Grüne Initiative „Fahrradstraßen“ in Berlin

Die Rede von Stefan Gelbhaar, die weiter unten als Youtube-Film gezeigt wird, ist schon etwas älter, sie wurde Anfang Juli 2014 vor dem Berliner Abgeordnetenhaus gehalten. Sie bezieht sich auf die bündnisgrüne Initiative „Fahrradstraßennetz für Berlin“. Die Grüne hatten auf einer eigens eingerichteten Homepage Vorschläge der Bevölkerung für Fahrradstraßen gesucht.

Zur Zeit existieren lediglich siebzehn Straßen in Berlin, auf denen die Radfahrer Vorrang genießen. Diese Straßen sind bunt über die Stadt verstreut, sie bilden mitnichten ein zusammenhängendes Netz.

Aus einer Vielzahl von eingereichten Vorschlägen destillierten die Grünen zwei Pilotrouten durch Berlin,  um je eine durchgehende Verbindung von Nord nach Süd und eine von Ost nach West fertig zu stellen und den Netzgedanken sicht- und nutzbar zu machen. Die erste West-Ost-Route verbindet die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf über Schöneberg und Kreuzberg mit Neukölln. Sie soll am Wilmersdorfer Volkspark beginnen und führt über Belzigerstraße, Crellestraße, Monumentenstraße, Kreuzbergstraße, Körte- und Grimmstraße, Bürknerstraße, Maybachufer und Weigandufer bis zum Endpunkt an der Ederstraße.

Die zweite von den Grünen vorgeschlagene Pilotroute verläuft aus Pankow kommend durch Mitte und Kreuzberg nach Schöneberg. Beginnend ab der Dunkerstraße führt sie über Stargarder, Senefelder und Kollwitzstraße durch Pankow, läuft über Max-Beer-Straße und Rochstraße zur Museumsinsel. Von da ab geht es südlich durch die Innenstadt und über Markgrafenstraße, Lindenstraße, Großbeerenstraße bis zur Crekllestraße, wo der Kreuzungspunkt zur anderen Pilotroute liegt. Ab hier führt ein Zug aus Fahrradstraßen, die neu eingerichtet werden sollen über Crellestraße und Eberstraße bis zum Innsbruckerplatz. Nach dem Queren dieses Platzes führt der Verlauf über Rubensstraße, Semperstraße und Hedwigstraße. Nach Meinung der Grünen sind Teilstrecken der Routen sind schnell umzusetzen, nur an Knotenpunkten sind bauliche Veränderungen notwendig.

Die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD haben das Projekt Grünen am 15.01.2015 im Plenum abgelehnt.

Bündnis 90/Die Grüne: Fahrradstraßennetz für Berlin
Bündnis 90/Die Grüne: Berlin wird Fahrradstadt – Berlin braucht ein Fahrradstraßennetz

9 Gedanken zu „Grüne Initiative „Fahrradstraßen“ in Berlin

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  1. Und was ist mot der bergmanstrasse? Die wäre doch nach der kreuzbergstr nötig um durchgehen fahren zu können. Und was soll die crekllestrasse sein?

  2. Die meisten Fahrradstraßen sind nichts anderes als für Radfahrer frei gegebene längliche Parkplätze. Fahrradstraßen hätten Potential, wenn nicht immer noch eine Freigabe für weitere Fahrzeugarten mit an das Schild geschraubt würde. Wenn es „Anlieger frei“ ist, dann sind doch Fahrradstraßen oft nichts anderes als Anwohnerparkplätze die man mit Mitteln der Radverkehrsförderung bezahlt hat.

    Immerhin, er hat an gesprochen die Strecken für Durchgangsverkehr (ich nehme mal an er meint damit nur die nicht Fahrrad Fahrzeuge) unattraktiv zu machen.

  3. Den Durchgangsverkehr kann man ja recht einfach erschweren, indem man in der Mitte der Straßen Barrieren aufbaut, die nur von Radfahrern passiert werden können. Die parkenden Fahrzeuge haben dann noch denselben Platz wie vorher, der Durchgangsverkehr hingegen ist erschwert.

    Prinzipiell bin ich Freund eines Routennetzes, das attraktive und sichere Wege für Radfahrer ausschildert. Das gibt es ja schon auf einigen Strecken, allerings doch mit teils erheblichen Mängeln. Die Idee selbst ist aber gut. Nach meiner Beobachtung ist die Fahrradpolitik in Berlin aber zum Erliegen gekommen, oder irre ich mich da?

  4. Die Formulierung „zum Erliegen gekommen“ ist viel zu freundlich, Fahrradpolitik in Berlin wird aktiv torpediert. Die Hälfte der Investitionsmittel, die 2014 für den Radverkehr vorgesehen waren, wurden nicht einmal ausgegeben. Verantwortlich dafür ist der Mann, der lange Jahre Verkehrssenator war und seit Dezember der Regierende ist. Mein Gefühl sagt mir, dass Müller die Wahl 2016 nicht übersteht und das ist auch gut so.

  5. @kalle
    Und was soll danach kommen? Die CDU mit Warnwesten-Fan Oliver Friederici?

    Zum Thema:
    Man könnte auch mit wenig Geld viel erreichen, wenn nur der Wille da wäre. Da ist das Fahrradstraßen-Konzept nicht das schlechteste. Im Endeffekt läuft alles darauf hinaus, dass dem PKW nicht mehr so viel Platz eingeräumt werden kann, wenn die Stadt lebenswerter sein soll. Und in der Tat, da fehlt in Berlin einfach (noch) der politische Wille, ganz besonders wenn man die Randbezirke sieht.

  6. Tja, das ist wohl immer das Problem. Gabriel oder Merkel, Henkel oder Müller … da kanns einem als Bürger ja echt egal sein, ob jemand abgesetzt wird 😉

  7. Also ich weis nicht, was dieser weichgespülte, devote Schwachsinn nun wieder bedeuten soll, Zitat aus der Antragsbegründung der Grünen:“

    Fahrradstraßen sollten möglichst mit glattem Belag ausgestattet sein, um ein angenehmes und zügiges Vorankommen zu gewährleisten. Das Fahrradroutennetz sollte daher soweit wie möglich Straßen mit Kopfsteinpflaster vermeiden. Um jedoch ein sinnvolles Netz und attraktive
    Alternativen zu Hauptverkehrsstraßen zu schaffen, ist es in Einzelfällen nicht möglich, gänzlich auf Straßen mit Kopfsteinpflaster im Fahrradstraßennetz zu verzichten. Sofern es sich nur
    um kürzere Strecken und Übergänge handelt, kann eine Verfugung des Pflasters Abhilfe schaffen, bei einzelnen längeren Strecken müsste mittel- bis langfristig auch eine Asphaltierung ins Auge gefasst werden.“

    Im Zusammenhang mit der Forderung nach neuen Fahrradstraßen das
    Wort Kopfsteinpflaster überhaupt in den Mund zu nehmen ist doch
    hochgradig schwachmatig. Da zeigt doch in erschreckender Weise,wie selbst bei den Grünen die Vorstellungen von einer zeitgemäßen Fahrradinfrastruktur inzwischen ins Abseits geraten sind. Die Herrschaften sollten sich mal deutlich vor Augen führen, dass Kopfsteinpflaster,in welcher Ausprägung auch immer, nicht nur eine Frage von zügiger und komfortabler Radfahrt ist sondern in erster Linie eine sichere Fahrt verhindert und Mensch und Material in völlig unakzeptabler Weise beansprucht. Ich meide Kopfsteinpflasterstraßen wo immer irgend möglich. Eine Fahrradstraße mit Kopfsteinpflasteranteil würde sicherlich auch von den allermeisten Mitradlern gemieden werden und wäre somit wohl keine Fahrradstraße mehr. Das ist derzeit sehr schön am Mettmannplatz in Wedding zu beobachten. Infolge einer langjährigen Sperrung des internationalen Radfernwegs Berlin-Kopenhagen wurde dort, völlig bescheuert, eine über Kopfsteinpflaster führende Umleitungsstrecke ausgewiesen . Die Folge ist, dass nahezu alle Radler dort den Gehweg benutzen ( auch ich!). Wenn dann in dem Antrag auch noch gemeinsamen Geh- und Radwegen das Wort geredet wird, verschlägt´s mir endgültig die Sprache. Dem kann ich nur die Forderung entgegenhalten, die Standspuren
    auf den Stadtautobahnen ab sofort als Fahrradstraßen umzuwidmen.

  8. @ Kalle: ob Fahrradpolitik aktiv torpediert wird, weiß ich nicht. Ich halte ein grundsätzliches Versagen für genauso wahrscheinlich. In der Konsequenz und in der personellen Verantwortung dafür gebe ich dir aber recht, das läuft ziemlich genau aufs selbe hinaus…

  9. @komfortradler: einverstanden. gut finde ich die für die ritterstraße diskutierte lösung von beidseitigen asphaltstreifen, aber nur wenn sie außerhalb der dooring-zonen der fahrbahnrandparklplätze verlaufen.

    als einstweilen praktisch durchaus passabel funktionierende abhilfe empfehle ich ballonreifen. das macht einen erheblichen unterschied, hilft auch gegen tram-schienen.

    @radspannerei: könnte das bei euch nicht auch stärker thema sein? schöne ballontaugliche räder gibt es gar nicht so viele.

    (besonders belustigend finde ich in nord-neukölln das zusammentreffen von youngtime-rennrädern als bar-accessoire und für alle sonstigen besorgungen mit den ortstypischen hardcore-kopfstein-verwerfungen. solange das dann nicht zum ausgiebigen rumfahren auf den gehwegen führt (1) muss das natürlich jeder selbst wissen.)

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