Radfahrer bricht Busfahrerin die Nase

Okay, ich muss zugeben, dass ich selbst schon mal mit einer Anzeige gedroht habe, als ich von einem Lastwagen sehr, sehr eng überholt wurde, aber die folgende Geschichte finde ich doch heftig: gestern schlug in Steglitz ein Radfahrer auf eine BVG-Busfahrerin ein und zertrümmerte ihr das Nasenbein. Die Busfahrerin war gegen 17.20 Ur in Lankwitz an der Haltestelle Kamenzer Damm Ecke Haynauer Straße angehalten. Als sie die Tür öffnete, kam ein Radler in den Bus und hielt ihr vor, den Sicherheitsabstand beim Überholen nicht eingehalten zu haben. Die Frau verbat sich das Anschreien, worauf der Radfahrer der Busfahrerin mit der Faust ins Gesicht schlug. Die Frau kam mit einem Nasenbeinbruch ins Krankenhaus, der Radfahrer konnte entkommen.
Tagesspiegel: Radfahrer bricht Busfahrerin die Nase

9 Gedanken zu „Radfahrer bricht Busfahrerin die Nase

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  1. Was für ein Idiot – da können wir uns schon mal bedanken … Also sinken wir Radfahrer in der Gunst der Bus- und Taxifahrer noch ein Stück tiefer, als ob das Verhältnis nicht schon schwierig genug ist.

    Hoffentlich bekommt er anständig Ärger für diese hirnrissige Aktion.

  2. Klar, das war ein wenig zu viel des guten. Allerdings erlebe ich auch jede Woche mehrmals solche sehr gefährlichen Aktionen von Autofahrern. Wenn man diese dann ein paar hundert Meter weiter an der Ampel darauf anspricht, bekommt man noch nen Vogel gezeigt. Insofern kann ich gut verstehen, dass einem da mal der Kragen platzt. Immerhin haben wir Radfahrer keinen eingebauten Airbag und keine Knautschzone und Auto/Busfahrer-innen haben sich entsprechend vorsicht und rücksichtsvoll zu verhalten und nicht durch knappes Überholen vermeindlich zu Schulmeistern.

  3. „Die Frau verbat sich das Anschreien“

    Erst das Leib und Leben eines Mitmenschen gefährden, und es dann nicht aushalten, angeschrien zu werden…
    Ich bezweifle, dass man in der Form ausrastet, wenn man nicht (wie so oft) gefährdet wurde. Da Abhilfeschaffen zum Tatzeitpunkt unmöglich ist, kommts halt später. Soll sie halt das nächste Mal mehr Abstand halten, wird sicher nicht das erste Mal gewesen sein, dass sie Radfahrer gefährdete.

  4. … die Nase der Busfahrerin ist übrigens nicht gebrochen – das war eine Zeitungsente 😉 Ansonsten gibt es immer zwei Möglichkeiten: die Leute aufeinanderhetzen oder das Problem zu lösen. Da ich mich für letzteres entschieden habe, versucht einfach auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und vielleicht eine kurze Mail an mich als Fahrradbeauftragten schicken. Nicht selten gibt’s ja Wunder. Ich habe mal die Gelegenheit genutzt und mich zu dem Thema mit der BVG verständigt. Da gibt’s einen netten Vorschlag, wie man die – aus meiner Sicht seltener gewordenen – Situationen wie diese künftig im Vorfeld besser regeln kann. Wir Deutschen wollen ja alles geregelt haben … 😉

  5. Anzeigen, fertig! Ich habe schonmal einen Busfahrer angezeigt, geht ja recht easy übers Internet. Der war dermaßen rücksichtslos und meine Freundin war auch dabei – konnte das also bezeugen. Seitdem habe ich nichts mehr gehört, musste dann nochmal was unterschreiebn und das war es. Hat alles in allem 10 Minuten Zeitaufwand gekostet. Mit einer Person, die das bezeugen kann, sind die Chancen auch recht groß, das der Gefährder auch seine Geldstrafe kriegt. Und Busfahrer, die mal angezeigt wurden, überlegen sich rücksichtloses Verhalten danach vielleicht zweimal, weil ja schließlich ihr Job davon abhängt. Aber manches Verhalten ist echt dermaßen asozial, da muss man sich einfach wehren.

  6. Ich möchte das Verhalten des Radfahrers nicht entschuldigen. Aber vielleicht erklären folgende Fundstücke seine Frustration:

    Diverse Boulevardzeitungen hetzen und polemisieren in regelmäßigen Abständen gegen Radfahrer. Insbesondere der Kölner Express hebt sich da besonders hervor. Exemplarisch ist die Berichterstattung über genau diesen Vorfall.
    Schreibt dort doch tatsächlich einer:

    „Berlin – Schlimme Brutalität in Berlins Nahverkehr. Am Montag vermöbelte ein Radfahrer eine Busfahrerin (31). Der absurde Grund: Sie hatte ihn überholt..“ http://www.express.de/nachrichten/news/vermischtes/radfahrer-verpruegelte-busfahrerin_artikel_1210237972472.html

    Wenn sie ihn lediglich überholt hätte, wäre es sicher nicht zu dieser Auseinandersetzung gekommen. Und was ein ausreichender Sicherheitsabstand für Radfahrer bedeutet, insbesondere wenn er nicht eingehalten wird, würde ich dem Schreiber dieser Nachricht, evtl. auch der Busfahrerin zu gerne demonstrieren.

    Was passiert, wenn ein Radfahrer den legalen Weg einschlägt zeigt das Erlebnis von Siggi :
    http://www.siggis-seiten.de//Unfall-Stammheim.htm
    Siggi schreibt dort sehr ausführlich über die sehr unsanften Begegnungen mit einem Linienbus und einer Staatsanwaltschaft die das Verfahren wegen angeblich mangelndem öffentlichen Interesses einstellte. Ich zumindest hätte Interesse daran gehabt.

    Es tut mir leid, dass die Busfahrerin was auf die Nase gekriegt hat. Andererseits ist das Verhalten des Radfahrers, wenn auch nicht richtig, zumindest nachvollziehbar und die Busfahrerin kann froh sein, dass sie ihn beim überholen nicht verletzt oder gar getötet hat.
    Vielleicht wird er ja auch noch zur Verantwortung gezogen, ganz sicher aber wird man seine Tat nicht als „Milieu adäquates“ Verhalten dulden! Er ist nur ein Radfahrer.

    … so … und jetzt warte ich auf Bennos Wunder und Olis Anzeigen.

  7. @arvo … Du erinnerst Dich doch noch an unseren Freund Dr. Basler und sein Tagebuch?

    Der Mann wurde viele Jahre lang auf seinem täglichen Arbeitsweg nach Alt-Buckow von Busfahrern auf einer Busspur mit einem daneben liegenden nichtbenutzungspflichtigen Radweg gemobbt.

    Er ist das Musterbeispiel dafür, wie weit man es ohne Zeugen (und mit einem Haufen Zeugen gegen einen im Bus …), ohne Pöbeleien und ohne Handgreiflichkeiten, aber mit Intelligenz und Wortmeldungen an der richtigen Stelle bringen kann – es wurden die internen Schulungsanweisungen der BVG für Busfahrer geändert und gegen einen besonders uneinsichtigen Busfahrer verhängte ein Berliner Richter eine Strafe von meiner Erinnerung nach 4.000 DM. Ohne Zeugen, aber mit einem guten Gedächtnisprotokoll, umgänglichen Auftreten, gelegentlichen freundlichen Briefen an die BVG und den Fahrradbeauftragten – und mit seinem zugegebenermaßen einzigartigen Tagebuch.

    Wunder kann man also selbst leicht beeinflussen. Dazu gehört allerdings nicht das Auf-die-Nase-hauen, gegen andere pauschal zu hetzen oder zu meinen, es hätte ja eh alles keinen Sinn. Falls ich’s noch nicht gesagt habe, das nennt man Demokratie und Rechtsstaat, wo in den seltensten Fällen immer nur die anderen Schuld sind … 😉

  8. @benno … schöne Geschichte … aber wie gesagt, ich habe lediglich versucht, das Verhalten des Radfahrers nachzuvollziehen, keinesfalls heiße ich das gut! Und, wenn ich nicht glauben würde, dass sich doch noch etwas zum Besseren wenden ließe, würde ich weder hier noch in meinen eigenen Fahrrad-Blog schreiben. Das wäre schade um die Zeit – da fährt man doch lieber Rad! ;-).

    Was die Demokratie angeht, darf man nicht davon ausgehen, dass alle Beteiligten mit Intelligenz und Eloquenz gesegnet sind. Was machen wir nun mit den dummen demokratischen Radfahrern oder den dummen Autofahrern *grinst*? Wird man denen denn zuhören? Bekommen die Recht? Dieser Siggi z.B., ich halte ihn definitiv nicht für dumm, er schreibt in vielen Foren zum Thema Radwegbenutzungspflicht und scheint sehr engagiert zu sein, dennoch hatte er die Justiz nicht auf seiner Seite. Ich halte mich auch nicht für dumm, trotzdem platzt mir gelegentlich der Kragen, weil die Ignoranz und die Demütigungen einfach zu viel werden. Ich begreife diese Anfeindungen und die selbstgefälligen Bagatellisierungen nicht, die man uns entgegen bringt.

    Meinen Blog habe ich überhaupt erst gestartet, weil meine Frustration wegen der Untätigkeit des ADFC, des Fahrradbeauftragten und der Behörden so unermesslich groß wurde, dass es dringend ein Ventil brauchte. Es hilft im Übrigen. 😉

  9. … damit keine Missverständnisse auftreten: Ich schreibe aus Köln, und rede von dem hiesigen ADFC und Fahrradbeauftragten, ich denke Berlin kann mit seinen zufrieden sein 😉

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