Verkehrssicherheitsprogramm 2011

Bundesverkehrsminister Ramsauer hat ein Verkehrssicherheitsprogramm 2011 veröffentlicht. Dieses ist hier zu finden. Es handelt u.a. auch die Radfahrer-Sicherheit ab, und zwar in folgender Reihenfolge:

  • Förderung des freiwilligen Tragens eines Fahrradhelms,
  • Verbesserung der Sichtbarkeit (im Text dann beschränkt auf Beleuchtung, Reflektoren und Textilien),
  • Rücksichtnahme von und gegenüber Radfahrern verbessern (im Text geht es dann insbesondere um Aufklärung der Radfahrer),
  • Fahrradaktionen (insbesondere Mobilitätserziehung von Kindern).

Immerhin will man auch darauf hinwirken, dass Radverkehrsanlagen an neuralgischen Punkten so gestaltet werden, dass Radfahrer für den Kraftverkehr sichtbar sind. Die für Radfahrer relevante Abbiegeproblematik wird in dem Dokument nicht erwähnt – dafür finden sich u.a. umfangreiche Passagen zur akustischen Wahrnehmung von Elektrofahrzeugen.

10 Gedanken zu „Verkehrssicherheitsprogramm 2011

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  1. Tja, die Bundespolitik sieht halt die Elektromobilität als DAS zukünftige Verkehrsmodell, auch in Städten. Radverkehr nicht erwünscht, nur geduldet.
    Radfahrer/innen sollen weiterhin nur einen kleinen Anteil ausmachen. Ist ja auch scheiße für die Wirtschaft, wenn man ein günstiges, einfach zu wartendes und muskelkraftbetriebenes Fahrzeug fährt. Da verdient ja keiner dran.

    Ich kann nur hoffen, dass es in dieser Hinsicht, insbesondere in den Städten, eine Abstimmung mit den Füßen ääähh Rädern geben wird. Und wenn ich an die Massen an Radfahrern heute früh denke, dann sind wir da auf einem guten Weg!

  2. Die autozentristische Belegung des Begriffes E-Mobilität mit Fahrzeugen, die die gleichen Parameter aufweisen wie Standardkisten ist meiner Ansicht nach dem alten Lobby-Denken geschuldet. Wenn es keine großen Autohersteller mehr in D gibt, wird sich das schon wieder geben. Die Frist dafür wird schneller ablaufen, als sich Angela Merkel das in ihrem 4-Jahreszyklusdenken vorstellen kann.

  3. Ist ja leider nicht nur so, dass die (in D autofixierte) Industrie an Fahrrädern nicht so viel verdient, auch den Fitness-Studios nehmen wir ja Umsätze. Und obendrein belasten wir durch körperliche Fitness bis ins hohe Alter über Gebühr die Rentenkassen. Ein Verkehrsminister, der ressort-übergreifend denkt, kann also nur zu dem Schluß kommen, dass diesen zweirädrigen Wirtschaftskillern der Garaus gemacht werden muß – durch Vermiesen des Radfahrens als solchem und, wenn hier die Abschreckung nicht genügend Wirkung entfaltet, eben durch eine Verkehrspolitik, die darauf abzielt, durch vorzeitigne Exitus der störenden Subjekte die Rentenkassen zu entlasten.
    Ich bin mir nicht immer sicher, ob ich da wirklich zynisch denke.

  4. Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass so gedacht wird. Ich kenne das von ambitionierten Autofahrern. Die mögen ab und an Radfahrer sehen, aber wirklich sehen tun sie sie nicht. Sie können sich da schlichtweg nicht reinversetzen. Und da ernsthaft radfahrende Politiker rar sind, kann man aus der Richtung auch keine sinnvolle Politik erwarten.

    Normalerweise würde ich zumindest eine vermittelnde Rolle von einem Minister erwarten, Ramsauer ist aber offen und ehrlich genug um durchblicken zu lassen, dass ihn Verkehrssicherheit und Radfahrer nicht ernsthaft interessieren. Diesen George W. Bush des Straßenverkehrs kann man einfach nur aussitzen und hoffen, dass er in der verbleibenden Amtszeit keinen allzu großen Schaden anrichtet.

    Fachverbände und Verkehrsexperten können wohl auch auf eine Zusammenarbeit mit dem Verkehrsministerium verzichten – ich kann nicht erkennen, inwieweit deren Erkenntnisse in die politische Arbeit einfließen.

  5. Ramsauer ist nicht einmal der Schlimmste. Er setzt ja erst mal auf „Freiwilligkeit“ statt Helmpflicht. Winfried Hermann (Grüne!), Verkehrsminister in Baden-Württemberg, will die Einführung einer generellen Helmpflicht ohne Wenn und Aber. Und natürlich fährt der Kerl Dienst-Pedelec, hat vom Radfahren also keine Ahnung.

    http://www.welt.de/print/wams/politik/article13714237/Die-sind-chic.html

  6. „WELT AM SONNTAG: Sollte man die Versicherungswirtschaft einspannen, etwa durch eine höhere Selbstbeteiligung des Radfahrers beim Unfall ohne Helm? Nach dem Motto: Wer keine Vorsorge trifft, muss zahlen.

    Winfried Hermann: Im Rahmen eines Gesamtkonzeptes sollte auch ein solcher Vorschlag geprüft werden.“

    Da wird die Reise hingehen. Zusammen mit der Ansicht der Gerichte, dass Helmtragen nicht verlangt werden kann, solange dies nicht das allgemeine Verhalten ist, zeichnet sich hier ab, dass der Druck in den nächsten Jahren erhöht werden wird.

    Es sei denn, immer mehr Menschen steigen helmlos aufs Rad um und lassen sich diese Bevormundung nicht gefallen. Meine Befürchtung ist allerdings, dass Neu- oder Wiedereinsteiger mit dem Rad gleich den Helm dazukaufen, zumal von überall her der Ruf ertönt: „Radfahren ist gefährlich“.

  7. kl:
    „Und natürlich fährt der Kerl Dienst-Pedelec, hat vom Radfahren also keine Ahnung.“

    Bescheidene Fragen: Bist Du schonmal in Stuttgart mit dem Rad unterwegs gewesen?
    Kennst Du die von Winfried Hermann dort typischerweise zurückgelegten Wege?
    Weißt Du wie fit/belastbar er mit seinen 59 Jahren (noch) ist? [Nix gegen 59-jährige, aber der Mann ist Politiker und hat daher vielleicht nicht so die Zeit für regelmäßiges Training, hinzu kommt die typische Politikerkleidung.]

    Wenn man Stuttgart nur ein wenig kennt, muss einem klar sein, diese Stadt ist prädestiniert für Pedelecs.

    Aber abgesehen von Deinem dummen Spruch, ist das schon ne arme Vorstellung von dem Hermann. Widerspricht sich dann auch noch selber, da er ja selber zugibt es gibt keine vernünftigen Statistiken, gleichzeitig aber sieht er keinerlei Möglichkeit des Zweifels an der Sinnhaftigkeit einer Helmpflicht.
    Da frag ich mich schon, auf welchem falschen Fuß hat man ihn da erwischt, oder handelt es sich vielleicht um eine typische Grundeigenschaft, die allen innenministeriell tätigen Personen zu eigen?

  8. @Jochen: zugegeben der Spruch war überflüssig. Ich habe allerdings 15 Jahre in Stuttgart gewohnt. Davon einige Jahre in Höhenlage. War kein Problem, da hoch zu kommen. In Alltagskleidung. Aber natürlich mit einem leichten und guten Tretrad. Die Prädestinierung für Pedelecs kann ich nicht erkennen. Außerdem gibt es dort ja auch Straßenbahnen, die man im Verkehrsverbund bergauf nutzen kann, wenn man oben mal einen Termin haben sollte. Das meiste spielt sich allerdings im Talkessel ab. Oben in der Villa wohnen, locker zur Arbeit (Landtag) runterrollen und abends bei der Rückfahrt ein bisschen für die Umwelt schwitzen – sollte kein Problem sein.

  9. kl, nicht von Dir auf den Rest schließen. Wenn man Übung und genug Grundfitness hat, mag es auch so gehen, aber das trifft eben nicht auf die breite Menge zu, die es für den Umstieg zu mehr innerstädtischem Radfahren zu gewinnen gilt.

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