100 Tage Meldeplattform Radverkehr in Frankfurt

Im Rahmen ihrer Radverkehrsoffensive hat das Fahrradbüro des Rhein-Main-Gebietes eine Meldeplattform Radverkehr eingerichtet. Ziel war es, Problemstellen und Qualitätsmängel im Radwegenetz aufzudecken und zu lösen. Nach den ersten hundert Tagen wurde Bilanz gezogen. Zwischen dem 29. April und 28. Juli waren 398 Meldungen eingegangen, also fast vier pro Tag. In der folgenden Grafik wird gezeigt, worauf sich die Meldungen bezogen:

meldeplattform-frankfurt-torte.gif

In einem großen Teil der Meldungen werden Oberflächenprobleme von Radwegen angeführt, wuchernde Pflanzen, Wurzelschäden, Pfützenbildung, Schlaglöcher usw. Weiterhin wurden Behinderungen und Probleme bei der Verkehrsführung genannt.

Auf einem Dutzend Fotos werden die Erfolge des Meldesystems dokumentiert. Dabei liegt es auf der Hand, dass sich einzelne eher marginale Probleme schneller und leichter lösen lassen, ein einzelnes Schlagloch etwa und das Geraderücken einen Spiegels. Andere, vor allem die Verkehrsführung betreffende Probleme wiederum machen den Mitarbeitern des Fahrradbüros „noch eine Weile Kopfzerbrechen“.

Bei de.rec.fahrrad kommt die Meldeplattform nicht gut weg: „Ich finde es mutig, wie die Stadt hier an ein paar nachrangigen Symptomen herumdoktort und das Ergebnis als Verbesserung präsentiert.“

Fahrradportal Frankfurt Main: Unsere Etappensiege
Meldeplattform Radverkehr Frankfurt

12 Gedanken zu „100 Tage Meldeplattform Radverkehr in Frankfurt

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  1. …och, so ne Meldeplattform in Berlin fänd´ ich schon schön. Könnte natürlich sein, dass die Stadtverwaltungsseiten dann unter dem traffic zusammenbrechen würden ;-).

  2. „Problemstellen und Qualitätsmängel im Radwegenetz“

    Das ist ein WIderspruch in sich selbst. Das Prinzip des Radwegenetzes ist die Problemstelle an sich, die Separation von Fahrradverkehr und anderem Straßenverkehr ist der Mangel.

    Man sollte daher bei der Meldeplattform JEDEN EINZELNEN Radweg melden, und zwar als das, was er ist: Unnötig, lebensgefährlich, nicht den Ausführungsvorschriften entsprechend, illegal mit Z.237 & Co. augestattet.

    Aber das verstehen die Typen mal wieder nicht.

  3. also die bilder der „verbesserungen“ sind doch teilweise ein witz. sich damit auch noch zu brüsten ist doch nur peinlich

  4. Die Beispiele sind wirklich witzig. Gleich im zweiten Bild sind doch nicht nur Wurzeln das Problem, sondern der ganze gepflasterte Radweg. Abgesehen von fehlenden Begrenzungslinien zum Fußweg (=>Radfahrer hat an Unfällen immer Schuld!) und und und, ich hoffe der Mist ist nicht benutzungspflichtig.

    An der Oppenheimer Landstraße war die Kurve um eine Litfaßsäule mit zu kleinem Radius markiert, also hat man neu angepinselt. Dass da Zaungerümpel im Radweg ohne jeden Reflektionsstreifen steht, hat man übersehen, dabei ist eine entsprechende Verbesserung an einem Poller weiter oben genannt.

    Die ganzen Bilder sind ja echt ein Horrorkabinett. Tolle Radwege, auf denen man komfortabel, sicher und schnell vorankommt.

  5. Prinzipiell hätte ich sowas auch gerne in Berlin – eine Mail an den Fahrradbeauftragen bringt ja nicht besonders viel (nicht mal eine Standardantwort).

    @berlinradler: An der Oppenheimer wurde nicht nur neu gepinselt, sondern vor allem die Litfaßsäule entfernt -> nochmal genau hinkucken 🙂

  6. Mit diesen subtilen Änderungen hat Frankfurt das Rad neu erfunden. Ich orakele mal eine 10% Steigung des Radverkehrs fürs nächste Jahr.
    Holland, Dänemark und die UNO haben schon Experten nach Frankfurt entsand.

  7. So, zur Ehrenrettung der Stadt Frankfurt am Main eine aktuelle Meldung zur Stephanstraße (Bild 2 mit den beseitigten Buckeln): Wie ich vorhin festgestellt habe, wurden dort die Schilder abgeschraubt. War auch wirklich überfällig! Also, es tut sich was, vielleicht auch an anderen Ecken…

  8. @Nullbock-Horst: „Die Typen“ verstehen das durchaus, aber so schön eindimensional – Kampf der Benutzungspflicht und alles ist in Butter – verstehen wir im Frankfurter Verkehrsdezernat das Thema eben nicht: Natürlich wollen wir den Radverkehr auf die Straße bringen, aber eine Stadt baust auch Du nicht in ein paar Jahren mal eben um. Für den ganzen Altbestand müssen halt auch Lösungen gefunden werden. Den einen oder anderen Bordsteinradweg wird es an vier- und mehrspurigen Autostraßen auch weiter geben, aber „anforderungsgerecht“, wie es so schön heisst. Wir haben jedenfalls Bock auf das, was wir nach der Kommunalwahl 2006 angefangen haben, allein schon weil da noch eine ganze verdammte Menge zu tun ist.

  9. Ich denke, das Problem ist die Erfahrung interessierter Radfahrer, dass „die Typen“ sich meist nur oberflächlich für den Fahrradverkehr einsetzen, oft aber nur daran denken, wie man die störenden Räder möglichst vom „echten“ Verkehr wegbekommt. Das sorgt für viele Probleme und einer voreingenommenen Haltung gegenüber den Straßenverkehrsbehörden.

    Die Situation, dass deutschlandweit nur ein Bruchteil der Radwege den Verwaltungsvorschriften zur STVO entspricht, ist sehr frustrierend und geht von den Straßenverkehrsbehörden aus. Da muss man schon mit Kritik leben können.

    Auch wenn man es niemals allen Recht machen kann, kann man dieses Misstrauen gegenüber den Behörden wohl nur abbauen, indem man ernsthaft an die Belange der Radfahrer denkt und die Situation für sie verbessert – zumindest aber den gesetzlichen Vorgaben anpasst.

  10. Da sag ich nix gegen, weil’s im Grundsatz so stimmen mag. Doch schon bei „den Straßenverkehrsbehörden“ wäre ich vorsichtig bzw. würde die Politik und ihre Einflussnahme auf selbige gerade auf der kommunalen Ebene nicht außer Acht lassen. Oder andersherum: Es ist nicht immer „der Apparat“ selbst, der im Bremserhäuschen sitzt. Andersherum kann die politische Spitze der Verwaltung durchaus auch mal kräftig in die Pedale treten bei dem Thema, muss aber immer auch Mehrheiten hinter sich wissen. Nunja, bald ist hier in Hessen Kommunalwahl, da wollen wir dann mal sehen, wie das mit den Mehrheiten so aussieht. Um Johnny Kline zu zitieren: „Der Kampf geht weiter.“

  11. Erstmal finde ich es sehr begrüßenswert, dass es Mängel-Meldestellen wie die Frankfurter Meldeplattform Radverkehr gibt. Sie wecken natürlich Erwartungen – auf die Behebung der Mängel und nicht deren Verwaltung.
    Es gibt ja sogar noch eine Konkurrenz:
    http://www.achtung-hindernis.de der Grünen im Frankfurter Römer. Diese Plattform hat zwei entscheidende Vorteile: man sieht die Eintragungen der anderen Benutzer und man bekommt eine Rückmeldung zu den Eintragungen.
    Ich wünsche mir, dass solche Plattformen noch mehr in Richtung Social Web gehen und richtig interaktiv werden, damit die Mängelmeldungen nicht einer einer Art Black Box verschwinden.
    Wie wäre es z.B. mit einer Rückmeldung innerhalb einer bestimmten Frist – als Kundenservice sozusagen?
    A propos Kommunalwahl: Die Grünen brauchen sich auch in Frankfurt nicht zu verstecken und sollten die nachhaltige kommunale Ergrünung wo es geht vorantreiben.

  12. Die letzte Kommunalwahl lief hier ja ganz gut, insofern gibt es auch weiterhin ein grünes Verkehrs- und seitdem auch ein grünes Planungsdezernat. :o) Was Transparenz und Feedback der Plattform angeht, dazu möchte ich zweierlei anmerken: Einerseits ist der Wunsch richtig und wichtig, bei der „black box“ wird es absehbar jedoch auch deswegen bleiben, weil die überwiegende Mehrzahl der teilnehmenden Kommunen in der Region Rhein/Main dies so wünscht; im Entstehungsprozess der Meldeplattform bestand Einigkeit dahingehend, dass eine Öffnung nur insgesamt Sinn macht. Persönlich bin ich durchaus der Ansicht, dass man die Meldungen für Frankfurt darstellen könnte, ich verstehe aber gut, dass es anderenorts dann Befürchtungen zu einem gewissen „Vergleichsdruck“ geben könnte. Die muss ich nicht teilen, aber die meisten Verwaltungen in der Region sind weder personell und materiell so gut aufgestellt wie hier. Damit bin ich beim zweiten Punkt, dem Feedback und der Interaktion: Qualifizierte Rückmeldungen kosten Zeit, und da ist die Linie klar festgelegt. Priorität hat die Abarbeitung in der Sache, erst dann kommt die Kommunikation. Das wird noch dauern, bis die große „Bugwelle“ aus der Meldeplattform irgendwann einmal abgearbeitet ist, aber bis dahin wird sich das Radfahrbüro bemühen, die Arbeit insgesamt breit und gut zu kommunizieren. Meldungen werden geclustert und haben einen großen Einfluss auf die „Lückenschlusspakete“, die gepackt werden müssen. Wenn da kräftig was auf die Straße gebracht ist, ist das ja auch eine Form von Feedback – und irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo zu bearbeitende offene Meldungen in einem kommunikativ leistbaren Verhältnis zu neu eingehenden stehen werden. Dann sieht’s auch mit der direkten Kommunikation im Arbeitsalltag des Radfahrbüros besser aus.

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