Das perfekte Verbrechen

Wie begeht man das perfekte Verbrechen? Ganz einfach: Man nutzt eine Tatwaffe, die fast immer dafür sorgt, dass man allenfalls wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt wird.

In einem Beitrag in de.rec.fahrrad ist das beschrieben. Ein Radfahrer fuhr in Berlin auf der Fahrbahn  der Tiergartenstraße aus Richtung Potsdamer Platz kommend in Richtung Hofjägerallee. Offenbar ärgerte das einen Autofahrer so sehr, dass er ihn erst nah überholte und dann ausbremste. Da der Autofahrer sein Manöver nach der nächsten Ampelkreuzung wiederholte und die Beifahrerin auf einen angeblich vorhandenen Radweg hinwies, ist nicht von einem Versehen, sondern von einer absichtlichen Handlung auszugehen. Der Radfahrer erstattete Anzeige, die zuständige Behörde (nicht genauer genannt) erkannte aber lediglich eine Ordnungswidrigkeit.

Die Tatbeschreibung wirft die Frage auf, wie viele tätliche Angriffe mit dem Auto zu Unfällen führen und letztendlich nur als solche, nicht aber als Straftaten behandelt werden? Selbst der Autofahrer, der auf einen Fußgänger zurast, weil dieser bei Rot über die Ampel geht, ist in Wirklichkeit ein Krimineller. In der Polizeimeldung heisst es dann lediglich, dass der Fußgänger nicht auf den Verkehr geachtet hat.

23 Gedanken zu „Das perfekte Verbrechen

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  1. zwei kleine anmerkungen:
    1: im beitrag von de.rec.fahrrad steht, das der fahrradfahrer richtung hofjägerallee fuhr, nicht richtung potsdamer platz.
    2: es gibt dort (auch, wenn die beifahrerin dies behauptet haben mag) keinen radweg.

  2. @Purpur, danke für die Richtigstellungen.

  3. Das erste Ausbremsen geschah hier:

    http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&sll=51.151786,10.415039&sspn=24.312357,29.707031&ie=UTF8&ll=52.509906,13.36438&spn=0.000717,0.001418&t=h&z=20&iwloc=A

    Da ist nur vor der Ampel eine noch nicht mal 15m lange Radspur auf die Straße gepinselt.

  4. Ja, und diese Spuren sind ja dafür gedacht, dass ich vor den Autofahrern an der Ampel stehen kann, damit ich nicht im toten Winkel stehe. Umso ignoranter von der Beifahrerin. Ehrlich mal, haben die Idioten sich darauf einen aufgegeilt? Ist wohl ne neue Art von Proll-Vorspiel.

  5. Tja, in einer normalen Welt würde man solche Leute mindestens aus dem (Straßen)Verkehr ziehen. Und eigentlich sollte da auch Gefängnis drin sein! Ich sehe keinen Unterschied zu einem Angriff mit einem Messer oder einer Schusswaffe. Dass die Polizei / Staatsanwaltschaft das anders einschätzt, finde ich ehrlich gesagt erschreckend.

  6. „Tja, in einer normalen Welt würde man solche Leute mindestens aus dem (Straßen)Verkehr ziehen. Und eigentlich sollte da auch Gefängnis drin sein! Ich sehe keinen Unterschied zu einem Angriff mit einem Messer oder einer Schusswaffe. Dass die Polizei / Staatsanwaltschaft das anders einschätzt, finde ich ehrlich gesagt erschreckend.“

    Dass die Leute bei Nötigung plus Gefährdung aus dem Straßenverkehr gezogen werden, ist doch durchaus so. Das Problem ist in diesem (und vielen anderen) Fall der Nachweis: hier steht (eine) Radfahrer- gegen (zwei) Autoaussagen. Wenn man nicht gerade immer die Lenker- oder Helmkamera mitlaufen hat, lässt sich da wohl leider nichts machen. Und die Forderung nach Gefängnis ist doch Schmarrn. Lappen weg, hohe Geldstrafe und gut ist. Gefängnis führt nur zu hohen Kosten für uns alle und bringt außer befriedigten Rachegelüsten nüscht.

    @Linda: In diesem Fall hat der Streifen wohl eher nichts mit dem toten Winkel zu tun. Rechtsabbiegen kann man da ja schließlich nicht (als Käfigtier).

  7. @Harald, mit der Nachweisbarkeit hast Du Recht. Gefängnis für tätliche Angriffe halte ich hingegen für sinnvoll.

  8. Ich verhalte mich mitlerweile überwiegend lieber wie ein Auto- oder Motorradfahrer; zu meiner eigenen Sicherheit. Zum Beispiel beim Überfahren einer Kreuzung – da verwende ich nur noch selten und ungern die Radfahrerspur auf der rechten Seite, wo man ja doch nur von den Abbiegern auf die Haube genommen wird. Anstelle dessen fahr‘ ich lieber auf der Geradeausspur an den Abbiegern vorbei. Das ist manchen ein Dorn im Auge, aber das ist im Vergleich das besser kalkulierbare Risiko. Ist mMn für schnelle Radfahrer die bessere Wahl.

    Und die Radwege sind eh meistens für Leute die flinke Bikes mit schmalen Reifen fahren ’ne ziemliche Zumutung. Von nicht schauenden Fußgängern ganz zu schweigen.

    1. Jasper, ich habe kein flinkes Bike mit schmalen Reifen, sondern ein langsames Klapprad mit Normalreifen. Und trotzdem bevorzuge ich *immer* die Straße gegenüber irgendwelchen „Radwegen“. Radstreifen sind gegenüber Radwegen das kleinere Übel, aber spätestens, wenn man auf die Linksabbiegespur muß, bleibt nur die Fahrbahn.

  9. Hi,
    die zuständige Behörde ist meine Polizeiwache in der Friedenstraße. 18:20 Anzeige abgegeben, 19:50 Anruf von der Wache mit den Informationen.

  10. Lustig, so eine Meldung hier zu lesen – vor allem das mit der Beifahrerin. Mir ist es in den letzten Wochen merhmals passiert, dass ich aus einem überholenden Auto angeblökt wurde. Und zwar nicht vom Fahrer sondern immer von der Beifahrerin. Ich frage mich, was in diesen Beziehungen wohl das Bindemittel ist. Sehen sich diese Frauen als Vollstrecker des Mannswillens oder sind die ihrem Gatten so untertänig, dass sie ihm allen Ärger von dem Lippen ablesen und dann stellvertretend verbalisieren. Aber irgedwie ist es ja auch drollig, wie sie sich gemeinsam im Auto über die bösen Radfahrer erregen. Manchmal werden Menschen ja auch durch gemeinsame Feindbilder zusammengehalten.

  11. haha, ich wurde auch mal von ner beifahrerin angesprochen (nicht gemeckert, wirklich nett gefragt), warum ich denn nicht den radweg (katastrophal schlecht) benutzen würde. ich meinte zu ihr, dass der nicht benutzungspflichtig sei und dass ich mir aussuchen könne wo ich fahre. antwort darauf: aber sie behindern doch die ganzen autos. *g*
    dann wurde es leider grün und ich konnte ihr nicht mehr erklären, dass die autos sich in erster linie selbst behindern und n radfahrer keinen stau auslöst.

    das ist übrigens ein oft gehörtes argument: radfahrer behindern auf der fahrbahn den verkehr. also n fahrradstau hab ich ausser auf stern- und kreisfahrt noch nicht erlebt 😉

  12. Zwischen Erkner und Berlin ist auf dem R1 an dieser Hauptstraße auch etwas als kombinierter Rad-Fußweg gedacht, aber nicht als solcher ausgeschildert. Darf formal genommen nicht mal genutzt werden. Einmal musste ich dort einem älteren Herrn ausweichen, der sehr unsicher fuhr und scheinbar nichts hörte. Auf der Fahrbahn wurde auch gleich gehupt und die freundliche Beifahrerin verwies mich auf den Radweg. Ja schlimm, immer diese Radfahrer, die man eigentlich genauso locker überholen kann wie jeden Zweite-Reihe-Parker 🙂

  13. Hallo Leute, ich habe die Nase voll von meinen Magura-Bremsen. Nur Probleme. Kennt jemand neben Shimano noch einen Hersteller guter V-Brakes für einen Mountain-Bike-Rahmen? Welchew Qualität haben heute die XT Bremsen?

    Danke, Oli

  14. @Olli: Über die Avid Single Digit 7 habe ich viel Gutes gehört.
    http://www.mtbr.com/cat/brakes/brake-system/avid/single-digit-7/PRD_357463_108crx.aspx

    Gibts schon für 20 Euro.

    Dann natürlich noch Kool Stop Pads dazu.

  15. > Hallo Leute, ich habe die Nase voll von meinen Magura-Bremsen.
    > Nur Probleme.

    Welche? Ich fahre seit 1990 mit Magura-Bremsen und habe keine Probleme; was machst Du anders als ich?

  16. @FRAGE ZU GUTEN BREMSEN: Frag doch mal im köche-treff forum im Thread „melonen kaviar“ unter
    forengruppe.de
    nach. Ich glaube da passt Deine Frage auch ganz gut hin…

  17. Hallo FRAGE ZU GUTEN BREMSEN,

    bin nach diversen unzufriedenen Jahren mit einer Magura Marta zu Avid (erst Juicy Carbon, jetzt Juicy Ultimate) gewechselt. Gründe: ständiges Schleifen und Einstellungsprobleme sowie kompliziertes Befüllen. All diese Probleme habe ich mit der Avid nicht mehr.

    Die Juicy 5 reicht bestimmt für den Alltagsgebrauch. Auch Bremsen von Hayes sollen empfehlenswert sein, habe aber noch keine eigenen Erfahrungen.

  18. zurück zum thema:
    Warum genau ist eigentlich der Mindestabstand zum Radfahrer nicht geregelt?

    meines Wissens wird lediglich angegeben, dass Richter mit 40cm innerstädtisch
    und 1,20 oderso entscheiden. Meine Erfahrung ist eine andere.

    geschätzte 9 – von 10 radlfahrern bestätigen mir, dass ihnen oft mehrfach am tag
    mutwillig die vorfahrt genommen wird.
    ich kenne ebenfalls einige (meist weibliche)radlfahrer, die sich garnichtmehr trauen, radzufahren – find ich zum kot*en

    hier meine geschichte:
    http://radfahn.kilu.de/
    sry, aber die petition funzt noch nicht…

    ich hab mir übrigens jetzt ne radlcam gebaut.
    aus schaumplatten aus dem baumarkt ne handyhalterung zusammengeklebt,
    vergess ich zwar oft – aber fährt sich besser mit ;]

  19. Probiert es doch mal mit ner starren Nabe, ja genau, nicht gleich wieder meckern… Funktionert super und wenn Du dann mal bremsen musst, nicht einfach nur langsamer werden willst, dannn macht es auch noch riesig Spass…

  20. > Funktionert super und wenn Du dann mal bremsen musst,
    > nicht einfach nur langsamer werden willst,
    > dannn macht es auch noch riesig Spass…

    Was Du da machst, ist fahrlässige Körperverletzung, wenn nicht sogar Totschlag.

    Der „Riesen Spass“ (was auch immer „Spass“ sein mag) ist es nämlich, mit dem Auto/Laster/Fußgänger zusammenzustoßen statt vorher zum Stehen zu kommen.

    Nochmal zum Mitmeisseln: Ein „Skid“ hilft beim Langsamerwerden, ist aber KEIN Ersatz für eine Bremse. Und schon gar nicht für zwei. Und erst recht nicht für ’ne Vorderradbremse.

    Wer auf einen Freilauf verzichten will, soll das meinetwegen tun. Ist zwar wie auch der Verzicht auf ’ne Gangschaltung ziemlich bescheuert, wenn man nicht nur in einem recht schmalbandigen Geschwindigkeitsbereich unterwegs sein will, aber bitte, soll jeder für sich selber ausmachen. Kann man halt nicht vernünftig mit anfahren, und Steigungen (die wir allerdings in Berlin nicht haben) sind damit auch nicht zu meistern – egal. Bitte. Es gibt ja auch Leute, die auf warmes Wasser verzichten (und auch so riechen), und auch Leute, die auf Bildung verzichten, und auch Spinner, die in der Stadt barfuß unterwegs sind, und es gibt auch Leute, die Hollandräder mögen. Oder viel zu kleine Kinderräder.
    Bitte. Soll jeder nach seinem Geschmack machen.

    Aber EBEN NICHT OHNE BREMSEN! (Plural!)

  21. […] mehrfach wurde das Problem „Auto als Waffe“ in diesem Blog thematisiert und diskutiert (28.07. 2009, 30.06. 2010, 01.03. 2011, 28.10. 2013, 28.07. 2014, 14.09. […]

  22. Das Auto als Waffe ist nicht neu!

    Siehe hier:

    https://framasphere.org/posts/3049857

    1973 tötet eine 22-Jährige acht Menschen an der Straßenbahnhaltestelle mit einem LKW (sie war wohl die letzte Frau, die in der ČSSR gehenkt wurde),

    1980 tötet eine 51-Jährige sieben Menschen mit ihrem Lincoln Continental, also einem Luxus-PKW, kein LKW,

    Usw.

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