Radfahrerin in Hohenschönhausen tödlich verletzt

Wieder ein rechtsabbiegender LKW, wieder eine tote Radfahrerin, die diesmal 100 Meter vom LKW mitgezogen wurde, wieder passiert vermutlich nichts. Warum kann der Senat nicht die komplette Stadt für Lastkraftwagen sperren, die keinen Doblispiegel haben? Warum schreibt der Senat nicht eine Kamera auf der rechten Seite von LKWs vor, die den toten Winkel ausleuchtet? Dem Senat gelingt es doch auch, rußende Autos aus der Stadt fernzuhalten, warum geht das nicht bei LKWs, die nicht für einen Verkehr mit hoher Radfahrerfrequenz geeignet sind? Durch so eine Maßnahme könnte allein in Berlin eine Handvoll Menschenleben pro Jahr gerettet werden.

Die Pressemeldung der Berliner Polizei Nummer 3857 vom 08.12.2008 – 18:05 Uhr im Wortlaut: „Eine Radfahrerin ist heute früh bei einem Verkehrsunfall in Hohenschönhausen tödlich verunglückt. Ein 37-jähriger LKw-Fahrer befuhr die Landsberger Allee in Richtung Oderbruchstraße. Als er rechts in den Weißenseer Weg einbog erfasste er die 54-Jährige, die mit ihrem Fahrrad in gleicher Richtung fuhr. Die Radfahrerin geriet unter den Lkw und wurde circa 100 Meter mitgezogen, da der Fahrer den Verkehrsunfall zunächst nicht bemerkte. Aufgrund der umfangreichen Bergungsarbeiten war der Weißenseer Weg zwischen Konrad-Wolf-Straße und Landsberger Allee für die Dauer von vier Stunden für den Fahrzeugverkehr gesperrt.
Die Zahl der in Berlin in diesem Jahr tödlich verunglückten Radfahrer hat sich durch diesen Unfall auf elf erhöht (Verkehrsunfalltote insgesamt 50).“

22 Gedanken zu „Radfahrerin in Hohenschönhausen tödlich verletzt

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  1. Schön wäre auch die Abschaffung von Radwegen. Dann wird man so leicht nicht übersehen.

  2. … die Feinstaub- ist wie auch die Spiegel-Richtline europäisches Recht.

    Leider haben sich zu wenige Radfahrer 2004 engagiert, als wir die rechtlichen Rahmenbedingungen von Berlin aus verändert haben – mit einer Bundesratsinitiative auf Anregung des Fahrradbeauftragten – und immerhin ein Vorziehen der Regelung für Neufahrzeuge auf 2005, eine Ausweitung auf Lkw über 3,5 Tonnen und auf die Nachrüstung aller Alt-Lkw ab 2000 erreicht haben.

    Wir haben also mehr als die Hälfte des Problems weg und die Zahl der in Berlin tödlich verunglückten Radfahrer hat sich von 2003 (24) auf elf in diesem Jahr halbiert – trotz Zunahme des Fahrradverkehrs um mindestens 20 Prozent.

    Wichtig ist in Fällen wie diesem immer, sich als „einfacher“ Bürger freundlich, sachlich und an der richtigen Stelle an der Diskussion zu beteiligen. Nach wie vor beschweren sich ja massenhaft andere Verkehrsteilnehmer über Radfahrer. Viele Radfahrer dagegen glauben, alle wären gegen sie und es hätte alles keinen Sinn – das Gegenteil ist der Fall. Im Zweifel einfach kurze Mail an mich … 😉

  3. Hinweis: Bei den Warum-Fragen handelt es sich um eine Täuschung, die verschweigt, daß man auf Radwegen überhaupt erst unsichtbar wird. Auch mit kompletter Bestückung des Geforderten wird man übersehen. Auf der Fahrbahn hingegen wird man fast immer allenfalls absichtlich umgefahren. Die wichtigste Forderung wäre demnach die der Abschaffung der Radwege.

  4. zweite Idee: Beifahrer für jeden LKW vorschreiben.

  5. @Udo … genau Dein Reflex kommt immer super an! Dann braucht sich niemand mehr mit Dir und Deinem Problem zu befassen … 😉

    Ich bin gerade mal über die Marzahner Brücke (ohne Radwege) die Landsberger Allee langgeradelt. Dass außer mir seit fast 20 Jahren niemand über diese Traumpiste für Radfahrer radelt, muss ich wohl kaum erklären.

    Weiter auf der Landsberger ist der Radweg vor dem Weißenseer Weg nicht mehr benutzbar (schmal, holprig, Laternen, Schilder, Werbung …) und auch nicht benutzungspflichtig. Kurz vor dem Unfallort bin ich intuitiv auch auf die Straße gewechselt – aber auch mit Tempo 30 stadteinwärts (flüssig) nicht entspannend und stadtauswärts (Stau) kaum hilfreich. Macht übrigens auch niemand außer mir …

    Entsprechend der Unfallmarkierungen vermute ich, dass die Frau an der Kreuzung hinter einer Hecke auf dem Gehweg geradelt sein könnte.

    Toter Winkel Unfälle passieren also nicht nur auf Radwegen, sondern auf Gehwegen und auf der Straße – zuletzt auf der Reichsstraße in diesem Jahr. Tödliche Fahrradunfälle gibt es auch ganz ohne Radweg und Toten Winkel – zuletzt auf der Fahrbahn des Hamburger Platzes. Und tödliche Fahrradunfälle gibt es auch durch Geisterradfahrer – zuletzt in diesem Jahr auf der Bahnhofstraße.

    Naja, für den ersten Schritt wäre es ja schon mal hilfreich, wenn Du überall wo es erlaubt ist – auf 90 Prozent aller Straßen sowieso und neben 75 Prozent aller (nichtbenutzungspflichtigen) Radwege – auf der Fahrbahn radelst. Und wenn Du noch alle Deine Freunde mitnimmst – die meisten Beschwerden bekomme ich ja über Gehweg- und Geisterradler … 😉

  6. … – sind wir die Hauptunfallursache für von Fahrradfahrern selbst verursachte Fahrradunfälle los – hätte es im obenstehenden Text noch heißen sollen … 🙁

  7. @benno: nur, weil Unfälle nicht nur auf Radwegen passieren, heißt das noch nicht, dass die nicht Unfälle geradezu anziehen würden.

    Ich finde derzeit Radstreifen ganz elegant. Nicht optimal, aber schon viel besser.

  8. @etg … Du kannst ja das Radweg-Geleier noch eine Weile wiederholen – 81 Prozent aller schweren und tödlichen Unfälle im Kreuzungsbereich in Berlin finden auf baulich angelegten Radwegen statt. Ist bekannt, sage ich immer wieder und nicht nur deshalb wurde 1997 erstmals die StVO geändert und sind die meisten Radwege zumindest in Berlin nicht mehr benutzungspflichtig. Das ist in anderen Städten nicht so und hier Ergebnis einer jahrelangen Arbeit von Leuten, die nicht nur rumgejammert haben.

    2004 kam die Beseitigung des Toten Winkel an Lkw – in Wesentlichen Teilen auf Initiative des Landes Berlin – hinzu. In diesem Blog hatte ich ja schon des öfteren Mal angeboten, mit mir mal blind im Lkw durch die Gegend zu gurken – ich durfte in den 1990er Jahren als Student unter anderem den Potsdamer Platz mit Betonteilen beliefern und zuvor einen Tanklastzug während des Grundwehrdienstes fahren, bringe also die notwendige Erfahrung mit. Aus Lkw-Sicht ist es komplett egal, ob beim Abbiegen jemand auf dem Radweg fährt oder beim Geradeausfahren sich am Stau vor einer Kreuzung direkt am Lkw vorbeibewegt – der Fahrer sieht oft nichts. Das Problem muss unabhängig von anderen Wünschen am Lkw vollständig gelöst werden.

    Mit dem Radspurenprogramm Berlins wird das Thema Sichtbarkeit auf der Fahrbahn verbessert – pro Jahr werden seit 2004 zurzeit mindestens zehn Kilometer auf den Fahrbahnen neu markiert, in diesem Jahr waren es fast 20 Kilometer.

    Die These des Radspannerei-Autors war doch „wieder passiert vermutlich nichts“ – und die ist kompletter Schwachsinn.

    Tatsächlich ist zum Thema Dobli, Kamera und andere Spiegel unendlich viel passiert – habe ich oben geschrieben – und die tödlichen Fahrradunfälle sind auch im Toten Winkel stark zurückgegangen. Verändern kann man aber immer nur was, wenn man nicht hier rumjammert, sondern sich zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu Wort meldet. Und den größten Erfolg hat man immer dann, wenn man die vermeintlich Verantwortlichen nicht zuerst für komplett bescheuert erklärt und anschließend erwartet, dass sie einem die Füße küssen.

    Mir ist es übrigens nach wie vor ein Rätsel, wo die Radfahrer sind, die angeblich über stark befahrene Hauptstraßen im Mischverkehr fahren und glauben, dies wäre ein Beitrag zur Fahrradförderung. Auf der Marzahner Brücke existiert dieses Paradies genauso wie unter den Yorckbrücken oder auf 75 Prozent aller Radwege in Berlin, die nicht mehr benutzungspflichtig sind oder auch vielen Hauptstraßen ohne Radwege – und trotzdem bin ich dort in der Regel der einzige Radfahrer (neben dem Fahrradkurier und selbst der nicht immer …), der auf der Fahrbahn fährt.

  9. Ich bin so ein Radfahrer 🙂 War schon auf der Marzahner Brücke und fahre auch fast als einziger täglich die Schönhauser zwischen Tor- und Sredzkistraße bzw. in der anderen Richtung zwischen Eberswalder und Lottumstraße auf der Fahrbahn neben den nicht benutzungspflichtigen Radwegen dort.

    Doof nur, dass man wohl im BMVBS der Ansicht ist, dass spätestens mit der nächsten VwV-Reform Blau nach Einmündungen nicht mehr wiederholt werden muss, um Benutzungspflicht nach der Einmündung aufrecht zu erhalten und somit die Strecke zwischen Eberswalder und Schönhauser über Nacht und wie von Zauberhand plötzlich wieder einen de facto benutzungspflichtigen Radweg besitzen soll. –> siehe http://www.verkehrsportal.de/board/index.php?s=&showtopic=68140&view=findpost&p=1056711739

    oder verstehe ich da was falsch? Falls nicht, dürften von den sagenhaften 75% nicht benutzungspflichten Anteils am Berliner Radwegnetz über Nacht und ohne irgendeinen Handschlag mit der reformierten VwV geschätze 20% werden. Denn irgendwo im Verlauf findet sich doch bestimmt stets noch ein blaues Schild…

  10. @chris … da gibt es doch diesen schönen Artikel von mir – frage doch einfach mal Kasparick. Vor einigen Wochen hatte ich ihn mal gebeten zu seiner Aussage zur seiner Ansicht nach schon abgeschafften Radwegbenutzungspflicht ein bisschen Pressearbeit durch den Minister machen zu lassen – der ist ja gerade wieder etwas aus dem Schussfeld gekommen und es ist etwas ruhiger geworden, vielleicht ein guter Zeitpunkt.

    Berlin, 20. Februar 2008

    Diskussion der Petition im Deutschen Bundestag mit deutlicher Klarstellung des zuständigen Staatssekretärs

    Die von rund 17.000 Bundesbürgern mitgezeichnete und die damit zu diesem Zeitpunkt am stärksten unterstützte Petition zur Abschaffung der Radwegbenutzungspflicht wurde am Montag dieser Woche im Deutschen Bundestag diskutiert.

    Neben dieser wurden in einer gut dreistündigen Sitzung des Petitionsausschusses sieben weitere Petitionen zum Thema Verkehrsrecht behandelt. Der Wortlaut der Sitzung ist jetzt auf Video on Demand im Internet abrufbar. Die endgültigen Entscheidungen zu allen Petitionen werden in einer späteren nichtöffentlichen Sitzung erfolgen.

    Viel Verständnis für Lkw-Fahrer, meist Unverständnis für Fahrradfahrer

    Vertreter aller Fraktionen äußerten viel Verständnis für die Sorgen von Lkw-Fahrern, die zehntausende zusätzlicher Parkplätze an Autobahnen in einer Petition auf Kosten der Steuerzahler forderten.

    Offensichtlich weniger Verständnis hatten die Bundestagsabgeordneten für die Sorgen von Fahrradfahrern: „Beabsichtigen Sie tatsächlich den Fahrradfahrer gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern soweit zu privilegieren, dass er frei wählen darf, wo er fährt und alle anderen nicht?“, fragt die Abgeordnete Heidrun Bluhm (Die Linke).

    Benutzungspflicht ein Relikt aus dem alten Stand der alten Straßenverkehrsordnung

    Überraschend deutlich fiel dagegen eine Klarstellung des zuständigen Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesverkehrsministerium, Ulrich Kasparick (SPD), aus: „Wir haben in Deutschland keine Radwegebenutzungspflicht.“ Nach Auffassung Kasparicks sind die Länder seit der Novellierung der Straßenverkehrsordnung im Jahre 1997 in den vergangenen zehn Jahren offensichtlich nicht in der Lage gewesen, Bundesrecht ausreichend zu verstehen und anzuwenden.

    Im Wortlaut sagte Kasparick zur Benutzungspflicht: „Das ist offensichtlich noch ein Relikt aus dem alten Stand der alten Straßenverkehrsordnung. Wir haben mit der Novelle ausdrücklich gesagt, eine Benutzungspflicht muss zwingend begründet werden im Einzelfall. Also eine Stadt sagt prinzipiell gibt es keine Benutzungspflicht, aber an bestimmten Straßen, an bestimmten Kreuzungen müssen wir aus Verkehrssicherheitsgründen eine Regelung treffen, die die Verkehre beispielsweise auseinanderzieht, so dass der Radfahrer auf der Radspur fährt und der motorisierte Verkehr auf der anderen Spur.“

    Neue Fahrradakademie soll Städte und Stadtplaner schulen

    „Weil es genau um diesen Punkt Unklarheiten immer noch gibt, insbesondere mit den zuständigen Ländern und den Stadtplanern, also kommunale Aufgaben, haben wir von Seiten des Bundes gesagt, wir brauchen so etwas wie eine Fahrradakademie, wo wir Stadtplaner aus- und weiterbilden. Und die haben wir jetzt eingerichtet. Es gibt jetzt eine Fahrradakademie, die Stadtplanern helfen soll, durch europäischen Erfahrungsaustausch, durch nationalen Erfahrungsaustausch, mit diesem Problem beispielsweise der zu entmischenden Verkehre, mit Möglichkeiten elegante Lösungen zu finden innerstädtische Verkehre zu lösen, so dass wir Umweltziele erreichen, dass wir Gesundheitsziele erreichen, dass wir Verkehrssicherheit erreichen.“

    Radwegbenutzungspflicht darf nur im Einzelfall geprüft und angeordnet werden

    „Das ist mir wichtig, das in dieser Runde noch einmal zu sagen: Die Straßenverkehrsordnung sagt, die Benutzungspflicht eines Radweges muss im Einzelfall erfolgen und sie muss zwingend begründet sein. Es reicht also nicht, dass da irgendein Stadtplaner sagt, ich stell‘ da mal ein blaues Schild hin.“

    Zunehmende Klagen von Fahrradfahrern vor Verwaltungsgerichten

    „Allmählich spricht sich diese Gesetzeslage herum. Das führt nämlich dazu, dass wir beobachten können, dass der eine oder andere Radfahrer vor die Verwaltungsgerichte zieht und sagt, ich will aber das blaue Schild hier weg haben. Und dann muss die kommunale Behörde nachweisen, warum das zwingend erforderlich ist. Und wir haben eine zunehmende Zahl von Fällen, wo die Verwaltungsgerichte die Benutzungspflicht wieder aufheben.“

    Der Bundesgesetzgeber sagt es gibt keine Benutzungspflicht, es sei denn, in begründeten Einzelfällen

    „Also deswegen sage ich nochmal, was ist Sache des Bundesgesetzgebers? Der Bundesgesetzgeber sagt es gibt keine Benutzungspflicht, es sei denn, in begründeten Einzelfällen. Zuständig für die Anordnung dieser Einzelfälle ist nicht mehr der Bund, sondern sind die Bundesländer und die müssen dafür sorgen im Gespräch mit den Kommunen, dass man zu vernünftigen zielorientierten Stadtplanungen kommt. Es ist nicht Sache des Bundes zu überlegen, wie machen wir denn den Radverkehr am Alex. Sondern es ist Sache der Stadt Berlin.“

    Kasparick sieht daher keinen Veränderungsbedarf in der Straßenverkehrsordnung

    „Und deswegen sage ich aus Bundessicht, sehen wir an dieser Stelle im Grunde keinen Veränderungsbedarf in der Straßenverkehrsordnung. Sondern es ist Sache der Länder, Bundesrecht so zu vollziehen, wie es vom Gesetzgeber gemeint ist und der Gesetzgeber hat es sehr großzügig geregelt, der Bundesgesetzgeber, und hat gesagt, ihr müsst im Einzelfall nachweisen, dass es wirklich erforderlich ist und dann müssen die Länder dafür sorgen, dass es umgesetzt wird und die Stadtplaner müssen es entsprechend einrichten.“

    Parlamentsfernsehen Video on Demand anschauen – Übersicht und dann auf „Petitionen“ und „Verkehrsrecht“ vom 18.02.2008

  11. leider passend zum thema 🙁
    weiterer rechtsabbieger unfall mit einem lkw gestern mittag.
    http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/archiv/116507/index.html

  12. Zunächst einmal zur Pressemeldung: Seltsam finde ich, dass der Radweg gar nicht erwähnt wird.

    Nun zur Diskussion: Die Kritik von Benno daran, dass man öffentlich über Radwege „meckert“, kann ich nicht nachvollziehen. Noch immer glaubt eine Mehrheit in der Gesellschaft, sowohl Rad- als auch Autofahrer, dass Radwege die sichere Alternative für Radfahrer sind. Da dem Normalbürger die Möglichkeit und das Zeitbudget nicht gegeben ist, diese Probleme flächendeckend bekannt zu machen, ist es zumindest schon hilfreich, wenn er sich in Diskussionen, Leserbriefen und Internetforen dazu meldet. Das trifft zwar oft auf verwunderte Reaktionen, weil „Radwege doch extra für Radfahrer“ angelegt werden, führt aber langfristig zu einem Umdenken. In puncto Umdenken, da gebe ich Benno Recht, ist das Land Berlin (als einziges?) weit vorangeschritten. Perfekt ist es nach wie vor nicht, weil es einerseits gefährliche Radweg-Altlasten gibt, andererseits teilweise auch gefährliche Neubauten, insbesondere in den Außenbezirken.

    Nun kommt (von Benno) die Frage, warum nicht andere Radfahrer auch Radwege meiden. Das kann ich nur für mich beantworten: Ich meide Radwege durchaus, fahre aber ungerne auf der Fahrbahn neben nichtbenutzungspflichtigen Radwegen. Das halte ich für gefährlich, da ich hier seitens STVO-unkundiger Autofahrer auf gefährliche Art und Weise „diszipliniert“ werde. Meine Strategie ist es deshalb, auf radweglose Strecken auszuweichen. Bei den meisten Radfahrern gehe ich davon aus, dass sie sich auf Radwegen sicherer fühlen oder von ihrer Wahlfreiheit nichts wissen. Ein weiterer Grund übrigens, immer wieder auf die Nachteile der Radwege hinzuweisen.

  13. @berlinradler … das klingt fast so differenziert, wie ich es mir wünsche: sich zum Beispiel mit Leserbriefen (Kurier, B.Z., Bild … 😉 an der Diskussion beteiligen. Da ich erst mal davon ausgehe, dass die Redaktionen fahrradfreundliche Leserbriefe nicht wegschmeißen, ist die aktuelle Situation: es kommt dort nix von Euch an …

    Und dann kommt es noch darauf an, wie Du das Problem der Radwege thematisierst – besser als pauschal draufzuhauen ist, es so zu erklären, dass auch Nicht-Radfahrer es verstehen könnten. Dass ein Lkw-Fahrer alles sehen muss was um sein Fahrzeug herum passiert, versteht offenbar jeder – mit Ausnahme der Lkw-Lobby und einzelner ahnungsloser Radfahrer, also die die glauben, alle seien gegen sie …

    Wir haben in Berlin eine ganze Menge Hauptstraßen ohne Radwege, Rad- oder Busspuren. Die Kastanienallee-Weinbergsweg ist eine davon – mit einem der höchsten Radverkehrsanteile Berlins. Da die Straße aber eine Sackgasse für Kfz ist, ist sie auch keine ganz gewöhnliche Hauptstraße. Ein paar Meter weiter auf der Invalidenstraße ist der Radverkehrsanteil auch hoch, aber auch der Kfz-Anteil – und schon fahren wieder massenweise Radfahrer auf dem Gehweg, auch wenn er wie vor der Ackerhalle stark von Fußgängern frequentiert, einer Straßenbahnhaltestelle eingeengt und sowieso viel zu schmal ist. Das Radfahren auf Gehwegen oder der Verzicht aufs Radfahren ist auf allen Hauptstraßen ohne Radwege zu beobachten: Bölschestraße, Karl-Marx-Straße, Müllerstraße … während auf der Schönhauser Allee, der für Radfahrer gefährlichsten Straße Berlins, täglich tausende über die Gehweg-Radwege fahren.

    Mir ist übrigens auch keine Stadt bekannt, in der es einen nennenswerten Radverkehrsanteil ohne Radverkehrsanlagen gibt: nicht in Stettin, nicht in Warschau, nicht in Tallinn, nicht in London, nicht in Paris … Es geht also darum, wie das berechtigte Radfahren auf der Straße deutlich gemacht wird – und das auch für die weniger geübten Radfahrer. Wenn Radspuren entsprechend der neuen Regelpläne für geradeausfahrende Radfahrer in Mittellage markiert werden, kann dies Konfliktsituationen in Kreuzungsbereichen verringern. Der von Philip beschriebene Unfall dürfte auf der Radspur rechts vom Rechtsabbieger passiert sein. Philip könnte also hier mal beim Bezirk Spandau anfragen, warum die Radspur so und nicht anders markiert wurde – und wenn Du beim Bezirk nicht weiterkommst, dann einfach kurze Mail an mich.

  14. Hallo Benno,

    naja diese Zeitungen lese ich eigentlich gar nicht. An eine von denen habe ich sogar mal einen Leserbrief geschrieben, der abgedruckt wurde. Das war eine Reaktion auf einen der typischen Böse-Radfahrer-Beiträge, bei dem aus einem Einzelunfall unter Alkoholeinfluss ein geradezu verkehrsverbrecherisches Radfahrerbild gezeichnet wurde. Auch als das „Wochenblatt“ in seinem Verkehrsteil mal behauptete, Radwege seien immer sicher und immer benutzungspflichtig, wegen Rechtsfahrgebot, meldete ich mich dort mal – ohne Reaktion. Käseblätter schreiben solchen Käse, dass ein regelmässiges Lesen nicht zumutbar wäre 🙂

    Du zeichnest natürlich das Dilemma, in dem der ADFC steckt. Einerseits weiss er um die speziellen Eigenschaften der Radwege, andererseits braucht er sie, um Leute überhaupt zum Radfahren zu bewegen. Die Radspuren sind da oft ein Kompromiss, wenn sie denn breit genug sind. „Normale“ Radwege sollte man meiner Meinung nach aber nicht mit Blick auf den Radverkehrsanteil bauen, sondern Fahrbahnen gleich breit genug ausführen (ohne zu vergessen, dass auch Fußgänger Platz brauchen). Dennoch bin ich der Meinung, dass der ADFC noch mehr aufklären könnte und vor allem individuelle Verkehrslösungen finden könnte.

    Sackgassen, die von Radfahrern durchfahren werden können, sind eine ganz wunderbare Alternative, neben der angesprochenen Kastanienallee z.B. die Corinthstraße in Lichtenberg und einige Straßen in Schöneberg. Leider wird so etwas nicht als Konzept begriffen, also nur in Einzelfällen umgesetzt. Weniger gelungen finde ich die Fahrradstraße Linienstraße. Sie ist weiterhin durchgängig für Pkw befahrbar, das wird auch massiv gemacht – ich sehe nicht, was sich hier verbessert haben soll (es war vorher ja nicht schlecht). Ach ja, punkto Mail an Dich – könnte man nicht mal was gegen die Baustelle an der Rosenthaler Straße machen? 🙂 Dort ist die Linienstraße seit Wochen eine Einbahnstraße, weil wegen der beengten Verhältnisse nur ein Pkw in eine Richtung fahren kann. Ärgerlich für Radfahrer.

  15. hallo

    also zu erst ich hab es leider selber gesehn mit der radfahrerin.
    ich war oder bin immer noch geschockt drüber…

    aber warum passt ihr nicht mal selber auf als Radfahrer ???
    ich meine einen großer teil fährt wie er will ob bei rot über die Ampel oder einfach mal quer über die strasse.
    ich bin kein Autofahrer ich fahre nur immer bei mein freund mit
    aber ich finde es schon schlimm wie die Radfahrer sich im Strassverkehr benehmen
    Es ist auch schon oft vorgekommen das wir nachts gefahren sind und wir den Radfahrer zu spät gesehen haben weil er kein lichhallo

    also zu erst ich hab es leider selber gesehen mit der Radfahrerin.
    ich war oder bin immer noch geschockt drüber…

    aber ihr regt euch immer alle über die Lkw Fahrer auf
    t oder sonst was anhatte ein glück kam uns ein Auto entgegen was den R-Fahrer beleuchtet hat

    Es heisst auch immer die Lkw Fahrer sind schuld
    Ich sehe das nicht so ich würde besser aufpassen und nicht immer auf mein Rechtpochen dann würde es weniger Unfälle geben .
    Und was nutzt der tote Winkel am Lkw Spiegel wenn die R- Fahrer trotzdem fahren wie sie wollen
    Ich habe zwar kein Führerschein aber wie gesagt ich sehe es immer wieder wenn ich bei mein freund mit fahre
    Ich kann nur hoffen das viele draus lernen und Vorsichtiger im Straßenverkehr fahren

    Ich wünsche allen einen guten rutsch ins neue Jahr
    Liebe grüße
    alexandra

  16. Hallo Alexandra, wir passen vermutlich bestens auf – sonst könnten wir ja hier nicht mehr schreiben – Du meinst sicherlich die anderen … 😉

    Die tödlich verunglückte Radfahrerin war ja schon 54 und aus ihrer Sicht bestimmt nicht leichtsinnig – ich vermute, dass sie aus falsch verstandenen Sicherheitsgründen auf dem Gehweg hinter der Hecke und dort noch unsichtbarer als auf dem „Radweg“ (als der Laternenparcours am Bordsteinrand …) unterwegs war – bist Du tatsächlich Zeugin des Unfalls gewesen?

  17. Ahhh. Radstreifen statt Radwege und Pest statt Cholera?

    Ich hab mal aufgeschrieben, wieso Radstreifen genau so Müll sind wie Radwege. Zu finden auf meiner Webseite.

  18. Bei einem angenommenem Kfz-Zuwachs im 2stelliger Prozentbereich in nur wenigen Jahren frage ich mich nicht,
    wo soll das hinführen,
    sondern wo sollen die hin.
    Also, Radler an den Rand (Radwege) – Fußgänger unter die Erde (U-Bahnen usw.).
    Seit 44 Jahre maule ich gegen die Radwege-Benutzungspflicht. In 30 Jahren werde ich 100 – ich hoffe sie ist dann abgeschafft.
    Eigentlich ratlos
    Jürgen

  19. @Koschmann … in welcher Stadt lebst Du eigentlich? In Berlin geht der Kfz-Bestand seit einigen Jahren zurück – auf bundesweit niedrigstem Niveau 😉

    Musste nicht nur gegen die Radwegbenutzungspflicht maulen, sondern einfach überall da auf der Straße fahren wo es möglich ist und Deine Freunde auch noch mitnehmen – dann ist die kritische Masse erreicht und es werden auch keine Radfahrstreifen mehr benötigt. Macht aber keiner – zumindest nicht massenhaft, obwohl es in Berlin ja massenhaft Straßen ohne Radwege und ohne Benutzungspflicht gibt.

    Nachdem jahrelang der benutzungspflichtige Radweg auf dem Gehweg der Standard war, sind doch schon zwei nützliche Schritte erfolgt: die Aufhebung der generellen Radwegbenutzungspflicht durch die StVO-Novelle 1998 und die seit 2004 inzwischen zahlreichen Radspuren auf Fahrbahnen vor allem auch neben ehemaligen Gehweg-Radwegen. Jetzt müssen Radfahrer dieses Angebot nur annehmen und runter von den Gehwegen – Stichwort „Unschuldige unterwegs“ … 😉

  20. Hallo, ich bin selbst „Wind und Wetter“ Radfahrerin und sehe täglich ca.
    60 % chaotische Radfahrer auf den Straßen in Berlin.
    Fußgängerschutzwege werden als Rennstrecke genommen, ohne auf Autos zu achten. Man fährt einfach drauf los. Im Kreisverkehr kommt das besonders gut an und die Autos müssen scharf bremsen blos weil solch Blödmann auf nichts achtet. Die Autos MÜSSEN nicht halten!!!
    Nachts ohne Licht zu fahren kommt in der Stadt besonders gut, bei Regen noch besser (leider verunglücken dadurch auch Autofahrer).
    Auf Kreuzungen werden die kürzesten Wege genommen, egal ob „rot“. Man fährt einfach „quer Feld ein“ drauf los, die anderen werden schon halten!
    Was ich so sehe ist der absolute Hammer.
    Auf Radwegen wird ohne Warnung plötzlich dicht/scharf überholt. In der Schönhauser Allee besonders gut zu beobachten. Schon durch einen kleinen Anschubser kann man ins Trudeln kommen und sich die Gräten brechen.
    Noch schlimmer find ich, wenn an Häusern in einem Affentempo vorbei gefahren wird. Wer dann zufällig aus dem Haus kommt hat Pech gehabt.
    Ich finde, dass alle auf den Verkehr achten sollen – und nicht nur die Autofahrer. Jedenfalls erlebe ich wenige schlechte Autofahrer, aber in Mengen schlechte Radfahrer.

  21. jaja, das sind auch meine lieblingskandidaten, die einem nachts in falscher richtung ohne licht entgegenkommen …. aber dann teilweise ne warnweste tragen. besonders schlimm in mitte! da fahren viele wie die henker und tragen mächtig zum negativbild der radfahrer bei.

    ich persönlich hätte auch nichts gegen massive polizeikontrollen wegen rotlichtverstößen, fehlender beleuchtung usw. also in den fällen und an den strassenecken wo tatsächlich ne massive gefährdung vorliegt. an einer reinen fußgänerampel so eine kontrolle durchzuführen würde ich für reine schikane halten. gabs ja auch schon. wenn ich morgens übern kudamm fahre und da sind keine fußgänger, dann halt ich auch nich. aber an kreuzungen sieht die sache ganz anders aus. da durft ich schon so manche kamikaze-aktion beobachten. gerade jetzt, wo die schönwetterradler aus ihren löchern kommen. ganz schlimm!
    verstöße müssen ja nich gleich alle mit geldbußen bestraft werden, aber aufklärung wäre nett, weil sich viele ja überhaupt gar nicht bewußt sind, wie falsch sie sich verhalten.
    die aufklärung sollte aber auch massiv bei auto- und lkw fahrern stattfinden, z.b. zu geringer abstand beim überholen, kein schulterblick nach hinten. schliesslich müssen wir radfahrer uns mit denen die strassen teilen und da sollte man die nöte und sorgen des jeweils anderen verkehrsteilnehmer auch einschätzen können.

  22. @Elfriede … in Berlin gibt es ja fast keine echten Kreisverkehre (also ohne Ampel) – welche meinst Du? Auf Radwegen an Hauptstraßen haben Radfahrer natürlich Vorfahrt – Kfz müssen zum Beispiel beim Abbiegen im Zweifel halten.

    Der Radweg Schönhauser Allee ist ja das Negativbeispiel für einen neu gebauten Radweg schlechthin – er ist der Radweg mit den meisten Fahrradunfällen in Berlin: für die vielen Radfahrer zu schmal, an einzelnen Stellen sogar nur 1,00 Meter, an jeder Kreuzung versteckt hinter parkenden Autos, immer eine Belästigung für Fußgänger und natürlich auch dank zahlreicher Stromkästen, Haltestellen, Verkehrsschildern usw. nicht zum sicheren und entspannten Überholen geeignet. So sah es eben aus, wenn Radfahrer in der Vergangenheit systematisch an den Rand gedrängt wurden – um sie anschließend als „chaotisch“ abqualifizieren zu können. Dem ich übrigens zustimme – aber es ist immer gut, die Ursachen nicht zu vergessen. Ich fahre auf der Schönhauser Allee in der Regel auf der sicheren Fahrbahn – der Radweg ist meist nicht benutzungspflichtig.

    Woher hast Du das mit den „wenigen schlechten Autofahrern“ im Vergleich zu den „Mengen schlechter Radfahrer“? Von allen Straßenverkehrsunfällen in Berlin finden lediglich sechs Prozent mit Beteiligung von Radfahrern statt – obwohl ja immerhin doppelt so viele täglich mit dem Rad unterwegs sind. Wenn es zum Zusammenstoß von Radfahrern und Kfz kommt, sind laut Polizei letztere in zwei Drittel der Fälle die Verursacher – eine aktuelle Auswertung der Fahrradunfälle findest Du unter http://www.benno-koch.de/.

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