Gehzeugaktion in Wien

Heute findet (bzw. fand) in Wien eine Gehzeugaktion mit etwa 40 Gehzeugen statt.

Was ist ein Gehzeug? Darunter versteht man eine 1975 von Hermann Knoflacher erdachte und gebaute Konstruktion, welche die Diskrepanz zwischen dem Platzbedarf eines PKWs und dem eines Fußgängers illustrieren und damit die Fehlentwicklungen in der Verkehrsplanung aufzeigen und karikieren soll. Bei der „Erfindung“ handelt es sich um einen Holzrahmen in der Größe eines Mittelklassewagens (4,30 x 1,70 m), den sich ein Fußgänger umhängen kann, um das Recht auf Raum in der Öffentlichkeit in Anspruch zu nehmen, das auch Autofahrern zugesprochen wird.

Der heutige Umzug in Wien wird vom Jugend-Umwelt-Netzwerk und  dem Salzburger Verein fairkehr veranstaltet. Es wurden etwa 500 Teilnehmer erwartet.

Gehzeuge

Hermann Knoflacher bei Wikipedia
Critical Mass Austria: Wien, 21.10.: große Gehzeugaktion mit ca. 40 Gehzeugen!

23 Gedanken zu „Gehzeugaktion in Wien

Kommentare-Feed
  1. Sehr gut finde ich das Missverhältnis des Flächenbedarfs immer in der Friedrichstraße illustriert – der Anteil der Fußgänger ist um Größenordnungen höher als der der Kfz, dennoch haben diese – natürlich auch zum gemütlichen Parken – den meisten Raum für sich. Zahlen ja schliesslich Steuern 🙂

    Im oben gezeigten Bild fehlen noch die Sicherheitsabstände.

  2. naja, sind halt sicherheitsabstände, wenn man im stau steht 😉

    ja, die argumentation mit den steuern hat mal n polizist mir ggü gebracht, als ich mich beschwerte, dass die fahrradspur komplett von kfz benutzt wurde. ich würde ja auch nicht die strassen bezahlen …. so ein idiot

  3. das polizisten von steuern keine ahnung haben ist klar, sie sind keine ökonomen.

  4. Ahhh das Steuerargument, ich hasse es, wir alle Zahlen steuern, irgendwie für irgendwas…
    Die KfZ-Steuer reicht nicht im Geringsten aus um auch nur die laufenden Kosten der Straßensanierung zu bezahlen, von Volkswirtschaftlichen Kosten wie Umweltzerstörung, versiegelung der Flächen und Unfallschäden mal ganz abgesehen.

    Ist halt wie so oft, Autofahrer sehen sich als Melkkuh der Nation, Radarkontrollen werden ja auch nur als Schikane gemacht, ich habe das Gefühl diese Kiste macht doof und verblendet auf lange Frist.

  5. Das Steuerargument mag ich auch immer. Das kann man unendlich ausführen. Da gibts soooo viele Gegenargumente, die auch die moralische Ebene (das Argument ist ja nur ein moralisches) sofort entschärfen

    – wer mehr Steuern bezahlt, müsste also generell mehr Rechte haben, ein Besserverdiener könnte also erwarten, dass alle anderen sofort die gesamte Straße räumen, wenn er dort auftaucht
    – auch wenn er wollte – der Radfahrer hat keine Möglichkeit, die Kfz-Steuer zu zahlen

  6. … gab es bei der Polizei früher nicht mal Eignungstests?

    Also hier noch mal zur Erinnerung:

    – Branntweinsteuer und Schaumweinsteuer für Trinkerhallen

    – Tabaksteuer für Raucherclubs

    – Vermögenssteuer für die Vermögenden

    – Erbschaftsteuer für die Erben

    – Mineralölsteuer für „Kraft“fahrer

    ist leider nicht ganz richtig, liebe Polizei:

    „Als Steuer wird eine Geldleistung ohne Anspruch auf individuelle Gegenleistung bezeichnet, die ein öffentlich-rechtliches Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen Personen auferlegt, die einen steuerlichen Tatbestand verwirklichen, wobei die Erzielung von Einnahmen wenigstens Nebenzweck sein sollte (Definition nach § 3 der deutschen Abgabenordnung). [Wikipedia]“

    Aber wer kann schon alles wissen.

  7. Der Aspekt des Platzverbrauchs wird immer wieder vergessen, deshalb ist so eine Aktion ganz prima. Diese Stehzeuge brauchen Platz am Anfangsort der Fahrt, Platz bei der Fahrt selbst und Platz am Ziel. Völlig unverhältnismäßig, ihnen den umsonst einzuräumen, angesichts all der Kosten die sie produzieren. KFZ sollten nur den Platz kostenlos bekommen, den sie entsprechend ihres Nutzens für die Gesellschaft auch verdienen. Private KFZ nur in Parkhäusern oder anderweitig auf Privatgrund unterzubringen wäre schon mal eine Idee. Da würde dann auch so mancher die Lust verlieren, für die Fahrt zum 300m entfernten Bäcker zum 350m entfernten Parkhaus zu marschieren.

  8. Sehr gute Aktion! Mehr davon.

    … und was die Steuerfetischisten angeht, in jedem geschissenen Produkt, dass wir konsumieren – sogar in unseren Fahrrädern – steckt nicht nur Mineralölsteuer sondern auch jede Menge KFZ-Steuer mit drin. Der Joghurt beamt nicht von der Kuh auf unseren Frühstückstisch.

  9. Auch ich muss Mineralölsteuer bezahlen wenn ich Öl für mein Fahrrad verbrauche. Das mein Fahrrad kein Benzin verbraucht, dafür kann ich nix. Radfahrer sind also keineswegs von der Minaralölsteuer befreit.
    Würden Autos keinen Brennstoff verbrauchen wären sie auch von der Steuer befreit. So wie Elektroautos und die fahren sogar auf der Autobahn.
    Na ja Elektrofahrzeuge verbrennen nicht direkt – die lassen verbrennen.

  10. vlt sollte man zusätzlich eine platzverbrauchsabhängige steuer einführen 😉

  11. Berlinradler – gut geschrieben.
    Ich stimme völlig mit dir. Zwar fahre ich nur Rad, aber mir ärgern Schikanen gegen Autofahrer. Sie zahlen Steuer (Mehrwert steuer, Kfz-Steuer, Akzise und so weiter). Sie sollen entsprechende Rechte dafür haben.

  12. Ist das eigentlich die neueste Spam-Masche, sich so halb inhaltlich zu äußern um dann einen Backlink zu bekommen? Damit die Löschung dann als Zensur ausgelegt werden kann? Zumindest nicht unclever.

  13. wtf der Max hat wohl seinen Ironie detektor nicht angeschalten, oder er hat keinen weils nen Bot ist 😉

  14. Zum Thema „Weg von der Straße, ich bezahle Autosteuer“ hier mal die finale Antwort:

    1. Steuern sind nicht Zweckgebunden. Die Kfz-Steuer bezahlt also nicht die Straßen.

    2. Autofahren wird in Deutschland jährlich mit sagenhaften 47 Milliarden Euro von uns ALLEN subventioniert!

    Quelle: http://bit.ly/bRfHr5

    „Derzeit kostet der Pkw-Verkehr laut Umweltbundesamt den Staat jährlich 47 Milliarden Euro mehr, als er über Benzin- und Kfz-Steuern sowie Parkgebühren einnimmt. „

  15. @ heinzer: ich meine in nem offiziellen bericht vom umweltbundesamt 60 milliarden gelesen zu haben.
    hab die odf leider gerade nicht zur hand

  16. Bin vorhin an unserem benachbarten Einfamlienhaus-Neubaugebiet vorbeigefahren: Jeder mit seinem Parkplatz vorm Haus, dazu noch neben der neuen Straße ein durchgehender Streifen von Parkplätzen. Im bereits besiedelten Teil sind die fast alle leer, erst in der Nähe zur S-Bahn füllen sie sich. Abstellanlagen gibts da (noch) nicht, dafür Laternenparken. Da frage ich mich doch wirklich, ob das alle die Menschen ohne Auto denn noch weiter tolerieren sollen. Der Flächenverbrauch in D liegt meines Wissens immer noch bei über 100 ha/Tag – auch für so einen Mist. Warum soll nicht ein Investor im Neubaugebiet ein Parkhaus vorhalten müssen, wenn er den Bedarf verspürt, statt dass öffentlicher Raum versiegelt wird?

  17. @Michael, ich habe hier (Karlshorst) auch so ein Neubaugebiet (Carlsgarten) vor der Nase. Das ist über eine Straße erschlossen, die seit Jahren bereits befestigt war, allerdings nur durch Betonplatten. Das reichte natürlich nicht aus, also wurde die Straße vollständig erneuert – und hat jetzt eine Verkehrsbelastung von vielleicht 100-200 Fahrzeugen in der Stunde.

    Ebenso die Gustav-Holzmann-Straße bei mir in der Nähe. Das ist eine Stichstraße ohne Durchgangsverkehr. Sie wird nur vom Gewerbegebiet als Zufahrt und zum Parken benötigt, Verkehrsbelastung unter 50 Fahrzeuge pro Stunde, Parkplatzauslastung vielleicht 20%. Die war zwar asphaltiert – wurde aber alles völlig neu gemacht.

    Dass man befahrene Straßen in Schuss halten muss und auch verbessern darf, bestreite ich ja gar nicht. Warum allerdings unwichtige Nebenstraßen auf so ein hohes Niveau gebracht werden, während man z.B. auf der für Karlshorster Radfahrer wichtigen Straßen wie z.B. der Wallensteinstraße nur Kopfsteinpflaster vorfindet, erschließt sich mir nicht. Diese Investitionen verbessern für niemanden die Fahrqualität, das Geld wär anderswo besser angelegt.

    Und Radfahrer? Wenn man in Karlshorst „Radwege“ baut, sind die bis heute gepflastert (Treskowallee, Rummelsburger Landstraße – hier in der Sparvariante mit 1 Meter Breite). Super.

  18. Interessanterweise wird in Ich-habe-hier-mehr-Rechte-weil-ich-zahle-KFZ-Steuern-Diskussionen meist die KFZ-Steuer angeführt und nicht die Mineralölsteuer. Da gibt es anscheinend eine unterschiedliche Wahrnehmung: KFZ-Steuer=Recht auf Straße – Mineralölsteuer=Willkür.
    Aber auch so: jeder halbwegs ordentlich verdienende Radfahrer zahlt weitaus mehr Einkommensteuer als der mit ihm diskutierende KFZ-Lenker fahrzeugbezogene Steuern.
    Das folgende mag jetzt nicht direkt political correct sein, ist aber als Gedankenmodell ganz interessant: Ein ausschließlich Rad fahrender Akademiker in entsprechender Stellung zahlt weitaus mehr Steuern als der Arbeiter, der zur virtuellen Verbesserung seines sozialen Status einen dicken Schlitten fährt.
    Wer hat nach dieser Denke Ich-zahle-Steuern-also-darf-ich… nun mehr Rechte? Damit bekommt das, was Berlinradler um 16:10 geschrieben hat, noch einen zusätzlichen interessanten Aspekt.
    Bitte dies nicht falsch verstehen: diese Anwendung des Steuerarguments ist natürlich ebenso falsch. Aber in solch einer Diskussion kann so etwas manchmal ganz gut ziehen.

  19. bikebloggerberlin stimme ich zu,
    ich würde es noch anders formulieren, ich glaube, dass viele autofahrer in das sog. sinusmilieu konsum-materialisten einzuordnen sind.

  20. @berlinradler: „@Michael, ich habe hier (Karlshorst) auch so ein Neubaugebiet (Carlsgarten) vor der Nase.“

    Wuahahaha. Genau dieses hatte ich vor Augen – komme auch aus Karlshorst 🙂

  21. @bike-blogger
    ich denke, da is viel wahres dran.
    wenn ich mir die fahrradmassen an den instituten der TU anschaue….
    also auch während der semferien, quasi weitesgehend studentenbereinigt 😉

  22. @BikeBloggerBerlin, in der Zeitung stand vor einigen Wochen eine ganz interessante Analyse, bei der Arbeiter, Akademiker und Beamte (so in etwa) nach ihrem Mobilitätsverhalten befragt wurden. Unter den Arbeitern war die Gruppe der Nur-Autofahrer am Größten, unter den Beamten am Kleinsten. Bezog sich aber eher auf den Fernverkehr und Auto / Bahn. Dennoch, Deinen Gedankenansatz hatte ich auch schon. Die Kfz-Steuer macht nicht mal die Größenordnung der monatlichen Steuerzahlung eines „Besserverdieners“ aus. Wenn man auf der Ebene der „Ich bezahle die Straßen, Du nicht“-Leute diskutieren will, ist diese Sichtweise sicher hilfreich 🙂

    @Michael, na für mich las sich das aber auch so als würdest Du genau dieses Gebiet meinen, passte wie die Faust aufs Auge.

  23. hier auch der artikel dazu
    http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/mobil/arbeiter-fahren-lieber-auto-statt-bus-oder-bahn/1930216.html

    schade, der wurde gar nicht diskutiert in den tsp-kommentaren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.