Dortmund will den Radschnellweg Ruhr nicht

Die Pläne, eine hundert Kilometer lange Fahrradschnellverbindung zwischen den Städten Hamm und Duisburg bis zum Jahr 2020 zu bauen, stehen vor dem Aus. Eine erste Kostenschätzung hatte ergeben, dass der Radschnellweg Ruhr etwa 110 Millionen Euro kosten wird. Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau sagte nach einer SPD-Fraktionssitzung, das Projekt sei angesichts der Kosten „kaum noch vermittelbar“. Die Stadt hatte zwar im letzten Jahr eine Absichtserklärung unterschrieben, aber das sei ja generell unverbindlich. Die Dortmunder SPD möchte auch keine vom Bund bezahlte Machbarkeitsstudie erstellen lassen.

Der ADFC Nordrhein-Westfalen kritisierte die Entscheidung. Das, so ADFC-Pressesprecher Thomas Rommelspacher, ist ein Rücksturz in die Verkehrspolitik der 1980er Jahre. ADFC-Landesvorsitzender Thomas Semmelmann rät der Dortmunder SPD, sich in den Niederlanden davon zu überzeugen, dass Radschnellwege einen wichtigen Beitrag zur urbanen Mobilität leisten. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis, von Radschnellwegen, so Semmelmann, ist exzellent.

ADFC-Blog: ADFC NRW kritisiert den Ausstieg der SPD Dortmund aus dem Projekt Radschnellweg Ruhr

25 Gedanken zu „Dortmund will den Radschnellweg Ruhr nicht

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  1. Meine Rede, was heute noch an Geld da ist, wird für ein paar Autobahnkilometer ausgegeben, für gebaute Rad-Lösungen wird uns in Zukunft das Geld fehlen (damit meine ich nicht die relativ komfortable Situation jetzt…). Bleibt nur Straßenmalerei und Beeinflussung des Autoverkehrs auf ein für alle erträgliches Maß.

    Ein Trost: Die Radfernstraßen der Zukunft werden zwar aktuell noch anders genutzt, die Beschilderung ist aber wenigstens schon farblich passend in Blau gehalten.

  2. Man kann dem Herrn Sierau wohl nur Recht geben.

    Insbesondere vor dem Hintergrund, dass andere SPD-Bürgermeister für die selbe Summe schon mehr als 800m (das ist fast ein ganzer Kilometer!) Autobahn bekommen, wäre das wirklich niemandem zu vermitteln. Es kommt schließlich nicht auf die Länge an!

  3. 1 km Radweg soll 1 Million kosten? Da stimmt doch was nicht.

  4. Da gibt’s auch noch ganz andere Einsparpotentiale: A44 zwischen Ratingen und Velbert: „Auf dem geplanten zehn Kilometer langen Teilstück müssen Lärmschutzmaßnahmen sowie insgesamt elf Brückenbauwerke errichtet werden, davon fünf Talbrücken. Der Bund trägt die Baukosten von rund 222 Millionen Euro“

  5. Seltsam halte ich vor allem die Ablehnung einer vom Bund finanzierten Machbarkeitsstudie.

    Erst habe ich die 110 Mio. auch für übertrieben gehalten, aber laut http://www.nationaler-radverkehrsplan.de/transferstelle/downloads/for_i-04_radschnellwege.pdf bezahlen auch die Niederlande 0,5 bis 2 Mio für einen Kilometer Radschnellweg.

    Auch wenn ich mir solche Radschnellwege wünsche, kann ich die Aussage des OB nachvollziehen, dass diese bei den Kosten „kaum noch vermittelbar“ seien. Das halte ich für die Kernaussage des Ganzen.

    Denn bei dem Blick in die Niederlande oder nach Dänemark darf man nicht vergessen, dass das Fahrrad dort nie ganz verschwunden ist. Bei uns herrschen halt ganz andere Vorstellung, sind doch bei uns ganze Generationen durch die Verkehrspolitik der vergangenen Jahrzehnte vollständig auf das Auto fixiert. Siehe die letzten „Debatten“ über die Chaosradler. Oder die lautstarken Rufe nach einer Erhöhung der Pendlerpauschale angesichts einer Neigung der Deutschen für PS-starke Fahrzeuge. Und dass Sprit teurer wird, hat ja nun wirklich keiner kommen sehen!

    Von daher wird wohl immer noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten sein, denn letzten Endes ist – so dumm es manchmal auch ist – das Volk der Souverän. Die fehlende Einsicht und die lautstarke Autolobby halte ich für das Kernproblem.

  6. Hauptsache, man kommt in Dortmund mit dem Auto ins Westfalenstadion.

  7. Das Volk ist der Souverän? Wenn das so wäre, wäre Gutti noch im Amt und die Griechen wären den Euro los.

  8. @Linda: Das Ex-Westfalenstadion (Jetzt: Signal-Iduna-Dingens) ist wirklich fast das einzige, wo der Ostwestfale freiwillig mal auf sein Auto verzichtet. Ich schätze mal, die Zuschauer des BVB kommen so Hälfte-Hälfte mit dem Auto und Öffentlichen.

    Es ist so, wie jwn schreibt: In D und speziell nochmal im Ruhrgebiet hat das Fahrrad einfach keinen Stellenwert. Der Radverkehrsanteil ist dementsprechend für eine städtische Region niedrig (unter 10%), die Situation für Autofahrer ist vergleichsweise komfortabel, ausser in den Innenstädten gibt es überall reichlich Parkplätze. Zudem gibt es in einer tradtionellen Arbeiterregion keine gewachsene Fahrradtradition für ein bis vor wenigen Jahren noch als reines Armutsgefährt und Sportgerät wahrgenommenes Fahrzeug.

  9. Stimmt, was Kai bezüglich des Ruhrpotts sagt: Bestenfalls ist das Fahrrad dort das Gerät, um einen Sonntagsausflug zu machen.
    Alles anderes wird bevorzugt mit dem Auto erledigt. Auch Leute, die eigentlich wenig Kohle haben, verzichten nur aufs Auto, wenn’s denn gar nicht anders geht.

    Dabei könnte man da eigentlich gut radfahren.

  10. Radreisen kann man dort übrigens ziemlich gut. Sehr gute Beschilderung und z.T. exzellente Wege.

    Aber im Alltagsverkehr: Rad-Diaspora… häufig sind Gehwege mit einem „Radfahrer frei“-Schild versehen. Ganz schlimm… Wobei es auch gute Beispiele gibt, z. B. auf ein paar Strecken in Essen… – wenn man die verlässt wird es wieder traurig…

    Das mit der nicht gewachsenen Fahrrad-Tradition würde ich so nicht unterschreiben, denn wie sind denn die Arbeiter vor der Motorisierung zur Arbeit gekommen? Ich hab mal gehört (weiß leider nichts genaues), dass das Rad da durchaus eine große Rolle gespielt hat… ist halt seeeehr lange her, von daher muss man von ganz unten anfangen…

    Die Meldung ist ansonsten einfach nur traurig und zeigt, dass da jemand fachlich keine Ahnung hat. Der ADFC hat genau den richtigen Vorschlag gemacht. Die sollten mal auf Exkursion gehen und gucken, was möglich ist. Die Fahrradakademie des Difu bietet sowas ja sogar an… In der Politik und den Verwaltungen fehlt halt häufig an Fachwissen. Das wird leider noch ein paar Jahre dauern, bis da jüngeres (hoffentlich besser ausgebildetes) Personal nachwächst…

  11. Ei nö Tim. Das Ruhrgebiet ist auch für seine Arbeiterwohnungsviertel bekannt, die a) arbeitsplatznah lagen und b) von der Großindustrie gebaut und unterhalten wurden. Man beschaue sich exemplarisch die historische Siedlung Margaretenhöhe.
    Wenn Fahrräder sinnvoll und auch bezahlbar waren, dann fast nur für Kurzstrecken. Es kommt aber auch sehr darauf an, welche Epoche oder welchen Zeitraum man genau betrachtet.

    Aber mal ein Wort zum sog. Radschnellweg. Wenn ich mit dem Rad von Hamm nach Duisburg will, dann fahre ich nördlich von Dortmund und ab Henrichenburg/Castrop-Rauxel am Rhein-Herne-Kanal entlang. Ist die kürzeste und ampelärmste Strecke.
    Wenn ich nun sehe, was in Essen bereits gebaut worden ist, unabhängig von dem Verbundprojekt, aber jedoch dann auch Teil von eben dem sog. Schnellweg, dann bekomme ich Bauchschmerzen. Trassenführung gemeinsam mit Schlenderwegen, enge Brückenquerungen, gewohnt miese Anbindungen, wassergebundene und scherbenintensive, sowie für Winterdienst untaugliche Oberflächen. Das läuft bei mir unter schlechtem Witz, aber im Leben nicht unter vernünftigen, oder gar schnellem Radweg.
    Zudem hat man bei dem Projekt zu sehr touristische Zweckentfremdung mit im Blick.

  12. Tim, man kann im Ruhrpott super Radfahren, gerade *weil* hier oft unbenutzbare Bürgersteigwege überwiegen. Einfach die Fahrbahn nutzen und gut is. Weil Radfahrer so exotisch sind, fühlt sich auch kein Autofahrer zu Hupattacken berufen. Ausserdem ist der Verkehr hier bei weitem nicht so dicht wie in echten Metropolen, selbst in Essen oder Dortmund nicht. Da findet sich fast immer einen verkehrsärmere Nebenstrecke.

    Die Arbeitertradtion, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, gab es hier auch, das endete aber abrupt vor 40 Jahren. Ich selbst kenne schon keinen mehr, der regelmässig mit dem Rad zur Arbeit gefahren ist, weil er kein Auto hatte. Das Rad kam erst wieder in den 80ern mit dem Erstarken der Alternativbewegung auf und Radfahren im Alltag war dementsprechend bis vor einigen Jahren ideologisch aufgeladen. Aussserdem gibt es auch keine große studentische Fahrradtradition, da es die Unis ebenfalls erst seit rund 40 Jahren gibt.

    Von daher ist die Idee mit den Radschnellwegen vielleicht einfach nur etwas zu früh da gewesen. Schade um die Fördergelder, aber die kann man in anderen Projekten für den Radverkehr wahrscheinlich sinnvoller anlegen. Fraglich allerdings, ob man das dann auch tut.

  13. Ja hier die Werbungssponsorbezeichnungen von traditionellen Fußballstadien oder anderen Orten sind vllt. finanziell für den Verein oder Kommunen relevant, aber ich halte es da wie Banksy.

    Dass das Ruhrgebiet für Alltagsfahrradnutzer eine Katastrophe ist, weiß ich, weil ich öfter dort unterwegs bin. Oberhausen hat fast ausschließlich benutzungspflichtige Hochbordradwege und viele davon sind gemeinsam genutze Fuß- und Radwege. In Kombination mit 100erten Bettelampeln eine Zumutung! Die geführten Radwegsstrecken sind auch eher autooptimiert, um die bloß nicht zu behindern.

    Meinem Empfinden nach hat das Ruhrgebiet viel Potential was den Ausbau des ÖPNV angeht, aber wahrscheinlich in der Bevölkerung wenig Willen dazu.

    Hauptsache alle quetschen sich auf der A40. Aber da gab es ja einen Ansatz, die A40 neu zu nutzen, der auch ganz gut ankam.

  14. Das mit „dem“ Ruhrgebiet ist, was ds Radfahren betrifft, so eine Sache und zwar keine einfache. Wenn man ortsunkundig ist und es vielleicht auch noch eilig hat, kann man rasch einfach nur genervt und dumm dastehen. Wenn man aber die Ecken, die taugliche(re)n Routen kennt und keine zu hohen Ansprüche stellt, kann man sich dort auch recht elegant und flott fortbewegen.
    Es kommt aber eben „darauf“ an. Ich hab früher extrem viel geflucht, inzwischen aber kenne ich mich immer besser aus und v.a. mit Hilfe von guten Karten und hier und da einigen Hinweisen (z.B. eben was ehemalige Bahntrassen angeht) oder gut verborgene Radrouten angeht, kann ich recht flüssig zu allen möglichen Zielen fahren.

    Speziell jetzt aber bei dem sog. Radschnellweg, hat man die Berufspendler im Blick, heißt es zumindest. Und das macht sowas von Sinn!
    Der tägliche wiederholt stattfindende Verkehrsinfarkt, verbunden mit den eher kürzeren Strecken, für die aber eben auch immer gerne auf die Autobahn zurückgegriffen wird, schreit nach Alternativen und eine konsequente Förderung von zuverlässig(!) mit Rädern befahrbaren (Winterdienst!, Reinigung!, …) Routen, welche die gängigen Ziele miteinander verbinden, vielleicht auch noch mit dem in NRW noch nicht stattgefundenden Quantensprung, den ÖPNV dbzgl. vielleicht auch einmal entsprechend zu strukturieren (MEHRZWECKABTEILE, v.a. in den DoSto’s der Bahn in NRW ein unendliches Trauerspiel, was allerdings der Besteller, also das Land NRW selber verbockt hat).

    Mit der lapidaren Meldung nun „die Kosten sind nicht zu vermitteln“, findet nur einmal mehr eine politische Bankrotterklärung statt, die die Vielfalt der Defizite, die sich in den vergangenen Jahren bis Jahrzehnten so angesammelt und aufgetürmt haben, erahnen läßt.

    Letztlich aber auch exemplarisch für weite Teile Schlands zu betrachten. Verkehrsentwicklung ist ja nunmal keine reine Ländersache, sondern muss immer auch in einem gesamtstaatlichen Kontext gesehen werden. Und damit wäre man wieder bei der Autolobby und dem ADAC und seinen Juristen.

    PS: Laut Lobbycontrol arbeiten in Brüssel etwa 15.000 Lobbyisten. Wir leben also inzwischen mehr in einer Lobbykratie, denn in einer halbwegs echten Demokratie. Der stinkende Fisch ist also noch umfangreicher, als man angesichts solcher kleiner Meldungen vielleicht denkt.

  15. Beschwert man sich in NRW nicht über die ständig verstopften Autobahnen? Wenn man Leute mit billigen Mitteln dazu bekommt, teure Verkehrswege weniger zu nutzen, kann das am Ende massiv Geld sparen. Zu so einem Schluss kommt man natürlich nur wenn man das Fahrrad als Verkehrsmittel anerkennt.

    Jochen spricht aber einen wichtigen Punkt an – ohne Winterdienst und jede Wartung ist jede Fahrradstrecke Murks.

  16. 110 Mio Euronen gerechnet durch Sieben oder Acht Städte, das is ja Wahnsinn…

  17. Na ja lieber Joe, die dann zu bezahlenden Kuchenstücke sind nicht gleich verteilt, Dortmund ist groß und bekannterweise krebsen die meisten Ruhrgebietsstädte mit oder nahe an Haushaltssicherungskonzepten herum. Sie sind nahezu Pleite.
    Da tun 10, 15 oder 20 Mio Euro schon weh. Das perverse ist aber, es wird ja weiterhin in Projekte investiert, auch in große und teure Projekte. Nur erschließt sich vielen Menschen der konkrete und v.a. auch geldwerte Nutzen von derartigen Fahrrad-Infrastrukturprojekten nicht, oder nur sehr eingeschränkt. -> Die Projekte sind schwer vermittelbar.

    Absolut oberpervers ist es dann aber, wenn eine Kommune eigentlich kaum genug Geld zusammenkratzen kann, um den nächsten Haushalt halbwegs sauber über die Bühne zu bringen, gleichzeitig dann aber wieder seit Jahren und vermeintlich endgültig begrabene Superobermegaprojekte aus der Schublade ziehen möchte.
    Für gescheite Projekte aber, die den Menschen unmittelbar erheblichen Nutzen bringen würde, wie eben der Ausbau und das Schaffen neuer vernünftiger Radtrassen, die auch längere Radstrecken zu einer echten Alternative zum PKW werden lassen, fehlt der politische Wille, oder der Verstand, je nachdem wie man das sehen möchte.

    PS: NRW ist ein Autoland. Opel in Bochum und Ford in Köln, dazu die umfangreiche Zulieferindustrie (bspw. Hella), das sind schon Schwergewichte und wie damals beim Bergbau, gilt: Autos sichern Arbeitsplätze. Das Umdenken für eine Zeit mit einer geringeren Bedeutung des KfZ, fällt da halt gewohnheitsmäßig nicht leicht.

  18. Das perverse ist doch, das die Medien und oder die Dortmunder Politiker hier die Gesamtkosten nennen und nicht was davon auf die Stadt zukommen wird.
    Und warum ist der mögliche Ausstieg der Stadt Dortmund ein K.O.-Kriterium für einen Radschnellweg Ruhr? Duisburg bis Bochum ist da als zusammenhängde Trasse noch im Spiel.

  19. Ich meine von K.O. für das Projekt ist ja nun nicht die Rede. Nur wird es halt schwierig von Bochum unter Umgehung von Dortmund, nach Unna zu gelangen, wenn man die Sache weiterhin als SCHNELLweg deklarieren möchte.
    Hamm labert was rum von Ausbau des Mittelwegs zwischen Kanal und Lippe und glänzt sonst aber eh mit Konzeptlosigkeit.
    Von Kamen kann man schon heute sehr direkt und flott in die Randbereiche von Unna und von dort auch recht direkt bis ganz nah an die Dortmunder City, jedoch würde ich den Weg als verbesserungswürdig ansehen. Von Dortmund City aus wirds dann erstmal mühselig.

    Kommt überhaupt sehr darauf an von wo man kommt und wo man hin möchte und womit und wie rasch und wie häufig und wie zuverlässig. …

  20. Als Kosten im Dortmunder Teil werden 37 Mio genannt. Und das Projekt ist auch noch nicht (ganz) tot.

    http://www.derwesten.de/region/westfalen/nicht-das-aus-fuer-die-radautobahn-id6588565.html

  21. Dass ich mir über die Situtation im Pott nur ein Urteil anhand der Meldungen und Kommentare erlauben kann ist klar.

    Ich denke die Entscheidung des Bürgermeisters, ein Projekt dieser Größenordnung sei aufgrund der Kosten schwer vermittelbar, hängt auch mit der Wertvorstellung bzw. Wertbeimessung zusammen. Wir werden schon von Kindheit an ans Automobil (mehr oder weniger gewöhnt). Weil das Automobil auch nach wie vor ein Symbol des Wohlstands ist, messen wir dem ganz andere Werte bei als einem Fahrrad. Selbst ich als überzeugter Radfahrer habe da meine Probleme…

    Anlässlich der Meldung habe ich in meinem Blog einen etwas ausführlicheren Kommentar verfasst. Diesen könnt Ihr hier nachlesen:

    http://www.spreebiker.de/news/projekt-radschnellweg-ruhr-herber-ruckschlag/

    Allzeit gute Fahrt,

    Stefan aka Spreebiker

  22. […] Dortmund will den Radschnellweg Ruhr nicht […]

  23. Stefan, schöner Kommentar. Ich zweifle allerdings daran, ob man „nur“ durch eine gute Infrastruktur die Leute vom Auto aufs Rad bringt. Es wird in Befragungen ja gerne mal die Begründung gebracht „Ich würde ja mehr Rad fahren, wenn es nur vernünftige Radwege…“. Halte ich für einen vorgeschobenen Grund. Da sind mehrere Generationen so verdorben durch Prägung auf motorgetriebene Fahrzeuge, die bekommt man nie aufs Rad. Wenn der Radschnellweg dann da ist, suchen die Leute wieder andere Gründe.

    In Kopenhagen und den Niederlanden war das Fahrrad ja nie weg, da ist das Potential einfach viel grösser. In den Städten in D gibt es eine „urbane“ gebildete Schicht, die man aufs Fahrrad bringen kann, ansonsten herrschen Ängste und Vorurteile. Das sind im Ruhrpott insgesamt aber sehr wenige. Vergleich das mal mit dem Rheinland, dort sitzen die ganzen Medien (WDR, RTL, Werbeagenturen). Der Radfahranteil in Köln ist jetzt schon mindestens doppelt so hoch wie in Dortmund.

  24. Ja, ich glaube auch, dass man eine gewisse Zeit intensiv Rad gefahren sein „muss“, um den Spaß daran evtl. irgendwann wiederzuentdecken.
    Jedenfalls war das bei mir so. Als Kind/Jugendliche ausschließlich Rad gefahren bzw. zu Fuß gegangen – Taxi Mama hatte damals niemand.
    Dann in die Stadt gezogen, zu Fuß gegangen, irgendwann Führerschein gemacht und ins Auto gestiegen. Ne alte Fahrradmöhre gab’s trotzdem, die hin und wieder bewegt wurde.
    Irgendwann dann doch wieder ans Radfahren erinnert, ein neues Rad gekauft und den Spaß von früher wiederentdeckt.
    Aber wenn’s da nix wiederzuentdecken gibt, wird’s wohl schwierig…

  25. Ich bin seit dem 15. Lebensjahr durchgängig radgefahren. Nie übermäßig ambitioniert (bis heute nicht), viel Freizeit – heute eher Nutzstrecken in der Stadt. Dennoch ergeben sich in dem Zeitraum (nunmehr fast 20 Jahre) natürlich Pausen und damit „unfitte“ Phasen. Gerade nach Pausen merkt man, dass Wind anstrengend ist – während das dann, wenn man wieder gut eingearbeitet ist, zwar manchmal nervig, aber nicht übermäßig kräftezehrend erscheint. Ich denke, Leute, die sich nie übermäßig bewegt haben, haben nach dem Umstieg aufs Rad tatsächlich erstmal einen ganz schönen Berg des Leidens vor sich. Gut ist aber gerade die Skalierbarkeit – hier in Berlin kann man ganz klein anfangen und überlässt die größeren Strecken erstmal den Öffentlichen.

    Heute habe ich das Gefühl, dass das, was Du beschreibst @Ulrike, nämlich dass man mit 18 automatisch und ohne irgendwas zu Hinterfragen aufs Auto umsteigt, zumindest in Großstädten seltener wird. Das ist eine prima Entwicklung. Zwar gibt es immer noch 18 Jahre alte Menschen mit Rentner-Fortbewegungsgewohnheiten und sehr dogmatischen Ansichten. Die anderen lernen aber alle Arten der Fortbewegung kennen, sind damit pragmatischer und weniger feindselig eingestellt.

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