Fahrerflucht nach Unfall zwischen Radfahrer und Fußgänger

Zu einem schweren Verkehrsunfall zwischen einem Fußgänger und einem Radfahrer kam es gestern Vormittag in Zehlendorf. Als der Mann im Alter von 70 Jahren gegen 10.45 Uhr am Teltower Damm aus einem Bus der Linie 285 ausstieg und an der Haltestelle den Radweg überquerte, wurde er von einem Radfahrer erfasst und stürzte. Die Feuerwehr brachte ihn mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen in ein Krankenhaus. Der Radfahrer flüchtete.

Pressemeldung der Berliner Polizei Nr. 1500 vom 24.06.2014

Zu diesem Verkehrsunfall sucht die Polizei Zeugen. Hinweise nimmt der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 4 unter der Telefonnummer (030) 4664 – 481 800 entgegen.

Der § 20 der Straßenverkehrs-Ordnung gilt auch für Radfahrer:

§20 StVO Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse

(1) An Omnibussen des Linienverkehrs, an Straßenbahnen und an gekennzeichneten Schulbussen, die an Haltestellen (Zeichen 224) halten, darf, auch im Gegenverkehr, nur vorsichtig vorbeigefahren werden.

(2) Wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, dass eine Gefährdung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Sie dürfen auch nicht behindert werden. Wenn nötig, muss, wer ein Fahrzeug führt, warten.

23 Gedanken zu „Fahrerflucht nach Unfall zwischen Radfahrer und Fußgänger

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  1. Mal so ne Frage. Wie ist das, wenn der Busfahrer einen halb überholt und dann an der Bushaltestelle anhält? Dann sollte er ja eigentlich auch die Verpflichtung haben die Türen erst dann zu öffnen, wenn der Radfahrer der NEBEN ihm ist schon vorbei gefahren ist?

  2. @Axel, der Unfall ist anders gelagert. Ich denke zudem, dass eine solche Pflicht des Busfahrers, wie Du sie beschreibst, nicht besteht. Denn der weiterfahrende Radfahrer ist in Deinem beschriebenen Fall derjenige, der einen Fehler macht.

    Natürlich sind solche Unfälle besonders ärgerlich, da man auf die Radfahrer eben besonders genau schaut und ein rabiat umgefahrener Fußgänger alle Vorurteile bestätigt. Von links zu kommen ist dabei besonders fies, da man beim Übertreten des Radweges eher nach rechts schaut.

  3. ausgesprochene widerlinge gibt es natürlich auch auf fahrrädern und nicht zu knapp. aggressives geisterradeln plus unfallflucht in so einem schlimen fall ist da schon ein highlight.

    insgesamt fallen mir aber in den letzten jahren aggressive radfahrer ohne rücksicht auf fußgänger wesentlich stärker auf. ob wegen des zunehmenden radverkehrs oder weil ich mit kleinkind unterwegs bin – ich weiß es nicht. hab mich aber bei gelegenheit schon in sehr unangenehmen auseinandersetzungen wiedergefunden. ich sehe es auch nicht ein, in einem park ständig mein kind hochzureißen und zur seite zu springen – ich stell mich tendenziell eher schützend davor.

    wie dem auch sei: die hochbordradwege zwischen bus und -haltestelle sollte man lieber heute als morgen wegen ihrer akuten gefährlichkeit zumachen. nicht nur die benutzungspflicht aufheben, sondern richtig sperren.

  4. @fab, ich stimme Dir zu. Auf Mischwegen wie am Rummelsburger Ufer oder im Tiergarten sehe ich oft auch mit Bestürzung, wie manche Radfahrer die Fußgänger behandeln. Da gibt es große Analogien zum Verhältnis Auto – Fahrrad: Ohne Not werden Fußgänger ohne Abstand überholt und in knappen, engen Situationen wird nicht gewartet. Leider haben manche kein Verständnis dafür, dass sie Ängste bei anderen auslösen. Gerade bei Kindern wird das gefährlich, denn die denken beim Herumspringen natürlich nicht an mögliche herannahende Nahfeldradler.

    Das schlechte Benehmen vieler Radfahrer gegenüber Fußgängern ist nicht umsonst ein häufiges Argument von Fahrradhassern. Und leider hat es den Anschein, dass jeder Anstieg der Fahrradnutzung zunächst auf dem Bürgersteig stattfindet und die Leute sich erst langsam an eine normale Fahrweise herantasten. Leider muss man beobachten, dass offensichtliche Anfänger (niedriger Reifendruck, falsche Sattelposition) sich in ihrer Fahrweise eher an schlechten Vorbildern orientieren.

  5. @Berlinradler. Klar war dieser Unfall anders gelagert. Ich habe aber eben die grundsätzliche Frage gestellt, wie es sich eben in der von mir beschrieben Situation verhält. Ist mir nämlich schon passiert und wo soll ich denn hin, wenn ich grade neben dem Bus bin?

  6. Ganz toll übrigens die vollbehelmten Sicherheitsfreaks, die 20cm an Kleinkindern vorbeizirkeln oder die Kegelbrüder, die bei der Sternfahrt um Familien rumheizen.

    Ich denke, es hilft nur konsequentes Gegenanstinken. Wenn ich so einen Blödmann treffe, ob als Fußgänger (schlechte Chancen, weil man halt zu langsam ist) oder Radfahrer, rüpel ich den an. Es fehlt zwar nie an Nachschub, solange der Radanteil wächst, aber ich gehe davon aus, dass alle irgendwo lernfähig sind und nach ein paar mal Gegenwind ihr Verhalten ändern. Ohne Gegenwind – keine Bewußtwerdung, ohne Bewußtwerdung keine Verhaltensänderung. Die echten Arschlöcher, die es drauf anlegen, bekommt man allerdings nur mit der Polizei von der Straße. Das ist kein großer Unterschied zu den kriminellen Autofahrern. Deshalb: bitte bitte schickt endlich die Radstaffeln los.

  7. @ berlinradler: Ja, Rummelsburger Ufer an einem freundlichen Tag ist sehr lehrreich… leider.

  8. So ein Axxx. Man kann doch nicht einfach in aussteigende Fahrgäste reinbrettern, dabei jemanden umnieten und dann noch abhauen!!
    Mit 70 ernste Kopfverletzungen, hoffentlich wird das wieder gut.

    Solche Leute erweisen den Radfahrern in der Tat einen Bärendienst. Dass die Führung eines Radweges in der Nähe einer Haltestelle Bullshit ist, ist auch keine wirklich Entschuldigung.

  9. @Axel, zwischen den Türen halten 🙂 Mit Schrittgeschwindigkeit darf man zudem weiterfahren, wenn keiner ein- oder aussteigt. Kann mir jedenfalls grad keine Situation vorstellen, in der man nicht wirklich stehenbleiben kann – muss aber dazusagen, dass ich solche Situationen auf meinen Wegen nicht oft habe.

  10. @ Michael S. Der Ruf nach der Fahrradstaffel ist leider kompletter Unsinn. Wenn es die gäbe würde sie auch in zehn Jahren nicht einen dieser Unfälle verhindern bzw. „aufklären“ können. Das Einzige was wir von einer Fahrradstaffel erwarten dürfen sind sinnfreie und nervige Speichenreflektoren-Zähl-Kontrollen, mit denen die Staffel ihre Existenzberechtigung dokumentieren muss.
    .

  11. @Timeless79: Da bin ich anderer Meinung. Die geplante/bestehende (?) Fahrradstaffel soll angeblich aus freiwilligen, rad-affinen Polizisten bestehen und nichts mit diesen Typen zu tun haben, die alle paar Wochen mal das Dienstrad zur Kontrolle an einen Radweg schieben und sich von gestoppten Radlern über die technischen Geheimnisse eines Nabendynamos aufklären lassen müssen. Die werden also fahrenderweise genauso die Radrealität kennen bzw. im Dienstalltag erleben, wie andere auch. Das wird sicher auch nicht ohne Folgen für die bisher ziemlich einäugige Wahrnehmung bei der Polizei bleiben – aber es wird hoffentlich auch diesen Vollpfosten ab und an eine Lehre sein, die solche Unfälle wie diesen hier verschulden.

  12. Das Medienecho zu diesem Unfall ist auch mal wieder sehr entlarvend. Kaum passiert sowas mal, holt man die Radlrambo,Rowdieradler und Konsorten wieder aus dem Mottenschrank, war doch der Mediendiskurs in letzter Zeit eher Versönlicher, darf man nicht vergessen, dass uns da draussen ein Krieg auf der Straße herbeigeredet werden muss, warum auch immer :/

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2184170/Radfahrer-als-Bedrohung-fuer-Fussgaenger%253F?bc=kua884718;kua446#/beitrag/video/2184170/Radfahrer-als-Bedrohung-fuer-Fussgaenger%3F

  13. Nachtrag, der Ansatz auf die Straße zu verweisen ist hingegen neu 😉

  14. Und BZ-Kolumnist Gunnar Schupelius nimmt diesen Unfall zum Anlass, (mal wieder) Nummerschilder für Fahrräder zu fordern:

    http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/gunnar-schupelius-mein-aerger-fahrraeder-brauchen-ein-nummernschild

  15. Der Fußgänger ist jetzt verstorben, der Radfahrer immer noch nicht ermittelt:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-zehlendorf-mann-nach-unfall-mit-fahrradfahrer-gestorben/10122354.html

    Ich hoffe, sie finden das Arschloch.

  16. Schrecklich – man rechnet mit einigem bei einer Busfahrt, aber nicht mit so einem schlimmen Unfall mit tödlichem Ausgang.

    Nun könnte man sagen, dass Radwege nicht in den Wartebereich an Bushaltestellen passen, was ja auch stimmt. Andererseits halte ich mich damit zurück, da das wie eine Ausrede und nach Verständnis für das grobe Fehlverhalten des Radfahrers klingt. Und Leute, die so fahren wie der Unfallverursacher, tun das wohl unabhängig von irgendwelchen Markierungen.

    Radfahrer – auch Ihr fahrt ein Fahrzeug und habt Sorgfaltspflichten – insbesondere gegenüber Fußgängern. Immer dran denken.

  17. Zunächst finde ich es schlimm, dass es Menschen gibt, die sich so rücksichtslos verhalten. Hier möchte ich aber eines klar stellen. Es gibt bei allen Arten von Verkehrsteilnehmern rücksichtsloses, verantwortungsloses und
    verkehrswidriges Verhalten, ob bei Fußgängern, Radfahren, Autofahrern oder Lastwagenfahrern. Aber das Fehlverhalten hat entsprechend der Art der Fortbewegung unterschiedliches „Gefährdungspotenzial“! Ein Auto/ LKW hat nun mal mehr Wucht! Es bleibt festzuhalten, dass es an den Menschen selbst liegt rücksichtsvoll und verantwortungsbewußt miteinander umzugehen. Hier sollte unbedingt angesetzt werden.
    Darüber hinaus bin ich persönlich sehr ungerne auf Radwegen unterwegs, die auf einer Straße verlaufen. Auch hier fühle ich mich häufig ziemlich unsicher und gefährdet. Ich fahre lieber auf „gesicherten“ Radwegen. Hier obliegt es mir selbst auf meine Sicherheit zu achten und ich bin nur unwesentlich von anderen abhängig!

  18. Heute sind von der Polizei Fahndungsbilder veröffentlicht worden, wobei auffällig ist, daß der Radfahrer recht langsam fährt, wenn der Kinderwagen im Hintergrund als Vergleich hinzugezogen wird.

  19. Als Ergänzung zu Martin D.s Beitrag hier der Link zu den Bildern: http://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.144870.php

  20. Die Aufnahme ist aus einem anderen Bus als dem, aus dem das Unfallopfer ausstieg. Daher kann man über die Geschwindigkeit zum Unfallzeitpunkt wohl wenig sagen. Man weiss nicht mal, ob die Aufnahmen vor oder nach dem Unfall gemacht wurden.

    Der Tagesspiegel schrieb, dass der Radfahrer in falscher Richtung auf dem Radweg unterwegs war, das stimmte dann wohl nicht (?)

  21. Und noch ein Nachtrag: Ich würde anhand von Google Streetview behaupten, dass die Videoaufnahmen aus der Clayallee Ecke Potsdamer Straße, Fahrtrichtung Süden stammen. Ohne Gewähr!

    Das ist direkt vor der Kreuzung und somit resultiert die Schrittgeschwindigkeit wohl aus einer roten Ampel.

  22. … Unfälle wie dieser müssen nicht passieren, mein Beileid an die Angehörigen des Fußgängers.

    Aus diesem Fall sollten wir aber auch einiges lernen. Schön wäre es, wenn die etablierten Medien mehr als 15 Jahre nach der StVO-Fahrrad-Novelle mal mitlesen würden.

    Fahrerflucht von Radfahrern ist nur halb so häufig wie die von Autofahrern. Das hat einen einfachen Grund: Radfahrer zählen bei einem Zusammenstoß häufiger zu den Verletzten.

    Sicherlich interessant dürfte der Gerichtsprozess werden, da der Radfahrer ja ganz offensichtlich langsam und auf dem Radweg gefahren ist – wie man auf dem Video sehen kann. Allem Anschein nach war es ein Unfall, wie er bei umkehrten Vorzeichen in Polizeipressemitteilungen ganz anders kommuniziert wird: „Der Lkw-Fahrer konnte nichts sehen“, „Der Autofahrer konnte nicht bremsen“, „Der Radfahrer war plötzlich irgendwie da“ …

    Interessant ist auch, wie wenig über die eigentliche Ursache geschrieben wird. Die Radwege in Zehlendorf entsprechen bekanntermaßen in der Regel weder den Mindestbreiten, haben gefährliche Kanten zu den Gehwegen, führen im Kreuzungsbereich gerne irgendwo versteckt lang und die Oberflächen sind einzige Betonstein-Holperpisten – und sind eben auf dem Gehweg irgendwie Teil des selbigen. Aber genau jener Gehweg ist in Zehlendorf oft eben für Radfahrer benutzungspflichtig.

    Die Berliner Morgenpost schreibt heute, das Unfallopfer sei „auf dem Gehweg“ von dem Radfahrer erfasst worden. Vermutlich war es der benutzungspflichtige Radweg – am Teltower Damm gibt es ja auch an den schlimmsten Engstellen wie im S-Bahnbereich gescheiterte Versuche Radfahrer von der Straße auf den Gehweg zu zwingen.

    Noch schlimmer als diese Altlasten sind aber die benutzungspflichtigen Neubauten für Radfahrer quer durch den Haltestellebereich. Absolutes Negativbeispiel sind die ein Meter Untermaß-Radweg quer durch die wartenden Fahrgäste an der Kastanienallee in Prenzlauer Berg. Gemessen an der Anzahl der Fahrzeuge ist Fahrradverkehr hier die vorherrschende Verkehrsart – und die Kastanienallee müsste als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Von angeblichen Fahrradfreunden gegen erhebliche Widerstände wurde jedoch ein Meter schmaler Radweg durch Haltestellen durchgesetzt. Wie Ihr Euch sicherlich noch erinnert, war der Berliner Kurier hier der Meinung, wer ganz normal auf der Fahrbahn und nicht durch die wartenden Tram-Fahrgäste fährt, hätte ein Rad ab. Jetzt ist der Kurier im aktuellen Fall in Zehlendorf immer noch der selbsternannte Welterklärer. Nur entgegengesetzt.

    Konkret ist das falsche Einfahren von Kfz in den Haltestellenbereich der Grund, warum in Berlin nach und nach viele Tram-Haltestellen so umgebaut werden, dass Autos nicht mehr rechts an der stehenden Tram vorbeifahren können. Radfahrer werden mit neuen benutzungspflichtigen Radwegen genau hier – und an Bushaltestellen sowieso – gezwungen, zusätzliche Konflikte mit immer auf dem Radweg wartetenden Fahrgästen auszutragen.

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