Berliner Fahrradstaffel soll vergrößert werden

Seit dem Juli 2014 ist in Berlin eine Fahrradstaffel in einem eng begrenzten Innenstadtbereich unterwegs. 20 Polizeibeamte auf 20 Treckingbikes kontrollieren den Verkehr im Gebiet zwischen Reichstag und Alexanderplatz sowie zwischen und Tor- und Leipziger Straße, verteilen Tickets für Radwegparker, lassen auch schon mal ein KfZ umsetzen und sanktionieren radfahrende Rotlichtsünder. Nach dem Abschluss der dreijährigen Testphase im Juli dieses Jahres wurde beschlossen, dass die Polizisten der Fahrradstaffel weiterhin in der City unterwegs sind. Begündung: „Die Staffel steigert die Verkehrssicherheit, verringert Unfälle und sorgt für mehr regelgerechtes Verhalten, sowohl von Autofahrern als auch von Radfahrern“, so die Unfallforschung der Versicherer, die den Modellersuch wissenschaftlich begleitete. Auch der ADFC ist von der Fahrradstaffel angetan und fordert eine Ausweitung auf insgesamt 100 Fahrradpolizisten.

Nun berichtet die Morgenpost, dass die Fahrradstaffel ausgebaut werden soll. In diesem Herbst soll die abschließende Evaluation der Staffel der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Bei dieser Gelegenheit soll nach Informationen der Zeitung die Ausweitung verkündet werden. Die Rede ist davion, das Einsatzgebiet auf die Westcity zu erweitern und das radfahrende Personal aufzustocken. Die Mopo: „Über die exakte Zahl der Personalaufstockung herrscht indes noch keine Einigkeit. Genaue Pläne sollen aber in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden.“

Berliner Morgenpost: Die Berliner Fahrradstaffel wird ausgebaut

8 Gedanken zu „Berliner Fahrradstaffel soll vergrößert werden

Kommentare-Feed
  1. Oh, nein! Dann wird das Radfahren in B ja noch teurer. 🙁 Danke, ADFC…

    1. Kann man so sehen, muss man aber nicht. Ich denke, dass gerade Polizisten auf dem Rad nötig sind, um den Perpektivwechsel für Gefährdungen von Radfahrern auch den Beamten erlebbar zu machen. Insofern fände ich auch Zivilpolizisten auf dem Rad gar nicht so verkehrt. Denn gegenüber den Uniformierten Radstreifen werden sich die Autofahrer schon benehmen. Aber, klar: So „mal eben die rote Ampel“ ist dann nicht mehr.

    2. Eine der häufigsten Fehlleistungen von Radfahrern ist das Befahren des Trottoirs. Bei sehr großer Vorsicht und sehr niedriger Geschwindigkeit wäre dies nicht schlimm, aber es pesen viele Radfahrer, nicht selten Touristen, über den Gehweg als sei die leibhfaftige Fahrradstaffel hinter ihnen her. Ich hoffe doch sehr, daß dieses gefährliche und rücksichtslose Verhalten in Zukunft häufiger teuer wird.

  2. Teuer wird das Gehweg-Radeln auch in Zukunft nie, denn die FaSta wendet ja auch nur den Bußgeldkatalog an. Und der verhängt dafür normal 10, im schlimmsten Fall 25 Euro. Rotlicht kostet dagegen mindestens 60, meist (weil schon länger als eine Sekunde rot) 100 oder mehr Euro.

    Solange dieser unsägliche Bußgeldkatalog¹ angewandt wird, bleibt die Vergrößerung der FaSta eine schlechte Nachricht! Die FaSta nimmt pro Jahr 320.000 Euro von Radfahrenden ein, von Autofahrenden nur 80.000 Euro.² Damit werden „wir“ viermal so stark belastet wie „die“, unter Berücksichtigung des Modal Split noch schlimmer. Natürlich freue ich mich, wenn die FaSta auch mal für Radspurparken ein Bußgeldchen verhängt, aber so schlimm wäre ein Spurwechsel für mich jetzt auch nicht gewesen.

    Dass Rotlicht-Compliance das Radfahren nicht nennenswert gesünder macht, ergibt sich aus der Unfallstatistik und wurde hier im Blog ja schon herausgearbeitet. Und es gibt weitere Argumente³. BTW: Haben diese Unfallforscher eigentlich klassische Verdrängungseffekte berücksichtigt? Wenn Reisegeschwindigkeit oder Kostenrisiko das FaSta-Gebiet unattraktiv machen, werde ich meine Routen verstärkt außerhalb suchen.

    Die Vergrößerung der FaSta wäre also ein guter Anlass, fahrradfreundlichere Rotlicht-Regelungen (wie z.B. in Paris) einzuführen. Oder wenigstens die Anwendung des CSU-Bußgeldkatalogs einzuschränken analog zur bisherigen „Berliner Linie“ bei Falschparken. Für den von Joshua erhofften Perspektivwechsel wäre statt festen FaSta-Personals eine Rotation vermutlich erfolgreicher, bei der viele (Verkehrs)Polizist_innen jeweils ein paar Tage im Jahr auf Fahrradstreife gehen. (Das dürfte auch unsere Fluchtchancen verbessern, falls Vorschlag 1 nicht umgesetzt wird, hähä.) Bisher aber nehme ich die FaSta vor allem als FateuerungsStaffel wahr. Jeder Jubel über Vergrößerung oder gar Wunsch nach Einsatz in Zivil entspringt wohl eher Wunschdenken, in der Realität bleiben das halt Polizist_innen, auch wenn sie auf dem Fahrrad unterwegs sind. 🙂

    ¹ Warum z.B. kostet Gehwegradeln 10 Euro, Fahrbahnbenutzung bei benutzungspflichtigem Radweg aber 20 Euro? Weil der freie Fluss der Kraftfahrzeuge doppelt so wichtig ist wie die Gesundheit der zu Fuß Gehenden?

    ² https://www.rbb-online.de/politik/wahl/berlin/agh/bilanz-der-fahrradstaffel-der-polizei.html

    ³ http://itstartedwithafight.de/2017/07/20/ich-bekenne-ich-fahre-bei-rot-ueber-ampeln/

    1. Danke, Anonymous, für diese interessanten Links. Daß Radfahrer mehr Bußgelder zahlen als Autofahrer ist völlig absurd. Vor allem, wenn man bedenkt, daß die gefährlichste Unsitte der Autofahrer das „etwas zu schnell fahren“, also 5 bis 10 km/h schneller als Höchstgeschwindigkeit, ist. Denn das wird prinzipiell überhaupt nicht geahndet.

  3. O.k. – gibt mir zu denken. Beste Grüße!

  4. Ich würde gerne noch einen draufsetzen wollen: Ich habe es in Mitte mehrfach beobachten dürfen, dass bei Rückstau die Kfz fahrende Bevölkerung gerne den Radfahrstreifen (nicht Schutzstreifen) als zweite Spur zum Rechtsüberholen nutzt. Andere Kfz, die zu weit rechts stehen und Radfahrer werden dann munter weg gehupt.

    Das führt, wenig erstaunlich, wiederum zur Verdrängung der Radfahrer auf den Gehweg. Und ratet mal, wer nun von der FaSta sanktioniert wird?

    1. Ein „Verdrängung der Radfahrer auf den Gehweg“ kann es nur geben, wenn die betreffenden Radfahrer rücksichtslos gegenüber Fußgängern sind. Radfahrer haben auf dem Gehweg abzusteigen und zu schieben und sind dann – Fußgänger.

      In Kreuzberg habe ich es sogar erlebt, daß Autofahrer auf den Hochbordradweg aufgefahren sind um den Autostau zu überholgen. Mit dem rechten Rad natürlich auf dem Gehweg, da der Radweg nicht breit genug für ein Auto ist. Bei sowas wünsche ich mir keine Fahrradstaffel, sondern die GSG9.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.