Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt EU-weite BI Tempo 30

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will die Europäische Bürgerinitiative „30km/h – macht die Straßen lebenswert!“ unterstützen. Das Volksbegehren möchte Tempo 30 zur Standardgeschwindigkeit innerorts in allen Ländern der Europäischen Union machen. Bis zum 23. November 2013 müssen dafür eine Million Unterstützungsunterschriften gesammelt werden. Zur Zeit kann man das Begehren nur online unterstützen. Der Bezirk will deshalb Unterschriftenlisten in den Bürgerämtern auslegen.

Berliner Zeitung: Für Tempo 30 auf allen Straßen
Europa-BI Tempo 30

10 Gedanken zu „Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt EU-weite BI Tempo 30

Kommentare-Feed
  1. man kann sich die engl. Listen von der Webseite ausdrucken.

  2. Ist mir egal, dauerhaft schaffe ich mit dem Fahrrad sowieso nicht mehr.

  3. Wenn es tatsächlich statt der 50 km/h Regelung eingeführt wird, gilt die Grenze ja nur für Kraftfahrzeuge, auch wenn aus Sicherheiz- und Haftungsgründen auch für Radfahrer oft auch niedrigere Geschwindigkeiten angezeigt wären. Im Grunde könnte man also genauso weiterradeln wie bisher, sicher und dann auch nachts schneller als (legaler) Kfz-Verkehr.

  4. @Rad-Recht. Die Legalität schmälert dann leider schon den Spaß an den Blitzern. Aber wenn das Gesetz sowieso geändert wird, kann man hoffen, dass künftig auch Fahrräder einbezogen werden.

  5. @kl:
    Warum sollte man hoffen, dass Radfahrer einbezogen werden? Versprechen Sie sich davon so signifikante Sicherheitsgewinne, wie durch eine Begrenzung des Kfz-Verkehrs auf 30 km/h?

    Bisher gelten alle Geschwindigkeitsbegrenzungen für Radfahrer, außer generell 50 innerorts/100 außerorts. Das weiß kaum jemand, schafft aber auch kaum jemand. Die die es schaffen, sind fit. Fit sind sie durch viel Training. Viel Training heißt viel Erfahrung. Viel Erfahrung sollte in Anbetracht der Knautschzonen und des direkten Fahrbahnfeedbacks hoffentlich vor überhöhten Geschwindigkeiten besser schützen, als Gesetze.

    I.Ü. soll es mir egal sein, sofern es die „gleiche Rechte für alle“-Fraktion befriedigt, gelten auch diese generellen Tempolimits für Radfahrer. Historisch kann ich mir die Differenzierung ohnehin nur damit erklären, dass niemand außerhalb von Radrennen solche Geschwindigkeiten für möglich hielt.

  6. @Rad-Recht. War ironisch gemeint.

  7. @Kl:
    Oh, auf dem Auge war ich nach 20 Stunden am Rechner gerade blind, nichts für ungut.

  8. Ich bezweifle den Sinn einer pauschalen Tempo-30-Regelung, wie sie die BI fordert.

    Das wird dazu führen, dass Autofahrer die Geschwindigkeitsbeschränkung an vielen Stellen als Schikane empfinden und entsprechend die Geschwindigkeit überschreiten, wo immer das risikolos erscheint. Ähnliche Psychologie wie bei Radfahrern, die schikanierende Überweg-Ampeln bei Rot überfahren, wenn sie sich sicher wähnen.

    Auch Tempo 30 scheint recht willkürlich zu sein. Besser wäre Tempo 25, weil das der Normalgeschwindigkeit von Mofas, Pedelecs und schnellen Radlern entspricht. Diese könnten dann auch mitten auf der Fahrbahn fahren, weil sie ja nicht legal überholt werden dürften. Enormer Sicherheitsgewinn.

    Unterschätzt wird von der BI offensichtlich auch die Wirkung einer Kollision bei Tempo 30 bzw. bei Überschreitung meist Tempo 40. Kinder können dabei nach wie vor schwerstens verletzt oder getötet werden. Und Schutz von Kindern ist ja das Hauptargument der BI.

    Statt einer Pauschalregelung wäre es besser, sich an den straßenbaulichen und verkehrsmäßigen Gegebenheiten zu orientieren.

    Man könnte zum Beispiel festlegen, dass innerorts Tempo 25/30 für die rechte Spur gilt, wenn keine ausreichend breite Radspur oder kein direkt an die Fahrbahn anschließender breiter Radweg besteht. Weitere Spuren Tempo 50. Automatisch eingeschlossen wäre dann natürlich auch die Tempobegrenzung entlang direkt
    an der Straße geparkter Autos. Und praktisch auch in allen Wohngebieten, weil diese ja im Normalfall keine mehrspurigen Fahrbahnen oder breiten Radwege haben. Ideale Bedingungen für einen relativ sicheren Mischverkehr, der üblicherweise auf der rechten Fahrspur stattfindet.

    Ausnahmen: Tempo 25/30 an Unfallschwerpunkten und nachts zur Lärmreduzierung. Tempo 50 auch ohne die obigen Beschränkungen in verkehrsarmen Außenbezirken und Industriegebieten, sofern die Straße breit genug für Sicherheitsabstände zwischen Autos, Radfahrern und Parkern ist.

    Eine differenzierte Regelung hätte auch den Vorteil, dass eine vernünftige Fahrradinfrastruktur, wie wir sie in Holland haben, und damit der Fahrradanteil gefördert würde. Wer eine Straße komplett schnell haben will, müsste eine Radspur oder einen Radweg anlegen. Oder die Straße als Autostraße deklarieren und parallel eine Radstraße oder einen Schnellradweg bauen.

  9. @kl, wir haben ja derzeit das unsinnige System, dass auf dem übergeordneten Straßennetz, also allen Hauptstraßen, Tempo 50 gilt und darunterliegende Höchstgeschwindigkeiten nur gesondert begründet angeordnet werden dürfen. Mit Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit wäre das anders. Tempo 50 auf Hauptstraßen wäre noch möglich, müsste aber nachvollziehbar begründet werden.

    Ein Restrisiko tödlicher Verletzungen besteht leider in jedem Verkehrssystem, auch bei den als sicher geltenden Zügen und Flugzeugen. Niemand kann ernsthaft das Ziel formulieren, dass es absolut keinen Verkehrstoten mehr geben wird – das im Vergleich zu allen anderen Verkehrssystemen sehr hohe Sterberisiko des Straßenverkehrs muss aber drastisch gesenkt werden.

    Gerade für Fußgänger, die im Polizeijargon „unachtsam die Fahrbahn überqueren“ – eine sehr häufige Unfallart – würden sich hier große Vorteile ergeben. Die hohe Tempo-30-Zonen-Quote hat ja die Zahl der Verkehrstoten in Berlin bereits drastisch reduziert, von ca. 150 pro Jahr in den 90ern auf jetzt ca. 40 pro Jahr. Außer Tempo 30 wüsste ich jedenfalls keinen weiteren Faktor, der die Totenzahlen so reduziert haben soll. Wir haben also ein nachweislich wirksames Mittel, setzen es aber nicht ein.

    Tempo 30 ist in meinen Augen das effektivste Mittel für Sicherheit im innerstädtischen Straßenverkehr überhaupt. Ich werde meine Unterschrift auf jeden Fall geben.

    Wichtig wäre zudem, die zahlreichen Abbiegeunfälle zu verringern, die „grüne Ampeln“ für Radfahrer und Fußgänger zu einer absurd-gefährlichen Posse machen.

  10. @Berlinblogger: Sicher ist es sinnvoll, die BI zu unterstützen. Schon aus strategischen Gründen. Immerhin werden dann EU-Poliker, Experten und Lobbyisten gezwungen, sich mit den Möglichkeiten der Temporeduzierung ernsthaft zu befassen. Und auch wenn dabei
    suboptimale Regelungen herauskommen, was in der Politik ohnehin normal ist, wird sich die Unfallsituation gegenüber heute verbessern. Aber man sollte natürlich ein Optimum an Verbesserung
    anstreben und da scheint mir eine sehr gut begründete Differenzierung, wo Tempo 30 und wo Tempo 50 gelten soll, unvermeidlich. Aber vielleicht kommen die Experten ja dann zu
    einem vernünftigen Ergebnis, das allen Seiten gerecht wird. Mal abwarten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.