Aus dem rot-rot-grünen Koalitionsvertrag in Thüringen

10.3 Straßenbau / Verkehrsinvestitionen

(…) Wir stellen Straßenerhalt vor Straßenneubau. (…) Die Straßenbaumittel zur Förderung des Radverkehrs außerhalb von Ortschaften sollen erhöht werden und mindestens zehn Prozent der Mittel für Erhalt, Um- und Ausbau betragen. (…) Die Koalition wird einen Landesstraßenbedarfsplan aufsetzen, um notwendige Verbesserungen der Landesstraßen umsetzen zu können. Bei grundlegenden Sanierungen von Überlandstraßen ist der Radverkehr mit einzubeziehen. (…) (Seite 71f)

10.6 Car- und Fahrradsharing / Fuß- und Radwegepläne

Die Koalition will die Mobilität mit dem Fahrrad deutlich erhöhen. Dazu wird das Radverkehrskonzept fortgeschrieben. Ein Alltags- und Schnellradwegenetz soll mindestens alle zentralen Orte sicher miteinander verbinden.

Das Thüringer Radwegekonzept wird um Komponenten wie Schnellradwege, Rad-Elektromobilität sowie Mountainbike-Konzepte erweitert. Die Mitnahmemöglichkeiten von Rädern in öffentlichen Verkehrsmitteln, insbesondere Regionalbussen, sollen verbessert werden.

Der Radweg am ehemaligen Eisernen Vorhang soll zügig durchgängig ausgeschildert und als Qualitätsfernradweg vermarktet werden. Radwege müssen nicht zwingend versiegelt werden. (Seite 72f)

Quelle: Thüringen gemeinsam voranbringen – demokratisch, sozial, ökologisch (Erfurt, 4. Dezember 2014)
Koalitionsvertrag zwischen den Parteien DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für die 6. Wahlperiode des Thüringer Landtags
via Fahrradportal

11 Gedanken zu „Aus dem rot-rot-grünen Koalitionsvertrag in Thüringen

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  1. Im Winter kann etwas heiße Luft ja nicht schaden 🙂

    Direkt vor dem Erfurter Landtag verläuft ein benutzungspflichtiger „Radweg“ (ohne sichtbare Abtrennung zum Gehweg, versteht sich) und ich denke schon, so lange das so bleibt, wird die Fahrradstrategie fachlich eher auf 90er-Jahre-Niveau bleiben.

    Auch sonst ist manche Benutzungspflicht so, dass sie vom Radfahren abhält. So zwischen erlaubtem Gehwegparken und Haustüren ist nicht wirklich angenehm.

    Mehr Mietradsysteme fände ich auch sehr gut, in Erfurt gab es ja zeitweise Nextbike, was aber mangels politischer Unterstützung schnell wieder zu Ende war.

    Aber alles in allem sind solche Flächenländer eben doch anders als Großstädte. Da dort ein Auto zur Mobilität gehört, oft einfach um den Arbeitsplatz in angemessener Zeit erreichen zu können, wird das Fahrrad eher als Freizeit-, denn als Nutzmittel angesehen. Das wiederum führt zu einer vollkommen anderen Wahrnehmung.

  2. wenn es nicht nur Makulatur bleibt, klingt es doch vielversprechend! Muss doch nicht immer alles klein geredet werden!

  3. @ toni
    sehe ich genauso. die cdu-ablöse in thüringen bietet nur chancen für den radverkehr. auch wenn man mm nach keine entwicklungen wie in flachen urbanen ballungsräumen erwarten darf. prozesse, prozesse… 😉

  4. Nicht falsch verstehen, ich wollte das nicht kleinreden, sondern einfach nur meine Sicht der derzeitigen Probleme darstellen. Schnellradwege und Fahrradmitnahme schön und gut, aber die innerstädtische Nutzbarkeit des Fahrrads ist für mich ein ganz großer Punkt.

  5. Jetzt habe ich auch endlich eine Erklärung für die vielen Wurzeln die durch manche Radwege dringen. Dachte immer das wäre mangelnde Pflege der Wege, jetzt weiß ich es ist Teil der Radverkehrsförderung, es sind die „Mountainbike-Konzepte“. 😀

  6. Aber alles in allem sind solche Flächenländer eben doch anders als Großstädte. Da dort ein Auto zur Mobilität gehört, oft einfach um den Arbeitsplatz in angemessener Zeit erreichen zu können, wird das Fahrrad eher als Freizeit-, denn als Nutzmittel angesehen. Das wiederum führt zu einer vollkommen anderen Wahrnehmung.

    die distanzen vom dorf ins nachbardorf oder in die nächste stadt sind ja ziemlich oft welche, die mit fahrrad zurückgelegt werden könnten – es kommt nur kaum einer auf die idee (aus meinem alten dorf fallen mir gerade mal zwei ein, die zur nächsten großstadt regelmäßig mit dem rad fuhren. ich wäre selbst nie auf die idee gekommen. aber es ist eine distanz, die hier in berlin auch schnell erreicht ist.), und es ist ja auch oft nicht attraktiv – auf verkehrsreichen landstraßen zu fahren macht keinen spaß, eine gesonderte fahrradinfrastruktur ist nur dann angenehm, wenn man nicht gerade eine kreuzung oder noch schlimmer: einen kreisverkehr, bei dem der radfahrer stets keinen vorrang hat, überqueren muss, kein nasses herbstlaub diese wege gefährlich macht, man keine dorfdurchfahrten hat, bei denen man mit zeichen 240 auf schmale gehwege gezwungen wird, keine dunkelheit herrscht bei der entgegenkommende pkw auf der fahrbahn nebenan blenden…

  7. viele dörfer sind doch heute faktisch wohnviertel für mehr oder weniger nahe gelegene wirtschaftszentren (industrie oder dienstleistung). d.h. da pendelt praktisch jeder der arbeitet – oft ja auch nur bis zu 10 km (warum weiter weg wohnen, wenn immobilien günstig sind?). ideal fürs fahrradpendeln.

    oft fehlt aber einfach noch die durchgängige (!) infrastruktur um das angenehm zu machen. d.h. da wurden mit touristischen zielen einzelwege angelegt aber eben kein durchgängiges netz. wenn das aber da ist – bundes/landstraßenbegleitende getrennte fuß/rad/mofawege mit wenig verkehr und wenig kreuzungen – dann ist das doch einfach toll so einen arbeitsweg zu fahren. würde ich langfristig als standortverteil sehen. leider die bürgermeister, landräte und gemeinebürger noch nicht unbedingt.

  8. Dann fahre doch mal „bundes/landstraßenbegleitende getrennte fuß/rad/mofawege“ wenn es dunkel ist. Diese sind zu 95% nur auf einer Seite an gelegt. Da kann man dann wenn man das Pech hat in die ungünstige Richtung zu müssen immer schön in das asymmetrische Abblendlicht rein sehen.
    Wenn dann noch Bettelampeln dazu kommen darf man auch noch ständig unnötige Pausen machen.

    Da sind unabhängige oder zumindest weit abgesetzte Wege besser.

  9. n immer schön in das asymmetrische Abblendlicht rein sehen.

    wenn sie denn abblenden – hatte es mal auf so einem weg, dass sich autofahrer fast gar nicht drum scherten. im gegensatz zu den truckern, die fast alle abblendeten. ich schieb es mal darauf, dass erstere mich erst gar nicht wahrgenommen haben. (oder dass berufskraftfahrer vielleicht doch ein bisschen reflektierter am verkehr teilnehmen?)

    da waren keine alleebäume zwischen radweg und fahrbahn, mit könnte es schlimmer sein (noch weniger kraftfahrer nehmen einen wahr, schneller wechsel zwischen hell und dunkel)

  10. @sascha, ja, so meinte ich das. Da man das Auto für VIELE Relationen braucht, nutzt man es in Flächenländern eher für ALLE Fahrten. Selbst, wenn es nur 2 Kilometer sind. Die „Berliner Probleme“ hat man ja in Kleinstädten oft auch gar nicht in der Form, man kommt flüssig von A nach B und kann dort auch parken. Warum also radfahren, wenn das nur auf dem 1-Meter-Gehweg zwischen den Hindernissen erlaubt ist? Man ist am Ende langsamer, fährt unbequemer und hat keinen sichtbaren Vorteil. Daran kann man durch Anreize einiges ändern.

    Und zur weiteren Diskussion: Ich denke, hier sind alle Probleme umfassend angesprochen. Einerseits ist das Fahren auf vielbefahrenen Landstraßen für die meisten hochgradig unangenehm, andererseits sind die Radwege außerorts oft so angelegt, dass die Benutzung ebenfalls keine Freude macht. Und das kann eben selbst eine ambitionierte Landespolitik nur ändern, indem sie sich damit beschäftigt, wo die Probleme liegen. Wenn man mal eben ein paar Millionen für mehr Radwege locker macht, hat man am Ende kein Problem gelöst.

  11. Vor dem Thüringer Landtag hat sich jedenfalls bis jetzt nichts geändert – wenn das symbolisch sein soll, dann ist die Aussage klar: http://verkehr-absurd.startbilder.de/bild/verkehr-mit-dem-fahrrad~verkehrswege~radwege-negativ/461701/radverkehrsfoerderung-war-einer-der-punkte-im.html

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