Polizei bilanziert 5-Tage-Aktion gegen Halten und Parken auf Rad- und Busspuren

An fünf Tagen der vergangenen Woche gingen Polizei, Ordnungsamt und BVG in 40 Straßen gemeinsam auf Streife, um das Halten und Parken auf Rad- und Busspuren zu verhindern. Nun veröffentlicht die Polizei ihre Bilanz.

„Nach den polizeilich vorliegenden Ergebnissen mussten im Verlauf der fünftägigen Schwerpunktaktion insgesamt 2.304 Halt- und Parkverstöße zur Anzeige gebracht werden, in 92 Fällen sind Kraftfahrzeuge zur Gefahrenabwehr kostenpflichtig abgeschleppt worden (Zahlen in Klammern):

• Schutzstreifen für Radfahrer: 497 (31)
• Radwege: 166 (13)
• Busspuren: 432 (18)
• zweite Reihe: 398 ( 4)
• sonstige: 811 (26)“

Wenn man sich im Verband der Bergungs- und Abschleppunternehmen vorher die Hände gerieben hat wegen des zu erwartenden Extragewinns, so muss die Abschleppbranche danach festellen: viel hat´s nicht gebracht. 92 Abschleppfälle verteilt auf 40 Straßen sind gerade mal 2,3 Abschleppaufträge pro Straße und Woche. Auch die 2.304 Fälle, an denen der Schutzmann sein Notizbuch zücken musste, sind eher mau. In jeder der 40 Straßen wurden durchschnittlich 11,52 Tickets pro Tag ausgestellt.

So ist auch nicht verwunderlich, dass die Polizei die verkehrserzieherische Wirkung ihrer Aktion eher spektisch sieht:

„Ein spürbares Unrechtsbewusstsein (der verwarnten Kraftfahrer) war kaum wahrzunehmen und es ist zu vermuten, dass viele der Betroffenen ihre individuellen Interessen hinsichtlich des Haltens und Parkens auf diesen besonderen Flächen regelmäßig sorglos über die Interessen der Allgemeinheit stellen.“

„Erneut zeigte sich, dass allein die sichtbare Präsenz uniformierter Überwachungskräfte bereits sehr kurzfristig den Effekt hat, dass Fahrzeuge schnell entfernt werden und insbesondere Rad- und Busspuren zumindest vorübergehend wieder frei befahrbar sind. Genauso schnell sind diese aber auch wieder blockiert, wenn die Streifen außer Sichtweite sind.“

Immerhin verspricht die Polizei: „Die Ordnungskräfte werden auch nach Abschluss der Verkehrsaktion weiter auf das Freihalten der Radwege und Busspuren achten.“

berlin.de: Bilanz der gemeinsamen Verkehrsaktion

17 Gedanken zu „Polizei bilanziert 5-Tage-Aktion gegen Halten und Parken auf Rad- und Busspuren

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  1. Parkraumüberwachung privatisieren. Fertig ist die Laube.

    Ich melde sofort ein Gewerbe an und freue mich, wenn ich irgendwann mal mangels Arbeit den Betrieb einstellen muss.

  2. „5-Tage-Aktion gegen Halten und Parken auf Rad- und Busspuren“?

    Welche Botschaft ist das an den gemeinen Autofahrer? Ganz einfach: Die nächsten 360 Tage darf wieder nach Herzenslust falsch geparkt werden, macht euch keine Sorgen!

  3. Die Daten zeigen: Obwohl es in Berlin mehr Radwege als Schutzstreifen gibt, werden die Streifen dreimal häufiger zugeparkt als bauliche Radwege. Ein weiteres Indiz dafür, dass Farbe einfach nicht reicht, um Flächen dem Radverkehr vorzubehalten.

  4. Fragt sich noch, ob Radfahrstreifen in der peinlichen Ministatistik unter „Schutzstreifen für Radfahrer“ oder unter „Radwege“ fallen… Oder ob nicht mal die Polizei den Unterschied kennt.

    Wie auch immer sind die Zahlen das reinste Armutszeugnis für die gesamte Aktion und darüber hinaus. Lernt doch jeder Autofahrer daraus klipp und klar, daß selbst in „Aktionswochen“ parken auf Radverkehrsanlagen so gut wie sicher ungeahnten bleibt. Und außerhalb von Ihnen annähernd völlig sicher.

    Liebe Polizei: „Dankeschön“ für nichts!

  5. Das ist doch ein schlechter Witz!
    Bei einer „Schwerpunktaktion“ werden in 5 Tagen ganze 13 Autos, die verkehrswidrig auf Radwegen parken, abgeschleppt. Also weniger als 3 pro Tag.
    Das geht doch gar nicht !

  6. Naja @bikeberlin, Schwerpunktaktionen sind doch bisher fast immer so, dass am Ende was anderes rauskommt als anfangs vorgenommen.

    In vielen Fällen wird man den Halter angetroffen haben und er konnte sein Fahrzeug selbst fortbewegen und in einer der nicht von der Aktion betroffenen Straßen falschparken.

  7. Ob Verkehrsschilder auch abgeschleppt werden? 🙂 Derzeit weist man auf der Müggelheimer Straße mit einem großflächigen Schild auf eine Straßensperrung hin. Den benutzungspflichtigen Radweg hat man beim Aufstellen leider übersehen. Wäre schön, wenn vorbeifahrende Streifenwagen auch so etwas sehen würden.

  8. @ Daniel Pöhler
    Nein, der Unterschied zwischen Schutzstreifen und Hochbordradwegen kann auch durch die unterschiedliche Kontrolldichte verursacht sein. Insbesondere die Schutzstreifen sollten ja bei der Schwerpunktaktion frei gehalten werden. Vermutlich sind daher Straßen mit Schutzstreifen auch besonders häufig kontrolliert worden, bzw. es wurden mehr Abschnitte mit Schutzstreifen in die Schwerpunktaktion einbezogen, als Abschnitte mit Hochbordradwegen.

    Übrigens gibt es an der Stromstraße einen Volksentscheid-konformen Radweg rechts von der Reihe parkender Kfz. Der Radweg ist trotzdem täglich zugeparkt. Über die Zufahrten zu den Hinterhöfen ist der Radweg für Kfz erreichbar. Nur kann dort der Radverkehr nicht mehr auf die Fahrbahn ausweichen, wie das bei Schutzstreifen leicht möglich wäre. Selbst illegal über den Gehweg auszuweichen geht hier nicht, denn der Bordstein ist rechts vom Radweg und links steht die Reihe parkender Kfz.

    In den Hinterhöfen sind z.T. Gewerbebetriebe. Der Lieferverkehr quert den Radweg ohne Sichtbeziehung zum dortigen Radverkehr. Insbesondere für Kinder ist das gefährlich, da sie kleiner als die parkenden Kfz sind und für den Kraftfahrer, der den Radweg quert, nicht zu sehen sind. Kein Kraftfahrer tastet sich hier langsam vor, wie es Vorschrift wäre, sondern alle biegen ab, als wären sie alleine auf der Welt.

    Hochbordradwege sind schlecht, zugeparkt und gefährlich. Ich kann kaum nachvollziehen, warum die noch von Irgendjemandem gefordert werden!

  9. Der Radweg auf der Stromstraße ist ja offenbar nicht Hochbord. Sondern lediglich auf der anderen Seite der parkenden Autos. Aber offenbar ist das auch schlecht.

    Und jetzt sag mir doch mal @Zahlendreher, sollen die Kinder auf der Stromstraße lieber mitten auf der Fahrbahn fahren, damit die regelwidrig und unaufmerksam abbiegenden gerwerblichen Autofahrer sie dann hoffentlich besser sehen?

    https://www.google.de/maps/@52.5274615,13.3432304,3a,75y,212.08h,70.56t/data=!3m6!1e1!3m4!1svDPGYTlSeRxI_SYuaO57cQ!2e0!7i13312!8i6656

    Was ist denn jetzt Deine bessere Lösung? Faktisches Radfahrverbot für Kinder? Schutzstreifen und hartes Anti-Dooring-Training?

  10. Gutes Beispiel dafür, dass vielleicht keine Lösung voll befriedigend ist. Warum suggeriert man das?

  11. @fab @ berlinradler
    Ein Schutzstreifen wäre auf der Stromstraße die deutlich bessere Lösung als der heutige Radweg rechts von der Reihe parkender Kfz. Der heutige Radweg und die parkenden Kfz müssten dazu die Lage tauschen. Mit etwas Anpassung der Spurbreiten könnte man so einen vernünftigen Schutzstreifen mit Sicherheitsabstand gegen Dooring einrichten.

    Der Vorteil ist, dass der Radverkehr auf dem Schutzstreifen im Sichtfeld der Kraftfahrer geführt wird. Außerdem würde er im Winter vom Streusalz profitieren können und nicht als Schneeabladefläche missbraucht werden, wie das heute der Fall ist.

    Die Art der Führung ist für Radfahrer jeden Alters sicherer, da die Konflikte mit einbiegenden (querenden) Kfz ausbleiben. Diese Konflikte treten sehr plötzlich auf und können von Radfahrern nur vermieden werden, wenn sie sich ständig nach den hinter ihnen herannahenden Kfz umsehen. Kinder können das kaum bewältigen und können die Fahrbahn auch nicht einsehen. Sie sind zu klein und können wegen der Reihe der parkenden Kfz die Fahrbahn nicht einsehen.

    Dass Radverkehrsanlage von Kraftfahrern zum Parken missbraucht werden, ist in beiden Führungsformen so. Die Führeung des Radwegs rechts neben der Reihe parkender Kfz verhindert das nämlich nicht, wie immer fälschlich angenommen und vertreten wird. Radfahrer können einen Schutzstreifen zum Ausweichen verlassen. Einen Radweg rechts von der Reihe parkender Kfz aber nicht.

    Das „harte Anti-Dooring-Training“ ist auch in beiden Führungsformen ähnlich „hart“. Der heutige Radweg auf der Stromstraße hat einen Sicherheitsstreifen auf der Beifahrerseite der parkenden Kfz. Ein heutiger Schutzstreifen hat den gleichen Sicherheitsstreifen auf der Fahrerseite der parkenden Kfz.

    Die Nachteile des heutige Radwegs überwiegen doch klar die Nachteile eines Schutzstreifens. Der Radweg hat Nachteile, die ein Schutzstreifen nicht hat. Das gilt aber auch nur für die Strecke zwischen den Knotenpunkten.

    Am Knotenpunkt begünstigt der Radweg die Abbiegeunfälle aufgrund der schlechteren Sichtbeziehung. Übrigens sind auch da auch wieder Kinder kaum in der Lage, einen Abbiegeunfall vorherzusehen und zu vermeiden.

    Am Knoten ist der Schutzstreifen klar im Vorteil und überfordert Kinder auch viel weniger mit der Vermeidung der Abbiegeunfälle.

    Finde ich den Schutzstreifen „voll befriedigend“? Hm. Welche existierende Führungsform hätte denn in der Praxis weniger Nachteile?

  12. @berlinradler: Wer ist „man“?
    Eine befriedigende Lösung gibt es hier vielleicht nicht, solange da Autos fahren – aber bessere und schlechtere Möglichkeiten schon. Die Führung hinter den parkenden Autos könnte man auch verbessern, durch Aufpflasterungen/Schwellen an den Ausfahrten, farbliches Absetzen, man könnte die an Ausfahrten grenzenden Parkplätze in Radständer umwandeln und bessere Sichtbeziehungen bei weiterhin engem Einbiege-Radius herstellen

    @zahlendreher
    Wenn ich mit meinen Kindern da lang müsste, würde ich ihnen klar machen, dass sie bei den Einfahrten leider langsam werden müssen und damit rechnen, dass die Ein- und Ausfahrer nicht auf sie achten. Wäre aber doch besser, als sie von LKW auf der Fahrbahn überholen zu lassen, die möglicherweise irgendwo einbiegen wollen – denn hier hätten wir die Sicherheit doch selbst besser in der Hand. „Hartes Dooring-Training“ hier besonders weil Dooring auf der Fahrbahn tödlich sein kann und weil (große, schnelle) Überholer viele Erwachsene und erst Recht Kinder unwillkürlich Richtung Rand ausweichen lassen.

    Verbreitern und verbessern – wie Du es zu Recht für einen Streifen forderst – kann man doch auch den so einen Radweg. Zuparken ließe sich hier möglicherweise auch eingrenzen, dürfte auch wesentlich seltener sein als auf Streifen.

    … am Ende sollte man, finde ich, die Dinge nicht so dogmatisch sehen, Schutzstreifen und Radwege können an solchen Straßen beide akzeptabel sein. Auf das WIE kommt es an.

    Nur dies hier

    „Am Knotenpunkt begünstigt der Radweg die Abbiegeunfälle aufgrund der schlechteren Sichtbeziehung. “

    stimmt eben nicht immer. Bei einem Schutzstreifen musst du Schulterblicke ohne Ende machen, denn die Gefahr kommt von links hinten! Bei einer Protected Intersection mit einem Radweg, ja da gibt es Sichtbeziehungen, da hast Du Deine Sicherheit dannn selbst in der Hand.

    http://www.protectedintersection.com/

  13. @fab, versuchen kann mans. Punktuell wird man einiges verbessern. Aber Kinder eigenständig da langschicken? Glaube ich nicht dran.

    Dass die Rechtsabbiegerproblematik bei Schutzstreifen oder Fahrbahnradwegen wirklich besser ist, bezweifle ich auch. In den letzten Jahren gab es auch auf solchen Streifen schwerste Rechtsabbiegerunfälle.

  14. @ fab
    Der Radweg an der Stromstraße ist täglich an mehreren Stellen zugeparkt. Den Unterschied zu einem Schutzstreifen halte ich für marginal.

    Das kann nicht mit Pollern verhindert werden. Der Radweg ist etwa 2m breit und die Poller müssten mitten auf dem Radweg sein, um Kfz vom Parken abzuhalten. Die Hofzufahrten können überhaupt nicht gegen parkende Kfz gesichert werden. Auf den Zufahrten stehen die parkenden Kfz so, dass sie quer über den Radweg stehen. Das ist ganz schlicht die aktuelle Situation dort.

    Die Gestaltung von Kreuzungen als Protected Intersection verringert die Abbiegeunfälle auch bei Hochbordradwegen. Es kostet aber Parkplätze, Kreuzungen so zu gestalten. Ich schlage vor, dass die Forderung nach Hochbordradwegen solange nicht mehr erhoben wird, bis die erste Kreuzung in Berlin als Pilotprojekt nach dem Prinzip umgestaltet ist. Einverstanden?

    @ berlinradler
    Ja, auch auf Schutzstreifen hat es Abbiegeunfälle gegeben. Für eine Aussage, ob die Schutzstreifen sicherer sind als Hochbordradwege reichen aber Einzelfälle nicht aus. Man könnte die Unfallstatistik entsprechend auswerdten, hätte aber die Häufigkeit der Konfliktsituationen nicht enthalten. Ich kenne keine Untersuchung, die das so weitgehend betrachtet hätte. Gute Sichtbeziehungen sind aber in jedem Fall gut. Auf Hochbordradwegen sind sie nicht vorhanden.

  15. @Zahlendreher, der UDV hatte dazu letztes Jahr mal ein komplexes Pamphlet geschrieben, ich habe die genauen Schlussfolgerungen aber auch nicht im Kopf. Man muss bei ausgewerteten Statistiken ja immer höllisch aufpassen.

    Zumindest subjektiv würde ich sagen, dass Pkw an den Streifen genauso abbiegen.

    Manchmal gibts ja auch die Lösungen, dass der Radverkehr links von den Rechtsabbiegern geführt wird. Das klappt meistens ganz gut. Unter den Linden gibt es eine Stelle, wo die rechtsabbiegenden Busse dann immer auf dem Geradeaus-Radstreifen stehen müssen, weil sonst der Abbiegeradius nicht stimmt. Solche Kleinigkeiten scheint man noch nicht in die Planungen einzubeziehen.

  16. […] Polizei bilanziert 5-Tage-Aktion gegen Halten und Parken auf Rad- und Busspuren (Rad-Spannerei blog) […]

  17. Ja, Schutzstreifen in Mittellage. Gibt es an der Ecke Stromstr./Turmstr auch. Damit ist das Problem der aus zweiter Reihe nach rechts abbiegenden Kfz auch gleich gelöst. Interessanterweise wird auf der Spur auch nicht geparkt 😉

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