Volkspark Gleisdreieck: Nicht für Radfahrer

In der vergangenen Woche gab es den ersten symbolischen Spatenstich für die Bauarbeiten zum Park am Gleisdreieck. Die ehemals größte Brachfläche im Zentrum Berlins soll in einen attraktiven Park verwandelt werden. Auf 17 Hektar Fläche entstehen Sport- und Erholungsmöglichkeiten für die Bewohner Kreuzbergs und Schönebergs.

Der Bau des Parks wäre eine gute Möglichkeit gewesen, eine schnelle und gute Verbindung für Radfahrer zwischen Kreuzberg 61 und der westlichen City zu schaffen. Der von von Peter Joseph Lenné Anfang des 19. Jahrhunderts geplante Generalszug ist eine großzügig angelegte Straßen- und Platzfolge und die direkte Verbindung zwischen der Yorkstraße und dem Wittenbergplatz. Allerdings wurde der Generalszug nie vollständig verwirklicht. Im Bereich des Gleisdreiecks wird die Straße umgelenkt und durch die Yorckbrücken nach Kreuzberg geführt. Eine Fahrradstraße durch den Volkspark am Gleisdreieck hätte die ursprünglich von Lenné geplante direkte Verbindung geschaffen. Für Radfahrer aus Kreuzberg wäre der Weg in die Westcity gut 400 Meter kürzer gewesen und würde darüber hinaus durchs Grüne gehen statt durch die Asphaltschlucht Yorckbrücken. Leider wird der Fahrradweg nicht gebaut. Der Senat hat kein Geld für eine Brücke über die Fernbahn auf dem Parkgelände. So eine Fahrradbrücke hätte wahrscheinlich so viel Geld gekostet wie drei oder vier Meter Stadtautobahn A100.

16 Gedanken zu „Volkspark Gleisdreieck: Nicht für Radfahrer

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  1. Die Autobahn baut aber der Bund, die Brücke müsste die Stadt selbst bezahlen.

  2. Wird es denn eine Fußgängerbrücke oder sonst irgend eine Überquerungsmöglichkeit geben? Wohl dann aufgrund des Geldmangels auch nicht, oder? Sind dann also zwei neue Parks. Auch schön..

  3. Wieso, die Yorckstraße hat doch Radwege. Spricht was gegen dieses Radfahrerparadies? 🙂

    Aber mal im ernst, für jede kleine Nebenstraße ist so viel Geld da, dass sie trotz geringster Nutzung ultrabreit ausgebaut wird. An dieser Stelle hingegen verpasst man große Chancen, und es stellt sich der Beigeschmack ein, dass das auch deshalb geschieht, weil Radverkehr eben kein echter Verkehr ist.

  4. was in meinen augen problematisch ist, wäre die verbindung von bülowstraße zum park. da müsste man sich was einfallen lassen, wie man mit dem rad da von westen her rüber kommt. da müsste baulich relativ viel verändert werden. ebenso – aber das dürfte einfacher sein – die verbindung dann vom park zu yorckstraße. wahrscheinlich wäre es dann wegen der vermutlichen ampelquerungen, mit dem rad dann doch schneller unter den yorckbrücken langzufahren. schöner aber wohl eher nicht 😉

  5. Was habt ihr denn alle gegen die Yorkbrücken? Ist doch bis auf den stellenweise schlechten Fahrbahnbelag super zu fahren. Breite Fahrbahn, so dass genug Platz für alle ist.

  6. tja, die frage ist eigentlich ganz gut.
    sonst nichts weiter.

  7. Ich meine, dass man da eine Chance vertut. Nach der letzten Fahrradverkehrszählung von Oktober 2006 wurden unter den Yorckbrücken 6 000 Fahrräder am Tag gezählt, inzwischen werden es schätzungsweise 8 000 Radfahrer sein, die die Yorckbrücken in 24 Stunden befahren. Da die Abkürzung durch den Park nur für einen Teil sinnvoll ist, würde die neue Fahrradbrücke vielleicht von 5 000 Radfahrern am Tag genutzt werden. Bei jeder anderen Verkehrsinvestition wird vorher die Kosten-Nutzen-Relation geschätzt. Wenn man das bei der Fahrradbrücke über den Park am Gleisdreieck machen würde, käme man wahrscheinlich auf einen sehr günstigen Wert: für vergleichsweise kleines Geld erhält man großen Nutzen für mehrere Tausend Verkehrsteilnehmer täglich.

  8. Allerdings nur für Verkehrsteilnehmer die keine KFZ-Steuer und Spritsteuer zahlen, somit wohl nicht interessant genug für unser armes Berlin.Schade

  9. Die „Spritsteuer“ bekommt aber der Bund, davon hat Berlin nix. Davon abgesehen würden doch auch Autofahrer von der Maßnahme profitieren. Mehr Fahrradverkehr = weniger Autoverkehr, also auch weniger Staus.

    Ich würde eine solche Umfahrung (bzw. hier sogar Abkürzung), die mir 5-6 Ampeln und den nervigen Verkehr unter den Yorckbrücken erspart durchaus begrüßen. Was daran „super zu fahren“ ist, muss mir erstmal jemand erklären. Ich bin dort eine Zeit lang sehr häufig gefahren und finde, das Stück gehört eher zu den unangenehmen Strecken hierzustadt.

  10. „Verkehrsteilnehmer die keine KFZ-Steuer und Spritsteuer zahlen“

    …Verkehrsteilnehmer also, die es sich im Gegensatz zu diesen armen Verkehrsteilnehmern, die ihr Geld in Form von KFZ-Steuer und Spritsteuer beim Bund lassen, leisten können, neben der alljährlichen Fernreise mehrere tausend Euro im Jahr stattdessen in Berlins Gastronomie und Einzelhandel zu verprassen. 🙂

  11. Abwrackprämie schrieb:
    „Ich würde eine solche Umfahrung (bzw. hier sogar Abkürzung), die mir 5-6 Ampeln und den nervigen Verkehr unter den Yorckbrücken erspart durchaus begrüßen. Was daran “super zu fahren” ist, muss mir erstmal jemand erklären. Ich bin dort eine Zeit lang sehr häufig gefahren und finde, das Stück gehört eher zu den unangenehmen Strecken hierzustadt.“

    Wegen den Ampeln stimme ich dir zu. Die sind auf hunderten anderen Strecken aber genauso nervig. Ansonsten hab ich doch geschrieben, warum es sich da recht gut fahren läßt. Breite Fahrbahn und Platz genug für alle Verkehrsteilnehmer. Für die Schlaglöcher und metertief versenkten Gullideckel gibts allerdings doch klare Abzüge :).

    Mein Spitzenreiter in Sachen unangenehm ist das Fahren auf der Fahrbahn in der Landsberger Alle stadtauswärts in Marzahn (benutzungspflichtiger Radweg). Dort hab ich den ersten Scheibenwischwasserangriff meines Radfahrlebens erfahren ;).

  12. Zusatz: @Abwrackprämie: Oder meinst du die düstere Atmosphäre wegen der finsteren Brücken? Größere Konflikte hab ich da so gut wie nie gehabt, einmal ein Kleinbus, der mich geschnitten, ausgebremst und beim Überholen die Tür aufgerissen hat. Sonst ab und zu mal ein Huper und selten Knappüberholer.

    Auf der Landsberger Allee hatte ich innerhalb kürzester Zeit soviel Streß wie vielleicht sonst in einem Monat Berlin. War vielleicht auch nur Zufall. Der Radweg ist streckenweise ja trotz Benutzungspflicht mit dem Rennrad so gut wie unbefahrbar.

  13. hm, unter den yorckbrücken find ich es auch „relativ“ entspannt im vergleich zu anderen strassen; mal abgesehen von schlimmen belag. fahre da mindestens 5 mal die woche in beiden richtungen lang. in westlicher richtung morgens allerdings sogar auf dem radweg, weil der belag auch nicht schlechter ist, als auf der strasse und man auf dem radweg wegen dem berufsverkehr auch deutlich schneller vorankommt. da is morgens noch nix los.
    abends dann in östlicher richtung immer auf der strasse, weil der radweg voller radfahrer, gerne auch in falscher richtung, und menschen ist. fliesse auf der strasse eigentlich abends ganz gut mit im verkehr. die dichtüberholer sind ja leider obligatorisch. kritische situationen hat ich vergleichsweise (tempelhofer damm) wenige.
    schön is die strecke allerdings wirklich nicht!

  14. Also ich fand die Fahrt unter den Yorckbrücken immer scheixxe. Den Radweg kann man komplett vergessen, das ist ja wohl klar. Und auf der Fahrbahn wird man doch oft bedrängt. Wers braucht…

    „Breite Fahrbahn und Platz genug für alle Verkehrsteilnehmer“ gibts auf schätzungsweise 98% aller anderen Hauptverkehrsstraßen in Berlin genauso. Und davon sind andere deutlich besser zu befahren als die Yorckstrasse.

  15. Die Brücke in der Achse Bülow-Hornstraße wurde seit 20 Jahren bei allen Parkplänen mitgedacht. Sie war auch in der Auslobung für den landschaftsplanerischen Wettbewerb 2006 für das Gleisdreieck enthalten. Und nicht nur der Gewinner des Wettbewerbs, sondern alle 86 Teilnehmer des Wettbewerbs hatten die Brücke in ihre Pläne eingezeichnet. Manche hatten sogar Lösungen in Etappen vorgesehen – erst eine kleine Brücke, die dann später erweitert werden kann, wenn die S21 und die Regionalbahn Potsdam gebaut werden und wenn genug Geld für die 250 m langen Rampen da ist.
    Als es an die Realisierung des Parks ging, hat die Senatsverwaltung Anfang 2007 erklärt, dass sie die Brücke nicht bauen möchte. Aus finanziellen Gründen.
    Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und die gewählten Anwohnervertreter haben dagegen protestiert – ohne Erfolg. Der Vorschlag der Anwohnervertreter, wenigsten ein kleine Brücke zu bauen mit Treppenanlage anstelle der langen Rampen wurde abgelehnt, weil das Land Berlin keine nicht behindertengerechten Bauwerk fördern darf. Der Vorschlag, die Treppen durch Fahrstühle zu ergänzen, wurde ebenfalls abgelehnt. Angeblich gibt es eine Regel in Berlin, die solche Fahrstühle im öffentliche Raum verbietet.
    Das Fehlen der Brücke ist nicht nur negativ für die Verbindung der Stadtteile, dadurch wird auch der Park in zwei Teile geteilt. Für die Fahrradfahrer bietet der Park dennoch eine neue Möglichkeit: aus Kreuzberg über die Lukenwalder oder Schöneberger Straße kommend, werden Fahrradfahrer am U-Bahnhof Gleisdreieck in Zukunft den Park passieren können in Richtung Lützow-, Pohl- Kurfürsten und Bülowstraße. Auch das könnte eine Alternative zu der Passage unter den Yorckbrücken werden.

  16. Wenn man einen Haken schlägt, an den Bahngleisen lang in Richtung Norden, unter der U-Bahn-Brücke der U2 durch, dann kommt man westlich vom alten Postbahnhof an die Stelle, an der die Bahngleise im Tunnel verschwinden. Spätestens hier kann ohne gigantischen finanziellen Aufwand eine Überquerungsmöglichkeit geschaffen werden; für Radfahrer ließen sich auch Rampen einrichten.

    Man könnte auch die Durchquerung nicht an der Bülowstraße enden lassen, sondern weiter nördlich in Verlängerung der Kurfürstenstraße, denn in genau deren Höhe ist oben angesprochene Tunnelmündung und Bahnüberquerungsmöglichkeit. Allzuviel scheint in der Verlängerung der Kurfürstenstraße auch nicht im Wege zu stehen.

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