Ostseeinseln (1): Usedom

Kleine Fahrradtour über Ostseeinseln in Deutschland, Polen und Dänemark. Startpunkt meines Trips ist Anklam, auf dem Bahnhof wuchte ich mein Rad aus dem Regional-Express, der mich in zwei Stunden und elf Minuten vom Gesundbrunnen in Berlin nach Anklam gebracht hat. Da es in Strömen gießt, schmöke ich erst einmal eine Zigarette und warte ab. Nach einer halben Stunde nieselt es nur noch, ich steige in meine Regenklamotten und radle los. Es sind nur wenige Kilometer bis zur Zecheriner Brücke, einer Klappbrücke, die das Festland mit Usedom verbindet. Sechsmal am Tag ist die Brücke für maximal eine halbe Stunde für den Fahrzeugverkehr gesperrt, für mich ist sie offen. Kaum habe ich die Brücke passiert, brechen die ersten Sonnenstrahlen durch den regenverhangenen Himmel.

Usedom ist nach Rügen die zweitgrößte deutsche Ostseeinsel und ein Magnet für Urlauber. Genauer gesagt ist Usedom eine deutsch-polnische Insel, der polnische Anteil beträgt 72 km² der insgesamt 445 km² großen Insel. Usedom besitzt ein gut ausgebautes Netz von Radwegen. Nicht nur entlang des Strandes sondern auch auf der dem Achterwasser zugeneigten Seite gibt es viele gute Wege mit spannenden Zielen. Und es entstehen noch weitere. Der grenzüberschreitende Radweg zwischen Ahlbeck und dem polnischen Swinoujscie wird am 19. August 2011 mit einem Fest beiderseits der Grenze seiner Bestimmung übergeben. Die Arbeiten an dem 3,6 -Mio.-Euro-Projekt wurden auf polnischer Seite bereits vor einiger Zeit abgeschlossen. In Höhe der Staatsgrenze soll bis zum 19. August nun noch eine 425 Quadratmeter große Aussichtsplattform entstehen.

Überhaupt, eine Tour entlang der Ostseeküste ist spektakulär. Wie an der Perlenkette aufgereiht liegen an der Ostsee die Badeorte Zinnowitz, Zempin, Koserow, Kölpinsee, Stubbenfelde, Ückeritz, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck auf deutscher Seite sowie Swinemünde in Polen. Die etwa 30 Kilometer lange Tour zwischen Zinnowitz und Swinemünde ist nicht durchgängig flach, sondern weist zwischen Koserow und Bansin durchaus auch hügelige Strecken auf.

usedom-ostseekuestenradweg.jpg

Ausbaufähig ist die Radwegbeschilderung auf Usedom. Man sieht noch viele handgemalte Radwegschilder, sehr viele davon ohne Angabe der Entfernungen. Das betrifft auch de thematischen Radwege auf der Insel. Ein recht schöne Tour ist der Lyonel-Feininger-Radweg, der zu Punkten auf der Insel führt, die Feininger in Zeichnungen und Gemälden festgehalten hat.

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In jedem Ort von Usedom ist es möglich, ein Fahrrad zu mieten. Zusätzlich zur Vielzahl privater Fahrradvermieter bietet auch das Fahrradverleihsystem UsedomRad dem Inselurlauber die Möglichkeit, Usedom mit dem Fahrrad zu erkunden. Die aktuelle Stationsliste von UsedomRad verweist auf 13 über die ganze Insel verteilte Verleihstationen und  in Swinoujscie / Swinemünde sowie in Anklam. Ein großer Vorteil ist es, das Leihfahrrad an jeder beliebigen Verleihstation zurückgeben zu können. Darüber hinaus kann man das Kombi-Ticket des örtlichen öffentlichen Nahverkehrs nutzen und auf diese Weise den Fahrradtrip mit Inselbahn oder Inselbus fortsetzen. Besonders bequeme Radler können so zum Beispiel den Tag in Heringsdorf beginnen mit einer Bäderbahnfahrt bis Ückeritz, dort ein Rad entleihen und mit Rückenwind wieder nach Heringsdorf zurückfahren.

Mich zieht es nun Richtung Osten über die deutsch-polnische Staatsgrenze. Ganz nahe des Zentrums von Swinoujscie liegt der Stadthafen mit einer kostenlosen Fähre auf die Insel Wolin. In dichter Taktfolge werden Autos, Fußgänger und Radfahrer auf die Nachbarinsel gebracht, eine Überfahrt über die Swine dauert nur wenige Minuten.

UsedomRad
Lyonel Feininger-Tour

8 Gedanken zu „Ostseeinseln (1): Usedom

Kommentare-Feed
  1. Na, da wünsche ich weiterhin viel Spaß.

    Ich war kürzlich auf Rügen, allerdings ohne Rad. Die werben allerdings auch mit einem guten Angebot.

  2. Wenn mein Knie mitmacht, komme ich da auch noch hin. Zur Zeit hänge ich auf dem polnischen Festland und bin durch das schlechte Wetter ausgebremst.

  3. Ich mache seit zwei Jahrzehnten in Heringsdorf Urlaub, das Rad war allerdings so gut wie nie dabei. Gerade die Uferpromenade zwischen Ahlbeck und Bansin ist während der Saison so voll mit Spaziergängern und Einmal-im-Jahr-Radlern voll, dass man schon gute Nerven oder viel Zeit braucht. Zusätzlich wird im Hinterland wie Sau gefahren, enge Straßen, hektische Touristen und mies gelaunte Einheimische.
    Außerhalb der Saison aber wirklich zu empfehlen, zahlreiche reizvolle Ziele und schöne Strecken.

  4. Oh, herrlich, soll das jetzt eine Serie werden im Radspannerei-Blog? Gute Idee!

  5. Martin LE… das kann ich nur bestätigen!!

    …wir sind auch regelmäßig für ein paar Tage da oben – aber GANZ BESTIMMT NICHT, weil dort das Radfahren (was wir auch dort betreiben) Spaß macht…. Usedom – egal ob deutsch oder polnisch – ist kein Idyll für „richtige“ Radfahrer.

    Wie auf dem Bild oben schön zu sehen, sind die Radwege nicht durchgängig, sondern ständig unterbrochen, mal sind sie mit Fußgängerwegen zusammengelegt, mal mit Autowegen und oft muss man (wenn man sich an die Vorschriften hält…) absteigen… ganz mies und nur weit außerhalb der Urlaubs-Saison einigermaßen auszuhalten.

    …und in Polen wird es nach Osten hin nur noch schlechter. Die einzige Entschädigung ist die wirklich spektakuläre Landschaft. Wie gesagt, wegen schönem Radfahren fahren wir da nicht hin… nur die Landschaft machts…

  6. […] Wollin. Nachlesen kann man diese interkulturelle Tour de Poméranie hier – Ostseeinseln (1): Usedom und (2): […]

  7. Egal ob mit oder ohne Rad, Usedom ist für mich eine der schönsten Urlaubsziele in Deutschland. Wir sind jährlich mind. 1 x dort und genießen (außerhalb der Hauptsaison) die Ruhe und den Blick von der Brücke in Ahlbeck auf das Wasser. Herrlich!!

    herzliche Grüße
    B. Engel aus Berlin

  8. @ Martin LE:

    Mit der Einschätzung bezüglich der Usedomer Seebäder gebe ich Dir recht. Auch ich lasse mein Rennrad im Usedom Urlaub lieber im heimischen Keller. Die Strandpromenaden sind sehr belebt und leider gibt es noch nicht durchgehend einen separaten Fahrradweg.

    Was ich aber sehr gerne mache ist mir vor Ort ein paar Tage ein Trekkingrad zu leihen und damit das Hinterland der Insel zu erkunden. Besonders schön finde ich Touren entlang der Küsten von Stettiner Haff und Achterwasser. Die Fahrradwege sind hier nur teilweise asphaltiert, zum Großteil fahre ich über Feld- und Wiesenwege. Es ist also mehr ein dahincruisen. Ich genieße es immer sehr, denn es sind bedeutend weniger Urlauber mit dem Rad unterwegs und auch die Atmosphäre des Hinterlandes spricht mich sehr an.

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