Bericht von der Klimademo in Kopenhagen

Oje, jetzt muss ich erstmal mit der dænischen Tastatur klarkommen… Ich bin nach auch Kopenhagen gefahren, um fuer eine andere Verkehrspolitik zu demonstrieren, weg vom Fetisch des motorisierten Individualverkehr, dem Flæchenfrass immer neuer Strassen und der Meinungsfuehrerschaft der Autobauer. Das Fahrrad, gerade in seiner puristischen Ausfuehrung ohne Gangschaltung, ist in Kopenhagen ueberaus hæufig anzutreffen und genau das sollte uns auch in der Diskussion ueber Elektrobikes zu denken geben. Das Fahrrad der Zukunft ist meines Erachtens vor allem stabil, und falls doch etwas kaputt geht møglichst ohne Aufwand selbst zu reparieren. Vielleicht so æhnlich wie ein typisches „Kopenhavn Cycler“

Es war eine unueberschaubar grosse Masse verschiedenster Menschen, die sich gestern in Kopenhagen versammelte, um parallel zum UN-Klimagipfel auf die Strasse zu gehen. Optisch dominiert durch schwarz-gelbe Schilder mit Aufschriften wie: „planet not profit“ oder „change the politics not the climate“, aber auch mit vielen selbstgemachten Transparenten und Schildern bot sie einen guten Ueberblick der verschiedenen Motivationen von Menschen aus ganz Europa und darueber hinaus gegen Klimawandel zu demonstrieren. Fahrræder gab es natuerlich auch eine Menge sowohl am Rand der Demo als auch mitten drin (was tatsæchlich immer etwas etwas nervt). Das Schild „burn fat not oil“ mit der Abbildung eines Fahrrades kam mir gleich mehrere Male vor die Nase.

Kopenhagen ueberlæsst RadfahrerInnen anders als in Berlin voellig selbstverstændlich, wie es mir scheint, deutlich mehr Raum auf den Strassen als in Berlin. Der Platz ist hier vielleicht anders als in Berlin nie verloren gegangen. Die Verkehrsplanung hat zweispurige Radwege auf jeder Seite der Strasse und auch Abstellmøglichkeiten fuer Fahrræder flæchendeckend realisiert, echt beeindruckend!

6 Gedanken zu „Bericht von der Klimademo in Kopenhagen

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  1. das mit dem platz für fahrräder ist so ne sache, vor allem, weil es fast nicht möglich ist, als fußgänger ungestört zu zweit nebeneinander zu laufen. das ist vom platz her oft so wie auf der o-straße.

  2. Mich stört auch diese Denkweise, dass Platz für Radverkehr nur da sei, wenn dedizierte Radverkehrsanlagen gebaut/gefördert werden. Gerade weil Berlin eben nicht übermäßig viele davon hat ist hier doch für den Radverkehr sehr viel Verkehrsraum vorhanden. Nämlich eben derjenige Verkehrsraum, der mit anderen Verkehrsarten geteilt wird.

    Und wenn es um verkehrs(lenkungs)politische Maßnahmen zur Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel geht, dann sollte man meines Erachtens weniger über Radwegebau, Radstreifenmarkierungen etc. nachdenken, sondern vielleicht eher über generelles Tempo 30 in der Stadt. Kombiniert mit einer wirksamen Verkehrsüberwachung, die Geschwindigkeitsübertretungen auch ahndet. Der motorisierte Verkehr würde übrigens durch T30 bezogen auf die Bruttofahrzeit nicht nennenswert langsamer. Es würde die Führer stinkender Fahrzeuge lediglich dazu animieren, ökonomischer zu fahren. Und damit auch ökologischer. Und über das Thema Ökologie waren wir doch zu dieser Diskussion gekommen, oder?

  3. Für mich persönlich ist das Thema Ressourcenschutz greifbarer als das des Klimaschutzes. Als Anfang-30-Jähriger muss ich realistisch damit rechnen, Energiekrisen zu erleben, die nicht nur Mobilität und Konsum, sondern auch die Möglichkeit des Heizens einschränkt. Schon deshalb finde ich es wichtig, die Ressourcen zu schonen, und deshalb haben die Demonstranten meine Sympathie.

    Bisher geht Ressourcenschutz aber hauptsächlich über Schuldzuweisungen (die USA / China sind die Bösen) und über Zukunftsvisionen, an denen in der Gegenwart nie konkret gearbeitet wird. Das finde ich unehrlich. Natürlich muss die Politik etwas tun, sie tut teilweise auch schon etwas – im Stromsektor und bei der Gebäudedämmung. Sicher, ambitionierter geht es immer. Und der Mobilitätssektor ist bis jetzt aus jeder Anstrengung völlig herausgelassen worden.

    Aber auch der Bürger muss umdenken. Überheizte Wohnungen, offene Fenster, Dauerlicht mit Glühlampen (teilweise mit 500-Watt-Halogenstrahlern), der über Nacht laufende PC, jeden Tag Fleisch und kein Meter ohne das eigene Auto – wer so lebt, kann von anderen nicht ernsthaft ein Umdenken fordern. Ich bin nicht für eine fanatische Lebenseinschränkung, aber viele Einsparungen tun wirklich nicht weh.

  4. Das hatte mich schon vor über zehn Jahren in Kopenhagen begeistert: riesige Radwege an (fast) allen großen Straßen. Ob das denn neu wäre, wollte ich damals wissen. Mein dänischer Freund meinte, das wäre schon immer so gewesen – so lange er sich erinnern kann.

    @dan
    Platz für Fahrradfahrer ist zum Glück überall. Aber wir wollen doch die breite Masse aufs Fahrrad kriegen. Und die meisten finden die Straße halt vom subjektiven Gefühl her unsicher.

    Mach denen ein super Angebot (richtig breiter, guter und optimal von der Straße getrennter Radweg, breiter Fahrradstreifen, meinetwegen Umwidmung von Fahr- in Radspuren usw.) und sie kommen in Scharen. Beispiele: Kopenhagen, Holland … In Holland sind Radverkehr und Straße – wo möglich – bewusst räumlich getrennt. Radverkehr wird oft bevorzugt (Vorrangschaltungen, kürzere Wegeführung, super Belag, oft Radeln in beiden Richtungen möglich, Parksysteme …). Meinst du, die Holländer wären solche Fahrradfans, wenn überall „Berliner Verhältnisse“ herrschen würden?

    Generelles Tempo 30 finde ich kaum vermittelbar. Ich will ja auch ein bisschen vorankommen, wenn ich mal in Bus und Tram steige. Ich bezweifle stark, dass die Fahrzeit dadurch nicht nennenswert langsamer wird!

    Beweis: In den 80ern waren große Teile der Gleisanlagen im Zuge der heutigen Danziger Straße schadhaft, die Bimmel durfte nur mit 30 statt 50 Sachen zuckeln. Die Folge waren erhebliche Fahrzeitverlängerungen, bis zu 10 Minuten pro Richtung! Bei solchen Verhältnissen braucht man mehr Fahrzeuge, die mehr kosten, mehr Ressourcen bei der Herstellung verbrauchen usw.

  5. naja, in den 80ern dürfte es auch noch keine Vorrangschaltung für Bus und Straßenbahn gegeben haben.
    Aber wenn du schreibst, dass du gerne ein bisschen voran kommen willst, dann kann ich nicht nachvollziehen, was an den Radwegen in Kopenhagen so toll sein soll. Als ich letztens da gewesen bin ist mir aufgefallen, dass das Fahren schon entspannter als in Berlin ist. Aber das war nicht irgendwas, was man ansatzweise als schnell bezeichnen könnte. Abbiegen dauert da mindestens doppelt so lange wie in Berlin und überholen ist wegen der baulichen Trennung auch nicht immer möglich. Fährt man deswegen auf der Fahrbahn, trifft man auf Autofahrer, die nicht damit umgehen können, dass Fahrradfahrer genau dies tun, Abstand halten beim Überholen passiert dementsprechend wenig.
    und wie ich bereits schon im ersten Post geschrieben habe:
    die Radfahrstreifen sind da auf Kosten der Fußgänger gebaut worden und wenn man schon der Meinung ist, dass Fahrradstreifen nötig sind, dann ist das ist der falsche Ansatz.

  6. Fahrradwege neben der Strasse sind selbstverstaendlich ein Arrangement mit dem Regime der Autos. Fuer mich zaehlt aber auch ein entspannteres Fahren im hier und jetzt, von daher bin ich durchaus fuer die Anlage von zweispurigen Radwegen, wenn sie dem motorisierten Individualverkehr abgeknappst werden. Immer auf der Strasse fahren mag ein Kampfmittel der selbsternannten Bike-Avantgarde sein, die zwangslaeufige permanente Auseinandersetzung mit AutofahrerInnen nervt mich und viele andere enorm. Ich will entspannt in der Stadt fahren und mich nicht genoetigt fuehlen permanent irgendwelche Aussenspiegel abzutreten. Fahrradfahren in Kopenhagen erlebe ich als ein zuegiges, entspanntes Fahren. Ein riesen Unterschied zu Berlin und eindeutig ein Vorbild.

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