Fünf Minuten Chaos in der O-Straße

92 Leute hatten bei dem Facebook-Event „Erster Internationaler Falschparker-Tag“ auf „Zusage“ geklickt, bei 51 weiteren Facebook-Freunden war die Teilnahme unsicher. Gutmütig gezählt standen gestern nur zwei Dutzend Radfahrer auf dem Heinrichplatz, um einmal für wenige Minuten den Spieß umzudrehen beim Falschparken. Eine Hand voll Medienvertreter waren anwesend und die Polizei war auch am Start mit einer sichtbar geparkten Wanne. Kaum hatten die Lasten- und sonstigen Radfahrer nach einer Zuckelrunde um den Block die Oranienstraße wieder erreicht und ihre Fahrzeuge in zweiter Reihe geparkt, ging einige Minuten nichts mehr. Doppeldeckerbusse, Lastwagen, Autos und Räder waren hilflos ineinander verkeilt. Die herbeieilenden Polizeibeamten bemühten sich, Räder und Lastenräder an den Fahrbahnrand zu schieben; keine ganz einfache Aufgabe, wenn Räder und Lastenräder zusammengeschlossen sind. Nach wenigen Minuten war der Parkspuk vorbei und die Oranienstraße war wieder die ganz normale Radfahrerhölle. Positiv an der Sache war immerhin das recht große Medienecho. Eine kleine Auswahl:

Tagesspiegel: Falschparken gegen die „Radfahrer-Hölle“
Bild: Gegenschlag im Fahrrad-Auto-Krieg
Zeit-Fahrradblog Velophil: Mit den Rädern in die zweite Reihe
RTL: Am 11.02. ist Falschparker-Tag: Hat niemand ein Herz für Parksünder?  

13 Gedanken zu „Fünf Minuten Chaos in der O-Straße

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  1. Schon ulkig, die ganze Aufregung aus dem Nichts kam durch ein paar abgestellte Fahrräder zustande, die gleichzeitig beidseitig parkenden Autos (dort ist nur Be-/Entladezone) plus Zweitereihesteher haben wie immer niemanden interessiert…

  2. Schön ist der Kommentar in dem BILD-Artikel:

    Taxi-Fahrer Heinz-Ulrich Laux (57) hat für die Falschpark-Aktion der Radfahrer kein Verständnis: „Sie halten sich in Berlin generell nicht an Vorschriften. Das erlebe ich tagtäglich.“

    Einmal zeigt diese Meinung deutlich, dass auch Radfahrer, die sich sehr wohl an die StVO halten, unter den StVO-brechenden Radlern (von denen es nach meinem Empfinden leider, leider tatsächlich viel zu viele gibt) leiden.

    Zum Anderen aber, muss ich immer wieder feststellen, dass gerade auch Taxifahrer die StVO nicht kennen und offensichtlich auch keine Verkehrsschilder lesen können.

    Ich bin gestern erst wieder von einem solchen fast von der Straße geschubst worden, da ich die Busspur und nicht den Hochbordradweg befahren habe. Schon seit Jahren ist auf der Zusatztafel unter dem Busspur-Schild aber auch das Fahrrad neben dem Taxi drauf.

    Nun ja, soll ihm die Polizei das mal erklären.

  3. Ach, Taxifahrer holt den Whataboutism aus der Schublade, das ist fast schon komisch, wenn es nicht manchmal so nervenaufreibend wäre. Unsere aller Lieblingsberufskraftfahrer können ja mal bei sich selbst anfangen, das eigene Verhalten zu hinterfragen.

    Diese „Radfahrer halten sich nicht an Verkehrsregeln“-Attitüde beruht meiner Ansicht nach auch viel auf Erwartungshaltung und selektiver Wahrnehmung. Ich vermute, dass ich im normalen Straßenverkehr kaum wahrgenommen werde. Niemand wird an der Ampel neben mir stehen und denken „ach schau an, die bleibt bei rot stehen“. Nein, es werden die gesehen, die wie die Bekloppten fahren, weil man genau das sehen will.

    Ich sehe jeden Tag Autisten bei Rotlichtverstößen, Nichtanzeigen von Richtungswechseln, Telefonieren, Kippen und sonstigen Müll aus dem Fenster werfen, teildefekte Beleuchtung, Zweitereiheparken…10 min Augen aufgemacht und Ausschau gehalten und zu der Erkenntnis kommen, dass der Anteil der regelbrechenden Verkehrsteilnehmer vermutlich modusübergreifend gleich hoch ist.

  4. @kalle,

    Video von der auf dem Balkon installierten GoPro:
    https://www.youtube.com/watch?v=KoB99RB0KLw

  5. Danke für das Video!

  6. @Karsten Strupp, warum sollte die Polizei dem Taxifahrer das erklären? Hast Du Anzeige erstattet?

    @Anke, schön beobachtet. Daher ist meine subjektive Wahrnehmung ähnlich wie Deine: Autofahrer halten sich überwiegend nicht an die Regeln. Das sind dann einfach andere Regeln, aber oft solche, die wirklich gefährden oder behindern.

    Manchmal hege ich Zweifel am Verstand mancher Autofahrer. Auf Anhieb fallen mit Situationen ein, wo ich (und andere) angehalten haben. Sei es wegen einer roten Ampel, sei es wegen eines Zebrastreifens, oder wegen eines Blautlichtfahrzeuges – nicht mal, dass alle anhalten, lässt bei manchen die Alarmglocken läuten, es wird einfach weitergefahren.

  7. Das Video fand ich auch sehr interessant, denn ohne dieses konnte ich mir nicht vorstellen, wie die Fahrräder mehr sperren konnten als ein Zweite-Reihe-Parker.

  8. @berlinradler,

    Tun sie nicht. Die 4 Räder und eine Rikscha nehmen so viel Platz ein wie ein Sprinter. Wären wir mit einem solchen vorgefahren, hätte kein Hahn danach gekräht, ein bisschen Gehupe vielleicht, aber bestimmt kein Erscheinen der Beamten nach gefühlten Sekunden.
    Die Situation war unbestellt auch so, dass selbst ohne Fahrradparker ausreichend Falschparker herumstanden, wer das Fass nun zum überlaufen brachte, ist wohl Ansichtssache.

  9. Ja ok Anke, ich habe mich doof ausgedrückt. Aber Du scheinst auch etwas mehr aus meinen Bemerkungen zu lesen als ich geschrieben / gemeint habe 🙂

  10. Das lag nicht in meiner Absicht.

  11. Video-Update #2: Der Director’s Cut
    https://www.youtube.com/watch?v=SqSUN5kk8e8

  12. Gut gemachtes Video. Dass die Polizei da so fleissig mitgemacht hat, um die Absurdität ihres eigenen Handelns noch zu unterstreichen – besser hätte es ja gar nicht laufen können,

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