiot“.

  3. Autofahrer könnten ja so Infrarotbrillen tragen, dann leuchten sogar die Fußgänger und Dackel!

  4. Das ist doch genau das gleiche Problem wie mit einer immer wieder geforderten Helmpflicht. Kaum einer wird hier behaupten, dass Warnwesten nutzlos sind oder gar gefährden. Ich selbst habe einen neonfarbenen Regenüberzeiher für den Rucksack und leuchtend rote Klamotten, wenn ich mit dem Renner unterwegs bin. Aber wie bei Helmen wird eine Pflicht nur den Radfahreranteil senken und damit die Gefährdung der verbliebenen Radler erhöhen.

    Vielleicht nimmt der Herr Koch sich eines weiteren ernsten Problems des Straßenverkehrs an. Ich bleibe ständig an den Spiegeln von Falschparkern hängen, weil ich sie nicht erkennen kann. Mit einem Neonüberzieher würde mir das bestimmt nicht passieren. Aber was nutzt eine Weste für Radler, wenn die Kreuzungen so zugeparkt sind, dass der kreuzende Verkehr den Radfahrer erst mitten auf der Kreuzung erkennen kann?

  5. Der Vorschlag ist nicht schlecht, nur würde ich konsequenterweise dann auch Neonlack für Autos forden.

  6. Ich würde die schöne orange Lackierung der Müllabfuhr für alle PKW einfordern. Und zusätzliches Rundumlicht auf dem Dach. Vielleicht reduziert sich hierdurch sogar der PKW-Verkehr. Wäre einen Versuch Wert…

  7. Hm, ich werde wohl mal einen Entwurf vorbereiten zwecks Hirnpflicht für CDU-Politiker …

  8. „“““# Finn schreibt:
    Dienstag, 15.03.2011 um 22:03

    Hm, ich werde wohl mal einen Entwurf vorbereiten zwecks Hirnpflicht für CDU-Politiker …““““

    Dann wären es ja keine CDU Politiker mehr.

  9. Der Radfahrer und Europabewohner Hugo Egon will, dass CDU-Politiker künftig verpflichtend ungepanzerte Smarts als Dienstwagen fahren. Egon reichte dafür einen Entwurf beim Europäischen Parlament ein. Nach Egons Meinung wird dadurch die Verkehrssicherheit der Verkehrsteilnehmer, insbesondere der Fahrradfahrer, erhöht und der CO²-Ausstoß reduziert. Weiter hin fordert Egon in Zukunft komplett auf Dinstwagen zu verzichten und auf Dienstfahrädern umzusteigen. Dies führe zu einer besseren Belüftung der Gehirnzellen und entlastet den Steuerzahler ungemein.

  10. Wenns nicht so traurig wäre.

    Unfälle vermeidet man mit baulichen Maßnahmen, permanenter Schulung und Verkehrsüberwachung. Ein Politiker, der offenbar selbst nicht radfährt und sich nicht die Mühe macht, vor eigenen Vorschlägen zu recherchieren, was Fachleute vorschlagen, tut der Verkehrssicherheit einen Bärendienst. Es gibt viele Forderungen, mit denen man die Verkehrssicherheit nachweisbar erhöhen kann.

  11. Ich hab gerade mal bissel gesucht, was der Mann kann oder sonst so tut. Ausser den „DieselRing“ zu bekommen, hat er nichts vollbracht. Er ist seit mehr als 15 Jahren im Europaparlament.

    Angesichts dessen, dass solche Clownverkleidung in einigen Ländern schon Pflicht ist, will ich seinen Beitrag mal nicht ganz als Mumpitz abtun.

    Am Ende rotten sich da Gutmenschen zusammen und der Unsinn wird tatsaechlich zur Tatsache.

    Ansonsten verweise ich mal auf diesen schönen Satz.

    „Denn jedenfalls ist es unvereinbar mit den Grundsätzen rechtsstaatlicher Zurechnung, wenn die Gefahr, dass bestimmte Personen sich in rechtswidriger Weise verhalten, nicht im Regelfall vorrangig diesen Personen zugerechnet und nach Möglichkeit durch ihnen gegenüber zu ergreifende Maßnahmen abgewehrt wird, sondern ohne weiteres Dritte oder gar die potentiellen Opfer des drohenden rechtswidrigen Verhaltens zum Objekt eingreifender Maßnahmen der Gefahrenabwehr gemacht werden“

    Hat zwar nichts unmittelbar mit Radfahren zu tun, sondern mit Strafrecht, kommt aber vom Verfassungsgericht und sollte somit maßgeblich für alle rechlichen Belange sein.

    http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20060627_2bvr129505.html

  12. „Kaum einer wird hier behaupten, dass Warnwesten nutzlos sind“

    Meld! Meld! Hier, ich! Martin LE scheint ihnen ja zumindest ohne Pflicht einge gewisse positive Wirkung zuzugestehen, da würde mich doch mal interessieren, wie die wohl aussehen soll. Das Autofahrer mit ihnen von ihren Sorgfaltspflichten befreit werden, zählt dabei nicht.

  13. Die Gefahr sehe ich natürlich auch. Nicht, dass irgendwann in der Zeitung steht: „Der PKW-Fahrer übersah den vorfahrtsberechtigten Radfahrer. Mit schweren inneren Verletzungen wurde dieser in die Uniklinik eingeliefert. Er trug weder Helm noch Warnweste. Der Autofahrer trug einen Schock davon, konnte aber ambulant versorgt werden. Der Sachschaden betrug 150€.“

    Über kurz oder lang wird eine mangelnde Warnweste bestimmt einem Unfallopfer zum Vorwurf gemacht werden. Derzeit gibt es diese Debatte zum Glück nur ganz leise. Daher bringt es für jeden Einzelnen noch etwas, wenn er gerade während der Dämmerung diese Dinger trägt und so doch ein Stück weit besser erkennbar ist. Schlecht wird es erst dann, wenn daraus wieder eine Teilschuld für den Radler konstruiert werden sollte und die Nichtträger quasi bestraft werden sollten.

  14. Aha, und wie soll man mit solchen Mülldingern „ein Stück weit besser erkennbar“ werden? Und besser als wie?

  15. Man kann natürlich auch richtig viel Geld in sehr gute Beleuchtung stecken (http://fstatic1.rennrad-news.de/img/photos/1/9/6/5/0/_/large/Allesfern.jpg) und hat eine ordentliche aktive Beleuchtung. Tagsüber bringt das Ganze aber auch nicht so viel, da ist auffällige Bekleidung schon besser erkennbar als die typische schwarz-graue Kombination. Nachts im Scheinwerferlicht strahlen die „Mülldinger“ auch ganz zufriedenstellend. Aber wer überhaupt nicht will, muss ja auch nicht und kann dunkel bekleidet mit Karbit-Beleuchtung durch Nacht und Nebel pendeln.

  16. @Martin LE: Das bringt alles nicht so viel, weil man meist von der Kfzlern nicht übersehen wird, sondern bewusst übergangen. Ich habe auch eine neongelbe Jacke zum Rennradfahrern und kann keinen Unterschied im Verhalten der Anderen feststellen.

    Am meisten bringt es im Stadtverkehr, sich möglichst selbstbewusst zu verhalten, d.h. so wie mit jedem anderen Fahrzeug zu fahren. Abstand nach rechts lassen, gerade Fahrlinie. Und *nicht* den Blickkontakt suchen! Das wird als „der Radfahrer hat mich gesehen, also fahr ich mal los“ missverstanden.

    Ich lehne die Warnweste vor allem deswegen ab, weil sie eine weitere Massnahme ist, die Radfahrer zum Opfer stilisiert. Schutzmassnahmen müssen auf Seiten der Kfz erfolgen. Ausserdem halte ich deine Ängste für weit überzogen. Da solltest du mal dran arbeiten. Es werden ja auch nicht dauernd dunkle PKW übersehen. Und auf Radwegen wird man so oder so übersehen.

  17. Ich sehe die Diskussion etwas zwiegespalten.

    Ganz allgemein darf es keine Bekleidungsvorschrift für die „Opfer“ geben, die sind die falschen Adressaten. Auch die Tendenz, „dunkle Kleidung“ zum Vorwurf zu machen, ist einfach nur absurd. Welche Lebensqualität habe ich denn, wenn ich mich außerhalb eines Blechpanzers nur noch in Signalfarben durch meine Umwelt bewegen darf.

    Ganz persönlich achte ich jedoch schon ganz egoistisch auf mein Überleben und trage z.B. auf Landstraßen Warnfarben, da mir dass Sichtfahrgebot effektiv als Kühlerfigur eines 40-Tonners nichts mehr nützt. Insofern suche ich auch den Blickkontakt, da ich leider nur mein eigenes Verhalten mit Sicherheit steuern kann und hierfür Messdaten der Umgebung benötige.

    Natürlich ignoriert mich ein signifikanter Anteil der Verkehrsteilnehmer trotz Sichtbarkeit, aber: Für das Verhalten von Leuten, die mich gesehen haben, spielt eine Signalfarbe keine Rolle, ist aber auch nicht schlechter. Menschen, die überhaupt nicht kucken, ändern ihre Bewegung logischerweise auch nicht. Aber ein nicht unerheblicher Teil der Verkehrsteilnehmer schaut nur flüchtig, automatisiert, ohne wirklich hinzuschauen. Hier kann eine grelle Farbgebung vielleicht manchmal für ein Erwachen sorgen, eventuell wird bei mir sogar mit mehr als Schrittgeschwindigkeit gerechnet, da Signalfarben eher sportlichen und zügigen Alltagsradlern zugeschrieben wird.

    Lieber wär mir angepasste Geschwindigkeit und achtsame Bewegungen (auch von Radfahrern und Fußgängern), aber solang das nicht so ist, ist mir gute Sichtbarkeit wichtig. In der Stadt gehts mit normalen Klamotten, da tagsüber alles dicht ist und Nachts das Licht entscheidet. Aber Ausfallstraßen und Überland trag ich lieber rot und Gelb als Schwarz.

  18. Ich sehe helle Kleidung selbst auch nur als ganz kleinen Anteil am sicheren Vorankommen im Straßenverkehr. Das wichtigste ist und bleibt eine ständige Beobachtung des Verkehrs, danach die offensive und vorhersehbare Fahrweise. Das ist mir alles klar. Bei der hellen Beleuchtung spielt auch etwas Faszination an Nachtfahrten mit und die Tatsache, dass ich es nicht einsehe, weniger Licht als ein Autofahrer zur Verfügung zu haben.

    Mit den Ängsten ist das so eine Sache. Eigentlich habe ich keine Angst im Straßenverkehr. Vorherrschende Emotionen sind Freude, wenn alles klappt und Ärger über Autofahrer. Allerdings bin ich in den letzten Jahren, seitdem ich richtig mit dem Rad unterwegs bin, insgesamt 10 Mal angefahren worden, ohne dass ich irgendeinen Unfall vermeiden konnte, mehrfach sogar absichtlich von netten Autofahrern. Ich liefere auf jeden Fall keinem Verkehrsteilnehmer die Möglichkeit meine Sichtbarkeit und Regelkonformität zu bemängeln. Bei einem Unfall oder in einer gefährlichen Situation habe ich zu 100% keine Schuld und das bekommt der jeweilige Widerpart auch zu spüren.

  19. @kruste: Sehe ich alles genauso. Sportklamotten in Signalfarben halte ich auch durchaus für hilfreich, schaden auf jeden Fall nicht. Bei Westen sehe ich aber den Effekt, dass sie bei einem bestimmten Autofahrertypus die Gefährdung nach dem Motto „Ist ja nur ein Radfahrer, den überhol ich noch mal schnell“ bzw. „der ist ja noch 10 m weg, da bieg ich schnell noch vor dem links ab“ noch verstärken. Zumindest solange nur ein bestimmter Radfahrertypus die Westen trägt. Weil gerade ängstliche und unterwürfige Radfahrer dazu neigen, sich sowas zu kaufen.

    @Martin LE: Helle Beleuchtung habe ich auch, den Effekt von heller bzw greller Kleidung halte ich aber für überschätzt. Die anderen Punkte, die du auch nennst, sind viel wichtiger. Das mit den 10 Unfällen ist ja heftig, da hatte ich bisher viel Glück oder eine gute Intuition. Oder die Autofahrer in Berlin sind teils viel heftiger als hier im Ruhrgebiet, was ich mir auch gut vorstellen kann. Ich hatte ja schon mal die Theorie aufgestellt, dass in Großstädten wie Berlin oder Hamburg die Quote der durchgeknallten Autofahrer weit höher ist als in normalen Städten. Wer sich täglich sowas antut, ist irgendwann nicht mehr ganz normal.

  20. Ich finde die Forderung richtig.

    Wenn ich in meinem Auto mit rund 70 km/h in Berlin unterwegs bin, abends schon etwas diesig, am Ohr mein Telefon, Zigarette in der Hand, gerade am Radiosender-einstellen und mit dem Versuch beschäftigt bin dass die Cola auf dem Beifahrersitz nicht umkippt – und dann noch so ein dunkel gekleideter Radfahr-Terrorist plötzlich vor mir auftaucht – kann man schon mal übersehen!

  21. „muss ja auch nicht und kann dunkel bekleidet mit Karbit-Beleuchtung durch Nacht und Nebel pendeln“

    Nach dem Ausweichen ein Strohmann. Frage nicht beantwortet. Ich weiß jedenfalls keinen Grund, warum aktive Beleuchtung schlechter wirken soll als passive, die ja erstmal angestrahlt werden muß.

  22. Das traurige ist ja, das die Warnweste nichts hilft. Wenn der Autofahrende langsam genug sind sehen sie einen auch in normaler Kleidung und wenn nicht ist es eh egal ob man gesehen wird oder nicht.

    […] In der Dunkelheit ging am rechten Straßenrand ein 50-jähriger Mann
    nach Hause.

    Er trug eine orangefarbene Warnweste.
    Kurz vor der Einmündung auf die L 106 bemerkte der Angeklagte
    im Lichtkegel seines Abblendlichtes die reflektierende Warnweste.
    Er bremste sofort, aber es reichte nicht mehr zum rechtzeitigen Anhalten.
    Wäre er statt der vom Gutachter berechneten 80 Stundenkilometer mit
    Tempo 55 und damit auf Sicht gefahren, hätte er den Zusammenprall
    vermeiden können. Der Fußgänger erlitt bei dem Unfall tödliche,
    weil medizinische nicht mehr beherrschbare Verletzungen.
    Er starb sofort.

    http://www.badische-zeitung.de/herbolzheim/gericht-ahndet-toedlichen-unfall-mit-zweijaehriger-bewaehrungsstrafe–41347282.html

  23. „hätte er den Zusammenprall vermeiden können“

    Und wieder wird mittels Formulierung gelogen. Der Zusammenprall ist nicht Naturgegeben und unabwendbar, sondern wurde verursacht, Schäden billigend in Kauf nehmend.
    Unter solchen Voraussetzungen, mir erscheint auch die Strafe Milde, ist klar, das man Reflektoren, Helmchen und Westchen verordnen will.

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