Zwei schwere Rechtsabbiegeunfälle mit Lastkraftwagen

Eine tote 28-jährige Radfahrerin, eine schwer verletzte 49-jährige Radfahrerin, das ist die bittere Bilanz von zwei Unfällen mit rechtsabbiegenden Lastkraftwagen, die sich heute innerhalb von 30 Minuten ereignet haben.

Heute Vormittag erlitt eine Radfahrerin bei einem Verkehrsunfall in Prenzlauer Berg schwerste Verletzungen und verstarb noch an der Unglücksstelle. Die 28-Jährige war kurz nach 10 Uhr in der Greifswalder Straße in Richtung Alexanderplatz unterwegs und missachtete nach den bisherigen Erkenntnissen das für sie geltende rote Ampellicht. In dem Moment, als sie die Kreuzung an der Grellstraße überquerte, wurde sie von einem aus der Grell- nach rechts in die Greifswalder Straße in Richtung Alexanderplatz abbiegenden Lastzug erfasst. Bei dem Zusammenstoß erlitt die Frau derart schwere Verletzungen, dass für sie jede Hilfe zu spät kam. Der 48 Jahre alte Lastwagenfahrer stand erheblich unter dem Eindruck des Geschehens. Während der Unfallaufnahme waren die Greifswalder Straße in Richtung Alexanderplatz sowie die Grell- in Richtung Storkower Straße gesperrt. Der Straßenbahnverkehr war nur kurzzeitig betroffen. Zum genauen Hergang des Unfalls hat der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 1 die Recherchen übernommen.

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 1596 vom 24.06.2013 – 13:25 Uhr.

Ein weiterer Unfall passierte keine halbe Stunde später am Checkpoint Charlie.

Bei einem Verkehrsunfall in Kreuzberg erlitt eine Radfahrerin heute Vormittag eine schwere Beinverletzung und musste stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden. Die 49-Jährige war gegen 10.30 Uhr in der Friedrichstraße unterwegs, als sie an der Kreuzung Kochstraße bei Rot hielt. Nachdem die Ampel auf grünes Licht umgeschaltet hatte, radelte die Frau geradeaus weiter. Dabei wurde sie von einem Lastwagen erfasst, der neben ihr anfuhr und nach rechts in Richtung Wilhelmstraße abbog. Die 49-Jährige geriet unter das Fahrzeug und wurde am Vorderrad eingeklemmt. Einsatzkräfte befreiten das Opfer und brachten es in eine Klinik. Der 39 Jahre alte Fahrer des Lastwagens erlitt einen Schock und konnte das Krankenhaus nach einer ambulanten Behandlung wieder verlassen. Die Kreuzung war bis etwa 14.45 Uhr gesperrt. Der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 5 übernahm die weiteren Ermittlungen zum genauen Unfallhergang.

Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 1599 vom 24.06.2013 – 15:25 Uhr.

An der zuletzt genannten Kreuzung hatte sich bereits am 8. Mai ein Rechtsabbiegeunfall mit einer schwer verletzten 25-jährige Radfahrerin ereignet.

38 Gedanken zu „Zwei schwere Rechtsabbiegeunfälle mit Lastkraftwagen

Kommentare-Feed
  1. Die Beschreibung vom Checkpoint Charlie ist ja ziemlich umfassend. Selten erfährt man die genaue Unfallkonstellation, also z.B. dass die Unfallbeteiligten vorher bei roter Ampel gewartet haben. Dabei dürfte das sehr häufig der Fall sein. Ich finde das besonders tückisch, weil man evt. gar nicht mitbekommt, dass der Lkw abbiegen will.

    Zum tödlichen Unfall kann man wohl nur wenig sagen, wenn die Radfahrerin tatsächlich bei rot gefahren ist. Sehr tragisch, so jung umzukommen!

  2. Niemals nicht recht neben Rechtsabbieger stellen! Und wenn man der erste an der Ampel ist, Spur komplett (mittig) besetzen.

    Können diese simplen Regeln bitte auf fassadengroße Werbebanner gedruckt werden, statt schwachsinniger Helmpropaganda.

  3. @Nebsler, und wenn man schon an der Ampel steht und der Lkw später hinzukommt? Ja ok, dann war man nicht mittig genug.

    Ich sehe es genauso wie Du, dies ist DAS Radfahrer-Unfallthema und gehört somit, statt der Helm-Diskussion, in den Vordergrund.

  4. Das könnte auch durchaus forciert werden, indem diese vorgezogenen Haltezonen über die ganze Breite auf die Fahrbahn gepinselt werden, wie es z.B. in der Oranienburger Straße bereits getan wurde.

    Die halte ich jedenfalls für wesentlich sinnvoller als diese Stummelradstreifen, die zwar eine vorgezogene Haltelinie haben, aber immer ganz rechts sind. Das heißt, dass man sich als Geradeausfahrer danach immer wieder nach links in den Fließverkehr einfädeln muss, weil man sonst meist auf einen „Parkstreifen“ zufährt.

  5. Ich kam um 15:30 Greifswalder vorbei und hab die Unmengen Cops, eine große Blutlache und den LKW gesehen. Da war mir schon irgendwie klar das da wohl ein Radfahrer zermanscht wurde. Verdammte Scheiße. Echt tragisch.

  6. Rote Ampel … war es eine bewußte Rotlicht-Fahrt oder war die Ampel gerade sehr frisch umgesprungen? Wäre auch die Frage wie die Ampel konkret geschaltet ist, denn meist läuft Rechtsabbiegerverkehr ja zugleich mit Rad-Geradeausverkehr, nur schalten die Radwegampeln mitunter eher auf Rot, als bei den Kfz (wegen Räumzeiten).

    Jedenfalls höchst unschön, dass direkt zwei solche üblen Unfälle geschehen. Andersrum „muss“ man aber auch den hierdurch entstehenden Druck sehen, der sich durch Häufungen solcher Meldungen ergibt. Nur muss der Druck auch spürbar werden und dort ankommen, wo er hingehört.

    Vielleicht mal wieder Zeit für öffentlichkeitswirksame stumme Proteste?

  7. @Jochen, die beiden (im Prenzlauer Berg) fuhren wohl nicht in gleicher Richtung. Für den Lkw-Fahrer muss die Radfahrerin von links gekommen sein.

  8. Gibt es eigentlich Untersuchungen dazu, wie oft die rechtsabbiegenden LKW bei solchen Unfällen nicht geblinkt haben? Ich beobachte immer mal wieder LKW oder Reisebusse, die vor dem Abbiegen nicht blinken.

    Den Tip, sich nicht rechts neben Rechtsabbieger zu stellen, sollte man deshalb mit Vorsicht geniessen – es genügt schon ein Nichtblinker…

    Man sollte sich nie unnötig rechts von Fahrzeugen aufhalten – egal ob sie blinken oder nicht

  9. der tip ist ja wohl, sich an der ampel immer mittig in der spur aufzustellen.

    dazu braucht es allerdings sehr viel information oder werbung und ein konsequentes abschaffen der gefährlichen radwegstummel.denn sonst kommt kaum ein radfahrer darauf und bei den kfz führt es zu aggression.

    und wie geht es dann weiter? – ein beispiel:

    am wochenende nahm ich auf der leipziger straße in richtung prenzlauer berg konsequent die geradeausspur. mit dem bakfiets mit kind drin, licht an, ohne helm. ich fur nicht auf der busspur, denn dort wurde geparkt, hielt ein bus, danach kam ein rechtsabbieger. ich wurde deshalb von einem taxi auf der bus- und dann auf der rechtsabbiegespur mit ca. 60 km/h knapp rechts überholt und gleichzeitig von einem anderen kfz auf der linken seite mit ähnlicher geschwindigkeit, halb in meiner spur. nicht nur unangenehm, nein das ist definitiv auch nicht ungefährlich.

    soviel zum thema konsequent fahrbahnradeln überall sei allein die lösung. ist es nicht! wir brauchen ganz andere kreuzungen, solange in der stadt >50 km/h gefahren wird.

  10. „fuhr“

  11. Hoffentlich hatte die 28jährige auch noch coole Musik auf den Ohren, wenn sie wirklich bei Rot unterwegs war…ach ja und der böse LKW-Fahrer

    Das nenne ich nicht Unfall, das gehört in die Kategorie Suizid. Selbst schuld!

  12. Ach, nicht nur im Fatzkebuch lässt man sich dazu herab, den trauernden Eltern, Geschwistern oder gar Kindern ins Gesicht zu spucken.

    Super Sache, diese Empathie, oder meisenmann? Da ist ein Mensch gestorben, ein selbst Schuld kann man sich sparen.

  13. @meisenmann: Unfälle haben sehr oft mit STVO-Verstößen zu tun, gelten aber dennoch als Unfall. Wer behauptet, noch nie schwere Fehler im Straßenverkehr begangen zu haben, lügt.

    Ob man an solchen Stellen als Radfahrer bei grün oder rot fährt, dürfte die Gefahrenlage nicht signifikant ändern.

  14. Toten Menschen wirft man keinen Dreck hinterher!

    Solange in dieser Stadt der Autoverkehr weiterhin gnadenlos bevorzugt wird, kann sich an solchen Situationen auch leider nicht wirklich was ändern.

  15. Bin heute an der Unfallstelle Greifswalder Str./Ecke Grellstr. vorbeigefahren. Zunächst möchte ich mein Mitgefühl gegenüber den Angehörigen aussprechen.
    Ich befahre diese Kreuzung seit Jahren sowohl als Auto- wie auch als Radfahrer fast täglich und kann mir nach Lektüre der bisherigen Pressemeldungen nur schwer erklären, wie es überhaupt zu diesem Unfall kommen konnte. Als Rechtsabbieger hier einen Radfahrer zu übersehen, ist an dieser Stelle nicht gerade einfach, da es hier eine eigene (breite) Spur für Radfahrer direkt auf der Straße gibt. Neben den geradeaus fahrenden Radfahrern muss auch noch die Grünphase der hier immer zahlreichen Fußgänger beachtet werden. Es handelt sich hier aber auch nicht um einen typischen Rechtsabbiegunfall, da die Radfahrerin auf der Greifswalder Str. in Richtung Alexanderplatz unterwegs gewesen sein soll, also von links kam und auch nicht vor oder neben dem abbiegenden LKW stand. Wenn Sie tatsächlich wie behauptet wird, bei Rot gefahren ist, muss sie also erst den Verkehr aus der Gegenrichtung und dann den Geradeausverkehr (noch glücklich) passiert haben, um dann vor oder in den abbiegenden LkW zu fahren, der sicherlich nur (noch) nach rechts auf mögliche geradeausfahrende Radfahrer und auf Fußgänger (Grünphase) geachtet hat. Also ein sehr ungewöhnliches Unfallszenario. Es wäre hier sehr hilfreich, genauere Informationen über den tatsächlichen Unfallhergang zu haben, bevor wieder eine endlose Diskussion um rechtsabbigende LKW stattfindet.

    @berlinradler: Wenn es sich wie gemeldet zugetragen hat, dürfte es sehr wohl einen signifikanten Einfluss auf die Gefahrenlage gehabt haben, ob man hier als Radfahrer bei Rot oder Grün fährt. Wäre die junge Frau bei Grün gefahren, würde sie vermutlich noch am Leben sein.

  16. Wer weiss, ob der Mensch, der das mit dem Rote Ampel überfahren zu Protokoll gegeben hat überhaupt wusste, welche Ampel gilt, oder es auch wirklich gesehen hat. Zeugen sind idR. fürn Podex…
    Wenn die Kreuzung so ist, wie Michael sie beschreibt, dann muss die Dame sich durch kompletten Kreuzungsverkehr geschmuggelt haben nur um dann von einem Abbiegenden Laster erwischt worden zu sein. Klingt alles extrem unwahrscheinlich.

    Aber klar, Videokameras gibt es unnötigerweise überall, nur wenn man sie mal bräuchte ist natürlich keine da gewesen.

  17. @Kohl

    …eben, alles wäre viel logischer, wenn sich herausstellen würde, dass der LKW-Fahrer bei Rot gefahren wäre. Aber solche Unfälle sind in der Regel nur begrenzt logisch und passieren nur dann, wenn einer oder mehrere Beteiligte komplett versagen…
    Es bleibt also abzuwarten, was die Ermittlungen tatsächlich ergeben (in einem Jahr oder so).

  18. Zum Unfall an der Greifswalder:
    Die Ampel MUSS für sie rot gewesen sein, sonst hätte der LKW nicht fahren dürfen. Auch dass die Ampel vielleicht grade umgesprungen ist, halte ich für unwahrscheinlich, denn der Fahrer fuhr ja schon und es dauert Wegen der Abbiegerampeln und Grünpfeilen einen Moment, bis die Ampeln schalten.
    Es ist schrecklich, was passiert ist!

    Ich bin auch vorbeigefahren gegen halb eins am Montag und mir war auch sofort klar, dass es ein Radfahrer gewesen sein muss!

    Ich hoffe, dass es irgendwie mal in die Köpfe der Menschen reingeht, dass der Radfahrer am gefährdetsten ist, übersehen zu werden!
    Und trotzdem: immer und immer wieder begegnet man solch Lebensmüden 🙁

    Ich bedauere, dass die junge Frau ihr Leben ließ! Aber als Mutter bedaure ich mehr die ihre und auch die übrigen Hinterbliebenen, die sich nun fragen müssen: warum zum Teufel fuhr sie bei rot :'(

  19. Es wurde ja schon mehrfach und zu Recht geschrieben: Man wird die Ermittlungen abwarten müssen.

    Spekulieren kann ich aber auch:

    Dass gerade frisch auf Rot umgesprungene Ampeln dennoch überfahren werden ist sowohl Zwei- als auch Vierradfahrern anzulasten. Man sieht es eigentlich täglich dermaßen häufig, das dürfte keinen mehr wundern. Leider.

    Grundsätzlich beobachte ich aber mehr fremdgefährdende Rotlichtverstöße von Motoristen als von Radlern, was allein schon Ausdruck der Bewusstmachung des erhöhten Gefährdungspotentiales beim Radler selbst sein dürfte. Auch wenn, Ja, einige Radler echt schlimm fahren. Sind auch nur Menschen. Wie die „Motorler“.

    Vereinfachend:

    Holzschnitt Auto
    Manche „Motorler“ rasen noch mit Gasgeben über die „knapp-rote“ Ampel, haben dann gerne 70km/h drauf, und das mit ein, zwei Tonnen Gewicht oder mehr. Eine Rolle mag auch spielen, nach Stau (Blechlawine) und dem Gefühl des Eingezwängtseins (wo parke ich? wo kann ich lang fahren?) endlich mal aufdrehen zu können und vielleicht so auch wieder etwas „Zeit rein zu fahren“. Gerade bei Berufskraftfahrern, LKW udn Lieferwagen, ist das Zeitargument sicher immer in Betracht zu ziehen.

    Holzschnitt Rad
    Manche Radler sparen gerne Wieder-Antret-Energie und fühlen sich an Ampel-Regeln ähnlich „locker gebunden“, aber aus ganz anderen Gründen als die Motorler. Man wird als Verkehrsteilnehmer sowieso marginalisiert, nicht ernst genommen, oft vorsätzlich in arg gefährliche Situationen geleitet (Ausfahrten, Radwege direkt in Fußgängerbereiche oder Schnellfahrtstraßen geleitet, Schnellradwege als Lieferwagen-Parkplatz mißbraucht), bedrängt, gefährdet, pädagogisiert, seiner Rechte beraubt (Alltagserfahrung: Unkenntnis der aktuellen StVO bei „Motorlern“). Bei Tagespensen von 10, 25, mal auch 50km (ich spreche von mir) ist man aber ggü dem „Motorler“ gar kein „weniger ernsthafter“ Verkehrsteilnehmer. Was passiert nun an der roten Ampel? Blindlings mit Karacho noch über Rot, gar beschleunigt? Das sehe ich sehr selten. Oft: Verzögern, blicken, vortasten, ersten Querverkehr durchlassen, Lücke suchen, dann los. Auch nicht selten im Bewusstsein um das Freimachen einer bezüglich Rechtsabbiegern gefährlichen Kreuzung / Spur. Oder um der beschleunigenden Autokolonne (Bedrohung) etwas zu entkommen. Natürlich auch, um fix zu sein. Große, unübersichtliche und kompliziert Ampel-geregelte Kreuzungen bedeuten bei solchem Vorgehen eine hohe Eigengefährdung. Zumal dann, wenn Abbigespuren des Querverkehrs gesondert Grün bekommen, der restliche Querverkehr aber schon steht. Vielleicht verdeckt sogar der ruhende Querverkehr den gerade erst anfahrenden.

    Kennt jemand die Örtlichkeit und Ampelschaltung zu dem diskutierten Unfallgeschehen genauer und kann bezüglich meiner Gedanken antworten? Danke!

    Alles Gute, wie auch immer, den Angehörigen, RIP der Radlerin.

  20. Mir geht es wie jimbob…bin auf dem weg zur arbeit auch greifswalder lang gefahren mit Bike!!!.Und was ich da zu sehen bekam lässt mich bis heute non stop darüber nachdenken…echt sehr Schlimm.

  21. meisemanb…SHAME ON YOU!!!!
    Diese junge 28 jährige war eine Tochter, Schwester, Mutter, Frau, Freundin…..in jedem fall war diese Frau ein Mensch der nicht mehr bei uns ist:'(:'(:'( R.I.P

  22. Ich fahr ja selbst so ziemlich jeden Tag auf zwei Rädern. Meist bis Greifswalder um dann mit der S-Bahn ein paar Kilometer Schweiß zu sparen. An dem Tag bin ich mal Tram gefahren. Wär ich da mit dem Rad angekommen wär ich sicher vom Eisen gefallen und hätte bloß noch dieses Zittern in den Beinen gefühlt. Mit ist seit Montag ganz komisch wenn ich auf dem Rad sitz. Ich fahr selbst oft genug bei rot, aber noch nie blindlinks. Immer mit 3-4 mal Kopf schwenken und nach Gefahr suchend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Mädel da einfach kopflos in den kreuzenden Verkehr gebraten ist. Irgendwie gefällt mir die Mitteilung der Cops nicht so recht. Ich würd zu gern wissen, was da wirklich abgelaufen ist.

  23. Der Berliner Verkehr ist ein hochkomplexes Geschehen. Es wäre kein Wunder, wenn auch bei diesem Unfall (wie häufig) ein Systemfehler eine Rolle spielen würde. Rote Ampel hin oder her. Genau dieses wäre zu klären.

    Indes habe ich wenig Hoffnung, dass das so geschieht. Wahrscheinlicher ist es sehr mühsam, überhaupt das Geschehene zu rekonstruieren. Und Konsequenzen für einen etwaigen Umbau der Kreuzung wird es nicht geben. Selbst, wenn ein Systemfehler ersichtlich werden würde. Derer gibt es einfach schon zu viele.

    Die Polizeimeldung ist bezüglich der Formulierung und Schuldzuweisung wie immer als vorläufig zu werten. Ich kann die Pressestelle zum Teil verstehen. Würde man jegliche Wertung des Geschehens vermeiden (was ja in der Sache richtig wäre), dann würden die Meldungen nur noch lauten: Zusammenprall Radlerin mit LKW, die Frau verstarb.

    Dass erste vor-Ort-Erkenntnisse zum Unfallhergang, erste Augenzeugeneindrücke, aber dennoch mit herangezogen werden um eine Unfallmeldung zu gestalten, dass ist vielleicht nur „menschlich“. Es mag auch eine Rolle gespielt haben, dass bei der Häufung von Rechtsabbiegerunfällen (Verschulden des motoriserten Verkehrs) in der letzten Zeit, dieser eine Unfall ein abweichendes Muster gehabt zu haben scheint. Ein Umstand, der herausstellenswert erschienen ist. Und zwar gerade um dem Geifer „schon wieder ein mordender LKW“ vorzubeugen.

    Unfall-Rekonstruktionen sind zuweilen recht schwierig. Ich weiß von Juristen, dass nach einem Verkehrsunfall sich in der Mehrzahl so genannte „Knallzeugen“ melden. Das sind Zeugen, die genau wissen wollen, wie es passiert es. Und zwar „weil es gar nicht anders gewesen sein kann“. Die aber später, bei genauer Befragung, zugeben müssen, erst im Augenblick des Zusammenstoßes ihren Blick auf das Geschehen gerichtet zu haben. Nachdem der „Knall“ den Blick lenkte. Knallzeugen eben.

    Demgegenüber haben Bremsspuren, Lage der Fahrzeuge am Ende des Unfalles, etc., eine vergleichsweise hohe Objektivität. Wie schnell war der LKW gewesen, wurde angebremst, gab es gar eine Gefahrenbremsung? Wo begann der Aufprall? War das Rad technisch in Ordnung? Und so weiter, und so fort.

    Bei Autofahrern gibt es zuweilen „merkwürdige“ Unfälle, bei deren Klärung späte internistische oder neurologische Erkrankungen eine Erklärung bieten: Herzinfarkt, Krampfanfall, etc..

    Schlimm ist wirklich die allfällige Schuldzuweisung, das geifernde Kommentieren der angeblich Rotlicht-ignorierenden und daher „zu Recht verstorbenen“ 28-Jährigen. Siehe Tagesspiegel-Leser-Kommentare und Ähnliches. Mit diesem Menschenbild und Weltbild kann ich mich nicht anfreunden. Das hat kein Mensch verdient! Dem sachlich zu entgegnen tut Not.

    Man sollte aber umgekehrt auch nicht zu einem Generalvorwurf gegenüber LKW-Fahrern ausholen. Das hilft nicht weiter.

    Worüber ich mich eigentlich wundere, ist, dass so wenig Initiative von den LKW-Fahrern ausgeht, um diese allfälligen Gefährdungssituationen im Alltag zu minimieren. Nicht umsonst berichten die Medien immer wieder über die starke psychische Belastung der Unfallfahrer. Meine einzige Erklärung ist, dass die LKW Fahrer in der Regel recht prekäre Arbeitsverhältnisse haben und daher keine Forderungen stellen, bzw. vor lauter Alltagssorgen keine entsprechende Perspektive einnehmen können oder wollen.

    Das System LKW in der Großstadt ist völlig unausgereift in Bezug auf die Infrastruktur, die Anforderungen, die Besetzung (eine Person), die zu erwartenden „Flüchtigkeitsfehler“ anderer Verkehrsteilnehmer und des Fahrers selbst. Die Diskussion darf auch nicht auf die Extra-Spiegel für den „toten Winkel“ reduziert werden. Der Fahrer muss diese auch benutzen, auch benutzen können, muss spätestend in der „Räumungsphase“ einer Kreuzung ein vernünftiges Verhältnis zwischen Zeitaufwand für Sicherheit und Verkehrsfluß herstellen können.

    Maximalforderungen wie: „Wer nichts sieht, der darf nicht fahren“ finde ich vom Prinzip her verständlich und gut. Praktisch würde das aber die Nutzung von LKW in der Innenstadt – zumindest in der gewohnten Form – nahezu ausschließen. Wir müssen das weiter diskutieren und versuchen, auf Entscheidungsträger Einfluss auszuüben.

    Ich fände übrigens Rad-fahrende Polizeistreifen eigentlich sehr gut. Zumindest dann, wenn sie ihre Gefährdungs-Erfahrungen im Alltag auch im Sinne guter / präventiver Polizeiarbeit umzusetzen in der Lage sind.

  24. @joshua

    Zu den Örtlichkeiten: Es handelt sich um eine große Kreuzung. Die Greifswalder Str. ist mehrspurig, jeweils mit separaten Fahrradwegen.
    Die Grellstr. ist durch einen Mittelstreifen (Bäume, Parken) getrennt. Sie verbreitert sich zur Kreuzung hin auf 2 Fahrspuren (linksabbiegen, geradeaus sowie Rechtsabbieger). Der Fahrradweg befindet sich direkt auf der Straße, ist breit und gut markiert. Alles in allem eine relativ übersichtliche Kreuzung.

    Wenn die Grellstr. grün bekommt, haben alle gleichzeitig grün (Radfahrer etwas eher). Die Fußgängerampel über die Greifswalder Str. hat parallel Grün, weshalb Rechtsabbieger und Linksabbieger (im Berufsverkehr eigentlich immer) erst die Fußgänger und demzufolge auch alle Radfahrer passieren lassen. Dies läuft dort eigentlich immer sehr gesittet ab. Ich befahre diese Strecke wie schon gesagt seit Jahren mit dem Auto und auch dem Rad und habe sie bisher nicht als besonders gefährlich erlebt (Die Statistik mag mir da widersprechen).
    Die Radfahrerin soll aber aus Richtung Weißensee und in Richtung Zentrum unterwegs gewesen sein, befuhr also die Greifswalder Str. Der LKW bog aus der Grellstr. nach rechts in die Greifswalder Str. ab. Wenn der LKW grün gehabt hat, muss die Verunglückte schon LANGE rot gehabt haben, da sie erst den Gegenverkehr, dann den Mittelstreifen, dann den Geradeaus- und Linksabbiegerverkehr passiert haben muss, um dann erst von dem abbiegenden LKW erfasst zu werden, wobei dieser wohl nicht unbedingt mit einer von links kommenden Radfahrerin gerechnet haben dürfte.

    Einen Systemfehler halte ich hier für unwahrscheinlich. Ich bin im Berufsverkehr über diese Kreuzung mit dem Auto noch NIE einfach so rübergerollt, weil es fast immer etwas Stau gibt und die Grünphase für die Grellstr. relativ kurz ist. Es werden dort also selten beim Überqueren der Kreuzung hohe Geschwindigkeiten gefahren. Für mich bleibt der Fall nach wie vor sehr mysteriös.

    …aber auch heute habe ich sie wieder auf der Straße gesehen: junge Radfahrerin, Anfang 20, Kopfhörer, rauchend, selbstredend ohne Helm unterwegs, Kreuzung bei Rot überquert, dafür aber unheimlich cool aussehend – Ob nun Ausnahme oder die Regel: Meint Ihr nicht auch, dass sich bestimmte Gefahren im Leben, wenn schon nicht ganz vermeiden, so doch wenigstens minimieren lassen?

  25. @Michael:

    Danke für Deine Replik und Deine Schilderung. So mag ich es: nüchtern und Fakten-reich. Danke!

    Zu der geschätzt Anfang-20-Jährigen und der Gefahrvermeidung: Ja, ist völlig klar. Sollte man vielleicht schon mal ansprechen. Wirkt halt „uncool“ und pädagogisch. „Warum kommt der mir jetzt blöde?“. Vielleicht wird es aber auch verstanden. Geschlossene Kopfhörer beim Radfahren über eine derartige Kreuzung – geht gar nicht. Würde ich mich nicht trauen, einerlei, ob Autofahrer das auch dürfen (Musik hören), oder nicht. Besser: Gerade im Wissen um die aufgedrehten Autoradios eigentlich ein no-go!

    Nicht zuletzt: Arbeite notärztlich, kann daher vieles Beobachtete auch nur mit ziemlichem Argwohn quittieren.

    Andererseits: Zum Systemfehler. Du schriebst in Bezug auf eben die Straße, aus der der LKW bei besagtem Unfall gefahren kam (und aus einer Autofahrer-Perspektive beobachtet):

    „weil es fast immer etwas Stau gibt und die Grünphase für die Grellstr. relativ kurz ist“.

    Das ist nicht uninteressant. Ebenso, wie die Bemerkung, dass der LKW wohl gar nicht mit einer Radfahrerin von links kommend gerechnet haben dürfte. Wohlverstanden: In Bezug auf die Grünphase für LKW und demnach Rot für den Radweg – wenn dem so gewesen sein sollte.

    Unfall-Ursachenforschung, das lernen wir Mediziner aus der Luftfahrt, bezieht die vielen kleinen „Selbstverständlichkeiten des Alltags“ mit ein, welche alle – einzeln und für sich betrachtet – keine Gesetzes- oder Regelverstösse darstellen, nicht strafbewehrt sind, im Kopf der Beteiligten keine Gefahr darstellen. Die Summe der kleinen und kaum gefährlichen Momente ergibt aber irgendwann den einen hochgefährlichen, vielleicht tödlichen Ausgang.

    In meinem eigenen Beruf war ich oft schon schockiert, wie „doof man denken muss“, um diese kleinteilige Kausalkette nachzuvollziehen. Es werden oft Umstände einbezogen, die eigentlich keiner Erwähnung zu bedürfen scheinen. Die Farbe eines Ampullen-Etikettes etwa, die phonetische Aussprache eines Medikamentes. Stichwort: CIRS. Eventuell googeln – immer wieder nachdenkenswert.

  26. Wie gesagt, man kann nur spekulieren. Manche Dinge im Leben sind einfach nicht recht kompatibel, z.B. wie Skifahrer und Snowboarder, so auch Radfahrer und Autoverkehr. Natürlich muss durch ständiges Reflektieren und Analysieren versucht werden, den Verkehr für alle Beteiligten sicherer zu machen. Jedoch setzt dies auch voraus, dass sich alle, also KfZ-Führer, Fußgänger und eben auch Radfahrer an bestimmte Regeln halten. Da das Individuum aber so ist wie es ist, bin ich diesbezüglich eher pessimistisch. Schon als Kind wurde uns beigebracht: „Bei Rot bleibe stehen, bei Grün darfst Du gehen“ – Klingt natürlich auch wieder „uncool“. Und ob dies alles so richtig ist, sei dahingestellt: Ich verlasse mich als Fußgänger, wegen schlechter Erfahrungen, niemals aufs Grünlicht, sondern schaue immer nach links und rechts. Aber kann und muss man wirklich mit allen Eventualitäten rechnen? Theoretisch könnte es in der Ostsee auch Weiße Haie geben. Wenn ich als Radfahrer unterwegs bin, versuche ich jedenfalls, im Bewusstsein der Schwächere zu sein, auch die Autofahrerperspektive einzubeziehen und fahre lieber defensiv und versuche die Fehler der anderen „vorauszudenken“ (was Autofahrer grundsätzlich auch tun sollten). Natürlich stelle ich hierbei mein eigenes Ego zurück, tue dies aber gern mit Rücksicht auf meine Familie und Angehörigen, damit sie sich nicht eines Tages fragen müssen, warum hat er nur dieses oder jenes gemacht. Schlussendlich muss man sich aber auch darüber im Klaren sein, dass man, wie Joshua schon sagte, häufig gar nicht so dumm denken kann, wie es dann kommt. Der Hinweis von Joshua auf CIRS (Critical Incident Reporting System) ist schon deshalb sehr interessant, weil sich auch in diesem Fall wieder zeigen wird, dass wir bis zum Schluss Mutmaßungen anstellen werden und in ein paar Wochen niemand mehr darüber redet, bis zum nächsten Mal. Da es von offiziellen Stellen bis zum Abschluss möglicher straf- und zivilrechtlicher Verfahren kaum Unfallberichte gibt, die über kurze Pressemitteilungen hinausgehen, wäre es schon mal interessant, ob in Foren oder Blogs etwas wirklich Erhellendes beigetragen werden könnte. Es wäre also schön, wenn hier mal jemand etwas schreiben würde, der auch wirklich etwas gesehen hat. Also in diesem Sinne allen Lesern eine unfallfreie Fahrt.

  27. ich fände es schon ganz gut, wenn wir spekulative ursachen und verallgemeinerungen wie „rauchen“, „kopfhörer“, „rotlichtverstoß“ wenigstens hier rauslassen könnten.

    wenn ich mit schrittgeschwindigkeit, rauchend und leiser klassik auf offenen kopfhörern über eine (völlig überflüssige) vereinsamte rote fußgängerampel in der 30er-zone rollere begehe ich eine ganze reihe von ordnungswidrigkeiten und mag militante taxifahrer provozieren. eine nennenswerte unfallgefahr erzeuge ich da aber nicht.

    man kann sich auch mal gedanken machen, ob wir wirklich mitten in der stadt lauter kreuzungen haben wollen, die so gestaltet sind, dass ein dummer fehler eines nicht-stahlgepanzerten verkehrsteilnehmers regelmäßig gleich zu dessen tod führt.

    kleinkinder z.b. haben ein alter, wo sie sich gern von der hand losmachen und loslaufen. klar, da musst du als vater hinterher. wenn es aber doch mal irgendwie schief läuft? wissen die rechthabenden taxifahrer gleich ganz genau wer schuld ist. aber muss das so sein?

  28. Dieser Unfall in der Greifswalder Straße bleibt mir rätselhaft. Ich bin da früher regelmäßig mit dem Auto von/zur Arbeit unterwegs gewesen. Ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, dass die Pressemeldung so richtig ist.
    In der Grellstraße ist ein Radstreifen, in der Greifswalder Straße war eigentlich früher gar nichts. Wenn die Radlerin bei Rot gefahren sein soll, hätte sie höchstens vom Mittelstreifen aus der Grellstraße gekommen sein können. Aber warum sollte sie da lang fahren?

    Ich habe die Kreuzung immer in unangenehmer Erinnerung, weil dort gnadenlos noch bei Rot drüber gebraten wird. Dazu kommen durch den S-Bahnhof jede Menge Fußgänger, die bei allen Farben laufen.

    Unabhängig davon ist das sehr schlimm, wenn regelmäßig Radfahrer beim Abbiegen umgefahren werden. Aber wahrscheinlich sind viele LKW-Fahrer auch überfordert. Und der Zusatzspiegel bringt nur was, wenn man auch reinschaut. Wenn ich beobachte, wie wenige Autofahrer vor dem Abbiegen noch den Schulterblick machen, bin ich erstaunt, dass so wenig passiert.

  29. Und alle Kinder stehen im Kreis um die bizarr anmutende Kreatur. „Was ist das?“ fragt ein kleines Mädchen, noch ganz entzückt von der Ausserordentlichkeit dieses Individuums. Alle lehnen sich noch ein Stück weiter nach vorn, um alle Einzelheiten der Spezies in Augenschein zu nehmen. Schließlich lüftet einer der anwesenden Erwachsenen das Geheimnis. „Das, liebe Kinder, ist ein IDIOT“.

  30. @Claus: lies die Infos zum Unfall in der Greifswalder Str. bitte nochmal durch. Die Radfahrerin ist demnach auf der Greifswalder gefahren, nicht auf der Grellstraße. Es war somit kein typischer Abbiegeunfall, da die Radfahrerin von links kam, der LKW (bei grün) nach rechts abbog und (da er grün hatte) mit Sicherheit nicht mit Fahrverkehr von links gerechnet hat. Dies natürlich vorbehaltlich der weiteren Erkenntnisse der Unfallanalyse.

    Ein Kommentar zur Verharmlosung des Bei-Rot-Fahrens: Ja, man kann auch Unfallopfer werden, wenn man grün hat. Dennoch ist das Risiko beim Überfahren einer Kreuzung bei roter Ampel in der vielbefahrenen Innenstadt am Tag unzweifelhaft höher als beim Überfahren einer Kreuzung bei grün. Mensch, haben wir alle keine Zeit mehr? Selbst beim Risiko, irgendwo 1 Minute zu spät zu erscheinen halte ich bei Rot. Wenn ich das als Grundsatz habe, weiß ich, dass ich ein paar Minuten länger brauche – oder schneller fahren muss. Echt egal. Dieser Grundsatz kann Leben retten!
    Und noch eine Anmerkung, falls der Einwand kommt: NATÜRLICH halte ich NIE neben LKW. Davor, dahinter oder (wenn es gar nicht anders geht) so weit am Rand, dass er schon über den Bürgesteig fahren müsste, um mich zu erwischen.

    Zum Kommentar von Nebsler (ganz am Anfang): stimme dir voll und ganz zu. Den tödlichen Unfall hätte dies nicht verhindert, möglicherweise aber den Unfall in Kreuzberg.

  31. Dennoch ist das Risiko beim Überfahren einer Kreuzung bei roter Ampel in der vielbefahrenen Innenstadt am Tag unzweifelhaft höher als beim Überfahren einer Kreuzung bei grün.

    Hat mit dem Unfall hier nichts zu tun. Aber mit Verlaub. Das halte ich nicht für „unzweifelhaft“:

    Man müsste wissen. wieviele rote Ampeln von Radfahrern „in der vielbefahrenen Innenstadt am Tag“ pro Tag überfahren werden und wieviele grüne Ampeln von Radfahrern „in der vielbefahrenen Innenstadt am Tag“ pro Tag überfahren werden. Dann müsste man noch in Erfahrung bringen, wieviele Radfahrer im Zuge der Überquerung einer grünen Ampel „in der vielbefahrenen Innenstadt am Tag“ pro Tag verunglücken und wieviele bei roter Ampel.

    Ohne Zahlen dazu zu haben, ist da nichts „unzweifelhaft“. Denn die im Hintergrund im Raum stehende Frage Frage ist, ob die i.d.R. („unzweifelhaft“ ;-))mehr als deutlich erhöhte Umsicht bei Radfahrer-Rotfahrten nicht evtl. geeignet ist, die zu gutem Anteil faktisch sehr wahrscheinlickeitsbasierte Sicherheit von Grünfahrten zu überkompensieren.

  32. p.s: Die Frage steht natürlich nicht im Raum für Radfahrer, die bei grüner Ampel exakt das gleiche Maß an Umsicht walten lassen, wie bei roter Ampel – sich also auch bei grüner Ampel nur mit Schrittgeschwindigkeit rollend in Richtung Kreuzung vortasten, beim geringsten Zweifel („hält das Auto aus dem Querverkehr jetzt auch wirklich, weil es Rot hat?“) anhalten, 5 Mal nach rechts und links schauen und dann am Mittelstreifen der Staße die sie bei Grün kreuzen dann nochmal wiederholen….

    Achso, das macht keiner? Dann könnte es unter dem Strich ja tatsächlich sicherer sein, bei Rot zu fahren.

    Rausfinden werden wir es nicht. Das Zahlenmaterial dazu ist fürchte ich nicht zu bekommen.

  33. Leider ist auch die Unfallstatistik der Polizei nicht geeignet, um die Frage der Sicherheit grüner Ampeln zweifelsfrei zu klären, da sie bei Abbiegeunfällen die Kreuzungsart nicht aufschlüsselt, also ob es sich um eine ampelgeregelte Kreuzung handelt oder nicht.

    Auch ist es schwierig, objektive Zahlen darüber zu finden, welcher Anteil der Radfahrer Ampeln ignoriert.

    Dennoch spricht einiges dafür, dass manche grüne Ampel für Radfahrer gefährlicher zu passieren ist als dieselbe im roten Zustand. Das leite ich aus den Berichten zu tödlichen Unfällen ab, bei denen Radfahrer sehr oft bei grün fuhren.

    Ich habe nur Zahlen von vor einigen Jahren im Kopf, aber ca. 200 durch eigene Rotlichtverstöße verunglückten Radfahrern stehen jährlich ca. 1400 durch Abbiegeunfälle verunglückte entgegen. Zahlen, die durchaus zum Hinterfragen der Ampelsicherheit geeignet sind.

    So ein Thema mache ich mir nicht leicht – ich habe eine Tochter und muss ihr irgendwie beibringen, wie man sich sicher im Straßenverkehr bewegt. Da ich an das Dogma „grüne Ampel = kaum Gefahr“ nicht glaube, wird es wohl auf besondere Vorsicht an Kreuzungen und das Finden geeigneter Wege hinauslaufen.

  34. BikeBlogger schreibt:
    Samstag, 29.06.2013 um 13:09
    @Claus: lies die Infos zum Unfall in der Greifswalder Str. bitte nochmal durch. Die Radfahrerin ist demnach auf der Greifswalder gefahren, nicht auf der Grellstraße.

    Das war mir wohl bewusst. Ich zweifle aber, dass man um diese Zeit unbeschadet über den ersten Fahrstreifen der Grellstraße kommt, wenn man diese stadteinwärts bei roter Ampel quert. Wenn man das doch schafft, dann hat man alle Sinne so beisammen, dass man bestimmt nicht vor einen anfahrenden oder bereits in der Mündung stehenden LKW rauscht. Oder man will Suizid begehen. Demnach wäre für mich das einzige sinnvolle Szenario, wenn sie vom Grünstreifen der Grellstraße gekommen wäre, um stadteinwärts zu fahren. Dann haben möglicherweise die Abbieger im linken Fahrstreifen schon gestanden.

  35. Es gibt ein Foto von der Unfallstelle, Berliner Kurier Website.
    Ich kenne die Kreuzung in- und auswendig. Bin um die Ecke aufgewachsen.

    Die Radfahrerin liegt rechts vom Sattelzug auf dem Boden in Höhe der Abweiser am Auflieger. Nie im Leben kommt sie dahin, wenn sie von Weissensee aus bei Rot auf der Greifswalder unterwegs war. Sie war allem Anschein nach rechts vom LkW als sie erfasst wurde. Der LkW nietet sie von links um.
    Wenn sie so gefahren ist, wie es der Polizeibericht behauptet, dann fährt sie dem LkW vor die Schnauze oder links in die Seite aber wird niemals von rechts vom Auflieger umgedrückt.
    Sieht leider nach dem fiesen klassischen Rechtsabbiegerszenario aus.
    Und die Polizeiberichte.. naja

  36. Beruf: Kaufmann für Bürokommunikation.

  37. […] taz: Unterm Rad Rad-Spannerei Blog: Zwei schwere Rechtsabbiegeunfälle mit Lastkraftwagen […]

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