Fahrradschnellstraßen in London

Ken Livingstone, der Bürgermeister von London, hat gestern ein Investitionsprogramm für den Fahrradverkehr in der britischen Hauptstadt angekündigt. Danach werden in den nächsten zehn Jahren Mittel in Höhe von 500 Millionen Pfund (circa 670 Millionen Euro) bereitgestellt, um die britische Metropole mit einem Netz von schnellen, einfachen und sicheren Fahrradrouten zu überziehen.

BikeBiz beschreibt den Fahrradinvestitionsplan so: „Part of the plans include radial Cycling Corridors – bicycle superhighways – for commuters to provide high-profile, easy to follow cycling streams into central London.“ Es ist die Rede davon, Fahrradautobahnen zu bauen, um Radfahrern die Fahrt von den Außenbezirken in das Zentrum Londons zu ermöglichen. Im einzelnen beinhaltet das Programm fünf Komponenten:

  1. Fahrradverleihsystem ähnlich wie in Paris
  2. Ein Dutzend Fahrradradialstraßen vom Zentrum nach Außen
  3. Fahrradzonen um Schulen und in Einkaufsstraßen
  4. Umfassende Beschilderung der Verkehrsrouten
  5. Verbesserung der Aufenthaltsqualität von 200 Straßen in den Londoner Bezirken

BikeBiz: Bicycle motorways planned for London
Streetsblog: London Announces Billion Dollar Bike Plan
The Independent: Cyclotherapy: Ken’s revolution

5 Gedanken zu „Fahrradschnellstraßen in London

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  1. Ich will ja nicht wieder unnötig rumsaften, aber wenn ich sehe, was an Investitionen in anderen Ländern bezüglich des Radverkehrs geschieht und das mit hiesigen Verhältnissen vergleiche, könnte ich ja schon ’n Hals kriegen. OK, die 670 mio Eurio gehen nicht alle in Fahrradwege, aber im Vergleich zu den 4 mio, die in Berlin jährlich investert werden, klingt das schon gewaltig. Und warum wird in Berlin nicht übein ein akzeptables Fahradverleihsystem gesprochen. Dieser Bahn-Quatsch ist doch viel zu teuer. Wann sieht man schonmal jemanden auf einem dieser Dinger? Mir erscheinen diese Bahnräder eher als Werbekampagne er Bahn.

  2. Klar, London wird sich durch die Finanzkrise ohnehin dramatisch verändern. Ich meine, vom Austin Martin auf nen´ Rad. Da bin ich gespannt.

  3. … wenn das mal nicht rasend schnell ging – aus den 670 Mio. Euro sind in einem halben Jahr nur noch 559 Mio. Euro geworden. 111 Mio. durch Währungsschwankungen einfach mal weg …

    Inzwischen heißt ja auch der Bürgermeister Johnson und die den Bezirken pro Jahr zur Verfügung gestellten Mittel wurden von 20 auf 10 Mio. Pfund (11,2 Mio. Euro) halbiert. Und dann muss man auch noch genau hingucken, wofür diese Mittel tatsächlich investiert werden – Fahrradschnellstraßen kenne ich in London keine einzige – im Gegensatz zu inzwischen mehreren hervorragend ausgebauten asphaltierten, breiten und autofreien Grünverbindungen in Berlin: jeweils größere Abschnitte der Südspange, Berlin-Kopenhagen, Berliner Mauerweg, Berlin-Usedom, Europaradweg R1. Zwar gibt es auch in London einige prima Radrouten, zum Beispiel am Regent’s Canal (http://fotos.benno-koch.de/main.php?g2_itemId=20977), die aber mit deutscher Rechthaberei (unter den Brücken nichts sehen, Kopf einziehen und unter einem Meter lichte Breite, bevor man in den Kanal fällt …) praktisch unbenutzbar wären – die Londoner klingeln einfach einmal und warten höflich, wenn sich Gegenverkehr ankündigt … 🙂

    Was die Londoner mit dem Geld hervorragend machen, ist zum Beispiel der in Millionenauflage kostenlos verteilte Fahrradstadtplan und auch sonst gute Öffentlichkeitsarbeit (London Freewheel – http://www.benno-koch.de/sky-sports-london-freewheel5). Der türkische Restaurantbesitzer in Hackney fährt zwar nicht Fahrrad, weiß aber exakt wie viele Londoner täglich Rad fahren und, dass es irgendwie sinnvoll ist („… habe leider keine Zeit!“ 😉 Bei uns seit Jahren selbstverständliche Aufgaben wie die Fahrradausbildung in der Grundschule gab es aber in London bisher nicht – jetzt wird diese aus dem (ursprünglich) 500 Mio. Pfund Programm finanziert.

    Dass Fahrrad fahren in London (natürlich auch Paris, Warschau, Stettin …) inzwischen überhaupt ein Thema, ist an sich schon sensationell – allerdings wird in London bisher auch sechmal weniger Rad gefahren als in Berlin. Die vier Mio. Euro Investitionsmittel in Berlin sind übrigens nur die aus dem Berliner Landeshaushalt – hinzu kommen verschiedene Fördermittel und Maßnahmen aus anderen Titeln, die dem Fahrradverkehr zugute kommen – zusammen bisher etwa ebenfalls um die zehn Millionen Euro.

  4. @ Benno

    Obwohl Berlin nahezu ein Fahrradparadies zu sein scheint, sind die verdammten Radfahrer unzufrieden … fucking ugly germans … ist es nicht so, Benno? Dabei müssten sie lediglich mal den ein oder anderen Leserbrief schreiben: rosa Zeiten für Radfahrer!

    Es ist wenig hilfreich, den verkehrspolitischen Mist und die Behördenignoranz schönzureden und es geht auch nicht darum, die „genügsamen“ britischen mit den deutschen Radfahrern zu vergleichen. Vergleichen wir doch lieber die Verkehrsarten: Ich stelle mir gerade einen höflich wartenden Autofahrer mit Radfahrern im Gegenverkehr vor! Grotesk, oder?

    Die Forderung nach einer gleichwertigen Behandlung des Radverkehrs ist keine Rechthaberei … ich wäre absolut entspannt, wenn die Verantwortlichen rechtlich einwandfreie, sichere und komfortable Radverkehrsanlagen/-systeme vorlegen und die Ministerien und Behörden mit entsprechenden Kampagnen die Rechte der Radfahrer den motorisierten Verkehrsindividualisten kommunizieren würden.

    Vor kurzen noch war ich in Berlin und bin mit einem Miet-Rad von Mitte zum Kottbusser Tor gefahren. Ich gebe zu, ich bin nicht ortskundig, aber die gut ausgebauten breiten asphaltierten Grünverbindungen muss ich übersehen haben, so wie mich der ein oder andere Autofahrer beinahe übersehen hätte, wäre ich am Moritzplatz auf dem Schutzstreifen geblieben. Erzähl uns doch nicht, dass diese Touristen-Freizeitstrecken irgendetwas mit Alltagsradverkehr zu tun haben!

    Und, Benno, London hat 32 Bezirke. Wenn ich Deine Zahlen zugrunde lege, wären das dann immer noch 320 Mio. Euro insgesamt für knapp doppelt soviele Einwohner! Und das vergleichst Du ernsthaft mit den 10 Mio. Euro in Berlin?

    Wenn schon die Fahrradbeauftragten beginnen, die aktuelle Lage zu verklären, an wen sollen sich die Radfahrer dann noch wenden, ohne einen demokratischen Handstand mit Überschlag hinzulegen, wenn es lediglich darum geht, den ein oder anderen Verwaltungsakt durchzusetzen?

  5. @ArVO … warum hast Du nicht einfach mal angerufen, wenn Du schon in Berlin warst – hätten wir mal gemeinsam durch die Gegend gurken und gemeinsam ein paar gute Beispiele angucken können … 😉 !

    Ich habe den Artikel auf Deiner Website gelesen – vielleicht solltest Du bei einigen Punkten vorab einfach noch mal nachfragen:

    – die Kastanienallee / Weinbergsweg ist praktisch eine Fahrradstraße, da Radfahrer in der Mehrzahl sind und die entsprechende Ausschilderung hatte ich vorgeschlagen

    – der Straßenzug ist aber auch eine Besonderheit, da die Straße im Hauptstraßennetz liegt und dort mehrere Straßenbahnen fahren (genau genommen dürfte die Fahrgastzahl der Straßenbahnen dort höher sein als die Zahl der Fahrradfahrer …)

    – ich hatte die Ausschilderung als Fahrradstraße vorgeschlagen, als Kompromiss sind die Piktogramme markiert worden – in der Unfallkommission die dies beschlossen hat, sitzen zehn Personen, das Ganze nennt man Demokratie

    – entscheidend für die Ablehnung war die Frage der Straßenbahn: „Anderer Fahrzeugverkehr als Radverkehr darf nur ausnahmsweise zugelassen werden. Dieser soll sich nach Möglichkeit auf den Anliegerverkehr beschränken.“

    Meiner Meinung nach ist die Wirkung der Fahrradpiktogramme zwischen den Schienen ähnlich – die Zahl der Radfahrer die zwischen den Schienen und damit mit entsprechendem Sicherheitsabstand zu parkenden Kfz ist gestiegen, die Zahl der Fahrradunfälle rückläufig.

    Das Thema London – um das geht es ja eigentlich in diesem Artikel – hast Du wahrscheinlich gar nicht verstanden. Ich vermute mal, dass Dich da irgendwie gar nicht auskennst und auch noch nicht mit dem Fahrrad mal kreuz und quer durch die Stadt gefahren bist? Alle Bezirke zusammen erhalten bisher pro Jahr 20 Mio. Pfund, künftig sollen es 10 Mio. Pfund für alle pro Jahr sein. London ist übrigens zwischen 2,2 und 4,1 Mal so groß wie Berlin – also je nach Betrachtung zwischen Stadt und Metropolenregion.

    Leider ist meine Arbeit und die anderer für unser Thema ein bisschen mehr als Pauschalurteile und Rundumschläge. Soweit ich weiß, bin ich auch der einzige Fahrradbeauftragte gewesen, der sich in diesem Jahr vor der Anhörung im Bundestag für die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht vor die Kameras gestellt und diese unterstützt hat. Insofern kannst Du von mir immer deutliche Ansagen erwarten, wenn es nötig ist. So lange es aber keine breite Unterstützung von Radfahrern wie Dir gibt – nämlich genau mit diesen komischen Leserbriefen bei noch immer meinungsbildenden Medien, beim Polizeipräsident oder den enstsprechenden Baulastträgern – ist es schwerer als nötig. Es sind doch ganz einfache Regeln: Umso mehr Bürger sich konkret und sachlich an der richtigen Stelle zu einem Problem äußern, umso eher wird dies in deren Sinne entschieden.

    Am 01.01.2009 wird zum Beispiel wieder das Gejammer über die Abschaffung der Mehrtagesfahrradkarte Berlin-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und die damit verbundene mindestens 50- bzw. 66-prozentige Erhöhung des Preises für (einmalige) Mitnahme eines Fahrrades losgehen – bei den zuständigen Stellen bei DB Regio, VBB oder Senat hat sich meiner Information nach niemand beschwert (siehe http://www.benno-koch.de/mehrtages-fahrradkarte_berlin-brandenburg2 ). Der einzige der sich ernsthaft beschwert hat, war Fahrradbeauftragte – und das reicht nicht immer, wenn sich sonst niemand bewegt.

    Für den Moritzplatz bin ich übrigens nicht mal im Ansatz mitverantwortlich – die Markierung ist noch vom Ende der 80er Jahre. Beim seit vier Jahren laufenden Radspurenprogramm und für die neuen Regelpläne schon eher – der Fahrradbeauftragte ist übrigens ein Berater und nicht der Senator … 😉 Neu ist zum Beispiel der Abschnitt vor dem Moritzplatz Richtung Alex: Wie hat Dir der Straßenzug Alexanderstraße (immerhin asphaltierter, nichtbenutzungspflichtiger Radweg – hat viel Arbeit gemacht, da andere Planungen schon fertig waren), Brückenstraße (das letzte Stück bis zur Köpenicker Straße wird noch markiert), Heinrich-Heine-Straße (die ursprünglich vierspurige Straße war vor der Markierung nicht gerade das Fahrradparadies) gefallen?

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