10.000 Radfahrer am Tag auf der Jannowitzbrücke

Richtig Radfahrer zählen ist keine ganz einfache Angelegenheit. Kraftfahrer steuern auf dem Weg von A nach B zielgerichtet die nächste Hauptstraße an, bleiben auf ihr bis kurz vor dem Ziel und biegen schließlich in eine Seitenstraße ab, um Punkt B zu erreichen. Radfahrer bewältigen die Strecke von A nach B auf ganz unterschiedliche Weise. Manche folgen dem Hauptstraßennetz, andere finden Schleichwege und Abkürzungen, grüne Pfade auf ruhigen Nebenstraßen. So richtig konzentriert ist der Radverkehr nur an Punkten, die kein Radfahrer umfahren kann.

So ein Punkt ist die Jannowitzbrücke. Radfahrer, die zum Beispiel von Neukölln nach Pankow fahren, benutzen mit hoher Wahrscheinlichkeit den Straßenzug Brückenstraße, Jannowitzbrücke und Alexanderstraße. Wenn man die Zahl der Radfahrer einigermaßen korrekt ermitteln will, liegt es nahe, sie an diesen Punkten zu zählen.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat an 13 Stellen im Stadtgebiet automatische Zählstellen gebaut, unter anderem auch an der Jannowitzbrücke. In einer Testphase konnte nachgewiesen werden, dass die Zählgeräte genau und verlässlich arbeiten. Ab sofort liefern die Zählstellen harte Zahlen und das 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Verglichen mit dem alten Verfahren ist das ein Quantensprung. Früher wurde an Zählstellen einmal im Monat manuell gezählt und das Zählergebnis in einer komplizierten Rechnung hochgerechnet, je nachdem, ob es an dem Zähltag zu warm oder zu kalt, zu trocken oder zu nass war.

Auch an der Jannowitzbrücke wird nun genau gezählt und die ersten Ergebnisse wurden gestern von der Senatsverwaltung veröfffentlicht. Danach sind am Querschnitt Jannowitzbrücke täglich durchschnittlich gut 10.000 Radfahrer unterwegs. Die Zahl der Kraftfahrzeuge an diesem Punkt beträgt 18.900 Kfz innerhalb von 24 Stunden.

An einem weiteren Zählpunkt auf der Oberbaumbrücke ist der Radverkehr noch dichter. Hier fahren durchschnittlich mehr als 12.000 Radfahrer am Tag. An diesem Punkt fahren unter der Woche deutlich mehr Radfahrer als am Wochenende, ein Hinweis darauf, dass das Fahrrad zum Alltagsverkehrsmittel geworden ist.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Zählungen des Radverkehrs – Regelbetrieb startet.

12 Gedanken zu „10.000 Radfahrer am Tag auf der Jannowitzbrücke

Kommentare-Feed
  1. Gibt es Hinweise darauf, dass diese Daten in verwertbarer Form, außer in wirren Jahresberichten, zur Verfügung stehen werden?

  2. Na da wird man sich aber sehr bemühen müssen, den Radverkehr weiter klein zu reden in dieser Stadt…

  3. OH, da wird der Steuerzahlerbund ja bald wieder was zu berichten haben. Unnütze Zählstellen….

  4. @ hardwerker: Ja, die Meldung kommt gerade recht. Nachdem selbst extra 3 sich nicht entblödet hat, einen entsprechenden Beitrag zum „Irrsinn der Woche“ zu drehen (allerdings Hamburg, da ist tatsächlich fahrradtechnisch einiges an Irrsinn zu beobachten), wartet man jetzt doch irgendwie mal gespannt auf ein paar nette Zahlen.

  5. Müsste dann der Radverkehr auf den beiden Brücken nicht auch gerechterweise die Hälfte des Platzes bekommen? (kenne Situation dort nicht)

  6. @Christoph: Das meinst du jetzt provokativ, oder? Ich verstehe ja die Grundaussage, „gerechte Platzverteilung“ – aber Halbe-Halbe wäre dann wohl nicht angebracht. Du vergißt nach der Logik z.B. die Fußgänger. Es kann ja nicht um neue Ungerechtigkeiten gehen, sondern danach was stadtverträgliche Mobilität bedeutet und wie der Raum dabei „gerecht“ aufzuteilen wäre. Der Vorteil von Fahrrädern ist ja gerade der geringe Platzverbrauch. Mehr Platz für Radverkehr und Fußgänger läßt sich gut einfordern mit Verweis auf die offensichtlich ungerechte derzeitige Verteilung, nicht mit dem Verlangen, mit Autos gleichbehandelt zu werden.

  7. stimmt schon, zu verbessern wäre die raumaufteilung aber schon:

    der radstreifen auf der brücke ist breit genug und ohne parker am rand auch relativ sicher.

    dann wird es aber enger und der streifen verschwindet einfach ohne irgend eine art der einfädelungslösung . das ist nicht akzeptabel. tempo 50 gilt dort, bei ampelgrün faktisch tempo 65.

    dann wird die fahrbahn wieder breiter und ein neuer radstreifen taucht auf. der ist für sich vielleicht gerade breit genug, läuft aber zu nah an parkenden autos entlang. fährt man mit sicherheitsabstand zu den autotühren, wird man ganz schön eng mit tempo 60 überholt. überholen sich radfahrer im streifen, dann wird es einfach gefährlich.

    also typisch neu-berliner halbarschiger murks das ganze.

    hauptproblem ist das faktische tempo 65 dort. mit durchgesetztem tempo 30 wäre das alles ziemlich entspannt. es geht also nicht nur um den raum, sondern auch um die geschwindigkeiten.

  8. zählstellen sind aber schon mal ein superwichtiger schritt.

    „die autofahrer sind immer noch die mehrheit!“ ist ja nach wie vor das hauptargument der schupeliusse.

  9. @Christoph: wie kommst du auf die 50%?

  10. dann wird es aber enger und der streifen verschwindet einfach ohne irgend eine art der einfädelungslösung . das ist nicht akzeptabel. tempo 50 gilt dort, bei ampelgrün faktisch tempo 65.

    meinst du die jannowitzbrücke? richtung kreuzberg ist der radstreifen zwar noch nicht soo lange (2013? vielleicht später, keinesfalls früher) aber inzwischen durchgehend – freilich ist er ein schmaler witz, auf dem auch gerne „gehalten“ wird. war dort ja nicht anders zu erwarten.

  11. Man muss ja die Breiten nicht strengstens nach Verkehrsanteilen aufteilen, allerdings wären Radstreifen, die für große Mengen an Radfahrern geeignet sind, schon eher eine Fahrspur breit. Nebeneinanderfahren und untereinander überholen, das sollte schon gehen angesichts so breiter Straßen wie im erwähnten Bereich.

  12. wie solche Zahlen schön für die Öffentlichkeit aufbereitet werden können zeigt sich am Beispiel Wien:
    http://www.nast.at/verkehrsdaten/

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