Berliner Fahrradstaffel der Polizei kassiert Radfahrer ab

Am 16. Juli 2014 schickte die Berliner Polizei die ersten Beamten auf Fahrrädern auf Streife. Nach knapp einem Jahr sieht die Bilanz für die Polizei sehr gut aus.

Auf der Ausgabenseite stehen Kosten in Höhe von 88.000 Euro für Fahrräder, Pedelecs und Bekleidung sowie für die laufenden Kosten (z.B. zusätzliche Winterbekleidung, Übergangsunterwäsche, Fahrradersatzteile).

Auf der Einnahmenseite der Fahrradstaffel stehen die Erlöse durch Verwarn- oder Bußgelder. Gegen Radfahrer wurden 5.474 Verwarnungen ausgesprochen und Bußgelder verhängt. Die Gesamteinnahmen durch Buß- und Verwarnungsgelder gegen Radfahrer belaufen sich auf 328.269,20 Euro, davon allein circa 270.000,00 Euro wegen des Überfahrens von roten Ampeln in etwa 3.200 Fällen. Manch andere Verkehrsverstöße von Radfahrern werden dagegen von der Fahrradstaffel komplett ignoriert. So wurden lediglich zwei Bußgelder wegen des Fahrens auf Radverkehrsanlagen entgegen der Fahrtrichtung ausgesprochen, eine im Januar 2015 und eine weitere im März diesen Jahres.

Zu den Aufgaben der Fahrradstaffel gehört es auch, Kraftfahrer wegen des Haltens oder Parkens in zweiter Reihe, auf Radwegen, Radfahr- oder Schutzstreifen sowie Busspuren zu überwachen. Die Polizei erzielte durch Buß- und Verwarngelder aus diesen Delikten eine Gesamteinnahme von 25.484,17 Euro. Hinzu kommen 6.611,17 Euro aus Verwarnungen gegen Kraftfahrer wegen Fehler beim Abbiegen und 252,77 Euro wegen der Nichtgewährung der Vorfahrt. Somit belaufen sich die Einnahmen gegen Kraftfahrer auf eine Gesamtsumme von 32.348,11 Euro.

Senatsverwaltung für Inneres: Antwort auf die Schriftliche Anfrage Nr. 17/16457 – Bilanz nach einem Jahr Fahrradstaffel Teil 1
Senatsverwaltung für Inneres: Antwort auf die Schriftliche Anfrage Nr. 17/16458 – Bilanz nach einem Jahr Fahrradstaffel Teil 2

46 Gedanken zu „Berliner Fahrradstaffel der Polizei kassiert Radfahrer ab

Kommentare-Feed
  1. Tja, da muss ich mal Abbitte leisten. Meine wenigen eigenen Erfahrungen hatten mich die Sache eher positiv sehen lassen, viele andere hier meinten eine überwiegende Konzentration auf Disziplinierung der Radfahrer selbst zu sehen. Denen muss ich nun wohl Recht geben. Das Verhältnis, das sich in diesen Zahlen widerspiegelt, deutet in der Tat auf eine starke Einäugigkeit hin. So eine Radstaffel braucht eigentlich nur einer: der Stammtischbruder.

  2. Auch interessant:

    Fehlverhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Einhalten vorgeschriebener Sicherheitsabstände können im Fließverkehr durch die Fahrradstaffel grundsätzlich nicht gerichtsfest und beweiskräftig verfolgt werden.

    =Freifahrtschein für Nahüberholer

    Ansonsten läßt sich das jahreszeitliche Arbeitsmuster wie folgt ersehen: Viele Radfahrer: Rotlichtverstöße von Radfahrern, wenige Radfahrer: Parkdelikte von Autofahrern.

    Bedeutet das, dass im Sommer niemand auf den Radspuren etc. parkt, oder dass dann Rotlichtverstöße Priorität haben? Man weiß es nicht, ich habe aber eine Ahnung…

  3. Die Fahrradstaffel scheinen Autofahrer zu sein oder wie schon oben genannt, Einäugigkeit! Es gibt soviele Verstöße von Seiten der Kraftfahrer, natürlich auch der Radfahrer… Aber CARS KILL!

  4. Die Überwachung des Abstands war doch kürzlich schon mal Thema:
    http://www.timesfreepress.com/news/local/story/2015/jun/07/3-feet-or-else/308339/

  5. (Frage:) Wie bewertet der Senat den Vorschlag des ADFC Berlin, in jeder Berliner Polizeidirektion jeweils eine Fahrradstaffel mit je 10 Vollzeitkräften einzusetzen?

    (Antwort:) Die Bewertung dieses Vorschlags wird zumindest für die noch weitere zwei Jahre andauernde Projektphase ausgeschlossen.

    Das ist der eigentliche Pluspunkt an Projekten und der Grund für ihre Beliebtheit in Berlin. Solange ein Projekt läuft, kann man während der Evaluierungsphase Däumchen drehen. Zum Glück gibt es das erprobte Konzept Häuser schon länger als den Senat, sonst würden wir noch im Freien schlafen…

    Trost: so bleiben wir von weiteren Fahrradstaffeln verschont.

  6. @ handwerker:

    2 gute Gründe, warum es das hier nicht geben kann:

    (1) Der Beitrag ist auf Englisch. In D (noch) keine Amtssprache, Information muss niemand kennen.

    (2) Auslandserfahrungen sind per se lediglich Anregungen für zukünftige Projekte mit eigenständigen Evaluierungsphasen. Notfallargument, das greift, falls irgendjemand in unvermeidlich penetranter Weise fremdländische Informationen doch zur Kenntnis der lokalen Politik bringen will.

  7. Die Verfolgung von Rotlichtverstößen bei Radfahrern ist natürlich auch ein einträgliches Geschäft, da werden gleich mal 100 Euro (oder mehr) fällig. Dagegen ist das Zuparken eines Radwegs mit 20 bis 30 Euro (mit Behinderung) ausgesprochen „günstig“. Auch das dürften die Zahlen widerspiegeln.

  8. Toll, es rechnet sich! Das ist ja mal schön.

    Ich fände es ja wichtiger, die hunderten geretteten Menschenleben in den Mittelpunkt zu stellen. Fußgänger und KINDER die durch diese Aktion von rotlichtfahrenden Ramboradlern NICHT getötet oder zu Krüppeln gefahren wurden. DAS ist es doch, was zählt!!1!

  9. Wie jetzt, in einem Jahr haben die Radelgendarmen nur zwei Radfalschfahrer abkassiert?
    Finde ich sehr bedauerlich, denn diese Radwegplage ist für mich als Radfahrer die häufigste Fastunfallursache und als Autofahrer (aus einer Nebenstraße kommend) eine immer wieder bemerkenswerte Form von Lebensmüdigkeit.
    So was Schwachsinniges habe ich nicht mal in meiner Zeit als (Fahrrad)Kurier gemacht und und da bin ich wirklich nur nach dem Motto „Zeit ist Geld“ und „Ist der Weg frei?“ gefahren.

    (@Nebster: Ich weiss gar nicht mehr, wieviele Kinder ich dabei getötet habe.)

  10. Lustig wäre es echt, mal was an der „Gerichtsfestigkeit“ bei Überholvergehen zu verbessern.

    Vor allem wenn man sich überlegt, dass die Technik (wie bei den Amerikanern) auf Arduino-Basis für ca. 100 EUR ohne GoPro zusammenzubasteln ist…

  11. Was macht einen Rotlichtverstoss eigentlich besser (gerichtsfest) nachweisbar als mangelnde Abstaende?

    – Ampeln sind ortsfest, man kann davor warten
    – direktes Stellen ist (bei Radfahrern) leichter moeglich?
    – aber: bei Ampeln hat man doch auch nur die Aussagen der Polizisten, oder?

    Und sonst so?
    – Die Regeln bei Ampeln sind idiotensicher (zumindest eher als bei Abstaenden)
    – Die Verfolgung ist wahrscheinlich wesentlich einfacher als im fliessenden Verkehr KFZ rauszuzuziehen.
    – Auf die Lauer legen kann man sich auch bei anderen Sachen, zB Abbiegen bei querenden Fussgaengern. Hier zieht vermutlich leider die Autoritaet der Ampel.

    @Nebsler: in 2011 bis 2013 sind im Jahr 2-4 Menschen bei von Radfahrern verschuldeten Unfaellen gestorben (Deutchland). Kaum zu glauben, dass @figurenwerk-berlin davon die Haelfte auf dem Kerbholz hat. Auch dass dazu immer Ampeln herhalten mussten 😉

  12. Ich würde übrigens an der Stelle nicht das Wort „Abkassieren“ verwenden (Außer Verstöße werden erfunden). Dass die Polizei auch Radfahrer da verfolgt, wo es am leichtesten erscheint kann man ihr nicht wirklich vorwerfen.

  13. Ich bin letztes Jahr einmal bei Rot gefahren – und von einer motorisierten Streife angehalten und zu einem Bußgeld verdonnert worden.
    Ich bin dieses Jahr einmal bei Rot einer Fahrradstreife „in die Arme“ gefahren – und bin mit einer Verwarnung davongekommen.
    Irgendwie fair.

  14. „Dass die Polizei auch Radfahrer da verfolgt, wo es am leichtesten erscheint kann man ihr nicht wirklich vorwerfen.“

    Hm, na ja, man kann es aber denen vorwerfen, die solcherlei Einseitigkeit verordnen.
    Ein Verstoß, der KEINE der gängigen Hauptunfallursachen darstellt, als vornehmliches Verfolgugsziel zu nehmen, zeigt recht deutlich … so einiges.

  15. Ich verstehe die Aufregung nicht. Mich als Radfahrer kotzen die bei Rot fahrend Radfahrer auch an.
    Oft hat man die Herrschaften vorher überholt um dann an der nächsten Roten Ampel sehen zu müssen wie sie seelenruhig einfach so weiterfahren. Wir als Radfahrer verlangen immer das die Autofahrer auf uns Rücksicht nehmen und regen uns über unsinnige Überholmanöver auf, aber auf der anderen Seite haben einige von uns nicht mal die paar Minuten Zeit an einer Ampel zu warten. Das ist auch immer das Argument wenn man mit Autofahrern diskutiert. Würden sich mehr an die Ampeln halten wäre da schon mal ein Gegenargument weg.

  16. Jochen G, ja genau! Ich meinte nur, dass „Abkassieren“ in der Formulierung recht kurz vor „Abzocke“ ist. Eine Polizeikontrolle muss ja nicht nur für die Kasse wirtschaftlich sein, auch der „Erziehungserfolg“ je Arbeitsstunde spielt eine Rolle. Auch letzteres geht mit Radfahrern besser, weil man direkt miteinander redet.

    Ob und ggf. welche Anweisungen es da gibt weiß ich nicht. Was wir kennen sind die Vorgaben, wie der Bußgeldkatalog. Ich könnte mir also gut vorstellen, dass die Polizisten der Fahrradstaffel noch keinen erfolgreichen (Kasse und Erziehung) Weg für Kontrollen bei KFZ gefunden haben. Mit dem Fahrrad ein fahrendes KFZ nach einem Verstoß aus dem Verkehr zu holen stelle ich mir auch sehr viel aufwendiger vor.

  17. Gegen „Abkassieren“ (klingt auch nicht wirklich intelligenter als das blöde „Abzocke!“-Geheule der Dosentreiber) hilft auch, wenn man einfach an roten Ampeln wartet, bis sie wieder grün sind. Nur so als Tipp….

  18. Sicher kann man an der roten Ampel einfach anhalten. Mach ich (fast) immer so. Ich würde auch nicht von Abzocke sprechen, wenn ich im Zweifel mal dafür blechen müsste. Aber hier geht es doch um Erfolg oder Nicht-Erfolg einer neuen Einsatzgruppe der Polizei. Wenn man Erfolg in erwischten Rotlicht-Radfahrern sieht, sind die auf dem besten Wege. Wenn man Erfolg als verbesserte Verkehrssicherheit für Radfahrer sieht, kann man da schon Zweifel haben, oder? Und als Radfahrer darf ich mich dann schon darüber beschweren, weil das aus meiner Sicht eine verpasste Chance darstellt. Allein schon das Seitenabstand-Eingeständnis ist ein solches Armutszeugnis, dass die Truppe für mich nicht mehr ernstzunehmen ist. Schade eigentlich.

  19. Was macht man denn gegen diese Berliner Linie von 1978? Und nein, Erweiterung via Kompromissen für die Verkehrsteilnehmer anderen find ich faul. Die Polizei soll einfach aufhören den Berliner Straßenverkehr als failed state hinzunehmen und was machen!

  20. Das monetäre Ergebnis dieser Polizeiaktion muss doch insbesondere
    aus dem Verhältnis geahndeter Rotlichtverstöße durch Radfahrer vs. geahndeter Geisterfahrten aufhorchen lassen. Beides ist in unserer Stadt allerorten und jederzeit in erschreckenden Größenordnungen zu beobachten und beides ist vor den Augen des Gesetzes verwerflich. Doch wird einmal mehr deutlich, dass hier noch immer 99,9 % Autostadt herrscht. Denn ein Rotlichtradler kommt in erster Linie dem Autoverkehr in die Quere, die Geisterfahren auf Radwegen gefährden indessen „nur“ sich selbst und andere Radler, da muss man sich nicht so sehr interessieren. Natürlich ärgern auch mich ausgesprochene Kamikazefahrer, die ausnahmslos jede rote Ampel ignorieren. Andererseits gibt es viel zu viel
    Rotlichtampeln deren Sinnhaftigkeit sich dem Radler so gar nicht erschließen kann. Allesamt den Geistesblitzen der VLB zu verdanken.
    Zur Erinnerung hier einer meiner Beiträg aus dem Portal Radsicherheit:“

    von Komfortradler | 01.12.2013 – 19:35
    Ampel vor der Marienburger Straße, Greifswalder Straße 203-204 10405 Berlin

    So etwa 150 Meter vor der ampelgeregelten Einmündung der Marienburger Str. in die Greifswalder Straße ( Richtung Süd) befindet sich eine
    Vorampel, an der auch der Fahrradverkehr durch eine Haltelinie ausgebremst wird. der Grund dieser Ampel ist wohl die an dieser Stelle in die Linksabbiegerspur einschwenkende Straßenbahn, die hier vom Autoverkehr nicht behindert werden soll. Was das allerdings mit dem auf
    einer Fahrradspur geführten, geradeausfahrenden Radverkehr alles tun hat vermag sich mir nicht zu erschließen. Das sind vermeidbare
    behördliche Schikane. Also grüne Fahrradampel für den geradeausfahrenden Radverkehr anbauen.

    Der geneigte Leser wird sich denken können. dass der beschriebene
    Ampelwahnsinn bis heute die Zeiten überdauert hat. Solcherlei Ampelschikane ist stadtweit anzutreffen und einer Regelakzeptanz
    unter Radlern absolut kontraproduktiv.

    Und so kommt es dann halt, dass sich die meisten Radler ihre tagesaktuelle Straßenverkehrsordnung selbst zusammenbasteln.
    Dabei befinden sie sich in zahlreicher Gesellschaft der Radspurzuparker,
    Rotlichtfußgänger und motorisierter Radlermörder.

    Geschätzt 95 % der vielen Radler auf der Greifswalder Str. denken sich
    das geforderte Dauergrün vor der beschriebenen Kreuzung und fahren
    bei Rotlicht weiter. Sie sind sogenannte „Vordenker“.

  21. Mich wuerde mal Intressieren wieviel Autofahrer im selben Zeitraum Bussgeld zahlen mussten, ich habe die Vermutung deutlich weniger. Ausser an gross angekuedigeten Aktionstagen und fest installierten Amplelblitzeren wird dies doch bei Autofahreren gar nicht geahndet.

    Das die Ampeltreue bei Autofahren deutlich besser ist glaubt wohl keiner der im Berufsverkehr mal 10 min an einer befahren Kreuzung sitzt (Dunkelgelb und Kirschgruen).

    An all die bei Rot-immer-anhalter, wie verhaltet ihr euch denn als Fussgaenger? (keine kritik, instressiert mich wirklich).

  22. Eine direkte Frage an die Senatsverwaltung/Polizei wäre jetzt, warum bestimmte Verstöße prinzipiell nicht (gerichtsfest) festgestellt werden.

    Wegen der Ampeln: können wir nur versuchen unsere Abgeordneten weichzuklopfen um sowas wie einen „grünen Fahrradpfeil“ zu bekommen. Allgemein helfen da vielleicht auch Allianzen mit anderen Interessengruppen. Zum Beispiel Fußgänger (Fuß e.V. und andere). Mein Einsatz in der Beziehung liegt allerdings auch noch auf der langen Bank…

    Wenn ich es zu Fuß eilig habe, meide ich Ampeln einfach, oder denke mir die Gelbphase dazu. Ansonsten hab ich zu Fuß häufig Kinder dabei.

  23. Till schreibt:
    Freitag, 17.07.2015 um 15:16

    Das die Ampeltreue bei Autofahren deutlich besser ist glaubt wohl keiner der im Berufsverkehr mal 10 min an einer befahren Kreuzung sitzt (Dunkelgelb und Kirschgruen).

    https://www.youtube.com/watch?v=jQNAjE2WGiE

  24. Die Fahrradstaffel sollte doch eigentlich dazu beitragen, den Radverkehr in Berlin sicherer zu machen. Schaut man sich die Zahlen an, werden die erhobenen Bußgelder wie eine Monstranz vor sich hergetragen. dadurch wird tatsächlich der Eindruck erweckt, es geht einzig um die Erhöhung der Einnahmen der Stadt Berlin. Hat man das bei der Innenbehörde nicht geahnt. Wäre es nicht sinnvoller, statt der Bußgelder die Radfahrer ausführlich zu belehren und zu polizeilichen Schulungen zum Verhalten im Straßenverkehr anzuhalten?

    Die Höhe und Anzahl der Bußgelder für Rotlichtverstöße resultiert aus meiner Sicht aus dem Umstand, dass bei Rot fahrende Radfahrer wesentlich einfacher zu stellen und abzukassieren sind als bei Rot fahrende Autofahrer. Autofahrer zu stoppen bedarf eines größeren zeitlichen und personellen Aufwandes, den man aus Bequemlichkeit vermeidet (ähnlich wie man Autos, die Kreuzungen zu parken, nicht abschleppen lässt, lieber lässt man die Feuerwehr im Notfall nicht um die Ecke kommen). Man geht den einfachen Weg, und weiß sich des Applaus vieler Bürger sicher.

    Noch etwas zum fehlenden Sicherheitsabstand zwischen Autos und Radfahrer. Das können doch die Radfahrstaffeln ganz einfach selber feststellen: Wird der vorne fahrende Polizist überholt und kann dabei dem überholenden Auto die Hand aufs Dach legen, ist der Abstand zu klein (dokumentiert durch den nachfolgenden Polizisten). Oder haben die Polizisten der Radfahrstaffel alle eine Spannweite von 2m?

    ich finde es in Ordnung, wenn man Radfahrer von den Bürgersteigen holt, nach einer bei Rot überfahrenen Ampel anhält, radelnde Geisterfahrer aus dem Verkehr zieht, auf eine funktionierende Beleuchtung achtet. In diesem Fall geht es aus meiner Sicht aber einzig darum, möglichst einfach Einnahmen zu generieren.

  25. Ich denke nicht, dass die Fahrradpolizisten, wie hier in einem Kommentar angedeutet, gewinnorientiert arbeiten. Die Einseitigkeit der Arbeit hat andere Ursachen – ich denke mal, da ist einfach auch viel gesundes Bauchgefühl und wenig unfallstatistisches Hintergrundwissen dabei.

    Was mich wirklich richtig ärgert, ist der offen ausgesprochene Freifahrtschein für autofahrende Überholrowdies. Eigentlich ist damit schon alles gesagt – die Polizei denkt sich nach eigenem Gusto aus, was sie kontrollieren will und was nicht. Nicht mal ein 10-cm-Überholer muss sich Sorgen machen. Und dann beschwert sich die Polizei, dass man sie in Kontrollen nicht ernst nimmt.

    @mb, jeder regt sich mal über andere auf, und Radfahrer sind untereinander nicht immer nett. Aber das ist doch keine vernünftige Erklärung dafür, dass die Polizei bei der Verkehrsüberwachung ganze Gefahrenkomplexe einfach auslässt bzw. nachrangig behandelt.

    @Till, ich zumindest halte mich als Radfahrer sehr viel besser an Ampeln als wenn ich Fußgänger bin. An Stellen ohne Ampeln muss man ja auch Straßen kreuzen, insofern finde ich das als Fußgänger nicht weiter dramatisch – zudem grüne Kreuzungsampeln eh so geschaltet sind, dass die Abbieger in mich hineingeleitet werden und eigentlich warten sollen. Den Sicherheitsgewinn wage ich stark zu bezweifeln. Lieber fernab von Kreuzungen und Ampeln die Fahrbahn queren.

    @Jürgen, ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob es wirklich sinnvoller wäre, wenn gerade Polizisten Radfahrer belehren. Die hilfreicheren Tipps (z.B. ausreichend Abstand zu parkenden Fahrzeugen, Radwege meiden) kommen doch eher von Vielradlern, die Polizei wird eher einen Fokus auf Ampeln (unter Verschweigen des Risikos durch Abbieger) und Fahrradbeleuchtung setzen. Auf der Webseite der Berliner Polizei ist z.B. der erste Tipp: „Das Fahrrad ist kein Lastenesel“, der zweite: „Ein Helm schützt“. Noch Fragen?

  26. @berlinradler:
    Du magst recht haben. Mir geht es allerdings um den Aspekt, dass bei Ankündigung der Fahrradstaffel gesagt wurde (ein genaues Zitat kann ich gerade nicht beibringen), zur Verbesserung der Sicherheit für Radfahrer im Verkehr beizutragen. Reines kassieren von Bußgeldern bewirkt eher, dass die betroffenen Radfahrer einen dicken Hals auf die Polizei bekommen.

    Klärt die Polizei jedoch beispielweise im Rahmen von Schulungen auf oder besteht erst mal nur auf eine Vorführung des ordnungsgemäß instandgesetzten Fahrrades, dürfte das nachhaltiger sein. Und ich bin mir sicher, dass gerade in Schulungen, zu denen Vielfahrer gebeten werden, intensiv das Thema „Helm schützt“ und „Verhalten an Ampeln“ besprochen wird;-). Vielleicht liegen ich da falsch. Würde ich aber zumindest für einen Einführungszeitraum von ein bis zwei Jahren dem reinen Griff in den Geldbeutel vorziehen.

    @siggi, 18:34 Uhr: Ich dachte schon daran, dass Hr. Baum ja mal die Innenverwaltung fragen kann, wie viele Autofahrer wegen eines Rotlichtverstoßes von einem realen Polizisten ein Bußgeld aufgebrummt bekommen hat (und nicht von einem Rotlichtblitzer – muss mal schauen, ob die in der Bismarckstraße wieder aufgebaut wurden).

  27. Ich würde ja gerne mal einen Abgeordneten fragen lassen, wieviele Radfahrer (und Fußgänger) bei grüner, und wieviele bei roter Ampel angefahren wurden.

    Wenn man diese Frage wirklich mal stellt, sollte einem – wenn ich nicht sehr falsch liege – die Antwort stark zu Denken geben..

    Ich habe die Frage vor Jahren mal der Polizei gestellt, auch eine sehr umfassende Antwort bekommen, leider lagen konkrete Daten zumindest für Normalbürger nicht vor. Aus der Antworttiefe aufAnfragen kann man aber ableiten, dass für die Antworten teilweise Grunddaten aufgearbeitet werden.

    Für so eine Anfrage (und die daraus resultierende Antwort) wäre ich total dankbar!!!

  28. Ich denke, das „Problem“ bei Radfahrern in der Höhe des Bußgelds liegt auch in der Unterscheidung der StVO in qualifizierter und unqualifizierter Rotlichtverstöße. Es wird, vermute ich stark, um den Faktor zehn oder mehr Fälle geben, in denen Radfahrer bei einer Ampel, die länger als eine Sekunde rot zeigt, weiterfahren als das bei Autofahrern der Fall ist. Das liegt aber genau an den von Komfortradler genannten Beispielen, die sich nur als Ausbremsen des Fahrradverkehrs erklären lassen und keinem Verkehrsteilnehmer wirklich Vorteile bringen.

    Zur Fahrradstaffel selbst: Ich vermute einfach, die Polizisten verzweifeln einerseits schlicht an der eigenen Aufgabenfülle. Andererseits sind natürlich die ganzen (mündlichen) Verwarnungen, wie schon angesprochen, überhaupt nicht berücksichtigt. Jede Wette, dass Geisterradler oder Gehwegradler bei 90 Prozent der Fälle nur mündlich verwarnt werden, wenn man sich nicht gerade als äußerst renitent beweist. So ein Rotlichtverstoß hingegen lässt sich eben einfach und nach herkömmlichen polizeilichen Mitteln und Verständnis sanktionieren. Es gibt dort für Polizisten eben nur schwarz oder weiß, bzw. rot oder grün. Bei allen anderen Delikten hat sich die Grauzone auf allen Seiten eingebürgert.

    Aber nochmal beispielhaft zur Aufgabenfülle: In einer Zweierstreife halte ich einen Geisterradler an, während in derselben Zeit bestimmt zwei, drei weitere vorbei fahren. Da geht der Belehrungseffekt gegen Null. Will gar nichts schönreden, aber gewisses Fehlverhalten, leider fast immer zu Lasten anderer Radfahrer und Fußgänger, fast nie gegenüber Autofahrer, ist so drin in den Köpfen, dass so eine Mini-Staffel da nichts ändern wird.

  29. Eine m.E. gute Zusammenfassung mit plakativer Zahlengegenüberstellung von Sanktion und Ursache.findet sich im aktuellen ‚Blitzlciht‘ von ‚Urbanist‘:

    “ Die Berliner Fahrradstaffel zieht Bilanz: Im ersten Jahr wurden 1.474 Anzeigen gegen Autofahrer und 5.715 Anzeigen gegen Radfahrer verhängt. Darunter waren 3.200 Rotlichtverstöße durch Radfahrer und 144 Abbiegefehler durch Autofahrer. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 (PDF) führten nur 197 Rotlichtverstöße durch Radfahrer zu einem Unfall, während in 1.595 Fällen Abbiegefehler durch Autofahrer die Ursache waren.

    Ein großer Teil der »Rotlichtverstöße« ließe sich ohne Sicherheitsnachteile legalisieren. Die entsprechende Debatte um den »Grünen Pfeil« für Radfahrer ist nun auch in Berlin angekommen. Bezirkspolitiker in Charlottenburg fordern seine Einführung. Die fahrradfreundlichste Ampelregelung hat übrigens der US-Bundesstaat Idaho. Dort gelten rote Ampeln für Radfahrer als Stoppschild. “

    aus:
    http://www.urbanist-magazin.de/2015/07/ziellose-kinder-gefaehrdete-spaetis-infrastruktur-spiele/

  30. Polizeimeldung vom 15.07.2015, Nr. 1673:

    Eine 13-Jährige wurde heute Morgen bei einem Verkehrsunfall in Johannisthal schwer verletzt. Nach den bisherigen Erkenntnissen befuhr das Mädchen gegen 7.30 Uhr entgegengesetzt der Fahrtrichtung den Radweg der Stubenrauchstraße. Ein 43-jähriger Autofahrer, der auf dem Eisenhutweg unterwegs war und nach links in die Stubenrauchstraße abbog und erfasste die junge Radfahrerin.

    Ich kann mich an eine fast identische Meldung vor einigen Monaten aus Spandau erinnern.
    Die Geisterfahrer auf dem Radweg gefährden nicht nur den entgegen kommenden Verkehr, sondern auch sich selbst, da Andere nicht unbedingt mit aus der Richtung kommenden Radfahrern rechnen.
    Die sogenannten Erwachsenen machen es den Kindern vor und bringen ihnen so dieses gefährliche Verhalten bei. Das gilt für Rotlichtverstöße ganz genau so.
    Somit gibt es reichlich Grund, solches Verhalten zu ahnden.

    Mir ist im Übrigen nicht ganz klar, weshalb es schwieriger sein soll, Geisterfahrer zu stellen. Wenn der noch in sicherer Entfernung ist, Fahrrad quer stellen, und der Radweg ist dicht. Dass die dann noch schnell kehrt machen und verschwinden, dürfte eher selten passieren. Die meisten wären überrascht, weil sie sich oft nicht mal des Fehlverhaltens bewusst sind.

  31. „Lieber links auf dem sicheren Radweg als auf der Fahrbahn.“ So denken ja auch Erwachsene, und zwar nicht selten die Sicherheitsbewussten mit Helm.

    Wenn ich bedenke, wie ich mit 13 geradelt bin, würde ich nie so einen harten Maßstab anlegen, wie die Polizei das in ihren Meldungen meist tut. Wobei die hier genannte ja eher beschreibend ist.

  32. Ich weiß nicht, ob dort für die 13-Jährige nur ein linksseitiger Radweg zur Verfügung stand. Ich bin vor Kurzem, abseits meines üblichen Territoriums, in Köpenick über die Wilhelminenhofstraße gefahren. Dort gibt es tatsächlich nur auf einer Straßenseite einen Radweg, schön sichtgeschützt rechts neben den parkenden Autos. Prompt wurde mir auch an einer Hofausfahrt von zwei PKW der Weg plötzlich abgeschnitten, einer fuhrt rein, der andere raus, wobei letzterer, so ein blau-silberner mit blauer Sonderbeleuchtung auf dem Dach, eigentlich gute Sicht auf den Radweg und damit auch auf mich mit Licht an und Warnweste hatte.
    Aber noch mehr haben mich dort eben die vielen Geisterfahrer genervt, die das tatsächlich der Fahrbahn in ihrer Richtung vorzogen.
    Ich bin erst darauf gestoßen, da ich die Leute dann oft auch anmaule und eine junge Mutter mit Kinderanhänger mir die entsprechende Antwort gab.

  33. Till schrieb:

    An all die bei Rot-immer-anhalter, wie verhaltet ihr euch denn als
    Fussgaenger? (keine kritik, instressiert mich wirklich).

    Also, ich fühle mich einfach an die Regeln gebunden (vielleicht liegt es an meiner Erziehung), und daher halte ich mich an die Ampelsignale, egal als welche Sorte Verkehrsteilnehmer ich unterwegs bin. Wenn ich mal ein Rot ignoriere, dann weil ich nach 3 Ampelzyklen die Ampel oder ihre Steuerung als defekt ansehe. Meist betrifft dies nicht auslösende Sensoren in der Fahrbahn.

  34. Ach ja, stimmt… Till schrieb:

    An all die bei Rot-immer-anhalter, wie verhaltet ihr euch denn als Fussgaenger? (keine kritik, instressiert mich wirklich).

    Ich sag mal wie es mir geht, obwohl ich wie gesagt nur ein (fast-)immer Anhalter bin.

    Ich halte mich in der Regel an rote Ampeln, egal wie ich unterwegs bin. Mit dem Auto gilt das zu 100%, es sei denn, ich habe irgendeinen Fehler gemacht. Kommt sicher alle Jubeljahre vor, kann mich aber an kein letztes Mal erinnern.

    Mit dem Rad halte ich mich im regulären Verkehr auch an fast alle roten Ampeln, es kann aber sein, dass ich mal einen mächtig frustrierenden Radtag hinter mir habe, wo ich mich ständig ausgebremst und benachteiligt fühlte. Dann fahre ich im trotzigen Ihr-könnt-mich-mal-Modus ganz frech an einer roten Ampel rechts um die Ecke. Da zeig ichs den Verkehrsplanern mal so richtig. Kommt so etwa 1-2 mal die Woche vor. Geradeaus über eine freie Kreuzung radschlendern kommt extrem selten vor, geringfügig höhere Quote als mit Auto. Nachts sieht das schon anders aus, da ignoriere ich auch schon großzügiger rote Ampeln, wenn sonst nirgendwo wer steht oder fährt.

    Als Fußgänger halte ich mich meistens an rote Ampeln. Sprich, ich warte an roten Ampeln, wenn aber eine Doppelampel das Überqueren in einem Rutsch verbietet, spurte ich während der Räumphase auch schon mal über die zweite schon rote Ampel rüber. Auf mir bekannte extrem behindernde Ampeln (ewig lange Reaktionszeiten bei ewig langen Grünphasen für Autos) reagiere ich ebenfalls im Trotzmodus. Das habe ich sogar schon mit Kind gemacht. Genug Zeit, die Situation zu diskutieren war ja. Hat für etwas Unmut bei anderen Wartenden gesorgt (ich unterstelle mal: die vermutlich genau wegen Kind NICHT bei Rot gegangen sind und dann war ihr schönes Vorbildverhalten im Eimer).

    Die Masse der Rotlichtradler sind in meinen Augen in aller Regel notorische Rotlichtradler. Das heißt, sie überlegen nicht immer neu, sondern fahren so, als ob es keine Ampeln gäbe. Als Radfahrer beunruhigen mich in der Tat die selbstverständlichen Geisterfahrer mehr (gibt auch Bogenfahrer, das geht). Als Fußgänger sähe ich das anders, weil ein Großteil auch „in Tateinheit“ Fußgängergrün ignoriert.

  35. würde mich freuen, wenn die staffel mal auf das massenhafte gehwegradeln reagiert. das empfinde ich bei zunehmendem modal share in der innenstadt mittlerweile als grob rücksichtslos.

    es gibt verkehrsachsen, da fahren räder morgens in schnellem tempo auf dem fußweg kolonne, inklusive überholen. auf die fahrbahn traun sie sich nicht – wegen der ortstypischen alles-weg-huper – aber auf dem fußweg lassen sie die sau raus. was natürlich die huper noch in ihren irrigen ansichten bestärkt.

    wenn man jemanden anspricht wirds natürlich pampig. mein lieblingsbeispiel ist die urbanstr. – nicht benutzungspflichtig aber das verhältnis fahrbahnfahrer zu gehwegradler schätze ich mit ungefähr 1:50.

    demgegenüber empfinde ich rotlichkontrolle an t-kreuzungen, fußgängerampeln oder in 30-km-zonen aufgrund der hohen bußgelder als schikane, wenn weit und breit kein anderer verkehrsteilnehmer beeinträchtigt wurde. vor allem, wenn gleichzeitig das falschparken flächendeckend faktisch toleriert wird.

  36. Da muss ich zustimmen @fab, Gehwegradler sind – neben den Rotlichtradlern, die nah an Fußgängern, die gerade grün bekommen haben vorbeisausen, mit das nervigste. Und gegen Kontrollen hätte ich nichts einzuwenden, da viele Gehwegradler das offenbar prinzipiell und überall machen – also selbst dort Fußgänger nerven, wo kaum Autos fahren.

    Allerdings würde auch eine Überwachung des Überholabstandes die Situation vielleicht entschärfen – denn die dadurch resultierenden Angstgefühle treiben ja viele Radfahrer auf den Gehweg.

  37. @ fab und berlinradler: Ich unterstelle mal, dass man Gehwegradeln bewußt nicht konsequent sanktioniert, weil dies einen Aufschrei der Gehwegradler zur Folge hätte: Auf der Fahrbahn ist es zu gefährlich! Und die nötigen Konsequenzen müssten dann ganz genau das Fahrbahnradeln subjektiv sicherer machen, mit für die Berliner regierenden Verkehrspolitiker unvorstellbaren Maßnahmen. Dann schon lieber die Radler als Outlaw-Gruppe darstellen und an den wahren Konflikten nichts machen.

  38. Gehwegradeln … Kinder bis 8 Jahre müssen und Kinder bis 10 jahre dürfen auf dem Gehweg fahren. Vielleicht fühlen sich die gnazen Gehwegradler ja einfach nur kindisch jung?? *öhm* 😉

    Und ach ja, wegen den Überlegungen weshalb so in der Weise ampellastig kontrolliert wird, habe ich auch noch eine Theorie, die ich letzte Woche keine Lust hatte auszuschreiben, weil immer wenn ich jenen Namen erinnere, den ich gleich nenne, bekomme ich so ein nervöses Zucken und somatisches Jucken: Ramsauer!
    Als jener Unsägliche sich so medienwirksam aufregte, hat er doch lautstark verkündet, man werde da tätig werden, um das Rotlichtradeln zu bekämpfen Nun, ich kann mir gut vorstellen, daß die Neugründung der Berliner Radstaffel und ihr einseitiger Kontrollauftrag, eine letztendliche Folge genau jenes Rumpelstilzchenauftritts ist.

  39. @ Jochen G: Die Ramsauer-Theorie braucht es nicht. Rote Ampeln sind halt der Standardverstoß, der jedem auffällt. Ramsauer hat genausowenig sachgerecht Poltik gemacht, wie es auch die Berliner Politik kann. Da hat sich einer vom anderen nix abgucken müssen.

  40. @Michael S: „… Notorische Rotlichtradler. Das heißt, sie überlegen nicht immer neu, sondern fahren so, als ob es keine Ampeln gäb.“

    Würde ich jetzt nicht denken. Eher so, als ob es an den betreffenden Stellen keine gäbe. An welchen Stellen es mehr oder weniger gefährlich ist, merkt man sich ja recht schnell, wenn man häufiger eine Strecke fährt.

  41. @ Hannes: hm. naja, ich hab ja nicht gemeint, dass sie nicht auch mal an roten Ampeln halten. Der Grund für das Halten ist dann scheinar aber nicht plötzlich erwachender Respekt vor einem roten Licht sondern eine erkannte Gefahrensituation. Hab schon Radfahrer 6-spurige Straßen im 3 sekündigen allseitigen Räumphasenstillstand überqueren sehen. Das nenn ich Effizienzdenken …

    Bliebe immer noch die Frage, ob man so nicht sicherer unterwegs ist, als die im Schlafwandelmodus 100%ig grün fahrenden Zeitgenossen.

  42. Die Rotlicht-Radler-Rambo-Diskussion lenkt aber eigentlich nur vom Versagen der FaSta ab.
    Anstatt sich auf solche Gefahren zu fokussieren, für die Polizei und Verwaltung bis dato blind waren (Rechtsabbieger, Radwege etc pp) wird vor allem die von RadfahrerInnen augehende vermeintliche Gefährdung ins Visier genommen.
    Eigengefährdung (z. B. kein verkehrstaugliches Rad) wird somit stärker sanktioniert als die Fremdgefährdung durch den Kraftfahrzeugverkehr. Das ist für sich genommen schon skandalös um nicht zu sagen idiotisch. Dass man sich jetzt auch noch hinstellt und sagt, das liege in der Natur der Sache und es gebe keine technischen Möglichkeiten, um anders zu handeln (z. B. Überholabstände „gerichtsfest“ dokumentieren) ist peinlich.

  43. An all die bei Rot-immer-anhalter, wie verhaltet ihr euch denn als Fussgaenger? (keine kritik, instressiert mich wirklich).

    Ich muss schon schmunzeln, gibt es doch im Ausland das gängige Vorurteil über Deutsche, die als Fußgänger an einer roten Ampel ohne Verkehr minutenlang stehen bleiben und dafür ohne Tempolimit bei Nebel über die Autobahn rasen.

    Ich glaube in keinem anderen Land werden Fußgängersignale so ernst genommen wie hier – und ich verstehe nicht, wieso? Wenn Autos kommen bleibt man stehen, logisch. Wenn man es nicht enschätzen kann, wartet man etwas länger, auch klar. Aber ich bleibe als Fußgänger nicht stehen, wenn an einer übersichtlichen Straße länger als 10 Sekunden kein Auto kommt.

    Wenn ich jogge, auch noch um einiges kürzer. Wobei ich da häufiger mal den abstrusen Fall habe, dass ein Autofahrer trotz Grün für sich anhält und mich (bei rot) rüberlassen will. Bei Fahrradfahrern wohl undenkbar.
    Gut, wenn kleinere Kinder da stehen und nicht von selbst rüber gehen, dann warte ich. Nicht ohne mir meinen Teil zu denken, nämlich dass es besser wäre, Kindern eine sinnvollere Verkehrskompetenz mitzugeben.

    Als Radfahrer hingegen halte ich an jeder roten Ampel mit Querverkehr, immer! Beim Rechtsabbiegen oder bei Fußgängerampeln nehme ich hin und wieder eine rote Ampel mit, aber auch nur, wenn kein Fußgänger weit und breit zu sehen ist. Gut, wenn das Ziel direkt hinter der Kreuzung ist und kein Verkehr ist, dann steige ich auch mal ab und schiebe das Rad bei Rot rüber. Die 5 Euro zahle ich dann auch gerne.

    Als Autofahrer, da gibt es keine Diskussionen – mit einer Waffe zielt man auch nicht auf Unbeteiligte!

  44. @hvhasel: stimme dir absolut zu. Auf dem Fahrrad habe ich eine viel bessere Wahrnehmung des Verkehrsgeschehens (Sicht und Gehör) als im Auto. Deswegen kann es vorkommen, dass ich an einer Ampel mit dem Auto selbstverständlich halte, als Fahrradfahrer aber durchfahre – sicher und mit gutem Gewissen.

    Eigentlich haben wir es aber auch gar nicht nötig, uns von dem moralischen Zeigefinger der „Autofahrer“ belehren zu lassen. Den gleichen Autofahrern, die es JEDEN TAG als Kavaliersdelikt betrachten, mit 35 oder 40 Kmh durch eine 30er-Zone zu fahren oder mit 60+ durch eine 50er Zone. So nach dem Motto…“ich fahre ja nur mit dem Verkehrsfluss“. Und was noch schlimmer ist, dieses Vergehen ist absolut salonfähig wie die zahlreichen „Flitzerblitzer-Meldungen“ im Radio zeigen.

  45. @Marcess:
    Richtig!
    An einer leeren Kreuzung in tiefster Nacht halte ich als Autofahrer bei Rot aus drei Gründen:
    1. Weil ich vorn und hinten ein Schild spazierenfahre, dessen Aufschrift sich ein lauernder Gendarm oder ein Denunziant aufschreiben könnte, um mich Geldstrafen und ähnlichenm Unbill auszuliefern.
    2. Weil das Auto ein relativ teurer Wertgegenstand ist, der, wenn er durch das plötzliche Auftauchen eines nächtlichen Rasers entzweigebrochen wird, ebenfalls viel Trauer durch Geldverlust verursacht.
    3. Weil ich in dem geschlossenen Kasten, wie von dir bereits erwähnt, durch ungünstig tiefe Position keinen ausreichenden Überblick über das Verkehrsgeschehen habe, sowie schlechter höre.
    Die ganzen autofahrenden Meckerheinis hier hält doch in oben erwähnter Situation auch vor allem Punkt 1 von dem ab, was sie, wenn sie mal mit einem Fahrrad unterwegs sind, garantiert ebenfalls tun, wenn sie (nachts) an einer roten Ampel stehen.

  46. @Marcess, Du hast da eine wichtig Erkenntnis niedergeschrieben.

    Die Deutungshoheit im Straßenverkehr haben diejenigen, die die meisten schweren Unfälle produzieren. Das liegt aber auch daran, dass es keine wahrnehmbare neutrale Einrichtung gibt, die Verkehrsunfälle und ihre Ursachen sachlich und unparteiisch darstellt. Die Landespolizeien sind in ihrer Verkehrsarbeit meist unterirdisch und offen windschutzscheibengeprägt – ihre Statistiken sind mangelhaft und die Begleittexte tendenziös. Die Medien beziehen ihre Informationen zum großen Teil aus der Polizeiarbeit und können daher kaum sachlich schreiben.

    Eine nüchterne Betrachtung des Verkehrsgeschehens wäre eigentlich einfach. Mit Blick auf die Unfallvermeidung muss man sich zunächst die großen Brocken vornehmen, also die Hauptunfallursachen. Denen kann man dann durch bauliche Maßnahmen, Überwachung und Aufklärung gegenwirken.

    Wenn man sich aber einen Posten von 200 Unfällen pro Jahr (Radfahrunfälle durch Ampelmissachtung) aus den 120.000 Gesamtunfällen in der Stadt herauspickt und darein einen Großteil der Arbeit steckt, fehlt natürlich die Kraft für die Bekämpfung der Hauptunfallursachen. Übrigens – die durch Autofahrer verursachten Rotlichtunfälle kann man aus der Polizeistatistik, wie so viele andere wichtige Kerndaten, natürlich nicht ablesen.

    Ich behaupte nach wie vor, dass mehr Radfahrer bei grüner als bei roter Ampel verunglücken. Einfach, weil 7x so viele Radfahrer bei Abbiegeunfällen in Unfälle verwickelt werden wie bei Rote-Ampel-Unfällen, und das dürfte sehr häufig – vielleicht überwiegend – Ampelkreuzungen betreffen. Dem müsste man zunächst die Befolgungsquote der Radfahrer entgegenstellen (führen fast alle bei grün, so würden auch mehr bei grün verunglücken) und, wenn man dann merkt, dass man da vielleicht einen grundlegenden Denkfehler in der Ampelkreuzungsgestaltung gemacht hat, gegenwirken.

    In der Realität hingegen hat man so wenig aussagekräftige Statistiken, dass man nicht mal Schlussfolgerungen daraus ziehen kann. Hätte man die Informationen, so würde man einfach Feindbilder entgegenstellen und Nebelgranaten werfen, um nicht aktiv zu werden. Hilft das alles nicht, gibt es noch die hohen Kosten, den Verkehrsfluss und totgesparte Behörden ohne Mitarbeiter als Gegenargument.

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