Berliner Polizei kündigt 1. bundesweiten 24-Stunden-Blitzmarathon an

Ungewöhnlich ausführlich ist heute eine Pressemeldung der Berliner Polizei, in der Geschwindigkeitskontrollen in der ganzen Bundesrepublik am 10. Oktober 2013 um 6.00 Uhr bis Freitag, den 11. Oktober 2013 um 6.00 Uhr angekündigt werden. Von den bundesweit 3.600 Verkehrstoten im vergangenen Jahr starb mehr als jeder Dritte durch Geschwindigkeitsüberschreitungen. Im Berliner Straßenverkehr gab es 3.480 Verkehrsunfälle, die auf überhöhte Geschwindigkeit der Kraftfahrer zurückzuführen waren. „Wer rast, tötet“, so die Berlier Polizei, denn „Rasen ist unsozial“.

Angesichts des großen Leides, das von Rasern verursacht wird, plant die Berliner Polizei am übernächsten Donnerstag „weit mehr als 250 ständig wechselnde Radar- und Laserkontrollorte“. Die Liste aller Kontrollorte in Berlin wurde hier veröffentlicht. Zusätzlich werden alle 21 Videofahrzeuge im Stadtgebiet und auf allen Autobahnstrecken unterwegs sein.

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 2540 vom  02.10.2013 – 10:30 Uhr

13 Gedanken zu „Berliner Polizei kündigt 1. bundesweiten 24-Stunden-Blitzmarathon an

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  1. Vielleicht sollte das Thema auch in Unfallmeldungen thematisiert werden. Wenn es von 3480 Unfällen mit nicht angepasster Geschwindigkeit kein einziger in die Unfallnachrichten schafft, angebliches Fußgängerfehlverhalten hingegen bei gefühlt jedem 2. Fußgängerunfall, dann muss an der perteiischen Pressearbeit noch viel geschliffen werden. Immerhin erkennt man aber die Wichtigkeit der Einhaltung insbesondere der Geschwindigkeitsgrenzen an, das ist schon was. Ein Aktionstag wird das Thema vielleicht ein wenig in die Öffentlichkeit bringen, letztendlich aber wohl verpuffen.

  2. „wer rast, tötet • wir sind es leid, andere menschen leiden zu sehen • rasen ist unsozial“

    steht da im PDF, das find ich schon beachtlich, so klare worte hört man selten wenn es um Geschwindigkeitsübertretungen geht.

  3. @Berlinradler: gebe dir da in vollem Umfang recht. Wir haben jährlich etwa 12000 Unfälle mit schwer verletzten Radfahrern. Hoch geschätzt gelangen davon etwa 3000 in die Presse. Meist über die Presseportale der Polizei. Es sieht wohl so aus, dass die Auswahl seitens der Polizei „didaktisch“ motiviert ist. Beliebt sind dabei schwere Kopfverletzungen ohne Helm und StVO-Verstöße seitens von Radfahrern. Mein eigener schwerer Unfall ohne Helm, aber auch ohne nennenswerte Kopfverletzung und mit Alleinschuld der beteiligten Autofahrerin war wohl ebenso wenig didaktisch geeignet wie die Unfälle zweier Mitpatienten mit Helm und ebenfalls unverschuldet. Der eine mit demoliertem Gesicht, der andere mit gebrochenem Halswirbel. Das passt halt nicht und wird dann auch nicht kommuniziert.

  4. Das überhöhte Geschwindigkeit kein Thema bei Journalisten ist, könnte auch daran liegen, das Sie selbst oft als „rasende Reporter“ zum nächsten Termin hetzen.

  5. Jetzt ist das Thema auch im Tagesspiegel Online. Kann man wieder die ein wenig ärgern, die sich bei allen Fahrradthemen einmischen und über die schlimmen Regelbrecher meckern, beim Raserthema aber auf einmal ganz andere Töne einschlagen 🙂

  6. Man darf nicht vergessen, dass bei Schwerverlezten oder Toten im Straßenverkehr neben den unmittelbar Betroffenen und deren Angehörigen auch Polizisten, Santitäter und Feuerwehrleute Opfer sind. Das geht nicht ohne psychische Folgen ab. Ich kann mich an die engagierte Forderung eines vorgesetzten Polizisten erinnern, die Opferzahlen endlich zu senken, weil seine Kollegen nicht nur dem ständigen Umgang mit schlimmen Unfällen ausgesetzt sind, sondern, woran die wenisgten Denken, sie auch den Angehörigen die Nachricht überbringen müssen, dass ein geliebter Mensch schwer verletzt oder getötet wurde.

  7. Geschwindigkeit ist ein viel zu wenig ernst genommenes Thema. Die Kraft steigt nicht linear, sondern im Quadrat. Für den Anhalteweg kommt noch die Reaktionszeit hinzu. Bekanntes Beispiel: An der Stelle, an der man bei 50 km/h zum Stehen kommt, hat man bei 60 km/h immer noch 50 km/h drauf.

    Da freut man sich zunächst über die angekündigten Überwachungen und Kontrollen. Zunächst. Bei genauerem Nachdenken kommt Unmut auf. Warum eigentlich werden alle Kontrollen seit geraumer Zeit massiv angekündigt? Wer wirklich Sicherheit durch angepasste Geschwindigkeit erzielen möchte, darf die Kontrollen nicht ankündigen. Man muss jederzeit damit rechnen müssen, erwischt zu werden. Außerdem sind Geschwindigkeitsverstöße in Deutschland konkurrenzlos billig. In anderen Ländern ist das Rasen deutlich teurer. Weiterhin sind die Limits zu hoch. Auch für deutsche Landstraßen sind fast überall 80 km/h angemessen. Tempo 30 innerosts sowieso …

    Aber eine wirklich sinnvolle Limitierung und drakonische Verfolgung von Übertretungen sind politisch nicht gewollt. Autorepublik eben.

  8. @N.M.: Es werden nicht alle Kontrollen angekündigt. Im Gegenteil, die Polizei hatte sich lange dagegen gesperrt, dass Blitzer im Radio angekündigt werden dürfen.
    Angekündigt werden solche großen Aktionen, die tatsächlich verpuffen würden, wenn sie nicht angekündigt werden. Nur, weil Autofahrer nicht wissen, ob bzw. wo sie geblitzt werden könnten, fahren sie nicht automatisch langsamer. Leider.

    Ich würde hier auch die politische von der polizeilichen Ebene trennen. Politisch wird tatsächlich viel zu wenig unternommen, hier fehlt der Wille, Überschreitungen „zu“ hart zu ahnden. ADAC sei dank…
    Auf polizeilicher Ebene kann man sicher davon ausgehen, dass die Beamten im Außendienst keine ruhige Kugel schieben. Sie haben jedoch auch noch andere Dinge zu tun, als nur Radarfallen aufzustellen. Wenn der Polizeiapparat aufgebläht werden würde, um überall alle schwerwiegenden Verstöße verfolgen zu können, dürften wir wohl deutlich mehr Steuern zahlen. Ohne Einsicht – auch durch öffentlichkeitswirksame Aktionen und natürlich durch politischen Willen – kommen wir hier wohl nicht zum Ziel.

  9. @N.M. Das Beispiel ist zwar immer wieder nett, aber trotzdem leicht übertrieben – und Übertreibung kann der Glaubwürdigkeit eben auch schaden.

    Ansonsten stimme ich aber mit Dir überein. Durch GPS-Blitzer-Warner und Radiomeldungen wird der ohnehin schon geringe Verfolgungsdruck zu einem gut kalkulierbarem finanziellem Risiko für Raser. Sinnvoll fände ich auch einkommensabhängige Strafen.
    Ich bin immer wieder erstaunt, dass „die Allgemeinheit“ die vorgeschriebene Maximalgeschwindigkeit als Minimalgeschwindigkeit aufzufassen scheint.

    Übrigens: die Kraft einer bewegten Masse steigt weder proportional noch quatratisch, ich vermute Du meintest kinetische Energie. Bei Unfällen (Zusammenstoß) kommt aber eher der „Impuls“ zum tragen und der ist tatsächlich „nur“ proportional zur Geschwindigkeit.

  10. @class:bicycle, nach meinem Verständnis ist ja die kinetische Energie das, was letztendlich in die Verformung der unfallbeteiligten Objekte, schlimmstenfalls des Menschen gesteckt wird. Warum ist das nicht die relevante Größe?

    Die quadratische Steigerung von Bremsweg und kinetischer Energie müsste m.E. stärker kommuniziert werden – jemand, der ohne Not seinen Bremsweg durch eine Geschwindigkeitsüberschreitung im üblichen Maße überschreitet, erhöht die Unfallrisiken für Unbeteiligte ganz drastisch.

  11. Ich glaube die wissen um ihre Bremswege durchaus, verwechseln das aber mit dem Anhalteweg. („kam-so-plötzlich-hab-den-garnich-gesehen“) Is wahrscheinlich egal, solang es nicht regelmäßig teuer wird ist doch drauf gegackt. Was ist teuer? Ich bin gegen Bußgeldkatalog und für Tagessätze. Den zehlendorfer Maybachfahrer schmerzen hundert Euro viel, viel, vielweniger als die meisten Angehörigen des Restpöbels zehn Zent. Und selbst die Gebräunten die vielleicht sonst nicht viel haben und des Abends die Geräuschentwicklung ihrer Brabusbenze auf der Karlmarxallee antesten, sie können doch de facto tun und lassen was sie wollen.
    Auffällig ist immerhin daß die Kontrollen zumeist nicht diskret in Zivil sondern uniformiert und mit blauweiß beleuchtreklamten Wannen durchgeführt werden. Den Blechkillern darf eben kein Haar gekrümmt werden.
    Autogerechte Republik.
    Schauen wir mal übern Zaun: Von je her fuhr man in Frankreich trotz der Begrenzung auf den Autobahnen zumeist so 155-160. Bis Sarkozy kam. Mit ihm kam die Pflicht einen Alkoholtest im Auto mitzuführen. Die Knöllchen wurden Knollen. Vorallem aber wurden die Kontrollen allfällig. Es dauerte nichtmal ein halbes Jahr bis landesweit die Hauptverteilung auf 128 km/h runter war. Seitdem ist dort Ruhe, übrigens genauso auch innerorts, sogar Dreißigerzonen in Dörfchen werden penibel eingehalten. Mehr als 50 kmh zu schnell bedeutet dort Verhaftung, Einziehung und Pfändung des Tatmittels (Auto) bis der Richter das Strafmaß festgesetzt hat, Nichtigkeit des Führerscheins, bis zu 3 Monate Knast und/oder Geldstrafe, diese auffallend oft in Höhe des Zeitwerts des Autos… Es geht also durchaus. Wenn man bloß will!

  12. Vergessen sollte man auch nicht diejenigen, die in böser Absicht Verkehrsgefahren herstellen, z.B. indem sie Radfahrer aus irgendwelchen Gründen absichtlich abdrängen oder auf Fußgänger, die angeblich was falsch machen, voll drauf zuhalten. Ich staune, dass viele sowas noch nie erlebt / beobachtet haben, ich habe mehrere solcher Erlebnisse im Kopf. Wer aus Erziehungs- oder Erzürnungsgründen nicht bremst, obwohl er es könnte, sollte m.E. etwas anders behandelt werden als normale Verkehrssünder.

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