Ergebnisse der automatischen Radzählstellen in Berlin sind jetzt tagesaktuell abrufbar

Ab heute veröffentlicht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Daten der zehn automatischen Radverkehrszählstellen zeitnah. Das heißt, dass die Ergebnisse einen Tag nach der Messung tage-, wochen oder monatsweise online abrufbar sind.

In den vergangenen Jahren hatte der Senat damit begonnen, automatische Radverkehrszählstellen zu installieren. Sie sollen die händischen Radverkehrszählungen ersetzen, die 20 Jahre an acht Stellen in der Stadt einmal im Monat durchgeführt wurden. Damit die Daten der manuellen Zählungen vergleichbar waren, wurden sie in einem recht komplizierten Verfahren wettermäßig angepasst. Je nachdem, ob es am Zähltag zu warm oder zu kalt war, nasser oder trockener als statistisch erwartbar, wurden die echten Daten mit einem Wetteraufschlag oder -abschlag versehen. Diese statistischen Kunstgriffe fallen durch die kontinuierliche Zählung an automatischen Zählstellen weg. Jetzt kann man einen Tag später wirklich feststellen, ob und wie sehr ein verregneter Tag die Radfahrer dazu bringt, auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen.

Die Daten der automatischen Zählstellen liegen für 265 Tage vor, das ist die Zeit zwischen dem 1. Januar 2016 und gestern. Damit ist es noch nicht möglich, Vergleiche zu den Vorjahren zu ziehen, aber mit jedem Tag wird das Datenmaterial reicher und aussagekräftiger. Hier die Rangliste der Fahrradzählstellen mit den kumulierten Radfahrerzahlen seit Anfang 2016:

Auf der Oberbaumbrücke fuhren seit Jahresbeginn  2.598.010 Radfahrer, das sind 9.841 Radfahrer durchschnittlich. Gestern waren es 13.770.

Zusätzlich zu den schon arbeitenden zehn Radzählstellen sollen bis Ende des Jahres folgende weitere Zählstellen in Betrieb gehen:

Mariendorfer Damm (Tempelhof-Schöneberg)
Maybachufer (Neukölln)
Berliner Straße (Pankow)
Frankfurter Allee (Friedrichshain-Kreuzberg)
Klosterstraße (Spandau)
Breitenbachplatz Steglitz-Zehlendorf
Kaisersteg (Treptow-Köpenick)

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Automatische Dauerzählstellen für den Radverkehr in Berlin

11 Gedanken zu „Ergebnisse der automatischen Radzählstellen in Berlin sind jetzt tagesaktuell abrufbar

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  1. Super. Erst letzte Woche bin ich am Paul-und-Paula Ufer langgefahren und hab mich gefragt, wann denn mal ne PM zur Nutzung rauskäme. Die haben doch schon im letzten Sommer angefangen zu zählen, aber geschenkt. Daten sind leicht zugänglich und gut aufbereitet.

  2. link?

  3. Und? Was ist denn nun daraus zu schlußfolgern?
    Macht es wirklich die ‚Infra‘, oder sind es eher die Milieus, die die Zahlen nach oben bringen?
    Mir scheint in Berlin gibt es recht drastische Unterschiede in den Bezirken, die sich über ‚Infra‘ nicht so recht erklären lassen?

  4. vermuten kann man nach den ersten Zahlen dieser ersten Zählstellen sicherlich eine gewisse korrelation zu den wahlbezirken, in denen bei der AGH-Wahl 2016 die Grünen die meisten Zweitstimmen bekommen haben. Also die gentrifizierten Innenstadtbezirke.

    Ja, und weiter? Jüngere Akademiker fahren ganz gern Rad und tun das auch, wenn die Bedingungen dafür nicht so gut sind. Andere fahren vielleicht nur dann, wenn die „Infra“ besser wird. Außerdem: In den (Ost-)Außenbezirken mag es teilweise etwas neuere Hochbord-Radwege geben, sicher sind die aber leider auch nicht. Wenn die streckenweise trotzdem funktionieren, dann rein zufällig. In Spandau oder Marzahn-Hellersdorf schon mal ne Protected Intersection gesehen?

    Die gute Nachricht: Wir sind viele und es werden immer mehr. Noch mehr mit besserer „Infra“. Wenn Radfahren wirklich Mainstream geworden ist, dann wird man das auch in den Außenbezirken mehr machen. Immerhin gibts jetzt schon mal die „Bike Bild“. Damit müssen die Kern-Mitglieder der Radfahrer-Ingroup auch leben lernen, auch das ist ein Prozess, der dauern kann.

  5. Anders als im Beitrag behauptet liegen Radverkehrsdaten schon länger vor als seit dem ersten Januar 2016. Klickt man in der Kartenansicht auf eine Radzählstelle, erscheint die Detailansicht rechts oben. Klickt man im Detailkasten auf „Einzelansicht“, erscheint ein neuer Tab mit der detailierten Statistik dieser Zählstelle und dort wird weiter zurück gezählt. Die Einzelansicht der Zählstelle Oberbaumbrücke beginnt am 1. April 2015. In den vergangenen 365 Tagen vom 22. September 2015 bis zum 21. September 2016 wurden 3.377.643 Fahrräder auf der Brücke gezählt.

    Noch weiter zurück gezählt wurde die Zählstelle Jannowitzbrücke (1. April 2015), andere Zählstellen begannen später, zum Beispiel die Zählstelle Paul- und Paula-Uferweg (1. Juni 2015).

    Die Daten belegen einen recht starken Anstieg des Radverkehrs in diesem Jahr verglichen mit dem Vorjahr. So ergaben sich auf der Jannowitzbrücke folgende kumulierte Monatswerte:

    April 2015: 214.894 Fahrräder
    Mai 2015: 273.331 Fahrräder
    Juni 2015: 290.591 Fahrräder
    Juli 2015: 308.214 Fahrräder
    August 2015: 314.159 Fahrräder
    Summe April bis August 2015: 1.401.189 Fahrräder

    April 2016: 245.360 Fahrräder
    Mai 2016: 313.942 Fahrräder
    Juni 2016: 335.112 Fahrräder
    Juli 2016: 332.653 Fahrräder
    August 2016: 317.788 Fahrräder
    Summe April bis August 2016: 1.544.855 Fahrräder

    Grob über den Daumen gepeilt ist das eine Steigerung von zehn Prozent zwischen 2015 und 2016. Fragt sich lediglich, ob dieser Zehnprozentanstieg eine Folge des stärkeren Radverkehrs ist oder ob das nur eine Folge des besseren Wetters in diesem Sommer ist.

    Nicht verstehen kann ich, wieso manche Zählstellen so stark unterschiedliche Verkehre in unterschiedliche Richtungen dokumentieren. Bei der Jannowitzbrücke fahren erheblich mehr Leute in Richtung Kreuzberg als in Richtung Friedrichshain. Okay, man könnte auf den Gedanken kommen, dass es leichter -weil bergab – von F-Hain nach X-Berg ist, aber diese Leute müssen ja auch irgendwann zurück. Nehmen die andere Wege oder fahren mit den Öffentlichen zurück? Bei der Zählstelle Jannowitzbrücke sieht es ähnlich aus, auch hier fahren mehr Räder Richtung Kreuzberg als Richtung Mitte.

  6. @kalle: die unterschiedliche Anzahl könnte evtl daher kommen, dass die Zählstelle in einer Richtung recht nah hinter einer Ampel ist und nicht alle Radfahrer erfasst, wenn welche im Pulk kommen. Wo steht die denn genau?

    Mich tät mal eine Zählstelle an der Kastanienallee (die in Prenzlberg, nicht Pankow) interessieren, war in meiner Zeit so ziemlich eine der Strassen mit dem meisten Radverkehr. Jannowitzbrücke bin ich auch jeden Tag gefahren und hatte nicht den Eindruck dass da so viel los ist.

  7. Die Auswahl gerade der zukünftigen Messstellen in den Außenbezirken wirkt aber recht willkürlich.

    Wozu braucht es in Spandau eine Zählstelle an der Klosterstraße, wenn ein paar Meter weiter der Havelradweg verläuft, den jeder Ortskundige bevorzugen dürfte?
    Oder der Mariendorfer Damm. Als Beweis dafür, dass es gar nicht so viele Radfahrer gibt? Dagegen nimmt man in Treptow eine reine Fußgänger- und Radfahrbrücke (was ich nachvollziehen, aber die örtliche Bedeutung nicht einschätzen kann).

    Generell ist das ziemlich wenig, um repräsentative Ergebnisse zu bekommen. Ich befürchte schon Ergebnisse à la „in den Außenbezirken fährt sowieso kaum jemand mit dem Rad, wieso die Infrastruktur ausbauen?“

  8. @fab

    [quote]In Spandau oder Marzahn-Hellersdorf schon mal ne Protected Intersection gesehen?[/quote]

    Der Punkt gefällt mir!
    Das stimmt wirklich, eher ist das Gegenteil der Fall – Abbiegebeschleunigungen für MIV. Mir fallen gleich auf Anhieb mehrere Kreuzungen ein, an denen Radfahrer an einer Kreuzung zwei Ampelphasen mit Mittelinsel entlang der Hauptstraße brauchen, nur damit der MIV es bequemer hat. Und wo keine Ampel ist, da wird der Fahrradfahrer eben abgedrängt.

  9. Wobei ich jetzt nicht wüsste, ob die extremen Hauptverkehrsstraßen im Osten wirklich mieser sind als die im Westen. Allerdings ist es richtig, dass man die übertrieben autofreundlichen Lösungen offenbar so bequem fand und findet und davon auf keinen Fall abrücken will.

    Wenn man weiss, wo man fährt, ist aber auch Marzahn ein kleines Fahrradparadies.

  10. @berlinradler
    Ist das so? Aus Sicht der (ganz) westlichen Bezirke gesprochen, kann ich nur ein durchmischtes Bild wiedergeben.

    Ja, abseits der Hauptstraßen gibt es schöne Wege.

    Aber meist sind die entweder (teilweise) unbefestigt bei gleichzeitiger Fußgängernutzung oder es sind normale T30-Zonen. Selbst dort sehen sich wohl viele Autofahrer in ihrem Recht auf eingebaute Vorfahrt und der Attitüde „ich muss mindestens 50 fahren, sonst bleibe ich stehen“ durch Fahrradfahrer enorm eingeschränkt.

    Aber die Mehrheit verhält sich überwiegend positiv, das muss schon auch gesagt sein.

  11. Naja über B1 / B5 im Osten muss man gar nicht weiter sprechen, das ist eine einzige Riesenfrechheit, garniert mit Bedarfsampeln und teilweise linksseitigen Radwegen. Dagegen ist sowas wie die Heerstraße ein Paradies, die ist vielleicht am ehesten mit der Landsberger Allee zu vergleichen. Die meisten anderen Hauptverkehrsstraßen sind doch überall in Berlin recht vergleichbar: Entweder miese Radwege und Ampeln, die querenden Verkehrsströmen gleichzeitig „grün“ signalisieren, oder neuerdings Radstreifen, die vermutlich recht gleichverteilt in Berlin sind. Aber schöne Strecken gibt es trotzdem fast überall 😉

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