Bilanz der Verkehrskontrollen

Die Polizei hat in der Zeit vom 1. bis 12.7. berlinweit verstärkte Fahrradkontrollen an Unfallschwerpunkten vorgenommen. Heute wurde Bilanz gezogen.

Es wurden – und das wird in der Pressemeldung zuerst genannt – 1030 Kraftfahrzeuge angehalten, deren Fahrer sich falsch gegenüber Radfahrern verhalten haben. Davon haben 45 beim Rechtsabbiegen den Vorrang von Radfahrern missachtet, 133 die rote Ampel. Was die anderen angehaltenen 852 Kraftfahrer falsch gemacht haben, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor.

Zudem wurden 8036 Radfahrer nach einem Fehlverhalten angehalten – gegen 3482 davon wurden Ordnungswidrigkeitenanzeigen erstattet. 1616 Radfahrer fuhren bei Rot, 870 Radfahrer auf Fußwegen, 394 auf Radwegen in falscher Richtung. Einige Fahrräder wiesen erhebliche technische Mängel auf.

Auf die sonst übliche Kommentierung bezügl. des besonders hohen Verständnisses der Autofahrer und des besonders unausgeprägten Verständnisses der Radfahrer für die Kontrollen wird, zumindest in der Pressemeldung, verzichtet. Das steht dann sicher morgen in den Zeitungen. Die geringe Zahl „ertappter“ Autofahrer steht im Widerspruch zu den Unfallstatistiken und legt die Vermutung nahe, dass entweder das Hauptaugenmerk auf Radfahrer-Fehlverhalten gelegt wurde, oder dass typische Fahrrad-Verkehrsverstöße oft „ungefährlicher“ sind.

13 Gedanken zu „Bilanz der Verkehrskontrollen

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  1. Am letzten Tag haben sie mich dann auch noch erwischt:( 45 Euro für eine rote Ampel an der Neustädtischen Kirchstraße/Unter den Linden. Das ist dort, wo früher die amerikanische Botschaft war. Da ist Sonntags früh um 10 überhaupt kein Verkehr. Auch sonst wäre mir das nicht als Unfallschwerpunkt bekannt. Wie auch? Die Straße war jahrelang gesperrt.

    Sieht nach ner ziemlichen miesen Abzocke-Nummer für Radfahrer aus, diese „Schwerpunktkontrolle“. Das auch noch als Sicherheitsaktion für Radfahrer zu verkaufen, ist schon ganz schön unverschämt. 1.600 Rotlichtverstöße mal 45 Euro – so werden Polizisten „effektiv“ eingesetzt.

    Aber nichts gegen den Polizisten. Der meinte, er hält sich beim Radfahren auch nicht an alle Regeln. Rote Ampeln aber schon. „Oder besser schauen“, meinte er dann noch – was er damit wohl meinte?!

  2. Ach, ist die wilde Hatz schon wieder vorbei? Ich habe nichts bemerkt davon. Könnte wohl am „vorausschauenden Fahren“ gelegen haben 😀

  3. @m … da bist du ja noch richtig billig bei weg gekommen. Rotlichtverstöße kosten bei mehr als einer Sekunde Rot eigentlich eher 100 Euro, bei Gefährdung 160, bei Unfall 180 – zzgl. Gebühren.

    Hatte in der letzten Woche ein paar Beschwerden, u.a. einer, der jetzt mit 397 Euro dabei ist. Dabei hat er wohl Glück gehabt, da er eine kontinuierliche Rotlichfahrt hingelegt hat, aber bereits nach der zweiten roten Ampel von Zivilbeamten in einem parallel fahrenden Auto freundlich angesprochen wurde. Ein anderes Pärchen wurde ebenfalls von Zivilbeamten im Auto gleich im Doppelpack bei Rot rausgezogen – macht in diesem Fall zusammen 254 Euro.

    Mein persönlicher Tipp: Radfahren üben, also bremsen und anfahren lernen, und rote Ampeln beachten. Zumindest ich bin mit der Methode in fast allen Fällen schneller an der nächsten Ampel. Und natürlich Ampeln abschaffen wo es geht (stattdessen kleine Kreisverkehre und Zebrastreifen anlegen) oder sich ampelarme Strecken suchen.

    Ein Klient von mir fährt jeden Tag pro Richtung 35 Kilometer mit dem Rad zur Arbeit und braucht dafür 95 Minuten mit einem Baumarktfahrrad. Die Strecke ist fünf Kilomter länger als die kürzeste Strecke, hat aber ungefähr 30 Ampeln weniger – und ist damit etwa gleichschnell.

  4. Bei Rot fahren und sich dann beschweren finde ich etwas seltsam. Wobei ich bei dieser Größenordnung auch schockiert wäre.

    Kosten Rotlichvertöße auch so viel beim „roten“ Rechtsabbiegen oder bei T-Kreuzungen? Ich frage natürlich nicht für mich, sondern für einen guten Bekannten 🙂

  5. Und wer’s noch nicht weiß: bei bbbike kann man „Ampeln vermeiden“ bei der Routenplanung mit auswählen. (Was allerdings oft zu Routing über kleine Nebenstraßen mit rechts-vor-links oder Vorfahrt-achten-Kreuzungen führt und damit letztlich langsamer sein kann. Aber kommt immer drauf an).

    Ampeln beachten führt zu Stressverringerung und stärkerem Antritt.

  6. und schneller ankommen tut man beim rotradeln in der regel auch nicht, weil irgendwann doch die nächste kreuzung kommt, über die man nicht rüberkommt….. zumindest tagsüber

    in vielen fällen ist es pure faulheit, dass die leute nicht anhalten, weils antreten ja soooo schwer geht 😉 würden sie es wie harald machen, hätten sie das problem nich.

  7. Ich gebe zu, in den letzten Jahren ein richtiger Rotlichtignorant geworden zu sein. Insofern beschwere ich mich auch nicht über die 45 Euro (hoffen wir mal, dass die Strafe letztendlich nicht doch höher ausfällt), sondern ich wundere mich eher. Jeden Tag, jede Woche nehme ich zig rote Ampeln. Hochgerechnet sinds vielleicht 1.500 im Jahr. Insofern ist es lustig, dass ich jetzt zum ersten Mal bezahlen soll, obwohl ich schon mehrere Jahre lang so fahre.

    Ich spare bei den Ampeln viel Zeit, glaube ich. Und natürlich schaue ich immer zuerst. Aber gerade im Stadtzentrum hat man oft alle 50m eine Ampel. Die Kontrollen haben bewirkt, dass ich an riesigen Kreuzungen (Alex) jetzt warte; aber bei Seitenstraßen schaffe ich das einfach nicht.

    Wenn ich von P-Berg nach X-Berg fahre und fünf Mal eine Minute vor roten Ampeln warte, brauche ich einfach fünf Minuten länger. Logisch, oder?!

  8. Noch etwas, @benno:

    Ich bin bisher mit Polizisten immer gut weg gekommen, deshalb zahle ich 45 Euro und nicht 397. Das ist ganz einfach: Respektiere den Polizisten als Amtsperson und Autorität, und er wird wohlwollend sein. Natürlich muss er mich bestrafen – da muss ich nicht diskutieren. Aber wenn ich ihn seine Arbeit machen lasse und freundlich bin, wird er nicht zur Höchststrafe greifen. Aber dass einer den Tipp gibt, besser nach Polizeiautos Ausschau zu halten, ist unübertroffen:)

  9. Haben mich an der Potsdamer Str. kurz vor der Einfahrt zum Tiergarten-Tunnel angehalten (wollte nicht in den Tunnel). Das einzige was die zu bemängeln hatten an meinem Rennrad (mit Klingel, mit Reelight-Dauer-Licht) waren die fehlenden Seitenreflektoren – whuaahahaha…
    Pardon, meine Herren von der Polizei, aber wie soll ich Sie ernst nehmen, wenn Sie mir einen zehn-minütigen Vortrag dann halten, während an uns die letzten Schrottkisten vorbeifahren und Sie mir einen haufen Geschwätz auftischen und versuchen, Worte in den Mund zu legen, die ich noch nichtmal gedacht habe..
    P.s. auf dem Rückweg hat es dann direkt vor mir fast gecrascht – Rechtsabbieger hatte mal wieder nen Radfahrer übersehen. Gott sei dank ist nichts passiert..

  10. Gibt es in Berlin eigentlich fahrradfahrende Polizei? Wir haben hier in Aachen so etwas mal angefragt.

    Die Polizei hat abgelehnt: Zu gefährlich.

  11. @ jens: leider sehr sehr sehr seltene außnahme

    was müsst ihr denn fürn mörderischen radverkehr in aachen haben, dass es selbst der polizei zu gefährlich ist, mit dem rad zu fahren?

  12. Und vor allem – wenns so gefährlich ist, sieht man da keinen Handlungsbedarf? Das ist ja wie dieser Münsteraner Polizeikommissar, der selbst nicht radfährt, weil er ja die Unfallstatistiken kennt, in einem Atemzug damit aber pauschal allen Radfahrern die Schuld daran gibt.

  13. Ob die Aachener Polizei sich mit dem Auto auf Landstraßen traut? 😉 Oder was machen die da? Ist ja wohl „etwas“ gefährlicher als Radeln in der Stadt.

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