Neuköllner Stickoxid- und Feinstaubwarnsystem

In Berlin sind insgesamt 16  Anlagen an vielbefahrenen Hauptstraßen installiert, um täglich Messungen von Stickoxid und Feinstaub durchzuführen. Die Daten werden am Folgetag vom Umweltbundesamt (UBA) veröffentlicht. Danach passiert mit den Messwerten nichts mehr, obwohl die Kommune eigentlich verpflichtet ist, wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen, wenn die Messergebnisse über den in der EU zulässigen Höchstwerten liegen.

Die „Initiative Fahrradfreundliches Neukölln“ will das nicht weiter einfach hinnehmen und hat das mehrsprachige „Neuköllner Stickoxid- und Feinstaub-Warnsystem (NSFW)“ ins Netz gestellt. Auf ihrer Seite kann man die dem Wohnort oder dem Arbeitsweg nächstgelegene Messstelle ermitteln und die aktuellen Daten dieser Messstelle auslesen. Neben den aktuellen Werten werden auch die Durchschnittswerte sowie die Tage, an denen die Grenzwerte in den zurückliegenden zwölf Monaten überschritten wurden, dargestellt. Außerdem erhält man automatisch Warnmeldungen per E-Mail, wenn eine Messstation nahe des Wohnortes einen zu hohen Messwert registriert.

„NSFW möchte die Bevölkerung nicht nur informieren, sondern auch zum Protest gegen die dauerhafte Luftverschmutzung aufrufen“, sagt Yvonne Hagenbach vom Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln. „Denn Politik und Verwaltung bleiben trotz der Gesundheitsrisiken der hohen Luftverschmutzung tatenlos“, so Hagenbach weiter. Während beispielsweise in Stuttgart seit Anfang dieses Jahres an besonders schadstoffreichen Tagen Feinstaubalarm ausgelöst werde und die Menschen zum Autoverzicht aufgerufen werden, mache die Berliner Verwaltung nichts.

Initiative Fahrradfreundliches Neukölln
Initiative Fahrradfreundliches Neukölln: Neuköllner Stickoxid- und Feinstaub-Warnsystem

6 Gedanken zu „Neuköllner Stickoxid- und Feinstaubwarnsystem

Kommentare-Feed
  1. NSFW steht ja im Interwebs im allgemeinen für „Not Safe for Work“ aka Schweinkram.

    Sach ja nur

  2. Umweltbundesamt (UBA) – seit 1974 heißt es so, seit es existiert. Für Maßnahmen zuständig sind die Kommunen, wie hier korrekt ausgeführt wird.

  3. Die Schwelle für die Markierung von Links als „NSFW“ ist auf amerikanischen Seiten tatsächlich wesentlich niedriger, da reicht schon der Hinweis auf preisgekrönte Fotos, die nackte Haut zeigen. Siehe worldpressphoto 1973 (Napalm-Angriff).

    Aber lustig ist es in jedem Fall, dass Berliner Schadstoffwerte in amerikanischen Unternehmen vermutlich automatisch zensiert werden.

  4. Na ja, der „Erfolg“ des Stuttgarter Feinstaubalarms darf getrost als nicht existent bezeichnet werden!

  5. @SuSanne: nun heißt es korrekt Umweltbundesamt (UBA), danke für den Hinweis.

  6. Super Aktion.
    Bleibt zu hoffen, dass der dt.Städtetag sich nicht mit seiner Idee durchsetzt – nachdem die DUH ihre Klage in D-dorf gewonnen hat – einfach mal die Grenzwerte hochzusetzen, um nicht handeln zu müssen und in Folge womöglich die Profite der Deutschen Feinstaubemitter-Produzenten zu schmälern.

    Die ‚Stuttgarter Lösung‘ in obigem Text als vorbildlich darzustellen ist aber denn doch ziemlich waghalsig.
    Das grüne WählerInnenklientel mag durch die simulierte Politik mit lauthals und folgenlos ausgerufenem Feinstaubalarmen zufriedenzustellen sein, aber DAS dann als Gegensatz zu „tatenlos“ hinzustellen haut nicht hin.
    Im Gegenteil: wenn die verbale „Tat“ die reale Untätigkeit kaschiert wird das gemeinhin durchaus zu Recht als ‚Greenwashing‘ bezeichnet.
    Genau das passiert ja im Grün-Schwarzen Musterländle der Porsches, Daimlers und Bosch’s.
    Handlungen sucht man vergebens. Ganz im Gegenteil intervenieren das Daimler/Porsche Bundesland (Grüne Konzernsprecher) und das BMW Bundesland (CSU konzernsprecher) zusammen mit dem Ford-Bundesland an der Saar auf der Ebene des Bundesrates umgehend und lauthals, wenn eine Einschränkung der ‚freien Fahrt für freie Automobilproduzenten‘ droht.
    http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/verbot-von-benzin-und-dieselautos/-/id=1622/did=18281312/nid=1622/1u5l85r/

    Wie so oft geht das Muster von ‚Schaut nach xyz‘, ‚lets go xyz‘, weil: die machen das schon viel besser, gründlich schief.
    Die traurige Realität: zur Zeit gibt es in der deutschen Politik weder auf kommunaler, noch auf Länder- oder Bundesebene Ansätze oder auch nur Bereitschaft das Problem des Massenmords mit Abgasen auch nur ansatzweise anzugehen.
    Unter Betreuung politikberatender Agenturen werden stattdessen – zielgruppenspezifisch diverifiziert – Strategien von Verschweigen, Verharmlosen, Verdrehen kombiniert mit symbolischer greenwashing-Politik-Simulation.

    Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit wird weiter flächendeckend zugunsten der Eigner der Automobilkonzerne verweigert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.