MoPed statt Fahrrad?

Jeden Monat tritt ein neues Startup mit einer motorisierten Fahrradflotte im Programm auf den Plan. Die Fachmagazine der Fahrradbranche kennen nichts anderes. Motorisierung ist das Gebot der Stunde, so scheint es. Front-, Heck- oder Mittelmotor sind die Fragen, die sich Radfahrende scheinbar heute zu stellen haben.
Obwohl von diesem Boom in Berlin bislang nicht viel zu spüren ist, bekomme ich langsam Angst, dass das vollintegrierte MoPed, mit Smartphone gesteuert, den guten alten Drahtesel verdrängt. Ist es nur noch nostalgisch die Tugenden eines alten Hollandrads zu beschwören? Vielleicht geht es dem Fahrrad ja wie es den Pferdegespannen vor hundert Jahren ergangen ist.

7 Gründe für ein Fahrad ohne Motor
Ein Fahrrad ist billig.
Es kostet weniger bei der Anschaffung und ist auch im Unterhalt günstiger als ein E-Bike. Denn:
Ein Fahrrad ist stabil.
Je weniger Technik an einem Gefährt versammelt ist, desto weniger störanfällig ist es.
Ich kann es selbst reparieren.
Das ideale Rad für alle Zwecke besitzt weder Hydraulikbremsen noch Federung, noch elektronisch gesteuerte Schaltung. Dafür kann ich problemlos zuhause einen Schlauch wechseln.
Ein Fahrrad ist leicht.
Das merk ich nicht nur beim Fahren, ich kann es auch mal Treppen tragen.
Es ist gesund.
Dafür anstrengender als fernsehen, fliegen oder Auto fahren.
Es verbraucht keinen Strom.
Tschüß Atomkraftwerke.
Es ist die effizienteste Art der menschlichen Fortbewegung.
Mit Muskelkraft fahren ist auch eine Einladung zur Entschleunigung. Fühl ich mich heute schlapp, fahr ich langsamer.

4 Gedanken zu „MoPed statt Fahrrad?

Kommentare-Feed
  1. … zumindest im Flachland

  2. In meiner Umgebung kann ich beobachten, dass das motorisierte Fahrrad kein Ersatz für das normale Fahrrad ist, sondern für das Auto. Sowas kaufen sich Menschen, die zwar grundsätzlich mal Radfahren wollen, aber (dank rein PKW-basiertem Lebensstil in Kombination mit weiteren Faktoren: Lange Wege auf dem Land / Fahwiderstände durch Hügellandschaft / Asthma) sich nicht in der Lage sehen, normale Fahrräder so nutzen zu können, dass es aushaltbar ist. Wer schonmal eine 40-km-Tour im Hügelland mit einem völlig untrainierten Mitfahrer gemacht hat, weiß, was ich meine 😉
    Daher ist der Vergleich zum Fahrrad Blödsinn – lieber sollte man das Pedelec mit dem Auto vergleichen, und da gewinnt es haushoch!

  3. Vielleicht noch ergänzend:
    Menschen, die ich kenne, die E-Bikes fahren:
    – Mehrere Menschen, die altersbedingt nicht mehr so fit sind, sich aber gerne den Wind um die Nase wehen lassen und mobil sein wollen
    – Ein Mensch mit Asthma, der auf dem Land lebt, und jetzt erstmals ohne PKW seine Kumpels im Nachbardorf besuchen oder einfach mal so eine Runde drehen kann
    – Jemand, der zwei Dörfer weiter seine Arbeitsstelle hat und daher ca. 12 km pro Weg über Land pendelt. Da er direkten Kundenkontakt hat, wäre durchgeschwitztes Erscheinen bei der Arbeit nicht hinnehmbar, außerdem soll die Fahrzeit verlässlich und möglichst gering sein.

    Alles Fälle, bei denen ein normales Fahrrad keine Alternative ist, wohl aber der PKW…

  4. Mein klassisches Fahrrad mir Bio-Motor (icke) möchte ich nicht missen. Aber daß bei meinem Lastendreirad ein Hilfsmotor dran ist, auch nicht! Und lebte ich nicht im flachen Berlin, sondern in einer eher bergigen Region zöge ich auch ein Pedelec vor, trotz der unbestrittenen Nachteile wie Gewicht und technische Komplexität.

    Andere elektronische Spielereien, womöglich noch mit „App“, sind natürlich reiner Unsinn. Da wird verzweifelt nach Problemen für die vermeintliche Lösung gesucht, wie bei fast allen „Apps“.

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