Augsburg: mehr Verletzte trotz Helm?

Die Polizei in Augsburg will verstärkt gegen Geisterradler vorgehen. Das ist nicht weiter erwähnenswert – interessant sind aber die Detailausführungen in der Pressemeldung, die nahelegen, dass in der Augsburger Unfallstatistik die Tatsache, ob der beteiligte Radfahrer einen Helm trug, mit erfasst wird.

Polizei Bayern:

„Auffällig, wenn auch nicht gesetzlich vorgeschrieben: Bei ca. 80 % der Unfälle mit verletzten Radfahrern wurde von diesen kein Fahrradhelm getragen.“

Das ist angesichts einer Helmtragequote von 10% in Deutschland bemerkenswert.

Bayerische Polizei: „Geisterradler gefährden“

20 Gedanken zu „Augsburg: mehr Verletzte trotz Helm?

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  1. […] von dem bewirken könnte, was eigentlich eine Binsenweisheit sein sollte. Wie ich eben bei der Rad-Spannerei las, hat die Polizei in Bayer eben dies – wahrscheinlich unfreiwillig – indirekt […]

  2. Vorsicht dabei allein aus diesen beiden Zahlen den Schluss zu ziehen dass Helmträger die schlechteren Radfahrer sind. Die 10% beziehen sich nicht nur auf Augsburg und erfassen daher auch eine Menge Radfahrer außerhalb des Stadtverkehrs deren Unfallrisiko nahe 0 liegt. Z.B. mein Opi auf dem Dorf der in Schrittgeschwindigkeit zum Pilze suchen in den Wald fährt (kein Helmträger). Oder meine Mutter auf den Weg in den Nachbarort auf einem faktisch unbefahrenen Radweg (kein Helmträger). Und was sagen wir wenn sich am Ende herausstellt dass die Helmtrögerqute in Augsburg über 20% liegt?

  3. Der ganze Text liest sich wie ein Stück aus dem Tollhaus.

    Nun ja, was will man anderes erwarten, es stammt aus Bayern und der ADAC-Bundesminister (aus einer der konservativsten Ecken, die jenes konservative Land zu bieten hat) hat nunmal die Linie vorgegeben: „Gebt’s Ihnen, denn sie wollen keine Helme tragen!“

    oder so … ich bin ja eigentlich nicht gehässig, aber immer wenn ich an Ramsauer denken muss – und bei Meldungen solcher Art, zumal wenn sie aus Bayern stammen -, kommt mir Ungutes hoch und will aus mir raus.

  4. Mit „bemerkenswert“ soll wohl gesagt werden, dass nach diesen Zahlen Helmträger eine höhere Unfallquote zu scheinen haben. Dieser Zusammenhang ist aber offensichtlich Quatsch.
    Unter Helmträgern dürfte es eine hohe Quote „Vielfahrer“ geben, die erstens viele Kilometer leisten, und zweitens im Falle eines Unfalles häufiger starke Verletzungen erleiden dürften, da die Geschwindigkeit höher ist. Daher darf man die beiden Zahlen nicht einfach so neben einander stellen, es sei denn man hat unlautere Absichten.

    Ich jedenfalls wäre ohne Helm nicht schon nach 5 Tagen aus dem Krankenhaus raus gewesen. (Und bevor einer was sagt: Ich wäre auch ohne Helm ins Krankenhaus gekommen)

  5. Es ist richtig das die Zahl nur ein Indiz ist. Es gibt auch noch eine andere unschöne Möglichkeit – die Helmtragequote bei Kindern ist deutlich höher. Ein sehr hoher Anteil jüngerer Unfallopfer würde also die Statistik ähnlich beeinflussen.

    @GreenHU Der Zusammenhang zwischen Helm und Unfall tritt aber auch in anderen Studien zu Tage. Forscher vermuten eine Risikokompensation.

    Das mit den Vielfahrern halte ich für eine falsche Annahme. Alltagsradler nutzen ihr Fahrrad häufiger, wenn sie nicht immer die Belastung Helm haben. Die Kurzstrecken im Alltag läppern sich.

    „zweitens im Falle eines Unfalles häufiger starke Verletzungen erleiden dürften, da die Geschwindigkeit höher ist“

    Die implizierte Annahme das Helmträger sportlicher/trainierter und deshalb schneller unterwegs sind, halte ich für nicht belegbar.

  6. GreenHU: Ich halte deine Behauptung mit den Vielfahrern für eine … Behauptung. Sie mag deinem persönlichen Eindruck nach stimmen und deiner persönlichen Erfahrung nach ist ein Helm eine gute Sache. Versuche aber doch bitte nicht schon wieder das persönliche Einzelerleben in diese Diskussion zu werfen. Ich mag jetzt nicht MEINE persönliche Erfahrung in Form einer Behauptung hier wiedergeben. Das bringt einfach nix.

    Der Beitrag aus Augsburg ist weder ein Beleg für eine höhere Unfallrate unter Helmträgern, noch für das Gegenteil. Es ist einfach eine plakative Zahl ohne statistische Relevanz, die gegen Helmverweigerer eingesetzte werden sollte und das ist der Hintergrund der Kritik hier.

  7. Ich verstehe nicht, warum man verletzte Radfahrer mit Helmtragen in Verbindung bringt, wenn nicht explizit festgestellt wurde, dass es sich um Kopfverletzungen handelt. Was nützt ein Helm bei Verletzungen wie Abschürfungen am Bein???

    Und ansonsten gebe ich Jochen recht: Das ist nur wieder so eine Pseudo-Kampagne als Ablenkung von wesentlicheren Problemen, typisch Bayern. Ich darf das sagen, denn ich bin nach Bayern eingewandert. Und Bayern ist ein Obrigkeits…. äh Freistaat.
    Das musste jetzt raus.

  8. Es könnte auch einfach sein, dass bei der Augsburger Polizei niemand in der Lage ist, statistische Zahlenwerke richtig zu interpretieren bzw. sie zu erstellen.
    Und wenn man dann noch unbedingt in einer an für sich nüchternen Zahlendarstellung, eine Botschaft, die vorgegeben ist, unterbringen möchte/will/muss, dann kommt vielleicht genau das dabei heraus, was der geneigte Leser nun für ein Mysterium hält.

    Für mich sind solche Texte in etwa so wertvoll, wie Zeitungsmeldungen die in der Überschrift verkünden „neue Mars-Details“ und im Text erfährt man dann, es geht um den Merkur.

    Knapp daneben, ist auch vorbei.

  9. @GreenHU, meine „unlautere-Absichten-Klingel“ im Gehirn hat die ganze Zeit geläutet, als ich den Polizei-Artikel gelesen habe. Man gibt in den Zahlen zu, dass Radfahrer nicht alle Unfälle verursachen, stellt es verbal aber so dar und als Folge dessen kündigt man (nur) Maßnahmen gegen falsch fahrende Radfahrer an.

    Ich habe diesen Blog-Eintrag hauptsächlich zum Anregen einer Diskussion gemacht, denn mir fehlen einfach folgende Fakten:

    – Wo kommen die „80%“ her? Warum sind es nicht 79% oder 81%? Sind die tatsächlich statistisch ermittelt worden?

    – Wie viele Radfahrer in Augsburg fahren mit Helm?

    – Was für Verletzungen sind gemeint? Auch die von Ulrike genannten Beinabschürfungen?

    Auf den ersten Blick wirkt die 80%-Zahl jedenfalls so, als würden sich Radfahrer mit Helm deutlich häufiger oder mindestens genauso oft „verletzen“, wobei sich die Frage nach dem verletzten Körperteil zu stellen ist.

    Wenn dem nicht so ist, dann sehe ich folgende Möglichkeiten, von denen ich keine ausschließen will:

    – die Helmtragequote in Augsburg ist höher als 20%,
    – der Typus „Helmträger“ verunglückt aus anderen Gründen häufiger, z.B. wegen der angesprochenen anderen Nutzung des Fahrrads,
    – die 80% sind frei erfunden.

    Letzteres kann wohl jeder bayerische Polizist beantworten, vielleicht liest ja hier einer mit. Unfallstatistiken werden schließlich aus den Angaben bei der Unfallaufnahme durch die Polizisten vor Ort erstellt. Man könnte vielleicht auch einfach mal in einem Polizeiforum nachfragen oder in Augsburg.

  10. Das erinnert mich ein Bischen an die Rechnung von Otto Waalkes, nach der 30% der Autounfälle von alkoholisierten Autofahrern begangen werden. Daraus könne man schliessen, dass Nüchternheit im Strassenverkehr sehr gefährlich sei, schliesslich würden ja 70% der Unfälle im nüchternen Zustand verursacht!

  11. Helmträger fahren vermutlich nicht nur häufiger und schneller, sondern auch riskanter bzw. mutiger. In Verkehren, wo sich ein Normalo nicht so oft reinbegibt.

    Möglicherweise auch häufiger kreativ in Sachen StVo.

    Auch wenn’s nicht zum Thema gehört: Ich wünsche mir endlich die Abschaffung sämtlicher Radwege, auf dem Bürgersteig sowieso und auch auf der Straße.

    Es müssen einfach immer mehr Leute Fahrrad fahren und selbstverständlich zum Verkehr dazugehören. Das Fahrrad darf kein Ausnahmevehikel mehr sein, das nur mal so auf Straßen geduldet wird.

    Die Radwege zementieren den Sonderstatus – und nerven auch im Stadtbild.

    Mir ist natürlich klar, daß realpolitisch leider die Zwischenstufe nötig ist, daß vorerst überall Radwege hingebaut werden.

    Das Problem des unangenehmen und unsicheren Radfahrens wegen des vielen Verkehrs löst sich von alleine, wenn immer mehr Leute Radfahren.

    Hinweis:
    Link des Kommentarschreibers wurde am 20.06.2012 gelöscht.
    Rad-Spannerei Blog

  12. Woher kommt denn das immer, dass Helmträger mehr oder schneller fahren? Ich bezweifle das.

  13. Das hätte ich auch gerne gewusst, gibt es dazu Untersuchungen oder ist das nur das subjektive Empfunden vom Captain?

    Ich kenne kaum bis keine Helmträger, kann mich also nicht zu Geschwindigkeit und Häufigkeit der Fahrten äußern.

  14. Es müssen einfach immer mehr Leute Fahrrad fahren und selbstverständlich zum Verkehr dazugehören. Das Fahrrad darf kein Ausnahmevehikel mehr sein, das nur mal so auf Straßen geduldet wird.

    Na dann zwing sie doch, wenn sie müssen – oder wie funktioniert das?

    Gutes Gefühl beim Radfahren = mehr Radfahrer. Und Straßefahren ist ehrlich gesagt für die meisten was anderes als „gutes Gefühl“. Wenn denen der Helm ein besseres Gefühl gibt, warum nicht.

  15. Michael

    Und Straßefahren ist ehrlich gesagt für die meisten was anderes als “gutes Gefühl”. Wenn denen der Helm ein besseres Gefühl gibt, warum nicht.

    Wer sind die meisten? Ich glaube bei uns ist das anders. Darum geht es doch. Versierte Radfahrer fahren gerne auf der Straße.

    Mir ist klar, daß der Normalbürger Radwege braucht. Ich brauche keine. Es reicht, wenn der Radanteil steigt und die Autos weniger werden. Ich hasse geradezu Radwege auf dem Bürgersteig.

    Das ist Teil des Apartheidsystems.

    @kohl und Berlinradler:

    Ist nur mein Gefühl. Erfahrene Mentalradfahrer benutzen bestimmt öfter einen Helm. Also Leute, die mit dem Rad verwachsen sind.

    Ich glaube, daß Helmträger tatsächlich einfach öfter in brenzligere Situationen kommen können, weil sie viel fahren und öfter auf der Straße.

    Ich denke aber ,daß sie genau deshalb eher unschuldig verwickelt sind.

    Hinweis:
    Link des Kommentarschreibers wurde am 20.06.2012 gelöscht.
    Rad-Spannerei Blog

  16. Also erstens kommt man auf dem Radweg eher in brenzlige Situationen als auf der Fahrbahn, das weiss auch jeder Vielradler. Und zweitens gibt es genauso unter Helmträgern die Fraktion der Viel- und Langsamfahrer wie die Schnell- und Riskantfahrer. Die dann vielleicht noch viel auf Radwegen unterwegs sind, wegen dem guten Gefühl, aber dadurch mehr Unfälle haben als die Fahrbahnfraktion. Da gab es mal eine Statistik aus Münster zu. Dort ist fast alles mit gruseligen Bürgersteigradwegen zugepflastert, die Unfallquote ist entsprechend hoch.

  17. @James, meine subjektive Einschätzung ist eine ganz andere. Vielfahrer machen bestimmte Fehler gar nicht erst und geraten trotz mehr Kilometerleistung seltener in brenzlige Situationen. Ungeübte setzen sich insbesondere den Gefahren des Dooring aus und bedenken bei Bürgersteig- oder Radwegfahrten die Gefahren im Kreuzungsbereich nicht. Sie passen ihre Geschwindigkeit seltener an und fahren unbedarft in unklare Situationen (zu erwartende Ausparkmanöver etc.) hinein. Was allerdings nur schwer zu 100% auszumerzen ist, sind die brenzligen Situationen, die von Dritten verursacht werden. Ein Risiko bleibt leider immer.

  18. @ James T. Kirk: Wenn du die Leser dieses Blogs meinst, brauchst du an die vermutlich nicht appellieren. Kann mir kaum vorstellen, dass von den Fahrern hier einer ernsthaft gern auf dem Radweg fährt. Wenn ich gezielt von A nach B kommen will, fahre ich fast nur Straße, aber wenn eine Strecke über einen brauchbaren Radweg (gute Oberfläche, gerade, übersichtliche Strecke, wenige Fußgänger u.ä.) verfügt, werde ich den Teufel tun und daneben die Straße benutzen. Warum sollte ich? Um Autofahrer zu bekehren? Um mir Platz zu ertrotzen, den ich dann schon bekommen haben? Es fährt sich deutlich angenehmer ohne permanente Überholmanöver – und seien sie auch mit ausreichend Abstand.

    Was mich ankotzt sind allerdings neue Strecken. Wenn ich nicht recht weiß, wo ich langfahren werde, fahre ich oft Radwege, wenn sie angeboten werden und halbwegs ok scheinen (Belag, Breite). Dabei kann ich dann leichter mal anhalten oder langsamer fahren um mir die Gegend einzuprägen. Da bekommt dann allerdings kaum ein Radweg eine zweite Chance. Besonders im Südwesten, wo ich ab und an mal hin muss, ist das scheinbar eine einzige Kacke von Holperstrecken, Verschwenkungen, miesen Führungen usw.

  19. @Michael – mööp, Reizthemen gesetzt 😉

  20. @Michael

    Wenn ich gezielt von A nach B kommen will, fahre ich fast nur Straße, aber wenn eine Strecke über einen brauchbaren Radweg (gute Oberfläche, gerade, übersichtliche Strecke, wenige Fußgänger u.ä.) verfügt, werde ich den Teufel tun und daneben die Straße benutzen. Warum sollte ich? Um Autofahrer zu bekehren? Um mir Platz zu ertrotzen, den ich dann schon bekommen haben?

    D’accord.

    So meine ich das auch nicht. Es soll ja kein Fundamentalismus draus werden. Aber die Radwege sind nun mal oft genug schlecht. Was für Radwege sind denn gut? Kannst du mal ein Beispiel nennen?

    Im großen und ganzen sind meiner Meinung nach alle Bürgersteigradwege schlecht. Ob nun die Brikettradwege – das sind die schlimmsten – oder die Kachelradwege – das sind die neueren.

    Einfach mal zum Gemeinsam-Ablachen:
    Mehringdamm zwischen Flughafen und Bergmannstraße
    Manteuffelstraße in Tempelhof
    Hindenburgdamm, Wolfensteindamm (nur teilweise Brikett)

    Leider fallen mir jetzt all die Horrorbrikettradwege nicht ein, aber der Westen ist da in der Tat schlimm.

    Das ist eigentlich unfaßbar, was man da erleben muß.

    Bei mir geschieht einfach immer mehr ein Wandel. So langsam empfinde ich jeden Radweg auf dem Bürgersteig als Zumutung und illegitim.

    Es ist wie gesagt empörend, daß die Verkehrspolitik so systematisch das Fahrrad depotenziert. Obwohl ich ein militanter Radfahrer bin, habe ich da immer noch Bewußtseinsdefizite. Man will es selbst gar nicht so richtig glauben, was alles möglich wäre, wenn man eine wirklich intelligente und systemüberwindende Verkehrspolitik betriebe.

    Wir könnten locker 50% Radanteil haben. Und eine viel lebenswertere, leisere und gemütlichere Stadt haben. Leider kann und darf man die Leute nicht zu ihrem Glück zwingen. Das wird leider ein sehr langer Prozeß. Irgendwann werden die Menschen genauso befremdet auf unsere Zeiten gucken, wie wir es jetzt teilweise schon beim Problem des Rauchens tun.

    Planet der Affen.

    Hinweis:
    Link des Kommentarschreibers wurde am 20.06.2012 gelöscht.
    Rad-Spannerei Blog

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