Auf zur Eigeninitiative!

Die großen Kulleraugen fixieren mich, der Wasserstand erreicht ein kritisches Level. Dann ist es passiert, eine dicke Träne plumpst in den Sand. Ich schlucke und kämpfe ebenfalls mit meinen Gefühlen, bleibe aber unnachgiebig.
Mir tut es auch leid, erkläre ich der Dreijährigen. Aber wir müssen solidarische Netzwerke bilden, uns umeinander kümmern, zusammen- und füreinander einstehen! Und vor allem müssen wir die Sache selber in die Hand nehmen, wende ich mich weiter insistierend an die kleine Zukunft im rosa Winter-Overal. Diese schaufelt eilig den Winnie Puuh Eimer randvoll mit Sand und setzt sich dann trotzig drauf.

Mit nun flehenden Unterton argumentiere ich weiter:

Wir gefährden schlitternd unsere Gesundheit, Ärzte warnen vor Radfahren als Unfallrisiko, die Charité Berlin hat sogar einen extra OP-Saal eingerichtet der quasi im Dauerbetrieb ist, während für den Autoverkehr alles getan wird, um unsere Luft weiter zu verpesten und unseren wertvollen Lebensraum zu stehlen!

Von den Diffamierungen und den andauernden Beleidigungen aus Regierungkreisen gegen dich, mich, deine Eltern – quasi gegen alle die sich nicht in millionen- und tonnenschweren SUV’s, völlig vom Herrschaftswahn benebelt durch unsere Städte und Landschaften walzen zu ihrem nächsten Geschäftstermin mit ultrarechten anderen benebelten Schwerreichen – will ich erst gar nicht anfangen!

Und! – Deine Oma hat Lagerkoller und will endlich mal wieder raus! Sonst kann sie dir keine Schoki zustecken, also los jetzt hoch mit dir! Wenn die Politik nicht tätig wird, obwohl ganz klar die Mehrheit die Verkehrswende will, müssen wir handeln!

Die Kinnlade klappt runter und ein erschrecktes Einatmen geht durch den kleinen Körper.

Genau! – Also wir streuen die Geh- und Radwege jetzt in Eigeninitiative und dafür brauchen wir deinen Sandkasten! Wenn wir fertig sind und der Sandkasten leer ist, schicken wir dem Senat eine saftige Rechnung!

Nach einigen Sekunden Bedenkzeit steht sie auf, reckt die Schaufel in die Luft und ruft laut – Oma!

Bild: Pexels Jan. 2026, Vinius A. Nascimento

Bei aller Fiktion und ja.. die Spielplätze und Sandkästen sind derzeit ziemlich verwaist, ist der Wahrheitsgehalt hier dennoch erschreckend hoch. Was die Fahrrad- und Fußwege angeht, der Winter mit Eis und Glätte ist bald vorbei. Viele werden jedoch darüber hinaus ihre Knochenbrüche weiter kurieren müssen. Währe vermeidbar gewesen, läge der Fokus des Winterdienstes und der Politik nicht hauptsächlich auf die Betreuung der Auto-Straßen auf dem hauptsächlich nur der Individualverkehr unterwegs ist. Schlimm ist es auch, dass viele ältere Leute und Leute mit Behinderungen seit einer ganzen Weile schon, sich nicht mehr hinaus trauen. Es ist schlichtweg zu unsicher und gefährlich für sie.
Hauptsache wir übernehmen in diesen Zeiten der sozialen Kälte nicht die aggressive Sprache der führenden Politiker, widersetzen uns ihrem Rollback und sind im Gegensatz dazu füreinander da.