Sehr gut: Why cycling in Berlin is a dream

Möglicherweise verliert man einen objektiven Blick auf den Radfahreralltag in Berlin, wenn man täglich mit den Widrigkeiten des Radfahrens in dieser Stadt konfrontiert wird. Aber es fällt schon auf, wenn einerseits wir (Schreiber und Kommentierer in diesem Blog) kein gutes Haar an Berlin lassen, andererseits aber Radfahrer aus dem Ausland die Hauptstadt als Paradies für Radler empfinden. So kürte zum Beispiel das Magazin Travel + Leisure Berlin als eine der elf besten Fahrradstädte der Welt. In die gleiche Kerbe schlägt Helen Pidd von der britischen Zeitung Guardian. Sie sagt „Sehr gut. Weshalb das Radfahren in Berlin ein Traum ist“ und führt zehn Gründe an:

  1. Die Straßen sind unglaublich breit.
  2. Man kann auf den Bürgersteigen radeln.
  3. Niemand schreibt dir vor, einen Helm zu tragen.
  4. Man darf in Parks radeln.
  5. Strafe für verkehrswidriges Radfahren gibt es nur, wenn man einen Unfall baut.
  6. Es ist fast überall flach.
  7. Fahrradparken ist in der Nähe aller Wohnungen möglich.
  8. Man kann sein Rad mit in die U-Bahnen und Züge nehmen.
  9. Autofahrer rechnen mit Radfahrern.
  10. Es ist sehr einfach, ein Rad zu mieten.

Travel + Leisure: World’s Top Biking Cities
Guardian Bike Blog: Sehr gut: Why cycling in Berlin is a dream
[via]

21 Gedanken zu „Sehr gut: Why cycling in Berlin is a dream

Kommentare-Feed
  1. Die Straßen sind unglaublich breit.

    trotzdem soll ich auf radwegen fahren und mich zwischen parkenden autos und linker fahrbahn begrenzung quetschen…
    mach ick ey nisch!!!
    fahr immer auf der rechten spur links der begrenzung…

    zwischen theo und ernst reuter platz nervig da haben die schon 3 fahrbahnen und brettern immer noch haarscharf an einem vorbei idioten naja wenn ich einen erwische tür aufmachen hilft…
    werden dann aber sehr agressiv

    Es ist fast überall flach.

    leider naja wie gesagt meine lieblingstrecke den theo runter zum ernst reuter fast wie san francisco

  2. Ist ja klar, wir jammern auf einem sehr hohen Niveau. Andererseits
    wäre das Niveau wahrscheinlich nicht so hoch, wenn man nicht jammern
    würde …

  3. Bei Punkt 2 platzt mir ja fast der Kragen. Es gibt (neben dem Verbot) gute Gründe, warum es keine gute Idee ist auf dem Gehweg zu fahren.

    Sie schreibt „[…] All but the narrowest pavements have bike paths built into them.“
    Ah, Sie meint wohl Radwege oder sonstige Gehwegbemalung, tolle Radfahrerbeseitigungseinrichtung. Lassen wir das.

    Zu 5.: Strafe nur bei Unfall? Ach so ist das, kein Wunder, wie sich nicht wenige Radfahrer so im Straßenverkehr benehmen. Und dass es bei Autofahrern die Regeleinhaltung ohne Kontrolle auch nicht funktioniert, kann man jeden Tag aufs neue sehen: Telefonieren, bei Rot fahren, ohne Blinken Spur wechseln/abbiegen, überhöhte Geschwindigkeit, Abstand halten, hupen usw. – Ich staune immer wieder, dass es so wenig Verkehrstote gibt.
    Ich finde es erschütternd, dass man sich nicht an die Verkehrsregeln hält, weil man sie als sinnvoll erachtet, sondern weil sie existieren.

  4. Waaasssas, meint die wirklich UNSER Berlin??? Es muß wohl ein Paralleluniversum geben.

    Na gut Nr. 6 ist ok. Aber der ganze Rest ist doch wohl sehr merkwürdig. Das sind so Baedeker-mässige pauschal-Un/Halbwahrheiten.

  5. Im letzten Satz ist was verdreht. Sollte sowas werden:

    Ich finde es erschütternd, dass man sich an die Verkehrsregeln hält, weil sie existieren und nicht, weil man sie als sinnvoll erachtet.

  6. Nur, weil es anderswo schlechter ist, muss es noch nicht gut sein.

    Abgesehen davon: es ist ein Unterschied, ob man durch Berlin „radelt“ oder mit dem Fahrrad vorankommen will/täglich auf Arbeit fährt.

  7. jammert Ihr nicht eher über (eure) mangelnde Kreativität bei der Alternativenfindung?
    Nicht zum Rad, sondern zur Situation?
    So viel Energie wie für die Mängelliste verbraucht wird…
    Das nutzt nicht viel. Das ist genauso wie das gejammer von Autofahrern…
    Mich würde Interessieren, was Ihr dagegen unternommen habt.

  8. Also das mit der Strafe finde ich seltsam. Ich habe schon oft das Ordnungsamt beobachtet, wie sie Radfahrer angehalten haben. M.E. ist der Überwachungsdruck bei manchen Delikten nicht geringer als beim Autofahren. Es ist jedenfalls (aus Bußgeldsicht) keine gute Idee, einen Bürgersteig oder einen nicht freigegebenen Park zu nutzen.

    @Tobi, ich habe hier schon viele Strategien gelesen, um mit den Widrigkeiten des Stadtverkehrs klarzukommen. So äußert der eine oder andere, Radwege generell zu meiden und sich auch von den Hupern nicht stören zu lassen. Andere nutzen eher ruhige Wege. Der eine hält die Regeln für eher sinnvoll, der andere findet Begründungen, sie zu übergehen (ohne Wertung, aber auch das ist eine Strategie). Auch von Behördenkontakt mit Verbesserungsvorschlägen liest man hier desöfteren. Aber so zu tun, als wäre Berlin die perfekte Fahrradwelt, hilft ja auch nicht weiter. Es wurde viel erreicht, aber an vielen Ecken klemmts eben immer noch. Die Bevorzugung des Autoverkehrs und das Hinnehmen von Unfallgefahren ist immer noch Gang und Gäbe. Insbesondere die Unfalltoten geben Anlass zu Veränderungen!

    Ich denke, diese Artikel sind teilweise mit der touristischen Blauäugigkeit geschrieben. Das führt sicher zu einer Überhöhung der Fahrradstadt. Andererseits gibt es Aspekte an Berlin, die zu loben sind und die so tatsächlich in anderen Städten fehlen. So kann mir keiner erzählen, dass der 1-Meter-Radstreifen, den ich kürzlich in Königs Wusterhausen vorfand, in irgendeiner Weise mit guten Absichten abmarkiert wurde. Bei den Berliner 2-Meter-Varianten würde ich die guten Absichten, trotz aller Kritik, hingegen unterstellen.

    Mein Fazit ist jedenfalls durchwachsen. Es gibt sehr gute Ansätze und einen ernsthaften Willen der Förderung des Radverkehrs. An mancher Stelle verfällt man noch in alte Muster oder entscheidet im Zweifel dann doch gegen das Fahrrad.

  9. mit den Widrigkeiten des Stadtverkehrs klarzukommen…
    ???
    und das ändert dann was?

  10. Ich verstehe nicht ganz worauf Du hinauswillst. Die Strategie, die Themen nicht anzusprechen, ändert doch auch nichts. Mach doch ein Gegenkonzept anstatt an dem dieses Blogs rumzumeckern 🙂

  11. Die Alternative zum „damit klarkommen“ ist ja nicht Schweigen, sondern Handeln.
    Diesen Blog finde ich übrigens sehr gut.
    Etwas würzen würde Ihn allerdings ab und zu ein umgesetzter Realismus.
    Sich diesen passiv untereinander zu Beweisen ändert unsere Lage nicht.

  12. >So viel Energie wie für die Mängelliste verbraucht wird…
    >Das nutzt nicht viel. Das ist genauso wie das gejammer von Autofahrern…
    >Mich würde Interessieren, was Ihr dagegen unternommen habt.

    Den Straßenverkehrsbehörden Druck machen mit Anträgen, Widersprüchen und notfalls auch Klagen. Das ist das Mittel meiner Wahl.

  13. Mehr Erfolg als Papierkrieg hat es einfach, wenn Fakten geschaffen werden. Wenn Radwege nicht taugen, nutzt man sie nicht. Wenn ganze Verkehrsachsen durch Baustellenchaos unbrauchbar werden, dann schlängelt man sich eben da durch, wo noch Platz ist. Wenn auf bestimmten Strecken gnadenlos „rote Welle“ serviert ist, wo doch kein Querverkehr ist, dann zieht man eben durch. Das bringt für einen selbst sofortigen Erfolg, während man für Papierkrieg auch noch viel Zeit aufwenden muss und der Erfolg am Ende unklar ist.

  14. mensch kinners, kriegt euch ein. und dreht ne runde rad.

  15. Also ich empfinde den Papierkrieg als wenig anstrengend. Man muss halt etwas geduldig sein und verkraften können, dass man ein paar Monate nichts bezüglich seiner Verfahren hört. Andererseits muss man dranbleiben und Druck machen, wenn man merkt, dass die Behörde eine Verschleppungs- und Abwiegelungstaktik fährt.
    Außerdem muss man bereit sein sich etwas in die rechtliche Materie einzuarbeiten – das kann vllt. auch nicht jeder.

    @dan: „Durchschlängeln“ klingt nicht gut und gnadenloses bei rot fahren lehne ich ab und falls man erwischt wird ist es zudem recht teuer.

  16. @peter: Die „Papierkrieg-Methode“ habe ich an einem früheren Wohnort auch schon versucht. Es war ernüchternd. Und ja, mit der Materie bin ich prinzipiell durchaus vertraut.

    Aber weil ich sehe, dass man eigentlich von den Behörden nur systematisch verarscht wird (so habe ich es seinerzeit zumindest empfunden), bin ich dazu übergegangen, einfach Fakten zu schaffen: Ich fahre wo ich will, wie ich will und die ordnungsrechtlichen Aspekte sind mir schnurze. Ich habe dabei kein Interesse, jemanden zu gefährden oder zu irgendwas zu nötigen. Aber aus purer Ordnungstreue Zeit zu vergeuden, dazu ist mir mein Leben echt zu schade.

  17. ich fahre gerne rad in berlin, und fühle mich auch meistens recht sicher auf den straßen aufgehoben. Gefühlte 90% aller autofahrer/rechtsabbieger hätscheln mich wie einen säugling, dankesehr.

    aber was richtig scheisse ist, es fehlt an einer knackigen 2000er rampe um die es kein herumkommen gibt. Da sollte echt mal was gemacht werden.

  18. > aber was richtig scheisse ist, es fehlt an einer knackigen 2000er rampe
    > um die es kein herumkommen gibt. Da sollte echt mal was gemacht werden.

    Was magst Du meinen?

  19. BERGE

  20. Methfesselstraße. 2000 Kopfsteine liegen da bestimmt rum, für ein paar Sekunden Paris-Roubaix-Feeling reicht das?!

  21. Die Alternative zu Steigungen: Kaputte Radlager oder schleifende Bremsen.

    Da „The Berg“ ja nun doch leider nicht gebaut wird, wird das die sinnvollste Lösung. Oder mit dem Reiserad über die Alpen heizen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.