Rätselhafte Radzählstelle Berliner Straße

Im September letzten Jahres richtete die Verkehrslenkung Berlin (VLB) eine Internetseite ein, um die täglich aktualisierten Daten der 12 Berliner Radzählstellen zu veröffentlichen. Anfang Januar kamen fünf weitere Zählstellen hinzu. Neu ist auch die Zählstelle Berliner Straße im Pankower Norden. Sie stieg von Anfang an hoch in den Charts ein, in der Hitliste der beliebtesten Zählstellen liegt sie auf Platz zwei hinter dem Spitzenreiter Oberbaumbrücke, vom Jahresanfang bis gestern wurden hier bereits 186.034 Radfahrer gezählt.

In einem Punkt unterscheidet sich die Zählstelle Berliner Straße von allen anderen: hier werden erheblich mehr Radfahrer in die eine Richtung gezählt als andersherum. In der vergangenen Woche ab dem 12. Februar wurden bespielsweise insgesamt 30.977 Radfahrer gezählt. Von ihnen fuhren 20.639 Richtung Norden und nur 10.338 Richtung Süden. Exakt zwei Drittel fuhren nach Norden, nur ein Drittel nach Süden. In anderen Wochen ist das Missverhältnis zwischen Norden und Süden noch ausgeprägter, bis hin zum Verhältnis 75 % zu 25%.

Für die VLB ist es nicht ungewöhnlich, dass die Messergebnisse grundsätzlich unterschiedliche Werte zeigen: „Dieses Phänomen gibt es nicht nur im Radverkehr, sondern auch im Pkw-Verkehr. Die Menschen suchen sich ihre Wege täglichen Wege jeden Tag aufs Neue, ganz individuell. Morgens wird ein anderer Weg zur Arbeit gefahren wird, als abends, weil es beispielsweise noch zum Einkaufen oder Sport geht. Oder am Abend wird die schönere, aber etwas längere Strecke genutzt, morgens hingegen ist die Zeit eng, deswegen der direkte Weg. Nicht alle alle Radfahrenden machen alle Wege mit dem Rad, viele nutzen auch die Fahrradmitnahme in der Bahn. Diese Phänomene sind bei Verkehrszählungen bekannt und nichts ungewöhnliches.“

Mich selbst befriedigt diese Erklärung nicht und ich kann mir keinen Reim darauf machen. In einem Kommentar zu einem anderen Beitrag hat „Dackelblut“ auf ein ähnliches Phänomen an der Jannowitzbrücke hingewiesen. Er schrieb: „Ich füttere quasi täglich die Zählstelle an der Jannowitzbrücke und musste nun, dank der Radzählstelle, eine dramatische Entwicklung feststellen. Jeden Freitag und Samstag überqueren 200-300 Räder die Zählstelle Richtung Kreuzberg häufiger als Richtung Alexanderplatz. Wahnsinn. Nun stellt sich die Frage: Was ist mit den Menschen in “Bermuda” Kreuzberg passiert? Fahrrad geklaut? In Mitte geklautes Rad am Landwehrkanal vertickt? Zu betrunken, um auf dem Rückweg die Zählstelle zu “treffen”? Geheimen Promilleschleichweg nach Hause genommen? Als Klappradbiker lässig mit dem ÖN auf den Heimweg gemacht? Viele Geisterradler aus Kreuzberg am Start? Fragen über Fragen! Eine klassische X-Akte.“

Verkehrslenkung Berlin: Übersicht über 17 Fahrradzählstellen
Verkehrslenkung Berlin: Fahrradzählstelle Berliner Straße

7 Gedanken zu „Rätselhafte Radzählstelle Berliner Straße

Kommentare-Feed
  1. Vielleicht ’ne dumme Idee, aber zählen diese Zähler auch Radfahrer in der falschen Richtung?

  2. @hardwerker, dein Hinweis könte auf die richtige Spur führen. In den FAQs steht unter Technik:
    “ Frage: Wird die Fahrtrichtung der Fahrräder erfasst?
    Antwort: An Standorten mit einer Radverkehrsanlage im Zweirichtungsverkehr (z.B. Kaisersteg) wird mit einer Zählstelle richtungsgetrennt erfasst. An Standorten mit separaten Radverkehrsanlagen je Fahrtrichtung (z.B. Jannowitzbrücke) erfolgt in der Zählstelle keine Richtungsunterscheidung. Es werden auch in falscher Fahrtrichtung fahrende Radfahrer erfasst.“

    Geisterfahrer werden also mitgezählt. Es könnte sein, dass Radfahrer nach Norden fahren und dann unter der S-Bahnbrücke parken, dort gibt es die Doppelständer direkt unter der Brücke des S-Bahnrings. Wenn die dann am Abend wieder ihr Rad abholen, fahren sie vielleicht die knapp hundert Meter als Geisterfahrer bis zur Granitzstraße, statt zweimal umständlich die befahrene B96 zu überqueren. Diese Radfahrer werden dann zweimal am Tag als nach Norden fahrend registriert.

    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/lenkung/vlb/de/radzaehlungen_faq.shtml

  3. Ich denke, daß einfach sehr viele Weltumrunder unterwegs sind. Manche nach Norden, manche nach Süden. Irgendwann kommen die wieder an der jeweils anderen Zählstelle an. Geduld!

  4. Danke für den Hinweis mit den neuen Zählstellen. Hab dadurch entdeckt das es auch auf meiner täglichen Strecke – der Frankfurter Allee nun einen öffentlichen Zähler in beide Richtungen gibt. Auch dieser weist eine erhebliche Diskrepanz zwischen stadteinwärts und -auswärts auf. Auch wenn ich mir die genaue Position noch nicht anschauen konnte so lässt die Karte darauf schließen das die Zählschleife stadteinwärts an einer Stelle eingebaut wurde die fast täglich von Autos zugeparkt wird und Radfahrer zwingt in den Fließverkehr auszuweichen. Es wäre also nicht verwunderlich wenn dadurch nur halb so viele Radfahrer stadteinwärts wie auswärts gezählt werden!

  5. Die Zählstellen sind mE falsch aufgestellt und zählen in südlicher Richtung nur einen Teilstrom.

  6. @Johannes: Ich habe mir Freitag kurz vor achtzehn Uhr mal die Zählstelle Frankfurter Allee angesehen. Der Zähler Richtung Innenstadt auf der Nordseite liegt an der südöstlichen Ecke des Ring-Centers etwa da, wo der schmale Gang zur S-Bahn führt. Die Radspur war an der Stelle des Zählers mit drei Fahrzeugen blockiert und ein Fahrzeug stand mit gesetztem Blinklicht in zweiter Reihe. Da hatte kein Radfahrer die Chance, den Zähler zu treffen.

    Die VLB hat angekündigt, in ferner Zukunft einmal eine detaillierte Auswertung der automatischen Zählergebnisse zu liefern. Spätestens da dürfte herauskommen, dass manche Zähler an bestimmten Zeiten keine Radfahrer zählen, weil die Zählstelle blockiert ist.

  7. Ich bin auch einer, der den Jannowitz-Zähler nur einmal am Tag füttert. Morgens fahre ich vom Wedding über Invalidenstraße, Oranienburger, Stadtschloss, und Annenstraße zum Moritzplatz. Nachmittags immer über die Jannowitz, Alex und Linienstraße und Nettelbeck-Platz im Wedding. Das hat einfach damit zu tun, wo man rechts und links abbiegen muss. Je nach Richtung fährt sich die eine oder andere Variante besser. Außerdem ist es schöner, wenn der Weg vielfältiger ist.

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